Was denken Mobber über Mobber in Filmen?

9 Antworten

Vom Beitragsersteller als hilfreich ausgezeichnet

Ich könnte mir vorstellen, dass Mobbern in ihrer eigenen Wahrnehmung gar nicht mitkriegen, wie grausam sie sich verhalten. Durch das Mobben erleben sie selbst eine Aufwertung ihrer Person. Was sie bei anderen als negativ bewerten, stellen sie an sich selbst gar nicht fest.

In meiner Klasse gab's auch Mobber, um mich haben die allerdings immer einen großen Bogen gemacht.

Ich meine fast jeder hat ja in der Klasse oft eine Tussi oder jemanden der einfach denkt er wäre besser als andere

Der Großteil der Menschen geht nicht zur Schule.

Mobber erkennen ihre eigene Boshaftigkeit oft gar nicht. Darum regen sie sich zwar über Mobber in Filmen auf, sehen aber nicht, dass sie genau das gleiche tun. Das kann daran liegen, dass in Filmen oft schwarz/weiß gezeichnet wird. Die Mobber sind da einfach nur böse. Im realen Leben ist Mobbing dagegen ein Zeichen von Minderwertigkeitskomplexen. Oft sind Mobber selbst die Opfer von Gewalt anderer. Als Täter sieht man dann eher seine eigene Not und denkt sich gegen anderer durchzusetzen.

Hier auf GuteFrage gibt es auch Gruppen, die sich zum Mobbing zusammenschließen. Es ist leicht hier jemanden zu finden, den man mit gemeinschaftlichen Downvotes abwerten kann. Ich kenne einen Kommentar, der so harmlos wie sachbezogen war und trotzdem 99 Downvotes bekam. Hier geht es wohl darum, dass die Aggressoren verzweifelt versuchen, sich in einer Gruppe stärker zu fühlen - selbst wenn das nur ein Ansammlung verschiedener Accounts der gleichen Person ist. Im Grunde ist es also das menschliche Bedürfnis, in einer sozialen Gruppe in Sicherheit zu sein, und diese Gruppe durch einen externen "Feind" zu einen.

Mobber sind also innerlich sehr unsicher und versuchen das zu verstecken.

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung – Lese Fragen durch und vermeide Ferndiagnosen

Ichda2008 
Beitragsersteller
 29.12.2025, 12:38

Kann ich mir gut vorstellen, die Mobber in meiner Klasse haben das bestimmt auch nicht realisiert. Eine Tussi, die wie aus dem Bilderbuch geschnitten war, hat sich auch über Tussis im Film aufgeregt und gesagt sie mag diese überhaupt nicht, da dachte ich mir auch damals ob die sich mal selbst reden hören hat

mjutu  29.12.2025, 12:48
@Ichda2008

Es ist immer leichter, das Fehlverhalten anderer zu sehen. Wenn man das eigene erkennt, müsste man etwas ändern. Das ist mit Energieaufwand verbunden.

Statt also über ein hübsches Mädchen zu reden (die du "Tussi wie aus dem Bilderbuch geschnitten" nennst), wäre es sinnvoll zu überlegen, ob sich jemand von dir selbst gemobbt fühlen könnte. Das könnte z.B. ein Mädchen aus deiner Klasse sein, die du als "Tussi, wie aus dem Bilderbuch geschnitten" nennst. Sie kann nichts für ihr Aussehen, denn das wurde genetisch festgelegt. Für gute Gene kann keiner etwas!

Versuche sie weniger oberflächlich abzukanzeln. Wenn sie andere mobbt, reicht das doch als Beschreibung für diese Diskussion.

Es ist gar nicht so einfach nicht selbst als Mobber zu wirken. So hat ein User hier mal medizinisch unzutreffendes geschrieben (Stichwort Corona-Impfungen). Als er dann Gegenwind von 8 anderen Usern bekam, mich inklusive, fühlte die Person sich von einer Gruppe gemobbt. "Nein, wir 8 erklären dir nur die wissenschaftlichen Tatsachen" ist dann etwas, was bei der Person, die sich als Mobbingopfer fühlt, kaum ankommt.

In der Gemeinschaft anderer antisoziales Verhalten zu bremsen, kommt schnell als Mobbing rüber, wenn der Kritisierte sein Fehlverhalten nicht einsahen kann oder will.

Ichda2008 
Beitragsersteller
 29.12.2025, 12:50
@mjutu

Ich nenn sie ja nicht wirklich so, ich bin ja schon seit einem Jahr an einer anderen Schule. Ich weiß was du meinst aber ich habe alle persönlich immer ganz normal behandelt zurück kamen aber von denen immer blöde Kommentare. Ich nenne sie hier nur tussi da sie das am besten beschreibt

Ichda2008 
Beitragsersteller
 29.12.2025, 12:52
@Ichda2008

Außerdem ist eine Tussi für mich nicht umbedingt ein schönes Mädchen sondern eine die denkt sie sieht besser aus als andere und andere runtermacht

mjutu  29.12.2025, 12:58
@Ichda2008

Wie wäre es: "Ein hübsches Mädchen, dass auf ihrem Aussahen ihre Arroganz aufbaut"?

ich habe alle persönlich immer ganz normal behandelt

Prima. Das ist der Schlüssel gegen Mobbing.

Ich habe mich damals gerne mit denen angefreundet, die aus anderen sozialen Gruppen ausgeschlossen worden sind. Sowie eine Person nicht ganz alleine dasteht, ist das Mobben viel schwieriger. Wenn dann jemand etwas provozierendes sagt, konnte ich als Dritter kontern: "Na und? Du siehst es so, der andere sieht es anders. Damit können ja beide leben."

Ich habe mich auf GuteFrage auch schon in viele Diskussionen eingemischt, wenn jemand unsachlich und aggressiv auf andere losgeht. Ich erinnere mich an keinen Fall, in dem der Aggressor daraus etwas gelernt hat. Aber immerhin fühlten sich dann ein paar Angegriffene nicht völlig alleine.

Was Menschen über andere sagen, bezieht sich immer nur auf ihr eigenes Inneres: Psychotherapie Sereinig – Was Peter über Paul sagt, sagt mehr über Peter als über Paul. Das kann ein wenig helfen, die Hilflosigkeit von Mobbern zu erkennen.

Lilawolke452  16.01.2026, 20:48
@mjutu

Find ich toll. Wir hatten früher in der Schule auch ein Mädchen , die ausgegrenzt wurde . Ich fand das ganz schlimm . Sie hat die abgetragenen Klamotten von ihrem Bruder bekommen , musste immer lernen etc. Sie fand keinen Anschluss , weil niemand was von ihr wissen wollte . Ich bin dann auf sie zugegangen , dann war sie nicht mehr so alleine .

Lilawolke452  16.01.2026, 20:49

99 Downvotes sind krass .

Lennister  30.12.2025, 20:40
Im realen Leben ist Mobbing dagegen ein Zeichen von Minderwertigkeitskomplexen. Oft sind Mobber selbst die Opfer von Gewalt anderer.

Diese küchenpsychologische Behauptung ist längst widerlegt. Tatsächlich haben Mobber typischerweise ein überdurchschnittliche Selbstwertgefühl.

mjutu  31.12.2025, 14:12
@Lennister

Eine interessante These. Kannst du sie belegen?

"Küchenpsychologische Behauptung"? Nein, da liegst du falsch. Siehe:

«Wer sich gleichwertig fühlt, braucht andere nicht fertigzumachen»
Der Täter selbst hat oft Gefühle von Minderwertigkeit und versucht sich durch die Mobbing-Taten besser zu fühlen. Auch spielt mangelnde Selbstsicherheit eine Rolle, denn Mobbing erzeugt ein Gefühl der Macht. Zudem haben Mobber oft selbst Erniedrigungen erlitten, woraus sich der Drang entwickeln kann, andere Personen auf die gleiche Weise zu behandeln. Auch der Neid auf andere, sowie Antipathie für eine Person und ihre Gefühle, sind bestärkende Faktoren.
Sie wollen Anerkennung von ihren Mitschülern oder auch von eigenen Misserfolgen ablenken. So gesehen ist Mobbing also eher ein Ausdruck der Schwäche als der Stärke!
Wer Anerkennung erfährt, habe weniger das Bedürfnis, sich auf Kosten anderer zu profilieren, schliessen die Forscher.

Ich finde dagegen keine Studien, die ein "überdurchschnittliche Selbstwertgefühl" bei den Tätern feststellen.

Ah, Moment! "Küchenpsychologische Behauptung" ist ja eine durchaus abwertende Formulierung. Ist das also von deiner Seite ein Versuch ein Beispiel für Mobbing im Internet zu geben, indem du andere herabwürdigst? Das wäre ja fast elegant...

Ich habe mich so was früher auch als mal gefragt, wenn wir in der Schule als gemeinsam Filme angesehen haben (manchmal brachten Lehrer Videocassetten mit) und das Thema Mobbing war - in meiner Klasse war Mobbing ein Dauerthema.

Ich denke, die meisten Jugendlichen sind nicht so weit und nicht so reif, als dass sie vernünftig drüber nachdenken und reflektieren können, im Gegenteil - und die wenigen, die es tun und die genau wissen, dass ihr mobbendes Verhalten nicht in Ordnung ist und anderen Schmerzen zufügt und dass man es nicht macht, versuchen solche Gedanken beim Filmesehen oder Zeitunglesen usw. schnell wieder zu verdrängen und ihre "coole" Fassade aufrecht zu erhalten.

Das hat mir persönlich auch die Zeit gezeigt, in der wir das Buch "Und wenn ich zurückhaue?!" von Elisabeth Zöller in der fünften KLasse gelesen haben: Ein ziemlich grausames Kinderbuch wie ich finde, das ich persönlich eher als Anstiftung und Beispielsammlung für potenzielle Mobber verstanden habe, weil Mobbing dort sehr genau geschildert wurde. Schon da war meine Klasse jenseits Gut und Böse, was Mobbing anging und vor allem die Klasselehrerin, die das Buch auch noch vorschlug sah nur weg - und die Mobber der Klasse fanden das Buch auch noch "cool"... mehr muss man dazu nicht sagen :-/

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung

Allein Titel schon die denken das es nur überspitz ist und die sich nicht haben sollen umd das sie selber nicht das problem sind

Was in denen vorgeht, ist buchstäblich schwierig zu entziffern. Oft weiß man ja gar nicht, was genau sie denken oder was in ihrem Gehirn vorgeht/verarbeitet wird. Das ist es, was sie wahrscheinlich so besonders ausstrahlt.
Eine partout genaue Antwort zu geben ist nicht ganz möglich. Man kann nicht in die Köpfe der Mobber sehen.
Ich glaube, Mobber, die andere Mobber in Filmen sehen, können sich in dieser Rolle teilweise auch wiedererkennen. Das klingt unrealistisch und unglaublich, aber tatsächlich nicht unmöglich.