War das Abitur früher schwieriger oder leichter?

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5 Antworten

Das kann man pauschal nicht sagen, weil sich die Richtlinien ständig(!) ändern. In der Bildungspolitik kocht ja jedes Bundesland sein eigenes Süppchen, nicht einmal da ist also Vergleichbarkeit gegeben. Außerdem gab (oder gibt) es nicht überall Zentralabitur, sodass sich dann auch noch Unterschiede zwischen den einzelnen Schulen oder sogar Lehrern ergeben.

Als meine Eltern Abitur gemacht haben. Gab es das Thema Abwählen gar nicht. Meine Trainerin hingegen, die 5 Jahre älter ist als ich, konnte ziemlich frei wählen, was sie in der Oberstufe und im Abitur macht. Ich musste fast alles bis zum Schluss machen, konnte mir aber das Niveau und die Prüfungsfächer (mit ein paar Richtlinien) aussuchen. Und bei meinen jüngeren Geschwistern waren diese Richtlinien dann schon wieder anders.

Auch die Informationsbeschaffung war ja ganz anders früher. Computer und Internet gibt es noch nicht ewig. Mein Vater hat seine Examensarbeit noch mit der Schreibmaschine geschrieben... Ich habe für meine ersten Referate die Stadtbücherrei durchforsten müssen und war ganz stolz eine Folie für den Overheadprojektor zu haben. Später hatte jeder zumindest Zugang zu nem Computer und es gab Google, Wikipedia und Powerpoint.

Deshalb denke ich, dass es einfach anders war. Weder generell einfacher noch schwerer, sondern anders.

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Wenn ich sehe, wie viele Schüler heute ein Einser-Abi schaffen, habe ich starke Zweifel, dass das Abi schwerer geworden ist und gehe vom Gegenteil aus.

Dazu passt auch die Anzahl der Schüler, die Abitur machen im Vergleich zu früher.

Das ganze kann ja nur zwei Ursachen haben:
1. Die Schüler sind wesentlich schlauer geworden, oder
2. das Abi ist einfacher geworden.

1. kann ich nicht glauben

Letztens gab es hier eine Frage zur Geschichte der Eulerschen Zahl, da der Fragesteller ein entsprechendes Referat halten musste um einen Leistungsnachweis zu bekommen.

Lt. Spiegel Online sind solche Referate in Mathematik besonders beliebt, um Klausuren zu vermeiden.

Das sagt glaube ich alles.

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Kommentar von eddiefox
29.04.2016, 22:15

Auch mein Eindruck ist, dass die Anzahl der Eins-Komma Abiturnoten mit den Jahren zugenommen hat. In den 80er Jahren war ein Einser-Abitur eine grosse Ausnahme. So ein Kandidat galt fast als Wunderkind.

Ich habe mal ein Interview gelesen, in dem ein Lehrer erzählt hat, dass die Noten angehoben werden und wenn ein Lehrer aus dieser Tendenz ausbrechen will, bekäme er Probleme mit Kollegen oder der Schulleitung. So würden sich die Noten immer weiter nach oben schrauben. (Leider finde ich den Artikel nicht mehr)

Das war aber nur eine Stimme, nur ein Artikel. Es gibt auch andere Meinungen.

Hier eine Statistik, in der die Anzahl der 1,0 Abiturienten von 2005 und 2012 gezeigt werden:

http://www.welt.de/politik/deutschland/article129189233/Die-gefaehrliche-Entwertung-des-deutschen-Abiturs.html

man sieht, dass sich die Anzahl der 1,0 Abiturienten zwischen 2005 und 2012 fast verdoppelt hat.

Wenn man so eine Statistik für jede Note hätte (1,1 ; 1,2... bis 4,9) und das für jedes Jahr und jedes Bundesland, dann könnte man gut Vergleichen. Mal bei destatis.de schauen...

Andererseits, so vermute ich, ist die Sorge mal eine gute Arbeit zu finden, heute grösser als früher. So ist der Druck auf die Schüler, noch dazu mit G8 und der Tendenz zur Ganztagsschule, stärker geworden.

Interessantes Thema, gute Frage.

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Das muss man sehr differenziert sehen.

In den 50iger Jahren war das Abitur für Nichtgymnasiasten fast unerreichbar und praktisch nur über Abendgymnasien für Berufstätige oder über ganz wenige spezielle Aufbaugymnasien für die allerbesten Realschüler erreichbar. Der Notendurchschnitt im Abitur lag damals bei etwa 3,8 und die Abiturquote bei um die 5 %.

Die Realschulen dauerten damals 2 Jahre länger als die Hauptschulen und der Abschluss war damals ungefähr soviel wert wie heute eine Fachhochschulreife. Gleichzeitig waren die Realschulen, in meinen Augen, sowas wie gigantische Abiturverhinderungsanstalten, die vor allem die Abiturienten des damaligen Bildungsbürgertums schützten.

Mit der Reform der gymnasialen Oberstufe und der Einführung der Gesamtschulen wurde dann Anfang der 80er Jahre als ganz anders, gleichzeitig wurden auch die Fachoberschulen eingeführt. Zu dieser Zeit war das Abitur, vor allem durch die sehr grosszügige Abwählbarkeit von Fächern und ein Abitur-Light an den Gesamtschulen für eine kurze Zeit mal sehr leicht erreichbar.

Dann hat man die Zügel aber wieder angezogen und die Fächerabwahl begrenzt sowie das Zentralabitur eingeführt. Gleichzeitig wurde der Uni-Zugang über (leichte) FH-Studiengänge durch eine neue BaFöG-Gesetzgebung eingeschränkt.

Heute weiten sich die Abiturmöglichkeiten an beruflichen Schulen immer mehr aus, durch Berufsgymnasien, Berufsoberschulen und FOS13. Mittlerweile liegt die Abiturientenquote bei um die 40 % (ohne Fachhochschulreife) und die Gymnasien sind prallvoll sowie der Notenschnitt deutlich höher als in den 50ern, viele sind zu Ganztagsschulen übergegangen und bringen so noch mehr Schüler durchs Abitur.

Gleichzeitig wird seit 2009 nun der praktisch der Meister/Techniker sowie der Fachwirt als Allgemeine Hochschulreife anerkannt (vorher galt das höchtens als Mittlerer Schulabschluss !!), was das Abitur natürlich noch weiter abwertet.

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Falsch. Das Abitur damals war weit anspruchsvoller. Auch ein Grund war, dass die Schüler weit weniger abgelenkt waren von irgendwelchen Medien, daher auch nicht den ganzen tag vor PC oder sonst einem Elektro Gerät verbracht haben.

Mein Mathelehrer meinte mal, dass er kaum glauben kann, was heute im Abitur dran kommen würde. Er meinte heute würde es ja fast jeder Volldepp schaffen Abitur zu machen. Der Weg sei nun so gelegt, dass auch Schüler, die ehemals eine Realschulempfehlung bekommen haben, Abitur machen können.

Mittlerweile macht ein großer Teil der Schüler Abitur. Auch viele, die es damals nicht geschafft hätten. Das zeigt, dass das Abitur weniger anspruchsvoll ist.

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Was heißt früher? Es gab einmal eine Zeit, da konnte man gar nichts abwählen, höchstens durch die Art des Gymnasiums einen Schwerpunkt setzen.

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