Warum gelten Märchen als pädagogisch wertvoll?

13 Antworten

Maerchen sprechen etwas sehr tiefes und universelles in Kindern an, und Kinder koenen mit Symbolik noch viel einfacher umgehen als Jugendliche. 

Die Realitaet von Kindern ist von gewissen Aengsten durchsetzt, und sie sind die Kleinen / Schwachen, die von Grossen umgeben sind, die alles bestimmen. Dann ist es doch schoen, mal wieder der dritte Sohn in einem Maerchen zu sein und die grossen Brueder auszutrixen, oder die boese Mama / Hexe in den Ofen zu werfen.

Maerchen sind sehr vielschichtig und koennen auf geschichtliche, psychologische, psychoanalytische und noch viel mehr Arten verstanden werden. Deshalb haben diese Maerchen, genau wie Bibelgeschichten, solange ueberlebt. 

...das hier geht auf jeden Fall in die "richtige Richtung" - DH.

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@mia68

DH dir - ich glaube wir haben und beide mit den gleichen Quellen in Sachen Maerchen beschaeftigt, ist bloss sehr schwer die hier kurz zusammenzufassen.

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ich würde nicht sagen, dass märchen als pädagogisch wertvoll gelten. ich würde behaupten, dass die meisten pädagogen sich heutzutage gegen den inhalt von märchen aussprechen würden. die darin enthalten "erziehungsmethoden" basieren auf angst und angst sollte nicht teil der erziehung sein, weil es der beziehung zwischen eltern/bezugsperson und kind schadet. selbst fernab von irgendwelchen beziehungen hat angst eine negative wirkung auf die kindliche psyche.

auch den moralischen zeigefinger halte ich nicht für sinnvoll. damit "indoktriniert" man die kinder ja quasi mit wertvorstellungen, statt sie dazu anzuregen selbst nachzudenken, was gut und was böse ist und warum es so ist. auch eine differenzierung ist nicht möglich, denn es wird ja quasi gesagt, dass eben dieses und kein anderes verhalten in dieser situation richtig ist. also quasi: diebstahl ist böse. die frage, ob diebstahl auch böse ist, wenn man sonst keine wahl hat, weil man sonst verhungern würde, bleibt unbeantwortet. die in märchen vermittelte moral ist also sehr "schwarz-weiß" und undifferenziert.

oft werden auch rollensteretotype geprägt, wie z.b. das der bösen stiefmutter und ähnliches. diese sorgen dafür, das vorurteile entwickelt werden, was aus pädagogischer sicht sicherlich auch nicht zu begrüßen ist.

dass man aber weiterhin märchen vorliest, hat, meiner meinung nach, etwas mit allgemeinwissen zu tun. die kenntnis von märchen gehört zum allgemeingut und deswegen befinden eltern wohl, dass auch ihre kinder die geschichten kennen sollten.

abgesehen vom allgemeinwissen, besteht der höchste pädagogische wert, den märchen, meiner meinung nach, haben, darin, dass eltern ihren kindern etwas vorlesen und so gemeinsame zeit verbringen. aber wenn wir ehrlich sind: man kann die zeit auch mit deutlich wertvolleren texten füllen.

Märchen sind vollkommen unterschiedlich und keinesfalls pauschal so zu bewerten, wie es hier geschehen ist. Wenn man "Rotkäppchen" liest, gebe ich Dir vollkommen recht. Da riecht es ein wenig, nach "schwarzer Pädagogik". - Aber man kann solche Märchen nutzen, um Kindern zum kritischen Denken zu verhelfen, indem man gemeinsam mit ihnen solche Texte hinterfragt.

Wo aber bitte ist die auf Angst basierende Erziehung bei "Das tapfere Schneiderlein" oder "Der gestiefelte Kater"? Wo bei "Dornröschen" oder "Aschenputtel"? In diesen Texten gibt es Bösewichte, die vielleicht Angst machen, die aber besiegt werden. - Was hat das mit schwarzer Pädagogik zu tun? Gar nichts!

Ich würde empfehlen, Märchen noch einmal genau zu lesen, anstatt sie pauschal der schwarzen Pädagogik zuzuordnen. Grimms Märchen sind nicht der Struwwelpeter.

Hilfreiche Lektüre: www.maerchenpaedagogik.de

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Hier fehlt der Name eines - ich glaube evangelischen - Menschen der zu den Gebrüdern Grimm ein Buch verfasste. Tatsache ist dass die von diesen Gebrüdern nieder geschriebenen Geschichten damals von Erwachsenen für Erwachsene erzählt wurden um sie zu belehren und altes Wissen weiter zu geben, alte Erfahrungen, auch um gesellschaftliche Normen weiter zu geben. Zu Märchen wurden diese Geschichte erst später. 

Heute gibt es durchaus kindgerechte Märchen. Dazu brauchst Du nur dradio online aufrufen und dann dort in die Suchmaske eingeben: "Literatur für junge Leute". Schon findest Du Besprechungen von Büchern bestimmter Altersgruppen. 

Deine Kritik ist berechtigt und auch mittlerweile wie ich gerade feststellte von Fachmenschen begründet. Eugen Drewermann heißt jener Mensch der mal Wirbel mit seiner Kritik auslöste in den Medien. Aber, wie ich gerade feststellte, heute gibt es noch manche andere Fachmenschen die kritisch die Texte auseinander nehmen

Ich bin gestern wieder mal ein ein menschliches Phänomen erinnert worden. Dieses Mal im Zusammenhang mit der unterschiedlichen Größe der Geschlechter. Arte hat dazu noch kurze Zeit einen Film in seiner Mediathek. In diesem berichtet eine Forscherin dass sie lange Zeit beobachtete wie stillende Frauen eines Volkes ihre Kinder nicht dann stillten wenn diese ihren Hunger meldeten sondern ihre Kinder warten ließen.Bei näherer Beobachtung stellte sich dann weiter heraus dass die Jungen sofort gestillt wurden während die Mädchen zu warten hatten. Die Frauen wurden also zu ihrem Verhalten ausführlich befragt. Eine Frau erklärte schließlich: Das müsse so sein denn eine Frau werde in ihrem ganzen Leben niemals satt werden. Es sei besser wenn sich die Mädchen so früh als möglich daran gewöhnen würden. 

Die Zeiten haben sich angeblich bei uns verändert. Allerdings spricht die Realität im familiären Alltag eine gegensätzliche Sprache wie uns manche Statistik beweist. 

Versuche bei Interesse mal folgende Suchabfragen:

kritische auseinandersetzung mit dem märchen der gebrüder grimm

psychoanalytische rezensionen der märchen der gebrüder grimm 

Märchen waren dann sinnvoll, wenn Menschen sie Kindern erzählten. Das gleiche von verschiedenen Altvorderen erzählt , hatte immer anderen Inhalt.

Seit mind.40 Jahren ist es sinnlos , weil die Menschen verdummt werden durch vorgekaute TV Information . Der eigenen Fantasie wird kein Raum mehr gegeben .

...mit der Schwarzmalerei (das heißt, Aussagen wie: Märchen seien ja so "grausam" und noch dazu "veraltet", weil "so generalisierend") wird man ihnen alles andere als gerecht. Es braucht schon ein bisschen mehr als das, wenn man hinter "das Geheimnis" oder: den Zauber der Märchen kommen möchte.

Der Klassiker schlechthin zu dem Thema ist Bruno Bettelheims "Kinder brauchen Märchen".

Nun war Bettelheim zwar kein Pädagoge, aber Psychologe/Psychoanalytiker. Ebenso wie C.G. Jung - welcher sich mit der Symbolik (d.h. insbesondere: den Archetypen) innerhalb der Märchen befasst.

Wenn man auf dieser Spur ein bisschen bleibst, dann erschließt sich das "pädagogisch Wertvolle" mehr und mehr.

Und: Verena Kast ist noch ein weiterer Name, der (dir) helfen dürfte (sofern tatsächliches Interesse besteht).

 

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