Warum hat man in den 1970ern und 80ern nichts über Nazis in den Medien gehört? Erst in den 1990ern gings los? Kamen die mit der DDR-Auflösung?

5 Antworten

Das ist nicht so. Man hörte immer wieder was. Früher gab es die NPD die nach dem Krieg Zulauf hatte und irgendwelche Wehrsportgruppen etablierten sich mit dieser Gesinnung. Oder die Republikaner und dann irgendwann die AfD.

In den 50er und den 60er Jahren wollte man den Krieg und die Kriegsverbrechen und die Nazis vergessen und kümmert sich um den sozialen und wirtschaftlichen Aufstieg. Zupacken, aufbauen, Fresswelle (im Krieg gab es nichts ordentliches) und konsumieren bis zum Umfallen. Erst langsam kam die Aufarbeitung in Gang und Verdrängung war nicht mehr möglich..

Es gab da aber schon Satire darüber

Der Konjunktur-Cha-Cha

Zeitloser Klassiker aus den 1950ern

https://www.youtube.com/watch?v=4lWVmwFHDqo

Und was die mangelnde Aufarbeitung anging, machte ein Film erheblich von sich reden.

Rosen für den Staatsanwalt -1959 - Wikipedia

Da fing das gaaaanz langsam an, die Geschichte aufzuarbeiten. Es gab ja noch genug Nazis, sogar in hohen Ämtern.

In Schwarz-Weiss gedreht

https://www.youtube.com/watch?v=RMYMaGA-cmQ

Also, geredet wurde darüber immer mehr.

Parteimitglied bei Bündnis90/Die Grünen 🌻


shipsi1 
Beitragsersteller
 27.08.2025, 13:27

in den 1950ern und 1960ern war ich noch nicht auf der Welt. Da kann ich nicht sagen was da abging. In den 1970ern und 80ern jedoch wenig .. im Vergleich zu jetzt. Auch in der Schule totgeschwiegen. Maximal Weisse Rose .. aber ohne Details.

vonGizycki  27.08.2025, 13:29
@shipsi1

Aber ich kann das sagen, weil ich in der Zeit groß wurde. Und deshalb hast Du diese Antwort bekommen. Ich verstehe natürlich dass Du das nicht wusstest.

1970 gab es ziemlich viel Dokus im Fernsehen anlässlich des "25. Jahrestages der bedingungslosen Kapitulation", wie man das damals nannte.

Vorher gab es Dokumentarspiele, in denen die Nazis zwar abschreckend, aber eindrucksvoll dargestellt wurden. Nach 1970 kam nicht mehr viel über die Nazis, außer einem Buch von Fest, "Hitler, eine Karriere", was wertneutral breitgetreten wurde.

Dafür kam umso mehr über die DDR, ziemlich abwertend. Aber Filme aus DDR-Produktion gab es fast überhaupt nicht. Die DEFA-Filme aus der DDR waren im Vergleich zum heutigen Durchschnitt und den allermeisten damaligen westlichen Filmen von sehr guter künstlerischer Qualität.

Die Nazi-Gedenkkultur kam tatsächlich erst in den 2000er Jahren so richtig auf.

Man hat auch damals in den Medien regelmäßig darüber gehört und gelesen. Allerdings war die NPD damals eine wenig bedeutende Splitterpartei, die es nie über eine Reihe von Mandaten in den Landtagen hinaus schaffte, während die AfD heute die zweitstärkste Bundestagsfraktion stellt. Mit der geringen Stärke der NPD einher ging ein geringeres öffentliches Interesse.

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung

Vermutlich weil zu der Zeit noch genug Altnazis in hohen Positionen gesessen haben um das unter den Teppich zu kehren.

In den frühen Jahren der Bundesrepublik hat man auch versucht das Thema hinter sich zu lassen und sich möglichst nicht damit zu befassen. Nach dem Motto "worüber man nicht spricht, das existiert auch nicht."


Stimmt nicht, als Grundschueler ging ich immer unter einer Bruecke durch, wo ein Hakenkreuz an der Wand war, keinen interessierte es, ich meine heute, dass einer der Anwohner es drangemacht hätte wenn es nicht da wäre. https://www.youtube.com/watch?v=IjDU7eaMmhc


shipsi1 
Beitragsersteller
 27.08.2025, 19:40

das war jedoch nicht wirklich Medien und die wenigsten wussten die Storries dahinter