Warum datieren Zeugen Jehovas die Zerstörung Jerusalems auf 607 v. Chr., obwohl Historiker 587 v. Chr. sagen?

6 Antworten

Hallo Fragenius20,

das genaue Jahr 607 v. u. Z. für die Zerstörung Jerusalems durch die Babylonier ergibt sich aus einem logischen Rückschluss auf Basis der Bibel und allgemein anerkannter historischer Daten.

Ausgangspunkt ist das Jahr 539 v. u. Z., das von vielen Historikern als das Jahr anerkannt ist, in dem das neubabylonische Reich durch den persischen König Kyros den Großen fiel. Diese Jahreszahl wird durch außerbiblische Quellen wie babylonische Chroniken, Keilschrifttexte und griechische Historiker wie Herodot gestützt.

Die Bibel berichtet in Esra 1:1–4, dass Kyros im ersten Jahr seiner Herrschaft über Babylon den Erlass zur Rückkehr der Juden nach Jerusalem veröffentlichte. Das war sein erstes Jahr als Herrscher über Babylon, also 538 v. u. Z.. Da die Juden Zeit brauchten, um sich auf die Reise vorzubereiten und zurückzukehren, geht man davon aus, dass sie im Jahr 537 v. u. Z. tatsächlich wieder in Juda ansiedelten.

Nun sagt die Bibel in Jeremia 25:11 und 2. Chronika 36:20–21, dass das Land 70 Jahre lang verwüstet und unbewohnt blieb. Diese 70 Jahre endeten demnach 537 v. u. Z., als die Juden zurückkehrten. Wenn man von diesem festen Punkt 70 Jahre zurückrechnet, kommt man auf das Jahr 607 v. u. Z. – das Jahr, in dem Jerusalem zerstört wurde und das Land Juda leer blieb.

Es stimmt, dass viele Historiker die Zerstörung Jerusalems ins Jahr 587 oder 586 v. u. Z. datieren. Diese Berechnung basiert jedoch hauptsächlich auf babylonischen Aufzeichnungen und der herkömmlichen Königsliste Babylons – nicht auf dem biblischen Zeitrahmen. Jehovas Zeugen vertrauen auf die innere Chronologie der Bibel, die zeigt, dass die Verwüstung 70 Jahre dauerte – nicht nur die politische Vorherrschaft Babylons über Juda, sondern eine Zeit tatsächlicher Verwüstung und Exils.

Die 70 Jahre waren also nicht einfach eine symbolische Zahl, sondern eine real gezählte Periode vom Beginn der vollständigen Verwüstung Jerusalems (607 v. u. Z.) bis zur Rückkehr der Juden (537 v. u. Z.). Das erklärt, wie Jehovas Zeugen zu dieser Datierung kommen, auch wenn das exakte Jahr nicht direkt in der Bibel steht.

LG Philipp


Hoerli79  27.08.2025, 16:08

Danke für deine Erklärung. Nur eine Sache verstehe ich nicht:

Jeremia 25,11 sagt, dass ‚diese Nationen‘ dem König von Babylon dienen sollten – also nicht nur Juda, sondern die ganzen Völker rundherum. Historiker setzen diese babylonische Vorherrschaft tatsächlich auf rund 70 Jahre an (605–539 v. Chr.). Das passt also perfekt.

Wenn Jeremia von den Nationen spricht – warum reduziert ihr die 70 Jahre dann ausschließlich auf die totale Verwüstung Jerusalems? Wäre das nicht ein Widerspruch zum Text selbst?

In historischer Zeit hat sich die Zeitrechnung des Öfteren geändert, da ist es schwer, Zeiträume richtig zu berechnen. So kommen die wahnwitzigen Altersangaben im alten Testament beispielsweise daher, dass mit einem Jahr im Ägypten jener Zeit einem Monat entsprach. rechnet das mit diesem Wissen um, war Methusalem eben doch nur etwa 85 und nicht 900 Jahre alt. In der Hinsicht sind die Zeugen ziemlich schmerzfrei, wie auch in der Berechnung des Erdzeitalters mit 6000Jahren. Die kommt von dem einfachen Fehler, dass man die Bibel wörtlich nimmt. So sind von Gott "tausend Jahre wie ein Tag. Die Schöpfung dauerte 6 Tage, also 6000 Jahre. Mit wissenschaftlichen Methoden haben die "Bibelforscher" nicht viel am Hut.


Mayahuel  27.08.2025, 10:34
einem Jahr im Ägypten jener Zeit einem Monat entsprach

wo kann man das nachlesen?

Da die Kalender nicht stimmen im Bereich bis 800 nChr kann das keiner so genau berechnen (Jesus wurde nicht im Jahr 0 geboren, das gibts ja wegen den Römern nichtmal .. aber Jesus wurde auch nicht 1BC oder 1AD geboren). Das einzige wäre die Karbondatierung ...die ist aber bei 3000 Jahren vielleicht höchstens 1% genau. also es könnten genausogut 3030 Jahre sein.

Das Jahr dient als Ausgangspunkt für die Berechnung der 70 Jahre „Zerstörung“ aus dem Buch Jeremia und ist eng verknüpft mit der Datierung des Beginns der „Endzeit“ auf 1914 n. Chr. Innerhalb der Organisation wird dieses Datum als dogmatisch betrachtet und selten öffentlich hinterfragt; Änderungen würden das gesamte Zeitschema der Endzeitprophezeiung gefährden.

Die Festhaltung an 607 v. Chr. ist nicht historisch begründet, sondern theologisch motiviert. Sie erfüllt in der Lehre eine funktionale Rolle, ohne das Datum bräche die 1914-Interpretation zusammen, weshalb das Datum konsequent beibehalten wird, unabhängig von historischen Fakten. Wissenschaftlich betrachtet bleibt das Jahr 587/586 v. Chr. die gesicherte historische Realität.

607 v. Chr. ist eine religionsinterne Konstruktion, kein belegbares historisches Datum. Die Lehre hängt davon ab, nicht die historische Forschung.

Gruß aus Tel Aviv

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung – Globalgeschichte

Fragenius20 
Beitragsersteller
 27.08.2025, 10:28

Weil sie gemerkt haben das sie sich geirrt haben. Die geben in den Einsichten Büchern ja selber zu das die Wissenschaft ein anderes Datum benutzt.

Stressika  27.08.2025, 10:32
@Fragenius20

Historische Fakten werden nicht bestritten, aber die theologische Bedeutung eines spezifischen Datums bleibt bestehen, weil sie für die Glaubensstruktur zentral ist. Neutral betrachtet bedeutet das: Historisch korrekt ist 587/586 v. Chr., dogmatisch wird in der Lehre 607 v. Chr. verwendet.

Gruß aus Tel Aviv

Historiker datieren die Zerstörung Jerusalems eindeutig auf 587/586 v. Chr. – das belegen babylonische Chroniken, Königslisten, Astronomietafeln und ägyptische Daten.

Die Zeugen Jehovas halten trotzdem an 607 v. Chr. fest, weil nur so ihre Rechnung bis 1914 aufgeht – dem Jahr, das sie als Beginn der Endzeit und Jesu unsichtbare Wiederkunft lehren.

Problem: Für 607 gibt es keine einzige historische Quelle. Es ist reine Auslegung. Würde man das wissenschaftlich belegte Jahr 587 akzeptieren, bräche die gesamte 1914-Lehre zusammen.