Warum leben in Deuschland noch immer Kinder in Armut?

22 Antworten

Das sollte wirklich nicht sein, da gebe ich dir Recht. Seit es die Pille gibt, sollte man erwarten können, dass Frauen oder Paare erst Kinder in die Welt setzten, wenn sie diese auch ernähren können und ihnen eine schöne und unbeschwerte Kinderzeit ermöglichen können. 

Aber wie sieht es in der Praxis aus: Paare oder Singles die ordentlich verdiene (der Schnitt für einem Single liegt bei etwa 1300 bei 1400 Euro, also heisst "ordentlich" so ab 2000 Euro im Monat für ein Alleinstehender) bekommen weniger Kinder als diejenige die es sich am wenigstens leisten können. In den Familien wo das Geld ohnehin knapp ist, werden Kinder geboren und danach geht das Heulen und Zähneklappern los, weil Vater und Mutter plötzlich merken, das so ein Kind Geld kostet.

Arm ist in Deutschland wer weniger als 60% des Durchschnittseinkommen zur Verfügung hat. Wenn man so rechnet, wird die Zahl der Armen nie abnehmen.

Ich finde, dass Armut da anfängt, wo die Grundbedürfnisse nicht mehr gedeckt sind: Nahrung, Obdach, Bildungsmöglichkeiten, medizinische Versorgung. Diese Grundbedürfnisse werden in Deutschland für alle Menschen gedeckt. Nur gibt es natürlich auch Menschen die mit dem wenigen Geld nicht sorgfältig umgehen können, die ganz einfach nicht haushalten können, und somit immer nach kurzer Zeit pleite sind, und sich beklagen, wie arm sie sind.

Das Kinder von der Misswirtschaft der Eltern betroffen sind, und darunter leiden, ist sehr bedrückend und bedauerlich. Aber noch immer sind in erster Linie die Eltern für ihre Kinder verantwortlich. 

Auch ist das Aufwachsen in einer Umgebung wo nicht alle Wünsche sofort erfüllt werden, nicht unbedingt negativ. Solche Kinder lernen Geld wert zu schätzen, sie lernen zu sparen, sie lernen wichtiges von unwichtige zu unterscheiden, und sie fangen meistens frühzeitig an, Initiativen zu entwickeln um Geld zu verdienen. Dagegen gibt es eine wachsende Zahl Kinder die an "Verwöhnungsverwahrlosung" leiden: passive Sofahocker, die am neuesten Laptop die neueste Spiele spielen und ihre Markenware in der Schule zur Schau stellen, ohne beim Lehrer durch Wissen oder Leistung auf zu fallen. Zunehmend übergewichtig, Kommunikationsunfähig und Fantasielos sind sie auch. 

Ein Kind was in bescheidenere Verhältnissen aufwächst, verdient weniger Mitleid, als die völlig verkorkste Gestalten, die von den Eltern für das Leben verdorben werden. Die erfolgreiche Macher von heute sind in der Regel nicht in Reichtum aufgewachsen, sondern kommen aus Familien wo hart gearbeitet und gespart wurde. 

Wo allerdings die Jugendämter (oder die Lehrer wenn sie es denn bemerken) viel eher durchgreifen sollten, ist bei Familien, wo Vater, Mutter oder beide Suchtverhalten zeigen. Kinder die in solchen Familien aufwachsen gehen durch eine Hölle, und gerade das bleibt lange unbemerkt. Aber Armut ist kein Makel, nur lästig.

Seit es die Pille gibt, sollte man erwarten können, dass Frauen oder
Paare erst Kinder in die Welt setzten, wenn sie diese auch ernähren
können und ihnen eine schöne und unbeschwerte Kinderzeit ermöglichen
können.

Es kann übrigens jederzeit passieren, dass man seinen Job verliert und dann vom Existenzminimum leben muss.

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@Laury95

Ja, und das Existenzminimum reicht. 

Ich habe vor Jahren mal mit einer Bekannten gewettet, bzw. getauscht, und von ihrem Einkommen gelebt, und sie von meinem. Letzteres hat ihr natürlich große Freude gemacht. 

Auch haben wir einen Teil des Hausrats getauscht, da sie verschiedene Sachen, wie z.B eine Nähmaschine, nicht hatte. Wir haben das sechs Monaten gemacht, von Juli bis Januar, und ich hatte am Ende der Zeit Geld übrig. Dazu gehört: selber (saisongerecht) kochen, kurz duschen, Leitungswasser trinken, Tee statt Kaffee trinken, nur Angebote einkaufen, alles reparieren was irgendwie noch brauchbar ist, und ein Haushaltsbuch führen.

Vor allem habe ich dieser Zeit alle Hilfen und gratis Sachen die geboten wurden, in Anspruch genommen: Essen bei den Kirchen für 1 Euro, Lebensmittel von der Tafel, selber Fallobst eingeweckt, Geschenke selber hergestellt, Minijob gesucht, und vieles mehr. Ich habe sehr viel erlebt, viel Spaß gehabt, und hatte soviel übrig, dass ich mir gleich zwei Wochen auf Lanzarote gegönnt habe. Die Wette habe ich gewonnen, aber ich gebe zu, dass es viel Kraft und Disziplin gekostet hat. Wer aber pfiffig ist, kommt mit dem Geld allemal über die Runden, nur eben mit wenig Komfort, und ohne Luxus. Aber ich hatte viel Zeit, und das ist ein großer Luxus.

Vorrängig ist aber die Ausbildung und der Wille erfolgreich zu sein. Solche Leute sind selten lange arbeitslos.

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Dazu muss man sich mal ansehen, wie ARMUT definiert wird und dann könnte man glauben, die "Erfinder" der Kinderarmut sind geistig verarmt.

Diese "Armut" ist ein statistisches Konstrukt. Da fallen auch massig Kinder rein die sich mit einem Iphone6 begnügen müssen, kein T-Shirt von D&G haben, mit Kinder-Milchschnitten und Nutella verhungern und nur Taschengeld für einen BigMäc pro Tag haben. Das Elend ist unbeschreiblich!

OK, es gibt wirklich Arme Kinder, aber nicht wirklich, den die Mindesthilfen des deutschen Sozialsystems machen sie reicher, als manches "normale" Kind in anderen Ländern.
Ich bin oft in Polen, Baltikum, Ukraine, Russland. Wenn ich da normal-reiche Kinder sehe, bekommen ich beim Begriff "Kinderarmut" in Deutschland einen Lachkrampf.
Von Afrika usw. will ich garnicht erst reden, die sind im Vergleich schon scheintot oder tatsächlich verhungert. Hier bin ich auf der Straße noch nicht über verhungernde Kinder in Lumpen gestolpert. Da gehört es zum Straßenbild und machen Globetrotter machen verschämt ein Handy-Photo, weil es so schön exotisch ist.


Kinderarmut kann auf verschiedene Arten berechnet werden. 

Kinderarmut wird als Ursache der Unterversorgung in wichtigen
Lebensbereichen wie Wohnen oder Ernährung verantwortlich gemacht.
Tatsächlich ist dies für einige Industrieländer zu bestätigen.
Kinderarmut kann zu eingeschränkten Entwicklungschancen und schlechteren
Bildungschancen bei den betroffenen Kindern führen

Armut geht oft mit schlechter Gesundheit und verzögerter emotionaler
und kognitiver Entwicklung einher. Kinder, die in Armut aufwachsen,
erbringen – wie für Deutschland anschaulich durch die World Vision Kinderstudien und die Shell Jugendstudien nachgewiesen wird – schlechtere schulische Leistungen als andere Kinder, besuchen in Ländern mit gegliedertem Schulsystem seltener höhere Schulformen, kommen im Erwachsenenalter weniger häufig an Hochschulen, werden häufiger schon im minderjährigen Alter Eltern, rauchen häufiger, benutzen öfter illegale Drogen und sind als Erwachsene häufiger arbeitslos.

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@NeelaRasgotra

Überraschend?

Dumme Eltern haben in der Regel einen schlecht bezahlten Beruf (wenn überhaupt).  Dumme ("bildungsferne") Mütter haben weniger intelligente Kinder, dafür aber im Durchschnitt mehr davon als intelligentere Mütter.

Dass Intelligenz zum Teil (50%?) erblich ist, hat sich bis zu dir nicht herumgesprochen? Sie ist für den Schulabschluss aber viel entscheidender als Armut.

Wie wäre es sonst zu erklären, dass die Kinder ehemaliger vietnamesicher Gastarbeiter in der DDR im Durchschnitt in der Schule sogar besser abschneiden als ihre deutschen Altersgenossen (von den Jugendlichen des islamischen Kulturkreises mal zu schweigen). Diese Vietnamesen waren in keiner Weise privilegiert und schaffen in ein zwei Generationen dennoch den sozialen Aufstieg - weitgehend ohne staatliche Pamperisierung.

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@NeelaRasgotra

Helmut Schmidt stellte 2009 fest: „Überall lesen Sie zum Beispiel Überschriften, wieviel Prozent arme Kinder in Deutschland leben. Manches, was man heute als Armut beklagt, wäre in meiner Kindheit beinahe kleinbürgerlicher Wohlstand gewesen.“

Wenn ich meine Herkunft und die wirtschaftlichen Verhältnisse betrachte, bin ich in bitterer Armut aufgewachsen. Studieren und Promovieren war vermutlich ein Wunder vom Himmel und ein Geschenk für Doofe. Wie meine Eltern und Großeltern überhaupt die Kindheit überleben konnten, ist mit schleierhaft.

Mein Vater predigte mir immer den Grundsatz: "Erst das Notwendige, dann das Nützliche, erst dann das Angenehme". Mit dieser Reihenfolge sind wir ganz gut über die Runden gekommen, aber oft unangenehm.

Wenn ich mich umsehe bei den "Armen" werde ich den Eindruck nicht los, dass die Reihenfolge inzwischen total umgedreht wurde.

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@Maxieu

Laut den Ergebnissen der Minnesota Twin Studies ist Intelligenz zu mindestens 70 % genetisch bedingt, zumindest die Lerndisposition. 

Stimmt alles was du sagst: die Kausalitätskette ist: dumm, daher ungebildet, daher schlechter bezahlt, daher kein Geld um die Kinder ordentlich zu versorgen. 

Und das Beispiel mit den Vietnamesen trifft nicht nur für die DDR zu, sondern auch für die USA, wo sie Vietnamesen und auch die Chinesen schon seit langem an den Universitäten die Weißen überflügeln.  Danke!

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@Maxieu

Intelligenz wird immer überbewertet, als wenn alle studieren müssten.

Leute, wir brauchen auch Handwerker, Fabrikarbeiter, Dienstleistungskräfte usw. Jetzt nur noch mit Abi und Grundstudium? Wer ist denn da der Blöde?

Fakt ist auch: Wenn ein Hauptschüler seine unakademische Lehre macht, ist er Steuer- und SV-Einzahler, bevor er 20 wird. Damit kann er schon sich am Unterhalt der Studenten beteiligen, ja sogar die Renten sichern.

Bildung ist gut, aber der Bildungswahn ist eskaliert.

Stattdessen buhlen wir um Arbeitskräfte aus dem Ausland, damit die wenigstens die Schietarbeit machen und die öffentlichem Kassen füllen. Gleichzeitig krähen wir von drohender Islamisierung und naturblöden Flüchtlingen.

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Ich denke schon, dass der Staat im Rahmen der Gesetzgebung gegen Kinderarmut kämpft. Es gibt wenige Staaten, deren Sozialhaushalt größer ist als der deutsche. 

Das Problem sind jedoch die Eltern. Menschen, die auf Grund ihres Verhaltens, ihrer Unbelehrbarkeit und ihrer mangelnden Intelligenz ihr Leben nicht auf die Reihe kriegen, denen ist mit mehr Geld nicht geholfen.

Mehr effiziente staatliche Hilfe würde das Elternrecht untergraben und das ist mit unseren Gesetzen und unserem Demokratieverständnis nicht zu machen.

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