Was passiert wenn der Tod an der Wand hängt?

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16 Antworten

Leider kenne ich keine wissenschaftliche Studien. Vielleicht solltest du die Frage nochmal bei wer-weiss-was.de stellen, dort halten sich ab und zu Experten auf, die das möglicherweise wissen.

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Ich kann dir nur meine Meinung dazu sagen.

Diesen Film (Die Tür der Versuchung, Trailer: http://www.kino-zeit.de/filme/trailer/the-door-in-the-floor-die-tur-der-versuchung) habe ich auch gesehen.

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Im Unterschied zu einer Ahnengalerie, Bilder von längst verstorbenen Familienmitglieder, die Ehrenplätze an die Wand bekommen, ist hier ein ganzes Leben der verstorbenen Kindern auf unzähligen Fotos zu sehen.

Ich sehe diese Bilder als Protestschrei der Eltern, als Weigerung die Wahrheit anzunehmen und Abschied zu nehmen. Nicht der Tod hängt an der Wand, sondern das Leben.

Und wenn die Bilder als eine Art Kult, als Altar und in Überzahl im Leben der Familie präsent sind, dann kann ich mir sehr gut vorstellen, dass sich das negativ auf Entwicklung der Kinder auswirkt.

Auch dass sich die mögliche Depression (wie im Film bei der Mutter des Mädchens) und die Trauer der Eltern auf die nachfolgenden Kinder negativ auswirkt und/oder überträgt. Dass die sich vielleicht einsam fühlen oder nicht wichtig oder nicht gut genug, weil auch nicht in der Lage den Eltern Trost zu sein.

Ich könnte mir weiter vorstellen, dass die Kinder in einer Art von vergeblichen Konkurrenzkampf zu den verstorbenen Kindern antreten und um Gunst der Eltern buhlen. Dass sie den Tod fürchten, weil der als Mahnmal und als Schreckgespenst allgegenwärtig ist und ihre Eltern in den Krallen hält.

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Das Mädchen in dem Film war noch sehr jung, so könnte man nur orakeln wie sich das Ganze auf sie in erwachsenen Alter ausgewirkt hat.

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Dass ein solcher Verlust etwas ganz Schlimmes ist, das ist unbestreitbar. Ich mag mir gar nicht vorstellen welche Schmerzen das den Eltern bereitet(e).

Dass sie sich aber ihren verblieben ("neuen") Kindern zuliebe nicht helfen lassen und in ihrem Leid leben bleiben, das finde ich sehr traurig.

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Die Mutter in dem Film hat ihr Kind verlassen und hat sich mit den Bildern ihrer verstorbenen Kindern aus dem Leben der Tochter entfernt, weil sie sich nicht in der Lage fühlte, ihr eine gute Mutter zu sein.

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In echtem Leben gibt es psychologische Hilfe, Trauergruppen, die dabei behilflich sind mit der Trauer fertig zu werden oder damit umzugehen.

Auch Kinder, die mit der Trauer der Eltern, mit dem Tod selbst und mit dem eigenem Leid, der daraus hervorgeht, nicht zurecht kommen, sollten sich am besten von Fachkräften helfen lassen.

Wie stark das die Kinder beeinflusst, ist sicher nicht so einfach pauschal zu sagen. Ich kann es mir aber nicht vorstellen, dass Kinder unbeschadet davon kommen, wenn die Eltern in ihrer Trauer verharren und in solchen Ausmaß, wie in dem Film trauern.

Es ist sicher eine schwere Bürde, manche zerbrechen daran, manchen gelingt es aus der Situation heraus zu wachsen.

Was immer hilft, ist den Blick nach vorne zu richten, sich stark zu machen und sich selbst zu achten, das Leben auszufüllen mit schönen Dingen und guten Menschen und das Hier und Jetzt so gut es geht zu genießen.

roma2701 04.11.2010, 21:19

Danke für deine unglaublich gute Antwort, liebe Aurata! Wahrscheinlich ist es für solche Kinder tatsächlich sehr wichtig ihr Leben intensiv und ausgefüllt zu leben, schließlich ist es nicht ihr Leben, das an der Wand hängt. Ich frage mich auch, wie und ob man den Eltern helfen könnte. Sollen sie das Leben abhängen und Abschied nehmen, oder ist es nicht leichter und angenehmer zu protestieren - vor allem wenn das Leben so grausam ist.

PS: Ich finde deine Antworten einfach toll! :-)

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aurata 05.11.2010, 11:45
@roma2701

..."sehr wichtig ihr Leben intensiv und ausgefüllt zu leben"...

Ja, das ist eine hilfreiche Maßnahme - nicht nur für Kinder.

Ich denke nicht, dass man geliebte Menschen, die man verloren hat einfach so mit bloßen abhängen der Bilder verabschieden kann. Man muss aber auch nicht jemanden Bild anschauen, um ihn in Herzen zu tragen.

Den Eltern helfen kann man NUR, wenn sie sich bewusst sind, dass sie Hilfe brauchen und wenn sie Hilfe annehmen möchten.

Aber ein Kind ist nicht dazu da, den Eltern zu helfen. Vielleicht später mal als Erwachsener, wenn sich die Augenhöhe angleicht... aber als Kind ganz bestimmt nicht.

"Sollen sie das Leben abhängen und Abschied nehmen, oder ist es nicht leichter und angenehmer zu protestieren - vor allem wenn das Leben so grausam ist."

Es ist immer leichter das Jetzt aufzugeben, wenn es zu grausam ist und in einer Scheinwelt zu leben. Wenn sich der Protest in Resignation und Depression äußert und wie in dem Film die Eltern hindert dem hinterbliebenen, 'neuen' Kind Liebe und Freude am Leben zu vermitteln, dann ist es sicherlich nicht angenehmer und leichter sie in diesem Zustand verharren zu lassen.

Hier in dem Film, ist aber das Leben nicht NUR grausam: das Leben ist grausam, es nahm uns die geliebte Kinder... das Leben ist schön, es gab uns ein neues Leben, ein neues Kind.

Da man keinen Mensch ersetzen kann, entsteht hier ein Konflikt. Sind die Eltern den zweiten Teil des Satzes nicht fähig anzunehmen, dann ist Hilfe von außen notwendig.

Für ein Kind, das nichts anders kennt, als mit Tod und Leid der Eltern zu leben, ist in der Situation erst mal keine Ungewöhnlichkeit erkennbar. Ob und wie weit das Leben des Kindes beeinträchtigt wird und welche Schäden es davon trägt, stellt sich meist erst in Erwachsenenleben heraus.


Und Danke schön - auch für den Stern! :-)

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Daß der Tod zum Leben gehört, sollte zunehmend wieder selbstverständlich werden. Es ist ja nichts "Schreckliches" an sich dabei, nur die Gefühle der Hinterbliebenen mögen vielleicht so sein. Finde das gut, wie in einer Folge von "Willi wills wissen" mit dem Thema Tod umgegangen wird. Daß die Bilder von Verstorbenen irgendwo hängen, ist doch oft üblich.

ALLERDINGS ist ein kulthaftes Auseinandersetzen mit dem Tod sicher nicht förderlich, genausowenig wie ein kulthaftes Auseinandersetzen mit was Anderem.

Sobald eine solche Kultsache zum Lebensinhalt wird, stehen andere Lebensinhalte zurück.

Darin würde ich, bezogen auf Dein Beispiel, eine Entwicklungshemmung für das Mädchen sehen... aber nicht an der Tatsache, daß "der Tod" in Form von Bildern an der Wand hängt.

Auch ich erzähle manchmal von Verstorbenen, aber sie sind kein Lebensmittelpunkt.

roma2701 25.09.2010, 16:27

Klar, mit den Bildern ist es eben auch eine Frage der Dosierung. Dankeschön für deine Antwort.

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Als Kind begreift man die Dimension des Todes und der eigenen Endlichkeit mit fruehestens mit 8, 9 Jahren, glaube ich. Auch kann man sich in die Trauer der Eltern nicht wirklich hineinfuehlen. Kinder betrachten eigentlich nur, welche Auswirkungen die Situation auf sie selbst hat. Um die Geschwister trauern tut so ein Kind nicht, wenn es sie nicht kennengelernt hat.

Praegenden Einfluss duerfte weniger eine Omnipraesenz haben, als die Frage, wie die Eltern den Tod der Geschwister vermitteln. Vermitteln sie es als Problem, dann kann das so ein Kind schon schwer belasten und wohl alle moeglichen Probleme ausloesen.

roma2701 25.09.2010, 16:16

Vielen Dank für deine Antwort. Möglicherweiße begreifen Kinder, die früh mit dem Tod in Berührung kommen die von dir genannten Dimension eher? Erscheint mir jedenfalls eine plausible und wahrscheinliche Konsequenz zu sein.

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nur aus bezug auf das arme kind... ich denke es kommt drauf an.. wenn die eltern mit dem totenkult sich um die tochter kümmern und sie NICHT vernachlässigen, denke ich nciht dass es große negative auswirkungen auf ihr leben haben wird... sie wird sich ihre brüder wahrscheinlich ausmalen... vielleicht ihren freundinnen von ihnen erzählen, wie von ehcten brüdern halt... es sind ja immernoch ihre brüder...

schlecht wirds erst, wenn die eltern beginnen sich um die toten mehr zu kümmern als um die lebenden... nach dem motto, warum bist du noch am leben und die andren nicht? oder sich einfach nicht um sie ( oder den kleinen bruder ) kümmern... ich dneke, dann wirds kompliziert... die tochter wird zuerst sicherlich versuchen aufmerksamkieit zu bekommen... von ganz klein an... ein bild für mammi... dann... ein lied für pappi... bis hin zu ( je nach alter und umgebung ) diebstahl,sex ( im jungen alter ) und drogen... ja... das passiert wenn man den kindern zu wenig aufmerksamkeit schenkt... wenn die tochter ( oder der sohn ) sowieso schon eine unsichere person ist... vielleicht sogar psychisch ... ich nenns mal... labil ist, dann kann es sogar sein, dass er/sie tötet... das kann ich mir gut vorstellen... aufmerksamkeit... serienkiller in Berlin, niemand ist sicher... joa das ist aufmerksamkeit... oder vielleicht um zu sehen... wie ist denn der tod? vielleicht bringt sie sich auch slebst um, damit sie 'bei ihren brüdern' ist... wer weiß ?...

Ein gewisses Mass an Trauer ist sicher nicht schlecht, aber manche stellen sich richtige Altare in ihre Haeuser/Wohnungen. Das ist krank und diesen Leuten sollte geholfen werden. Viele koennen es alleine nicht verarbeiten u. brauchen professionelle Hilfe. Mit dieser Art, wie du sie beschreibst betreiben diese Menschen ihre Trauerarbeit. Ich denke, dass es fuer ein Geschwisterkind sehr schwer sein koennte, da es mit jemandem auch verglichen wird, der nicht mehr lebt. Das Kind weiss nicht wirklich, wie es sich verhalten soll? Wahrscheinlich werden solche Geschwister zeitig ausziehen und nie Nesthocker.

roma2701 25.09.2010, 16:17

Danke für deine Antwort. :-)

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Da mein Exmann die Klappe nicht halten kann, wissen meine Töchter, dass ich vor ihnen mehrere Kinder verloren habe (Fehlgeburten).

Damit gehen wir offensiv um. Hin und wieder spekuliren die Kids, wie es wäre, mit insgesamt 5 Geschwistern innerhalb einer Familie aufzuwachsen. Mehr aber nicht... es bleiben reine Gedankenspiele.

Beeinflusst werden sie davon nicht, da ich für mich die Trauerarbeit abgeschlossen habe und mich auf das Hier und Jetzt und meine zwei wunderbaren Mädchen konzentriere.

Für den o.g. Fall muss es für dasüberlebende Kind grausam sein. Mit Toten kann man nicht konkurrieren, da diese glorifiziert werden und scheinbar nur (wenn überhaupt) minimale liebenswerte Fehler hatten. Als Folge wird das überlebende Kind einen lebenslang Knacks in RiochtungMinderwertigkeitskomplex undGeltungssucht zurückbehalten, vermute ich mal.

roma2701 25.09.2010, 16:07

Danke für deine Antwort. Die Glorifizierung der Verstorbenen habe ich bisher noch zu wenig beachtet in meinen Überlegungen. Vielen Dank dafür! :-)

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Hallo Roma!:)

Das soll heißen: "Was passiert wenn der Tote(Bild von dem Toten) an der Wand hängt?" (Weil: bei mir hängt - seitdem ich 12 bin Ritter Tod und Teufel (A.Dürer) an der Wand - natürlich ein "Repro" und auch viel größer als d. Original.Unswar egal, wo ich hingezogen bin! Mir ist noch nichts passiert, ganz im Gegenteil. Mir hilft der Anblick sogar manchmal!;)An Kreuzigungsszenen+St.Sebastian-Abbildungen stört sich komischerweise keiner!:0)

Das Kind, daß Du beschrieben hast ist nicht an mehreren Bildern und dem Altar, sondern an dem unverarbeiteten Trauer, und daraus resultierenden Psychose(n) der Eltern verzweifelt./Gesunder Trauerarbeit muss irgendwann abgeschlossen sein!Das hat mit dem Umgang des Themas und nicht mit dem Vergessen der Person etwas zu tun!/ Ganz sicher wird die Entwicklung des Kindes in die eine oder andere Richtung ein wenig genetisch "vorgelegt" - denn wo nichts ist, kann man nichts "erschaffen"! Bei einigen Aspekten unserer Persönlichkeit haben wir nämlich etwa genauso viel Wahlfreiheit wie bei der Form der Nase oder der Größe unsere Füße.Usere Gene sind zwar keine Kommandeure - aber sie sind Optionen. Das heißt,die Erziehung des Umfeldes und die Vorbilder können die Entstehung einer handfesten Seelischen Krankeheit (Psychosen, Neurosen, Wahnvorstellungen,z.b. Verfolgungswahn)verhindern, oder ihr übriges dazu leisten. Die Bilder alleine tun es bestimmt nicht. Zur Hilfestellung in Todesfällen in der Familie, insbesondere im Fall von Kindern habe ich schon früher hier geschrieben:(8-Jähriger auf einer Beerdigung? SORRY, das Link scheint nicht zu klappen!:()

jährige auf einer Beerdigung???

!!!Denn die Ansätze sind für alle Eltern wirklich MEGA wichtig!;)

Die Frage war gut, hat Spaß gemacht!

Grüße: I.B.

roma2701 25.09.2010, 16:25

Dankeschön! Als ich die Frage stellte hab ich gar nicht daran gedacht, dass der Tod auch bspw. als Gemälde an der Wand hängen kann. (Es war ja auch schon spät ;-)) Dadurch dass man die meisten der potentiellen Konsequenzen der Totenbilder auch auf Erziehung oder Psychosen der Eltern zurückführen könnte, ist die Frage tatsächlich schwer zu beantworten. Vielen Dank für deine Antwort.

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Bei mir in der Wohnung stehen die Fotos meiner verstorbenen Eltern sowie einige Fotos von meinem verstorbenen Mann. Er starb bereits mit 44 Jahren, daher waren die Kinder noch relativ jung. Auch das Foto von meinem besten Freund, meine Enkelkinder bezeichneten sie, als sie noch klein waren, als ihren leihopa, weil sie ja keinen richtigen mehr hatten. Leider ist er auch früh gestorben. Aber meine Kinder hatte nie Probleme mit diesen Fotos. Sie sahen sie, akzeptierten sie, aber fürchteten sich nicht davor.

roma2701 25.09.2010, 16:18

Vielen Dank! :-)

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Wenn man sich geistig und gefühlsmäßig immer nur auf das konzentriert, was man nicht hat oder was man nicht mehr hat, dann gerät die Seele in Schieflage, also aus dem Gleichgewicht. Der Zustand, oder die Krankheit, der dann damit Tür und Tore geöffnet ist, nennt man Depression !

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Depressive Menschen haben die sehr starke Angewohnheit, sich eher auf das zu konzentrieren, was sie nicht haben, anstatt auf das, was es noch gibt oder welche Möglichkeiten sie sonst noch haben. Wieviel das bringt, zeigt die in einer vollen Speisekammer verhungerten Menschen, die sich ein Krokodilssteak eingebildet haben, keines gefunden haben und daran verzweifelt sind.

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Wenn man schon früh genug lernt, Personen oder Dinge, die man nicht mehr hat oder nicht mehr braucht, trotzdem festzuhalten und nicht loszulassen, wird es eher zum Automatismus, alles festzuhalten (ob es verarbeitet ist oder nicht) und blockiert somit den Raum oder Platz für Neues und eigene neue Erfahrungen. Im Körper würde man das als Verstopfung bezeichnen und bezeichnender Weise leiden solche Menschen tatsächlich auch unter Verdauungsstörungen und Verstopfung.

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Aber wir haben auch bei der Betrachtung noch eine ganz andere, jedoch mitbeteiligte Seite vergessen. Stell Dir vor, Du wirst an einen Arbeitsplatz versetzt, der zwar 700 Km von zu Hause entfernt ist Du jedoch das Dreifache verdienen kannst, jedoch auch konzentrierter und leistungsfähiger arbeiten musst. Jetzt erreichen Dich jedoch an Deinem Arbeitsplatz alle 5 Min. Anrufe von heulenden Zurückgebliebenen, die nicht an Dich und Dein Weiterkommen denken, sondern einfach nur ganz egoistisch wollen, dass Du omnipräsent für sie bleibst. Wärest Du für diese ständigen Störungen in Deiner Arbeits-, Gedanken und Gefühlswelt eher dankbar oder würdest Du Dich belästigt fühlen, wenn diese Störungen aus der alten Heimat an Deinem neuen Arbeitsplatz so massiv auftreten ?

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Bereits als Kind konnte ich die Seelen von Verstorbenen klar und deutlich wahrnehmen können und zwischenzeitlich auch gelernt, mich mit deren Omnipräsenz zu arrangieren und mit ihnen zu kommunizieren.


Fortsetzung folgt

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roma2701 25.09.2010, 16:57

Danke für deine ausführliche und interessante Antwort! Ich kommentiere mal unter dem ersten Part deines Beitrags, da es bei der Fortsetzung schon etwas unübersichtlich geworden ist. ;)

Das Aufhängen von Fotogallerien eines Verstorbenen als Ausdruck der Fokussierung auf das "Nicht (mehr) Vorhandene" mit den Konsequenzen einer seelischen Schieflage oder einer Depression, erscheint mir plausibel. Auch deine Betrachtung des zwanghaften Festhaltens finde ich sehr überzeugend. Genau aus dieser Ausgangsposition heraus interessiert mich, wie sich die Omnipräsenz des Toten auf ein "unbeteiligtes" Kind auswirken könnte, das den Toten niemals kannte und so auch nicht festhalten möchte?

Den zweiten Teil deiner Antwort eröffnet für mich eine absolut neue Perspektive auf die Situation. Da ich weder gläubig bin und auch keine Seelen von Verstorbenen sehen kann, habe ich mir noch nie Gedanken darüber gemacht, wie sich diese Art der Erinnerung für den Verstorbenen anfühlen könnte. Gegeben den Fall, dass Menschen tatsächlich in dieser Art weiterexistieren, kann ich mich deinem Resümee nur anschließen.

Jedenfalls danke ich dir für deine interessante und lesenswerte Antwort. :-)

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Jeanmarie 26.09.2010, 17:58
@roma2701

Ich danke Dir für Deine Resonanz und freue mich über Deinen Dank !


Zum Glück hängen in unseren Wohnzimmern keine Momentaufnahmen vom Sterbeaugenblick unserer liebsten Verwandten, wie sie vielleicht auf dem Schlachtfeld von einer Granate halb zerrissen oder zerquetscht in einem Autowrack sich noch mit dem letzten Atemzug quälen, so wie uns die katholische Kirche ihren Religionsgründer, genagelt auf ein Folterinstrument der übelsten Art, präsentiert und als eine Anschaffungspflicht für jedes Kinderzimmer vorgibt !

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Eine rote Ampel ist niemals schlecht ! Sie erfüllt nur eine Funktion.

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Was wir daraus machen, ist das Entscheidende und ob es uns nützt oder ob es uns schadet. Wenn ich vor der Ampel stehe und schimpfe, weil sie mir meinen Weg versperrt, dann schadet das mir, meinem Körper und meiner Umgebung. Wenn ich dagegen der roten Ampel für ihre Botschaft dankbar bin, dass ich auf der Kreuzung weder von recht, noch von links gerammt werden kann, dann nützt mir diese Botschaft, die mir das rote Licht gibt. Auch ein Messer kann mir helfen, ein Stück Brot oder Wurst zu schneiden, damit ich satt werde, oder ich kann damit meine ganze Umgebung abmurksen.

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So ist das auch mit den Bildern unserer bereits vorausgegangenen Verwandten. Wenn sie uns traurig machen, oder depressiv, oder uns daran hindern, unser eigenes Leben zu leben, nützen sie uns dann ?

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Ein einfaches Bild ist also genauso wenig schlecht oder gut, wie ein Messer gut oder schlecht ist. Entscheidend ist, was man daraus macht.


Fortsetzung folgt

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Jeanmarie 26.09.2010, 18:03
@roma2701

Fortsetzung:


Ein einfaches Bild an der Wand ist für ein Kind einfach nur ein langweiliges Bild, wie andere Bilder auch. Ist dieses Bild interessant, dann schaut sich das ein deswegen Kind an. Wenn es eher langweilig ist, dann wird dieses Bild gar nicht mehr wahrgenommen. Wird eine gruselige Geschichte darüber erzählt und das Kind kann (noch) nicht damit umgehen, wird es eher diese Bild meiden und auch vermeiden, sich zusammen mit so einer gruseligen und möglicherweise gefährlichen Sache alleine in einem Zimmer aufzuhalten. Gefährlich wird es deswegen, weil das Kind spürt, wie hilflos seine Eltern vor einem wichtigen Bestandteil unseres Lebens scheitern, dem Tod !

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Was also diese Omnipräsenz der verstorbenen Verwandten mit Kindern macht, bedingt alleine, wie die Eltern damit umgehen und was die Kinder darunter verstehen.

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Und nun zum zweiten Teil meiner Antwort:

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Die Seele lebt tatsächlich ohne zeitliche Begrenzung und nutzt einen Körper, wie wir ein Auto zu Fortbewegung oder unsere Kleidung als Schutz-Hülle nutzen. Einen dementsprechenden Stellenwert hat für die Seele auch unser Körper. Für unsere Seele ist nur wichtig, dass wir uns Weiterentwickeln. Je mehr Widerstand wir dieser Entwicklung entgegenbringen, desto mehr schaden wir unserem Körper. Da die Seele selbst unsterblich ist, nimmt sie sogar einen „kaputt“ werdenden Körper in Kauf, wenn es dem Entwicklungsziel dienlich sein sollte und trennt sich auch mal von einem Körper, wenn er für den weiteren Weg nicht mehr tauglich erscheint. So wie wir es mit unserem zusammengebrochenen Auto oder unserer zerfetzten Hose auch machen, obwohl auch der eine wieder der alten Rostlaube nachweint und sie nicht hergeben will, und der andere sich eher auf das neue Prestigeobjekt freut und der Dritte einfach nur wieder irgendein Fortbewegungs-Mittel braucht.

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Jeanmarie 26.09.2010, 18:06
@roma2701

Fortsetzung:

Erst so und nur damit erkennen wir, dass wir nicht unser Auto und nicht unsere Hose und auch nicht unser Körper sind, sondern viel mehr !

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Fortsetzung meines Beitrages:


Wenn wir denken, dass es eher Zufall war, dass diese Menschen ihren Körper verlassen haben, so zeigt die Unterhaltung mit diesen Verstorbenen, dass sie das selbst vor ihrem neuen Einstieg in das letzte Erdenleben so geplant hatten und niemand anders.

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Als sie alle ihre Erfahrungen hier gemacht hatten, führte sie ihr Erfahrungsplan auf eine andere Ebene, wo sie ihren Körper nicht mehr benötigten, oder wo sie dann Erfahrungen machen konnten, bei denen ihnen sowohl ihr Körper, als auch die bisherige Umgebung hinderlich war. Da diese Erfahrungen in Dimensionen stattfinden, von denen unser Verstand keine Ahnung hat und das auch nicht begreifen würde, weil er eben nur Anhaltspunkte in dieser Dimension hat, ist es auch so schwierig deutlich zu machen, dass unsere vorausgegangenen Lieben diese Erfahrungen nur ungestört machen können.

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Während ihres Erdenlebens war der Körper die Hülle, die Seele, Geist und Gefühle, sehr stark von geistigen und gefühlsmäßigen Einflüssen abschirmte, die von Außen kamen, weil eben die Materie so sehr viel dichter ist, als ihre jetzige Existenz.

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Ohne Körper kommen Gedanken und Gefühle ohne weiteren Filter oder „Durchdringungsschutz“ und in Echtzeit (also sofort) bei ihnen an und das kann manchmal so heftig sein, dass sie ihrer eigentlichen Aufgabe nicht mehr nachgehen können.

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Aus diesem Grund hat sich im Laufe der Zeit der Wunsch „Mögen sie in Frieden ruhen !“ eingeprägt und erhalten, doch wir lassen ihnen auf diese Weise keinen Frieden. Sie sind auch nicht dafür vorausgegangen, dass sie ständig nur mit einem einzigen Gedanken der Trauer als Impuls zu uns gezogen werden und dabei ihre eigene Erfahrungs-Welt und Aufgaben verlassen müssen. Du kannst eben einfach nicht vernünftig arbeiten, wenn Du ständig von einem anderen Egomanen gestört wirst, der ganz rücksichtslos nur sich selbst wichtig nimmt.


Dabei wäre es ihnen viel angenehmer, wenn wir ihnen nur liebevolle Gedanken schicken würden...

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Luise 24.09.2010, 10:04

Sehr schöne Antwort. Danke dafür!

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Jeanmarie 24.09.2010, 11:51
@Luise

Gerne geschehen ! Man gibt sich halt doch ein bisschem mehr Mühe, um zu helfen...


...auch wenn die Fragestellerin scheinbar nichts damit anzufangen weiß.

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Dann freuen sich eben andere !

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HealingHans 24.09.2010, 18:33
@Jeanmarie

Ja schade, dass manche Leute Fragen stellen und sich einfach nicht mehr darum kümmern, auch wenn sie viele ganz wunderbare Antworten erhalten.

Dann Danke ich Dir wenigstens für diese tolle antwort !

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roma2701 25.09.2010, 17:13
@HealingHans

Wie kommt es, dass mir schon nach einem (!) Tag mangelndes Feedback vorgeworfen wird? Zum einen hatte ich die Antworten doch längst bewertet, außerdem nehme ich mir einfach gerne ein bisschen Zeit, um gegebenfalls auf Antworten eingehen zu können. Und ich finde es leicht befremdlich, wenn Dankbarkeit eingefordert wird. ;-)

Und warum werde ich immer wieder als Fragestellerin eingeordnet? :D

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andisazi 24.09.2010, 23:08

Auch ein Danke für die Antwort - und eine Frage: Glaubst du, daß der alltägliche Lern- und Erfahrungsprozeß nach der "Versetzung" genauso weitergeht oder daß er sich beschleunigt/verlangsamt/fast zum Stillstand kommt?

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Das kommt ganz darauf an, wie in der Familie die "Trauerarbeit" (gräßliches Wort) geleistet wurde:

Werden die Überlebenden mit den Toten verglichen oder gar an ihnen gemessen? Das ist krank und macht krank, vor allem, weil es keine Abwehr gibt.

Signalisieren die Eltern, daß es nichts mehr gibt, was ihnen noch richtig Freude bereiten kann, auch nicht ihre lebenden Kinder? Das ist krank und macht krank, weil es keine Interventionsmöglichkeit gibt.

Fühlen sich die Überlebenden schuldig und möchten lieber tot sein? Auch das gibt´s und ist krank. Darunter leiden manche Eltern, daß sie ihre lebenden Kinder nicht mehr erreichen.

Erfahrung: an dieser Stelle merkt man ganz deutlich, was Menschen glauben, ob es nun ein Totalverlust für die Ewigkeit ist oder ein schrecklich schweres Schicksal, das gleichwohl nicht perspektivlos ist, weil auch die Toten nicht einfach futsch und verloren sind.

quopiam 23.09.2010, 11:11

Sehr gute Antwort!! Gruß, q.

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roma2701 25.09.2010, 16:12

Vielen Dank für deine Antwort. Auf Grund meines fehlenden Glaubens habe ich den Aspekt der Religiösität der Hinterbliebenen bisher unterschlagen, obwohl der sicherlich eine Rolle spielt. Danke für deine Gedanken. :-)

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Hm ich weiß nicht, im gesundem maße finde ich das sogar gut, ich mein immerhin war sie ja die schwester der brüder obwohl sie sie ja nicht kannte. Das studien oder sonstigen davon gibt ist mir aber unbekannt

ein totes geschwisterkind kann sehr behindernd für die entwicklung sein, weil die trauer der eltern, zu wenig aufmerksamkeit für das lebende kind übrigläßt.

ein totes geschwisterkind kann sehr behindernd für die entwicklung sein, weil die trauer der eltern, zu wenig aufmerksamkeit für das lebende kind übrigläßt.

Das ist eine interessante Frage. Das würde ich auch gerne wissen. So eine Frage passt gut in ein Psychologie-Forum.

Jeanmarie 23.09.2010, 10:17

Na dann sei willkommen und beteilige Dich hier an diesem Thema !

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kajila 23.09.2010, 22:44
@Jeanmarie

Nein, das wären nur Spekulationen, zumindest von meiner Seite aus.

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das leben ist bunt, wie du aus den antworten ersehen kannst.

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