Warum ist Russland immer noch der Feind des Westens, obwohl nicht mehr kommunistisch, ist Russland dazu verdammt, für alle Zeit "der Böse" in der Welt zu sein?

11 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Guten Tag,

wie du bereits erkannt hast ist die Angst vor Russland historisch bedingt. Sowohl in den USA, als auch im überwiegenden Teil Europas wird Russland nach wie vor mit Vorbehalten bedacht und Großmachtsstreben unterstellt.

Die Schritte, die Russland innenpolitisch wie auch außenpolitisch ergreift, werden im Einzugsgebiet der NATO stets kritisch beurteilt und schnell als "gefährlich" beurteilt.

Sicher hat Russland in der Vergangenheit auch Fehler gemacht (Beispiel die
Okkupation der Tschechoslowakei). Historisch hat aber Deutschland wesentlich schlimmere Verbrechen angerichtet und ich erkenne keine so starke Skepsis gegenüber Deutschland. Dies hängt damit zusammen, dass Deutschland sich den USA gegenüber als loyaler Partner erwiesen hat.

Es wäre wichtig, Russland gegenüber vorurteilsfrei zu agieren.

Russland ist allerdings nicht überall auf der Welt der "Böse". In Ländern wie China, Indien, Iran, Vietnam, Uzbekistan und weiteren wird Russland als Stabilisator und zuverlässiger Partner gesehen.

Insofern finde ich es immer wichtiger sich international über die Geschehnisse in der Welt zu informieren, um ein möglichst neutrales Weltbild erhalten zu können. Was von den Medien in Deutschland berichtet wird ist sehr von der DPA abhängig und somit nicht umfassend.

Ausländische und vor allem außereuropäische Medien liefern meist ein anderes Bild.

Hallo Karl, ich verbringe nicht, wie einige der pro-russischen Kräfte hier bei GF, einen guten Teil meiner Freizeit im Propaganda-Krieg, als Extremist, um jeden, der sich kritisch oder gegen Russland/Putin äußert, zu attackieren mit Halbwahrheiten und Unterstellungen und Diffamierungen. Ich beginne meine Antwort ganz bewusst mit diesem Satz!

Unterteilen wir mal kurz die Welt in West und Ost, in Gut und Böse und stellen wir uns vor, ich sei keine Einzelperson, sondern eine Gruppe, oder auch eine Partei, die sich kritisch für oder gegen einen Machthaber äußert in einem LandXY, gegen den Präsidenten XYZ! Diese (falsche) Annahme ist nötig, um das zu verstehen, was ich sagen will.

Und genau hier liegt der Unterschied zwischen Gut und Böse, zwischen West und Ost, nämlich in der Art und Weise, wie und ob ich mich überhaupt kritisch äußern darf! So darf ich in den USA, oder auch hier in Deutschland, durchaus kritisieren soviel ich will (solange ich mich an Gesetze halte, z.B. kein Aufruf zur Gewalt, Volksverhetzung, usw., usw.). Ich darf eine Partei gründen, ich darf sie auch die Anti-Merkel Partei nennen... Ich darf agitieren, demonstrieren und auf jede erdenkliche Art und Weise (solange Gesetzes-konform) versuchen politisch aktiv zu werden, um die Verhältnisse der Gesellschaft, in der ich lebe, aktiv und nachhaltig zu verändern, sozusagen die Macht zu ergreifen. Genau das erlaubt man z.B. der AfD, die Einige am liebsten verbieten würden und doch darf die AfD "mitmischen" in diesem Land, zur Wahl antreten und mit 15-25% auch die Zukunft des Landes mit-bestimmen (Bundestagswahl 2017, Zukunftsmusik). DAS ist Demokratie, oft auch zu ihrem Nachteil!

Wäre sowas wie die AfD denn in Russland möglich, unter den jetzigen Bedingungen?? Eine pro-USA party Russlands? Schwere Frage!!! Ganz schwer! Nein, eigentlich nicht!

Ganz ENTSCHEIDEND ist dabei das Dürfen. In den USA darf ich mich sogar als Präsidentschafts-Kandidat aufstellen lassen, obwohl ich gegen Latinos, gegen dicke Frauen, gegen die alte Trulla Hillary, gegen jeden, dessen Nase mir nicht gefällt, hetze.

Warum darf ich das? Weil es eben eine extreme Form von Meinungs- und Redefreiheit ist. Ebenso extrem ist es, wenn ich mich als "Volldeutscher" komplett gegen die Regierung stelle und mich der AfD anschließe, doch eben: Solange ich es darf, ist alles in Ordnung! Extremismus wird hier also zugelassen, auch "gegen das Gute"! In Italien hatten wir sogar eine Partei der Kommunisten mit 20% (als eines der wenigen Länder in der EU..), auch wenn ich die italienische Demokratie nicht als gut oder beispielhaft bezeichnen möchte, so zeigt alleine dieser Fakt, dass es eine Alternative gab.

Freiheit ist eben dann nicht gegeben, wenn man nicht Alle mitspielen lässt.  Auch in den USA gibt es äußerst kritische Anti-Amerikaner, Anti-Imperialisten, Pro-Russen, Pro-EgalWas. Während solche Kräfte woanders fertig gemacht werden, bis hin zum Mord! Im westlichen (einigermaßen freien) System gibt es soviele "Richtungen der Macht", wie der Regenbogen an Farben besitzt. Heutzutage zuviele vielleicht, aber das ist ein anderes Thema!

Auf weitere Kommentare gehe ich nicht ein, denn nur meine Meinung zählt! Wer sich kritisch äußert, oder wer es wagt mit anderen Usern zusammen gegen mich zu agieren, der kommt nach Guantamo! (Ironie off)

Das beantwortet aber nicht die Frage, warum Russland, trotz seiner unbestrittenen Demokratie-Defizite, "böser" ist als die Türkei, China oder Saudi-Arabien - allesamt Partner des Westens, die Türkei sogar Mitglied der NATO. Und warum bei dem, was die "guten" USA tun, ob nun weltweite Abhöraktionen der NSA, Gefangenenlager in Guantánamo, Folterungen in Abu Ghraib, illegale Folterungen der CIA oder warum die sich als "guten" und das "böse" Russland besonders hassenden Polen der CIA bei illegalen Folterungen geholfen haben:

http://www.zeit.de/politik/ausland/2014-12/polen-cia-folter-gefaengnis

Um das ganz klar zu sagen: Ich bin ein leidenschaftlicher und kompromissloser Anhänger der Menschenrechte auf der ganzen Welt, selbstverständlich auch in Russland. Menschenrechte sind Menschenrechte. Aber: Wenn das der "Maßstab" für "gut" und "böse" sein soll: die Einhaltung bzw. Verletzung der Menschenrechte, dann sehe ich Russland letzten Endes auch nicht als "böser" als die Türkei, China oder Saudi-Arabien - und nur unwesentlich "böser" als die "guten" USA, die sich bei Menschenrechtsverletzungen ja sogar vom ebenfalls ach so "guten" Polen massiv helfen lassen. Trotzdem wird bei Russland - im Vergleich z.B. mit der Türkei - doch anscheinend mit zweierlei Maß gemessen und zwar ganz massiv. Und außerdem habe ich tendenziell den Eindruck, dass es darauf hinausläuft, dass es gar nicht um Putin bzw. die jeweilige russische Regierung und deren Menschenrechtsverletzungen geht, sondern dass Russen, bzw. das russische Volk nach Ansicht z.B. Polens und der Polen an sich böse sind. Motto: "Nicht Russland, der Russe ist böse." - Könnte das sein, dass man das z.B. in Polen so sieht?

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@Karl1004

Hallo Karl, ja, den Eindruck hat man. Ich verstehe vollkommen, was du sagen willst. Es liegt einfach an der Größe Russlands. China ist die Nummer 3, denn die Chinesen werden genauso wahrgenommen, wie die Russen.. Trotzdem sind die Russen "böser", weil sie statt dem "Schachspielen" mit der USA, leider mehr "Schläge unter der Gürtellinie" verteilen, so die letzten 2 Jahre.. Das machen die Chinesen nicht. Außerdem sind die Chinesen m.E. ihr eigenes größtes Problem, auch ohne USA und ohne Russland.

Rechtsradikal gesehen, fürchtet man sich auch mehr von einem Russen, als von so einem kleinen... Das mag nur verbotener Humor sein, es kann aber durchaus Etwas Wahres dran sein.

Und Putin erscheint mir eher, wie ein selbstgekrönter Kaiser, nicht wie ein gewählter Staatsmann. Eher wie der intrigante KGB-Offizier, der nach dem Ende Yelzins, mit allen Mitteln (!) an die Macht gekommen ist. Ich bin sicher, Andere empfinden das genauso, nicht nur Regimekritiker, Dissidenten und Auswanderer (auch ohne Propaganda, man muss nur auf die Fakten schauen).

Dass die russische Armee wahrscheinlich am A.. ist und lange nicht so stark und einsatzbereit, wie man uns glauben macht, ist wieder ein anderes Thema...! Das trifft auch auf China und auf die Türkei zu. Aber hier kommen die ABC-Waffen ins Spiel, das Kaninchen aus dem Hut verzaubert Respekt.

Folterungen und Illegalität gibt es immer. Die gäbe es auch bei uns, wenn die Deutschen auf dem Weltparkett mehr Macht hätten (mit den entsprechenden "Jobs"), ein gutes Heer (das mithalten kann mit den Anderen) und wir als Nation auch mal Alleingänge machen würden, z.B. Eingreifen im Jugoslawien-Krieg, in Syrien, in Nordafrika. Aber genau diese "Kraft"/Macht haben wir nicht, deswegen sollten wir Deutsche den Ball flachhalten bei dieser Art von Skandalen, da wir selbst Nichts zu melden haben.

Die USA schicken aktuell zwei Rentner in den Wahlkampf und die innere Sicherheitslage ist nicht die Beste. Wenn jemand die USA angreifen will, dann ist mit dem Abtreten von Obama der beste Zeitpunkt erreicht. Putin wäre, wenn er wirklich böse wäre, besser damit beraten, den Ball flachzuhalten und einfach nur zuzuschauen, wie die Show in den USA weitergeht. Es sei denn, er möchte Syrien als Grund nehmen, um einen Krieg anzuzetteln.

Der Ex-KGB Mann in London wurde ja umgebracht, weil er P. als Kinderschänder bezeichnet hat.. Was hier im Land kaum thematisiert wird, in England aber sehr wohl. (ob es so ist, ist ein anderes Thema) Ebenso erzählt man uns oft in den Nachrichten nicht Alles, z.B. bei den Details zu den Anschlägen in Paris (Gemetzel, blood and gore).. Die Menschen hier im Land werden oft von den Regierenden, wie Gras-fressende Schafe behandelt, wie Luschen, die Luschen bleiben sollen, ohne machtpolitische Ansprüche zu erheben. Eigene Macht und zwar weder pro-russisch, noch pro-westlich, einfach eigene (deutsche) Stärke, scheint nicht möglich, soll nicht sein. "Lassen wir die Drecksjobs von den Amis machen, ist doch gut, dann machen wir uns die Hände nicht schmutzig!"

Jetzt wirds verschwörerisch / dunkler Humor! Der Trick der Entnazifizierung funktioniert so: Mache die deutsche Gesellschaft so "bunt, vielseitig und frei und anti-Krieg und wohlhabend und sozial-gerecht, wie keine andere auf der Welt", sodass sie nie wieder zur Gefahr werden. Genauso ist es in Westdeutschland (aber z.B. nicht in Österreich!) Da man aber Ostdeutschland nicht genauso gut entnazifizieren konnte (erst ab 1991), gibt es ungewollte Überraschungen. Der Westen ist zahm wie eine Hauskatze, während im Osten, auch bei Bildung und Sozialisation, etwas andere Zustände herrschen. Die starke Linke in Deutschland rundet das Gesamtpacket (nie wieder ein "mächtiges" Deutschland). Die extremen Linken, auch die Anti-Amerikanisten, sind im Prinzi nur Handlanger der großen Mächte, die dafür sorgen, dass das Land schön weiter Mitte-Links fährt.

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