War Adolf Hitler ein Atheist?

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Hitler hat Worte wie „Der Allmächtige“, „Herr der Welten“, „Allmächtiger Gott“ u. ä. in den Mund genommen. In „Mein Kampf“ betet er sogar zu Gott: „Allmächtiger Gott, segne dereinst unsere Waffen, sei so gerecht, wie du es immer warst…“ (S. 715)

Er glaubte also an einen Gott; das kann aber nicht der Christengott gewesen sein, denn eine christliche Moral kannte Hitler nicht (braucht nicht begründet zu werden!).

Einmal sprach er – in der Rundfunkansprache von Anfang Febr. 1933 – vom Christentum, welches die Basis der Moral seiner Partei sei („Das Christentum ist die Basis unserer Moral!“).  Das war eine taktische Lüge, um misstrauisch zögernde Christen für die NSDAP zu gewinnen (die Reichstagswahl stand unmittelbar bevor). 

Wenn Hitler vom „Herrn der Welten“ sprach, meinte er einen Gott, der die Welten erschaffen hat. Auch an das Schicksal glaubte er. Kurz bevor er Selbstmord beging, sagte er (dem Sinne nach): „Das Schicksal hat mich zum Tode verurteilt.“ (oder so ähnlich). Das bedeutet: Hitler hat am Ende seines Lebens eine anonyme Schicksalsmacht als das Stärkere über sich anerkannt bzw. musste es als das Stärkere anerkennen.

Gegenüber dem „Herrn der Welten“ hat Hitler keine Unterwerfungsgeste an den Tag gelegt, er hat einfach geglaubt, dass er – in seinem Verfahren gegen die Juden z.B.  -  ganz im Sinne des „Allmächtigen“ handele („So glaube ich heute im Sinne des allmächtigen Schöpfers zu handeln: Indem ich mich
des Juden erwehre, kämpfe ich für das Werk des Herrn.“ Siehe “Mein Kampf“, S. 70).

Ein Glaube muss das gewesen sein, gespickt mit darwinistischen Inhalten. Hitler übertrug jedenfalls ein Hauptmerkmal des Darwinismus, die Selektion schwächlicher und minderwertiger Wesen, auf die Menschheit. Was schwächlich und minderwertig sei, entschied allein Hitler.

Dieses Vorgehen als im Einklang mit dem "Allmächtigen" zu erklären, ist eine in der Weltgeschichte einmalige Anmaßung.

Vielleicht noch drei Dinge ergänzend:

Hitlers Ummünzung der Evolutionstheorie war grundfalsch. Auch damals ging es um den "am besten angepaßten", nicht "den stärksten".

Hitler hat - als er sich noch Hoffnung auf eine Künstlerkarriere machte - auch christliche Motive gemalt!

Und wo wir gerade im Jubeljahr für Luther sind: Hitler hat sich nicht nur anleihen beim großen Volksheld geholt, er hat ihn auch zitiert und versucht Luthers Regeln, was man mit den Juden machen soll 1:1 umzusetzen. Schon Luther formulierte, daß Juden keine Menschen, sondern vom Teufel seien, man Ihre Synagogen anzünden solle und ihnen Zwangsarbeit auferlegen müsse. Ur-christliche Motive also die Hitler da antrieben.

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@matmatmat

Im Urchristentum war man noch nicht so weit von den Lehren Jesu entfernt. Deshalb ist es zumindest missverständlich, bei Hitler von ur-christlichen Motiven zu sprechen.

Im Übrigen ist bekannt, dass die christliche Kirche – und Luther
war ein Teil von ihr – in manchen Phasen der Verblendung von den Lehren Jesu abwich. Jesus, der die Nächstenliebe vom christlichen Menschen forderte (s. Bergpredigt), verlangte, dass man  rücksichtsvoll, sanftmütig und barmherzig gegenüber allen Menschen sei.

Nun waren viele Menschen in der Umbruchszeit um 1500 oft
von wahnhaften Ideen beherrscht, beispielsweise von dem Glauben, der Teufel würde in mancherlei Gestalt die Seelen der Gläubigen bedrohen; die Hexen zählten für sie zu den Wesen, die leicht vom Teufel besessen seien; auch die Juden galten für viele als Sendboten des Teufels, die die Reinheit der Seele des Gläubigen bedrohe. Vor allem ihre Weigerung, zum christlichen Glauben überzutreten,
galt vielen als Beweis ihrer Ruchlosigkeit.

Außerdem warf man ihnen den Gottesmord vor; von dieser „Schuld“ hätten sie sich durch Annahme des christlichen Glaubens befreien können. Da sie sich standhaft weigerten, war auch Luther über dieses halsstarrige Verhalten empört.

Es war halt damals (noch) das Mittelalter, Hexen- und Teufelswahn
waren weit verbreitet. Auch Luther gehörte mit seinen antisemitischen Sprüchen zu  diesem Verblendeten.

Nun könnte man sagen: Hitler war auch so ein Verblendeter. In der Tat sagt man oft, der Nationalsozialismus sei ein Rücksturz in die
Barbarei des Mittelalters. Die Machthaber damals ließen ja barbarische Aktionen gegenüber den Hexen, den Häretikern, auch gegenüber den Juden zu (z.B. ihre Vertreibung aus Regensburg 1519).

Dennoch besteht ein gradueller Unterschied zwischen Hitler
und Luther. Nach heutigem Forschungskonsens waren Luthers Tiraden gegen die Juden noch nicht von Rassismus, sondern von seiner antijudaistischen Theologie bestimmt (s. Wikipedia). Er rief auch nicht zum Mord an den Juden auf; Hitler dagegen hatte Mörderisches im Sinne. Luther bereute auf seinem Sterbebett („Wir
sind allzumal Sünder!“), Hitler bereute nichts.

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Er hat in seinen Reden immer gerne von "Vorsehung" gesprochen. In diesem Sinne war er zumindest religiös. Aber das heisst ja noch nichts.

Dikatoren haben prinzipiell ein Problem mit göttlicher Authorität, die sie ja erst einmal für sich selbst beanspruchen.

Kaiser Wilhelm II sah sich immerhin noch als Kaiser von Gottes Gnaden und hat ganz bewusst die höhere Authorität mit einbezogen. Paul von Hindenburg hat das als Reichskanzler schon nicht mehr für sich beansprucht. Man gab sich aufgeklärt. Und dann kam der "Führer", der sich quasi selbst als Gott verkauft hat. Kein Wunder, dass solch ein Geisteskind nur Atheist sein kann. Das resultiert ja schon aus der Konkurrenzsituation.

Tatsächlich ist es egal, ob er Atheist war.

Wenn er Atheist war, dann kann man daraus nichts folgern, denn Atheismus ist nur Ergebnis von Überlegungen niemals der Ausgangspunkt. Aus dem Atheismus lässt sich nichts ableiten. Er ist eine Informationssenke.

Auf der anderen Seite wäre es nicht egal, wenn er nicht Atheist war.

Wenn er kein Atheist war, dann war er gläubig. Glaube kann die Ursache verschiedenen Denkens und Handelns sein. Insofern bestände von der Seite aus die Möglichkeit, sein Denken und sein Handeln rechtfertigen zu können. Soweit ich weiss, hat er das nie getan.

Hitlers Diktatur war nicht auf Religion begründet sondern auf Ideologie, was im Endeffekt genauso schlimm sein kann, wie die unter seinem Regime begangenen Greueltaten belegen.

In keinem Fall hat Atheismus irgendetwas damit zu tun, was Hitler tat. Atheismus ist weder Teil einer verfolgten Ideologie nocht ist er selbst eine.

Atheismus ist keine Ideologie, aber eine Weltsicht, die durchaus verfolgt wird... es gibt Länder, da werden Menschen für den Verdacht Atheisten zu sein getötet.

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@matmatmat

Ich hatte hier lediglich die Sicht der Person, die potentiell Atheist ist, dargestellt. Was Personen mit anderen Sichtweisen mit Atheisten machen ist ja noch einmal etwas anderes.

Ich hatte amgenommen, dass hier wieder fälschlicherweise Handlungen aus dem Atheismus unterstelt werden, obwohl aus dem Atheismus keine Handlungen abzuleiten sind.

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