Was schreiben ehemalige Stasi-Mitarbeiter in ihren Lebenslauf?

30 Antworten

Ich hab Anfang der Neunziger mal ein Buch gelesen von einem westdeutschen Journalisten, der das Phänomen Stasi erforschen wollte. Leider weiß ich weder den Titel des Buches noch den Namen des Autors mehr. Dieser sprach mit Tätern, Führungsoffizieren und Opfern, deren Namen er aus den Stasi-Akten hatte. Was er da schrieb und was ihm da erzählt wurde (ehemalige Stasis erzählten voller Stolz, wie sie die Leute ausgetrickst hatten, Schlösser knackten, Hausbewohner weglockten oder anderweitig beschäftigten, damit diese von einer Wohnungsdurchsuchung nichts mitbekamen oder wie sie sich in das Vertrauen von Leuten schlichen, die sie ausspionieren wollten. Natürlich wurde alles protokolliert - Ordnung musste schließlich sein.) Dieser Autor schrieb, dass er sich für einen guten Menschenkenner gehalten habe, aber so gute Lügner unter den Stasis gefunden habe, daß er ihnen selbst geglaubt hätte, wenn er es nicht von anderer Seite her besser gewusst hätte. Also - IMs hatten ja ganz normale Berufe, da fällt das in der Biographie gar nicht auf. Und offizielle Mitarbeiter - die schreiben dann eben Armee oder Polizei oder etwas Erfundenes hinein. Am besten erfährt man die Wahrheit, wenn man die Unterlagen der Birthler-Behörde anfordert (sofern diese noch vorhanden sind). Auf Merkmale wie An-die-Nase-Fassen kann man sich nicht verlassen. Man kann damit sogar völlig danebenliegen, wie ein Beispiel aus der Schule meiner Schwester zeigt:

Dort gab es einen Lehrer, den alle verdächtigten, der Stasi zuzuarbeiten. Er war wohl etwas grantig und verschlossen. Nach Einsicht der Stasi-Unterlagen nach der Wende stellte sich heraus, dass dieser Lehrer der einzige Lehrer an der ganzen Schule gewesen war, der sich allen Anwerbeversuchen der Stasi widersetzt und niemals mit ihr zusammengearbeitet hatte.

Na zum Glück kann nicht jeder dahergelaufene "Bürgerrechtler" einsicht in Akten nehmen! Also brauchst DU (Fragesteller) gar nicht drüber nachdenken, ggf. jetzt Akteneinsicht über deine Mitarbeiter beantragen zu wollen!

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@bigheizer1975

Kurz nach der Wende konnten m. E. auch Journalisten zu Forschungszwecken Einsicht in die Stasi-Akten nehmen, heute geht das nicht mehr. Größere Betriebe bzw. Behörden konnten vor einiger Zeit Bewerber noch auf Stasi-Vergangenheit überprüfen lassen, bevor sie sie einstellten; wie es heute damit aussieht, weiß ich nicht. Was für ein Glück für die Ex-Stasis aber auch, wenn das nicht mehr gehen sollte. Dann können sie evtl. beim Verfassungsschutz weiterhin die "dahergelaufenen Bürgerrechtler" bespitzeln und ihnen den Berufsweg verbauen, wenn diese ihnen nicht die Füße küssen. Seltsam, dass kein Despot oder seine treuen Vasallen sich je vorstellen können, dass sich der verachtete "Pöbel" die Fußtritte eines Tages nicht mehr gefallen lässt.

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Probier es aus, und immer schön darauf achten, ob sie sich an die Nase fassen!

Falls sie sich an den Kopf fassen sollten, solltest du umdenken. Das hätte dann etwas mit dir zu tun.

pppft ... meinst das wüßten die nicht ?

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Das ist doch für richtige clevere Angehörige des Ministeriums keine Problem gewesen sich einen Lebenslauf zu schreiben. Es ist für ehemalige DDR Bürger bekannt das in den Kaderabteilungen (Heute Personalbüros) Stasileute waren die an die damals für jeden Arbeitnehmer ein Buch für Arbeit und Sozialversicherung Pflicht war und diese lagen in den Kaderabteilungen Blanko herum,so war es kein Proplem sich eine neue Indentität mit Beschäftigungsnachweis in einen Volkseigen Betrieb zu beschaffen.Stempel um zur Beglaubigung lagen auch dabei.Wir müssen damit rechnen,das ehemalige MFS Angehörige im öffentlichen Dienst sitzen ARGE,Sozialämter ,Polizei falls sie noch im arbeitsfähigen Alter sind.Ihre Ausbildung beim MFS war ja auch Umgang mit Akten und Bürotätigkeit-also die sind fast alle sehr gut versorgt und bekommen ausgezeichnete Renten oder Pansionen.Es lebe die BRD werden sie heute denken.

Sie werden denken: "Es lebe der Klassenfeind." Denn das waren ja sämtliche Westdeutsche in ihren Augen (vielleicht die DKP ausgenommen). Nun zahlt ihnen dieser auch noch ihre fetten Renten, die sie sich vor Gericht erstritten haben.

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@Claud18

Falsch. Auch die DKP-Leute waren der Feind. Das waren Jesuslatschentäger, Nickelbrillenträger mit Rucksack und Parker, die sonst nirgends zu gebrauchen waren.

Unsere Renten haben wir beim MfS selbst erarbeitet. Danke der Nachfrage. Hier sieht man, wie neunmalkug und bärbeißig Sie sind. Ihr wolltet uns die Menschenwürde nehmen, das hat aber nicht geklappt.Weil wir eine Bastion aus Fach- und Hochschulkadern waren, kreativ denkende Bürger der DDR. Und ihr wart eine Räubertruppe, denen wir eine sozialie Hängematte spannten in der Erwartung, daß ihr etwas für den Aufbau des Sozialismus tun würdet. Aber nichts habt ihr getan. Unser Lamd ging am westlichen Konsumdenken und der Faulheit der Ignoranten zu grunde.

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@matzevalentin

Das mit der Menschenwürde gebe ich zurück. Wenn ihr den Leuten schon vorschreibt, was sie anzuziehen haben.... Bei der geballten Menschenverachtung, die aus deinen Posts spricht, bin ich heilfroh, dass ihr keine Macht mehr habt.

Auf die Bastion aus Hoch- und Fachschulkadern braucht ihr euch auch nichts einzubilden, weil ihr intelligente Leute, die nicht in euer Klischee passten (z. B. nicht in der FDJ waren), gar nicht erst zum Studium zugelassen habt. Deren Kreativität und Mitarbeit beim Aufbau des Sozialismus wolltet ihr gar nicht haben, sie konnten ja am Fließband abstumpfen (und ihre Ideen hätten eh den eingeschlagenen Trott gestört). Und wo war die soziale Hängematte in der DDR? Ich habe dort mein Leben lang gearbeitet und Steuern gezahlt, und der Lohn reichte gerade zum Leben. Im Gegensatz zu euch war meine Arbeit produktiv und hat Werte geschaffen. Und ihr habt fette Kohle dafür kassiert, dass ihr die Leute ausspioniert und gegängelt habt. Dazu eine Armee, die sich die DDR in dieser Größe eigentlich gar nicht leisten konnte....Kein Wunder, dass die DDR pleite gegangen ist.

Nun zahlt der Klassenfeind eure Renten, die lehnt ihr aber auch nicht ab.

Apropos faule Ignoranten: Die Kolonialherren haben auch über die faulen Eingeborenen geschimpft, die sich für sie nicht kaputtschuften wollten....

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@Claud18

"Nicht die Unwissenheit macht einem Probleme, sondern das, was man sicher zu wissen glaubt." Mark Twain

Meine ehemalige Klassenkameradin sagte bei unserem letzten Klassentreffen:

"Du bist doch zur Stasi gegangen, weil du Leute bespitzeln wolltest!"

So seid Ihr alle: Ihr habt euch eure Meinung gebildet und damit glaubt ihr die Weisheit mit dem Löffel gefressen zu haben. Dem ist aber nicht so.

Wo liegt nun die Wahrheit?

1978 wurde an meiner Oberschule die Arbeitsgruppe Wehrerziehung gegründet. Unser Klassenlehrer wies an: Da nehmen alle Jungs teil - keine Ausnahme. Als Seminarleiter kam dann ein Mann vom Wehrkreiskommando, der sich der Aufgabe verschrieb, alle Jungs zu Berufssoldaten-Anwärter zu machen. Nur mit großer Mühe und dem Vorsprechen unseres Direktors konnte ich meinen Berufswunsch Unterstufenlehrer beim Institut für Lehrerbildung Staßfurt verwirklichen.

Dort jedoch mußten alle Jungs eine schriftliche Erklärung in der 9. Klasse abgeben:re "Ich verpflichte mich, 3 Jahre Als SaZ (Soldat auf Zeit) aktiven Wehrdienst zu leisten - nach dem vierjährigen Studium.

Warum?

Die Arbeiterklasse hatte mir die Möglichkeit zum Studium eingeräumt und zahlte 48 000 DDR-Mark dafür. Man erwarte, daß ich meinen Beitrag zur Sicherung der DDR leiste, damit ich später sozialisische Schülerpersönlichkeiten erziehen konnte. Es käme eben auf die Vorbildwirkung an.

Als ich an die damalige Schule wieder zurückkam, wollte mein Parteisekretär mich gleich zum "ungedienten Reservistenlehrgang" einberufen - also 4 Wochen vor der regulären Einberufung als SaZ. Böse Aussprachen in der SED-Kreisleitung folgten, weil ich nicht einsah, daß ich nun noch zusätzlich diesen Käse über mich ergehen lassen sollte. Nur der Macht meines Direktor geschuldet, entging ich diesem Lehrgang.

Ich kam als Wehrdienstleistender zum MfS und dort bewarb ich mich nach zwei Jahren als Berufssoldat. Von IMs hatte ich da nichts gehört, erfuhr dann aber sehr schnell, daß sich Tausende als IMs verdingen. Aber das ist ein Thema für sich.

So war die Realität. Auch ich habe Beulen an meinem Helm, nicht nur Sie!

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@matzevalentin

Na, endlich mal ein vernünftiger Post.

Als Wehrdienstleistender zum Wachregiment "Feliks Dzierzinski"? Soweit ich informiert bin, gehörte dieses zur Stasi.

Die Verpflichtung in der 9. Klasse hätte keine Relevanz gehabt, da ihr da sicher noch keine 18 Jahre alt und somit nicht volljährig wart. Es hätte vielleicht eure Karriere ruiniert, aber weiter wäre nichts passiert. Ich habe früher 2 Jungen gekannt, von denen der eine sogar Offizier werden und der andere 3 Jahre zur Armee gehen sollte, die Eltern wollten es so. Beide hatten auch auf den Druck hin die Verpflichtung unterschrieben, aber als sie 18 waren, machten sie einen Rückzieher. Den meisten Ärger bekamen sie mit ihren Eltern, der eine flog sogar aus der elterlichen Wohnung.

Das Argument, dass der Staat das Studium bezahlt und man daher dem Staat treu ergeben sein sollte, kenne ich auch (ohne FDJ-Mitgliedschaft fehlte mir ohnehin die "notwendige politische Reife" - so stand es zumindest in meiner Ablehnung zum Abitur). Aber das finde ich übertrieben, denn nach dem Studium musste man sowieso 3 Jahre dort arbeiten, wo man hingeschickt wurde. Und da alle Betriebe dem Staat unterstanden, hat man durch die anschließende Arbeit und das geringe Einstiegsgehalt durchaus etwas zurückgegeben.

Ich frage mich - wie ist es heute? Das Studium ist heute ebenfalls kostenlos, aber keiner stellt Forderungen wie verlängerten Armeedienst (bzw. Berufssoldatentum nach Abschaffung der Wehrpflicht) usw. Zum Teil finden die Absolventen nicht einmal einen vernünftigen Job, bei dem sie über die Lohnsteuern den Aufwand zurückerstatten können. Lediglich einen Teil ihres Unterhalts müssen sie selbst finanzieren bzw. zurückzahlen, was ja in der DDR nicht der Fall war. Heute kommt aber keiner und sagt: "Der Staat hat dir das Studium finanziert, also tu was für den Staat".

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@Claud18

Heute kommt aber keiner und sagt: "Der Staat hat dir das Studium finanziert, also tu was für den Staat".

In der DDR merkte man in den Wehrkreiskommandos, daß die Nachwuchsgewinnung für militärische Berufe stockte. So blöd waren wir auch nicht, daß wir das nicht wußten. Die SED-Kreisleitung hat dann eben die Forderungen an das IfL gestellt: Ihr habt so und soviel Lehrer zu produzieren und alle Jungs haben 3 Jahre zu dienen. Fertig aus.

Ich kannte zwei Mitstudenten, die haben den Kampf gewagt, worden mit Eltern vorgeladen. Da stand die Exmatrikulation im Raum. Die haben dann aber wohl doch die Kurve gekriegt und dann doch 3 Jahre gedient.

Zur Erziehung gehört in jedem Land die patriotische und die staatsbürgerliche Erzeihung durch die Eltern. Heute wird dadrauf kein Wert mehr gelegt und die Folgen sind offensichtlich. Diese Folgen sind nicht rein zufällig. Sie wurden genauso gewollt. Niemand ist mehr bereit, die Bundesrepublik Deutschland zu verteidigen und bei staatsbürgerlichen Fragen haben die Schüler eine Glatze. Die Bundeswehr hat keine Wehrpflicht mehr. Die europäische Armee soll her und der Flüchtling soll da rein, der Deutsche eignet sich nicht mehr als Kämpfer, schon gar nicht gegen Rußland.

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@matzevalentin

Es hätte vielleicht eure Karriere ruiniert, aber weiter wäre nichts passiert.

Ja, so stellt sich ein Westdeutscher die DDR-Wirklichkeit vor. Nur mit der Realität hat es nichts zu tun. Erstmal hatten alle Jugendlichen das Ziel zwingend einen guten Beruf zu ergreifen, mit dem Mann Geld verdienen kann.Jeder war also angehalten, sich anzustrengen. Die Kollektive zogen schwache Individuen mit.

Und dann stellte sich die Frage: Kompromiß eingehen oder nicht? Auf jeden Fall hatte die Entscheidung Folgen. Drei Freunde nagelten wegen einer Fehlentscheidung eben Bretter im Sägewerk zusammen, einer buddelte Löcher auf dem Friedhof, der dritte wurde Maler in einer PGH.

Ich wollte als Lehrer G e l d verdienen. Darum ging es. Den Propagandakäse von der Erziehung sozialistsicher Schülerpersönlichkeiten hat doch niemand geglaubt. Wer einigermaßen seinen Verstand gebrauchte, der entschied sich für einen stragetischen Weg, der heute auch nicht anders geplant wird.

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@matzevalentin

In jedem DDR-Bürger steckte ein Bundesbürger, der aus ihm raus wollte...

Dieser abgewandelte USA-Vietnamkriegsspruch macht deutsch, wie unbedarft heute der DDR-Bürger gesehen wird.

Jeder Staatsbürger kann nur Diener einer Seite sein. Wir waren in der DDR insgesamt keine Idioten. Wir standen zu unserem Staat auch ohne SED, besonders wenn Kati Witt in Seoul die US-Amerikanerin beiseitedrängte und den Sieg davon trug.

Die Sportwelt liebte die Meldodie der DDR-Nationalhymne, da sie immer wieder zur Siegerehrung gespielt wurde. Dann waren wir in der DDR stolz auf unser Land. Das verstehen die Westdeutschen nicht. Müssen sie auch nicht. Es reicht, wenn wir es verstehen.

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@Claud18

Als Wehrdienstleistender zum Wachregiment "Feliks Dzierzinski"? Soweit ich informiert bin, gehörte dieses zur Stasi.

Das Wachregiment gehörte zum MfS. Aber es gab noch 15 Bezirke und auch dort gab es in den 15 Bezirksverwaltungen des MfS sogenannte "Wacheinheiten", in Magdeburg gab es die Wacheinheit "Robert Korb" mit 600 Soldaten auf Zeit (SaZ). Leider wird die regelmäßig vergessen.

Übrigens: In der DDR sagte niemand Stasi. Nur unsere Feinde im Westen. Man sprach vom MfS und vom sozialistischen Sicherheitsorgan der DDR, welches die feindlichen Auswirkungen westlicher Geheimdienste bearbeitete.

Erst 1990 war Marcus Wolf die erste, der das Wort vom DDR-Geheimdienst aussprach. Vom Selbstverständnis des MfS war es kein Geheimdienst, sondern ein Abwehrorgan gegen imperialistsiche Geheimdienste.

Heute will sich an diese DDR-Rechtswirklichkeit nur niemand mehr erinnern. Aber so war es.

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@matzevalentin

Wir haben in der DDR schon immer "Stasi" gesagt, auch in unseren Witzen in den 70er Jahren. Das war die volkstümliche Abkürzung für Staatssicherheit. Die anderen Ausdrücke waren die offizieller Stellen, die sagten ja auch "antifaschistischer Schutzwall" und nicht "Mauer" wie wir. Und die Leute im Westen habe ich auch nie als Feinde angesehen. Schließlich hatten wir dort Verwandte und Bekannte und bekamen zumindest zu Weihnachten Pakete mit Raritäten und schicker Kleidung (selbst wenn diese gebraucht war).

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@Claud18

Klar. Sie sind halt auf einem Trittbrett im Wind der Westpropaganda mitgesegelt. Meine Sekretärin erklärte mir 1990, daß sie immer Ostzone gesagt hat. Ach so, entgegnete ich, dann weiß ich ja warum die überall angeeckt bist und manche einen Bogen um die machten. Ich riet ihr, ihre Stasiakte zu ordern. Dann las sie, was sie alles für dummes Zeug angestellt hatte und warum sie nicht zur EOS zugelassen wurde. Weil sie die Stirn hatte, bei der Zeugnisausgabe nach der 12. Klasse demonstrativ bei der Nationalhymne sitzen zu bleiben. Ganz ganz schlau. Letztlich haben wir alle die DDR erlebt, geliebt und erlitten - jeder auf seine Weise.

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@Claud18

... die sagten ja auch "antifaschistischer Schutzwall" und nicht "Mauer" .

Ich sagte "Grenzbefestigung" und eckte damit nicht an. Ganz Schlaue wollten mutig sein oder besser hielten sich für mutig, waren aber übermütig, wagemütig, naiv.

Beim MfS haben wir kein Blatt vor den Mund genommen. Wir haben reale Probleme glashart beim Namen genannt. Wir hielten Gorbatschow für einen naiven Abenteurer, der an Narzismus erkrankt war. Faktisch war er ein Idiot, der Warnungen des MfS und KGB ignorierte und auch die westlichen Geheimdienste merkten das und verarschten ihn nach Strich und Faden. Heute jammert er rum.

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@matzevalentin

Schließlich hatten wir dort Verwandte und Bekannte und bekamen zumindest zu Weihnachten Pakete mit Raritäten und schicker Kleidung (selbst wenn diese gebraucht war).

Die Ostpakete konnten die Westelbier von der Steuer als "Interzonenhilfe" absetzen. Darüber sprachen sie aber nicht, auch nicht, daß sie die Tütensuppen und den Geha-Füller im Sonderangebot kauften und deshalb das "Westpaket" billig war. Erst schnüffelten die westlichen alliierten Geheimdienste drin rum, dann erst das MfS.

Die "gebrauchte Kleidung" der Wessis ist legendär. Abgetragene Klamotten schickte man einfach gen Osten, denn An- und Verkaufsläden gab es nicht in der BRD zur damaligen Zeit. Der eine Onkel beging Republiksflucht und saß dann wegen Brandstiftung im Westknast. Der andere Onkel wurde als Bauunternehmer Millionär.

Seine Frau lief im 60er-Jahre-Mantel rum und bettelte um jeden Cent ihren Mann an. Den Strauß für meine Mutter klaute er vom hiesigen Friedhof. Er sagte: Von nichts kommt nichts. Wenn er mir ein 50-Pfenning-Stück leiht, will er 5 DM wiederhaben. Großkotzig stand er vor unserer Anbauwand und forderte Erbstücke heraus. So habe ich den Clown Dolly 1990 beim Wiedersehen nach 40 Jahren erlebt.

Die "lieben Verwandten aus dem Westen" ist nichts weiter als ein verlogener DDR-Mythos, weil wir auf Westwaren aus waren, die uns Westdeutsche schicken mußten. In Wahrheit sind die Wessis westdeutsch mit Ellenbogen erzogen worden.Eine arrogante selbstverliebte Großkotzelite, die selbst Opfer des kapitalistischen Systems geworden sind.Freundschaften haben sich nach dem Wiedersehen nicht entwickelt.Der Snob aus dem Westen rümpfte die Nase, weil sein Bruder Kampfgruppenoffizier und Hauptmann der DVP war, sein Sohn Oberleutnant des MfS. Seine Frau sagte mir unter vorgehaltener Hand, daß sein eigener Sohn Agent beim US-Militägeheimdienst sei. Ja so war das mit den Westverwandten.

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@matzevalentin

Solche Verwandtschaft im Westen hatte ich nicht, aber auch niemanden bei der Kampfgruppe oder beim MfS. Und wenn das Westpaket auch nur Dinge von Aldi enthielt und von der Steuer abgesetzt werden konnte, gefreut habe ich mich trotzdem.

Ohne Gorbatschow stände der "antifaschistische Schutzwall" wohl noch heute und ich hätte niemals so in der Weltgeschichte herumreisen können wie ich es heute tue. Westkontakte wären auch noch reguliert worden. Aber ich hätte dann garantiert irgendwann einen Ausreiseantrag gestellt.

Jetzt kenne ich Leute aus aller Herren Länder und muss mich nicht mehr heimlich umsehen, weil der Kontakt mit ihnen womöglich verboten ist. Ihr habt da oben überhaupt nicht mitgekriegt, dass die Bevölkerung so nicht mehr leben wollte und ja schon im Sommer 89 viele über Ungarn abgehauen sind.

Man kann ein Volk nicht auf Dauer einsperren und sein Leben regulieren. Das versucht derzeit z. B. Eritrea, und jetzt sind es vor allem die jungen Eritreer, die in Scharen ihr Land verlassen.

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@Claud18

Wir lebten in einem anderen Gesellschaftssystem. Da galten andere Norman. Die Ideologie überlagerte alles. Imunisierungen durch Propaganda, daß die gesellschaftliche Entwicklung "wissenschaftlich" erforscht sei und man die Wahrheit auf seiner Seite hatte wurde täglich propagiert. Wer es nicht begriff, konnte demnach nur dumm oder ein Staatsfeind sein, also bösartig. Wir hatten ein Menschenbild, daß wir heranerziehen wollten. Aber das gelang nicht. Weil der Mensch biologisch auf Freiheit gepolt ist. Wir haben die Freiheit nur politisch gesehen. Das war der Fehler. Und das ging schon 1917 los. Der "neue Mensch" sollte uns die Tore zu einer paradiesischen Gesellschaft öffnen. Gegner der SED-Politik waren Idioten in unseren Augen, da sie nicht dumm waren, sondern arrogant, konnten sie nur staatsfeindlich sein. Wir lebten in der"Epoche vom Übergang vom Kapitalismus zum Sozialismus". Der Westen war faul und parasitär, mußte überwunden werden. Tja, am Ende stellte es sich als Irrtum raus. Nun ist der Sozialismus wieder Utopie.

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Ich war nie bei der Stasi habe aber einen Nachbarn der dort war. Der ist jetzt Polizist und das kam so:

Damit er seinen Lebenslauf und seine Qualifikation schreiben konnte mußten erstmal belastende Unterlagen vernichtet werden. Dann holte er sich eine Auskunft bei der StasiUnterlagenbehörde.

Danach wußte er genau, welche Geschichten er erfinden mußte, um nicht aufzufallen. Ein wirkliches Problem war es nicht, dass er angeben mußte, dass er bei den Fernmeldeämtern (FBA) der DDR gearbeitet hat, bekanntlich waren dort 30% Stasi Mitarbeiter. Die Telekom hat ihn aufgrund einer Bewerbung nicht eingestelt, warum weis er bis heute nicht. Deshalb ist er bei der Polizei. Interessanterweise hat er es geschafft bei wwwikipedia die Beschreibungen der Organisationsstrukturen der Fernmeldeämter in der DDR an den üblichen Strukturen in der BRD anzugleichen. So gesehen ist seine Bewerbung fast gar nicht zu durchschauen, meint er, freut sich diebisch darüber. Nur die Telekom konnte das.

Völlig dummes Zeug. In den Fernmeldeämter arbeitete lediglich 1 IM. Der schaltete auf Anweisung im Wählersaal den Anschluß auf die Kreisdienststelle, wo dann in einem separaten Raum ein Tesla-Tonband stand und die Gespräche aufnahm. Dann gab es noch den "Mitarbeiter I", der im Falle des Verteidigungsfalls die Führung übernahm. Und der Chef des Postamtes war IM und der Chef der Nachforschungsabteilung.Also lediglich 3 Leute. Und so war überall es in der DDR. Diese Menschen arbeiteten in u n s e r e m Interesse in der DDR.

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Mein Vater hat immer geschrieben "Bewaffnete Organe, Leutnant", er war in Berlin im Fernsehturm, also so ne Art Terrorabwehr, dort hat er dann auch meine Mutter kennengelernt, die dort, ja damals gab es ein Postamt unten im Fernsehturm, frisch nach der Lehre dort arbeitete. Das gab wohl erstmal Stress mit seinem Vorgesetzten, der im Büro wohl explodiert ist deshalb.

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