Welche Sprache soll ich lernen? Chinesisch? Japanisch? Spanisch? Italienisch?

17 Antworten

Oftmals sind Sprachen keine Vernunft- sondern eine Herzensentscheidung. Und selbst Vernunftentscheidungen können gerne schiefgehen. Bei mir ging es in der Schule um Latein oder Französisch als zweite Fremdsprache in der 7. Klasse. Der Latein-Lehrer konnte Latein sowohl was den Spaß-Faktor angeht, aber auch den praktischen Nutzen (Latinum Pflicht für naturwissenschaftliche Studiengänge wie Medizin oder Biologie, leichteres Lernen von allen romanischen Sprachen wie italienisch oder spanisch, die alle ihre Wurzeln im Latein haben). Heute, mehr als 15 Jahre nach Schulabschluss, habe ich nichts davon gebraucht. Medizin habe ich nicht studiert, sondern Informationstechnik, spanisch oder italienisch habe ich auch nicht gelernt, da es für mich einfach keine Relevanz hatte und zwischenzeitig habe ich so viel davon vergessen (man kann es ja nicht mehr täglich anwenden, in Italien würde man ziemlich blöd angeguckt, wenn man jemanden mit "Salve Frater" anredet), dass ich nur noch sagen kann: "Cum mea latino ad finis sum - Ich bin mit meinem Latein am Ende". Aber Spaß hat's gemacht und das darf ja in der Schule ruhig auch mal was zählen.

Was deine Auswahl angeht, ist es auch eher ein wenig eine Herzens-Auswahl. Der "Kopf-Faktor" hängt aber auch davon ab, wie du dir deine Zukunft vorstellst. Italienisch und Spanisch können viele schon. Ein Alleinstellungsmerkmal im Beruf ist es nicht mehr und ganz ehrlich rechne ich diesen Ländern auch nicht die allergrößte industrielle Relevanz zu. Und in den Touristengebieten spricht jeder englisch oder gar deutsch. Es gibt jedoch auch einige große Industriezweige dort und da tut man sich mit der Sprache der Einheimischen schon leichter.

Schwedisch und Finnisch braucht man nur, wenn man seinen künftigen Lebensmittelpunkt dort sieht. Als Tourist oder Geschäftsreisender kommt man in den skandinavischen Ländern hervorragend mit Englisch weiter, dank vieler untertitelter Filme mit englischem Originalton in Kino und Fernsehen sprechen die Finnen, Schweden und Norweger oftmals besseres (akzentfreier ;-)) Englisch als der Engländer oder Amerikaner ansich. Will man dorthin auswandern, ist die Landessprache natürlich schon wichtig und schon alleine ein Zeichen des Integrationswillens.

Japanisch lerne ich selbst, aber erst im "hohen" Alter von 35 und somit erst seit kurzem. Der Hintergrund ist mein starkes Interesse für Japan generell und auch das Alleinstellungsmerkmal, Japanisch zu sprechen, was durchaus hilfreich sein kann, wenn man für einen deutschen Ableger einer japanischen Firma arbeitet. In den Ballungsräumen in Japan wie Tokio, Kyoto oder Osaka kommt man recht gut mit Englisch klar. Die meisten japanischen Geschäftsleute sprechen auch gut Englisch. Der Englisch-Unterricht in japanischen Schulen ist allerdings teilweise noch realitätsfremder, als der Latein-Unterricht in deutschen Schulen und somit kann man auf dem Lande, wo es dann auch keine englisch "untertitelten" Wegweiser mehr gibt, mit Englisch schon mal ganz schön vor den Hammer laufen. Viel interessanter noch als Japanisch einfach so zu lernen: Japanisch zu lernen von einem Japaner und neben der Sprache auch etwas über die Umgangsformen zu lernen, die oftmals wesentlich wichtiger sind, als einfach nur die Sprache. Japan ist ein hochtechnisiertes Industrieland und hat viele Ableger großer Firmen in Deutschland. Von daher mit sicherheit eine industrierelevante Sprache, wenn auch nur eine kleine Sparte.

Gleiches gilt für China. Zwar ist China im Moment noch das Land, das billig die japanischen und deutschen Entwicklungen bauen muss und dabei auch schon mal kopiert und nachbaut, aber es gibt auch immer mehr chinesische Eigenentwicklungen und auch hier finden sich immer mehr chinesische Firmen in Deutschland. Und Chinesen gibt es ja mehr als genug, als dass man der Sprache auch eine große demagogische Relevanz zusprechen muss. Auch hier gilt, die Sprache kannst du erst, wenn du sie nicht nur sprechen kannst, sondern auch die zugehörigen Umgangsformen kennst.

Türkisch und Arabisch sind erst mal sicher schöne politische Statements. Ich bin zwar auch der Meinung, dass der Gast die Landessprache seines Gastgeberlandes sprechen können soll und nicht umgekehrt, es ist aber auch eine schöne Geste von Gastgeberfreundschaft, dem Gast auch sprachlich ein wenig entgegenzukommen. Gerade in Zeiten, wo man von Pegida und Co nur noch aufgehetzt wird, ist es wichtiger, denn je, sich mal mit Türken und Arabern zu unterhalten, weil man dann erst feststellt, mit was für herzlichen und netten Leuten man es da hinter der für uns hart und aggressiv klingenden Sprache wirklich zu tun hat. Zudem gewinnt gerade der arabische Raum immer mehr an Industrie-Relevanz. Ölförderung und Ölgeld sind an einem Hochpunkt und werden künftig zurückgehen, die Araber pumpen ihre Öl-Milliarden im Moment in neue Industriezweige - mit Technologie und Know-How Made in Germany!

Das stimmt !

Ein Beispiel:

In Düsseldorf gibt es mittlerweile ca. 360 chineische (Huawei, ZTE, Yingli Solar, Air China, China Bank usw.) und ca.480 japanische Firmen (Toshiba, Toyota, Mitsubishi, Shisedo usw.), die einen erheblichen Anteil daran haben, dass Düsseldorf eine der reichsten StädteDeutschland und Europas ist

0

es ist aber auch eine schöne Geste von Gastgeberfreundschaft, dem Gast auch sprachlich ein wenig entgegenzukommen. 

Darf ich das so verstehen, dass die Deutschen im eigenen Land mit den türkischen Gästen türkisch zu reden haben? Bitte überprüfen sie ihr statement noch einmal auf Plausibilität.

0

Russiangirl15, er sagt doch extra noch: "Ich bin zwar auch der Meinung, dass der Gast die Landessprache seines Gastgeberlandes sprechen können soll und nicht umgekehrt, "!!!!

0

Eine Antwort, die ich schon einmal auf eine aehnliche Frage gegeben habe:

Erstmal solltest du klaeren, ob du diese Sprache nur zum Spass lernen willst oder ob du dich spaeter damit bewerben moechtest, weil du sie aktiv im Berufsalltag anwenden moechtest.

Ist letzteres der Fall, dann sollten sicherlich 4-6 Jahre und mehr eingeplant werden, um auf ein einigermassen berufstaugliches Niveau zu kommen. Bezogen auf europaeische Sprachen waere das ungefaehr das C1-Niveau des europaeischen Referenzrahmens fuer Sprachen. Da kann man dann mehr oder weniger davon ausgehen, dass der Sprecher kaum mehr Schwierigkeiten im Umgang mit der Sprache hat. Bei 'exotischen' Sprachen muss man dann immer gucken, inwiefern man das System des Referenzrahmens anwenden kann, da bestimmte Umstaende (beispielsweise eine komplexe Schrift) keine genauen Zuordnungen mehr erlauben. Da muss man sich dann nach alternativen Bewertungskriterien umschauen. Zu eigentlich allen grossen Sprachen gibt es offiziell und fast ueberall anerkannte Tests, die man ablegen kann, um sein Sprachniveau bewerten zu lassen. Das ist eine gute Selbstkontrolle und macht sich gut im Lebenslauf. Beim Erlernen einer Sprache, sollte man zumindest einmal einen solchen Test gemacht haben.

Das gilt uebrigens auch fuer Englisch, Franzoesisch und andere Sprachen, die man in der Schule lernt. Nach der Schule ist man naemlich nicht wirklich sofort bereit dafuer, mit den dort gelernten Sprachen aktiv in den Berufsalltag einzusteigen.

Dann musst du klaeren, welche Sprache dich wirklich begeistern kann. Es dauert lange, bis man in einer Sprache einigermassen gut ist und gerade exotische Sprachen haben haeufig eine sehr flache Lernkurve. Das gilt vor allem fuer Sprachen, die sich vom Typ her extrem von der eigenen unterscheiden. Stimmt da die Motivation nicht, dann hoert man ganz schnell wieder auf.

So muss man beispielsweise als Deutscher, der Chinesisch lernt, vom Satzbau her kaum umdenken und kann bereits nach den ersten Lerneinheiten eigenstaendig neue Saetze konstruieren, die vielleicht nicht sehr komplex sind, aber abhaengig vom Basisvokabular doch schon sehr kreativ sein koennen.

Jemand, der Koreanisch, Japanisch oder Tuerkisch lernt, wird es da objektiv nicht so einfach haben. Starke Unterschiede im Satzbau und bei der Verwendung bestimmter Wortgruppen, erschweren hier den Prozess erster eigener Satzkreationen. Bei den Sprachen besteht die erste Zeit oft nur daraus, dass man Hauptwoerter austauscht, ohne das man an anderen Stellen eines Satzes grossartig rumspielen kann, beispielsweise weil man noch nicht weiss, wie Verben gebildet werden oder wie bestimmte Satzteile miteinander verknuepft werden. Oft schraenkt hier auch das europaeische Denken staerker ein, als bei anderen 'exotischen' Sprachen.

Gemeinsam haben fast alle 'exotischen' Sprachen, dass man sich aus dem Vokabular kaum etwas vergleichend ableiten kann. Wo man im Englischen noch schnell von 'house' auf 'das Haus' kommt, ist es bei Sprachen, die gar nicht mit der eigenen verwandt sind, bedeutend schwieriger, sich einen Wortschatz anzueignen. Oft kommt auch noch eine neue Schrift hinzu, die gleichzeitig gelernt werden moechte.

Man muss hier also viel Zeit und Geduld mitbringen und auch das ein oder andere Motivationstief wird man bei diesen Sprachen ganz besonders ueberwinden muessen. Ist man dazu bereit, dann kann eine solche Sprache eine Bereicherung sein, ist man nicht bereit, dann ist es nur frustrierend.

Wenn du eine neue Sprache lernen moechtest, dann such dir auf jeden Fall einen Sprachkurs oder zumindest einen dich begleitenden Lehrer. Auch wenn man noch so von sich ueberzeugt ist, man merkt einem Fremdsprachenlerner sehr schnell an, ob er alleine gelernt hat oder nicht -- die Alleinelerner bringen es hier in der Regel nicht bis in den Bereich der Fortgeschrittenen. Gerade die ersten Jahre darf man nicht unterschaetzen.

Da Motivation subjektiv ist, spare ich mir einen konkreten Vorschlag. Ein Tipp ist jedoch, sich seine Sprache nicht unbedingt danach auszusuchen, wie beliebt oder zukunftsorientiert sie im Moment ist. Das kann man mit in Betracht ziehen, sollte aber nicht ausschlaggebend sein, denn nur wenn man sich ueber Jahre hinweg motivieren kann, kann man sehr gut werden und nur wenn man sehr gut ist, kann man seine Kenntnisse auch beruflich nutzen.

Nimm Spanisch! hab das als dritte Fremdsprache nach Englisch und Latein und mir gefällt es wirklich gut. Spanisch ist auch sehr, sehr weit verbreitet auf der Welt (Spanien, Lateinamerika, auch teilweise in USA). Das ist sehr subjektiv, aber ich finde Spanisch einfach unglaublich schön. Am Anfang ist es auch wirklich einfach zu lernen, vor allem, wenn man schon andere Fremdsprachen kann. Es ist noch besser, man macht es als dritte Fremdsprache, da es mit Latein oder Französischkenntnissen noch einfacher ist. Aber auch als zweite Fremdsprache sicherlich gut.

Nimm das, was dich interessiert, dann bist du motivierter und lernst die Sprache besser. Ich würde Chinesisch empfehlen, die Grammatik soll sehr einfach sein, das schwierige sind wohl die ganzen Zeichen. Von Türkisch würde ich eher abraten, weil die Grammatik ganz anders ist, Wörter die hier getrennt werden, werden dort zusammengefügt. Wie geht es dir heißt z. B, Nasilsin (ich glaube ohne i-Punkte) außer es interessiert dich.

Wenn es für dich auf einen Schwierigkeitsgrad ankommt, dann würde ich behaupten, dass Finnisch und Chinesisch ziemlich schwierig sind - Schwedisch keine Ahnung, Türkisch auch nicht, aber ich weiß, dass Arabisch und Japanisch wirklich einfacher sind als die meisten glauben. Arabisch scheint ja wirklich easy zu sein (ich kenn welche, die das jetzt fließend sprechen und überhaupt keine Verständigungsprobleme im Nahen Osten haben), und Japanisch lern ich selber. Gut, die (Sprach-)Kultur beinhaltet ihre großen Rätsel, nach wie vor. Aber dadurch, dass es im Gegensatz zum Chinesischen noch Hiragana und Katakana gibt, vereinfacht sich das Lesen ganzer Sätze um ein Vielfaches: Da kannst du manche komplizierten Kanji schon aus dem Kontext erraten. Grammatik ist an sich kein Hexenwerk. Und es macht Spaß.

Viel Erfolg bei der Auswahl und beim Lernen!

Was möchtest Du wissen?