Stimmt es,dass Finnen und Ungaren ein mongolisches Volk sind?

6 Antworten

Nein. Die Finnen und die Ungarn gehören der gleichen Sprachfamilie an, nämlich der finnisch-ugrischen. Warum das so ist, wo sie letztlich herkommen und warum sie so weit auseinander wohnen, weiß ich nicht. Aber Mongolen sind sie auf keinen Fall.

Man muss zwischen ethnischer und sprachlicher Gruppierung unterscheiden.

Finnisch und Ungarisch sind sog. agglutinierende Sprachen. Will heißen: Grammatische und lexikalische Formen werden durch Hinzufügung von Buchstaben und Silben erzeugt. Diese zwei Sprachen gehören als westliche Gruppe der Ural-Altaischen Sprachgruppe an. Die östlichen Vertreter dieser Sprachfamilie sind Mongolisch, Türkisch, und viele andere mehr. (Verbreitet in einem breiten Streifen vom Balkan bis zur Pazifik.)

Ungarn sind sehr wahrscheinlich auch mit den Turkvölkern verwandt. Sie sind vor mehr als 1000 Jahren vom Osten her kommend eingewandert. Aber durch die Christianisierung und Mischung ist die ethnische Verwandtschaft zurückgedrängt worden. Bei Finnen bin ich mir nicht sicher.

Nun zum östlichen Zweig, den altaiischen Sprachen (und Völkern). Dieser Name ist von den Altai-Bergen in Asien abgeleitet. Mongolen, Jakuten, Tataren, Kirgisen, Turkmenen, Usbeken, Uiguren, Türken und viele andere mehr gehören zu dieser Gruppe. Mit der geografischen Entfernung wachsen die sprachlichen Unterschiede.

Auf keinen Fall sind Finnen und Ungarn "Mongolen". Die Mongolen haben zwar das ausgedehnteste Reich aller Zeiten errichtet (Dschinghis Khan und Nachfolger). Aber die Bevölkerung dieses Reichs war nur zu einem Bruchteil mongolisch. (Auch China unterstand lange einer mongolischen Dynastie. Kubilai Khan war der Enkel Dschinghis Khans. Das macht die Chinesen lange nicht zu Mongolen.) Das Staatsvolk war ziemlich zusammengewürfelt; die politische Macht befand sich in den Händen einer mongolischen Elite.

Es ist immer wieder zu beobachten, dass der Name einer Volksgruppe auf alle Völkerschaften übertragen wird. So sind die Deutschen in den Augen der Franzosen "Alemannen". Egal was für Stämme in Germania bzw. Deutschland existierten: Die Nachbarn waren Alemannen, und alles Volk dahinter auch: "kann ja eh keiner unterscheiden."

Mit ein wenig Geschichte und Geografie lassen sich solche Fehler vermeiden.

8.000 Jahre vor unserer Zeit gelangten die ↑Kelten aus West-und Mitteleuropa vordringend als Vorfahren der ↑Germanen und ↑Wikinger über die nordische Landbrücke bis nach Dänemark und Skandinavien. (S. WIKIPEDIA, ↑Littorinameer) - Während der ↑Jungsteinzeit, auch Neolithikum (12000 J. v. u. Z.) und der ↑Kupfersteinzeit (6000 J. v. u. Z.) bestand eine Landbrücke zwischen Schleswig-Holstein und dem heutigen Dänemark. Das Skagerrak der Nordsee und die Ostsee in seiner heutigen Ausprägung ist erst kurz vor bzw. während der ↑Trichterbecherkultur entstanden. Daher könnten die Vorfahren der GERMANEN „eine Anzahl von ehemaligen Stämmen in Mitteleuropa und im südlichen Skandinavien“ (WIKIPEDIA, ↑Germanen) aus dem Süden kommend, über Thüringen, den Harz und weiter nach Norden bis nach Skandinavien gelangt sein. – Diese Annahme würde auch die ↑Nordische Gruppe und die ↑Nordische Bronzezeit sowie alle anderen nordischen Nachfahren, neben den ↑Samen (↑Volk), nachvollziehbar erscheinen lassen.

Die ethnische Zuordnung der ↑germanischen Volksgruppen gestaltet sich sehr schwierig, da vor dem Auftauchen der vermeintlich (germanischen) Jastorfkultur bereits römersche und auch keltische Siedler bis zu Oder gelangten. Der Autor ↑Werner Besch schreibt dazu in seinem Buch: SPRACHGESCHICHTE - Ein Handbuch zur Geschichte der deutschen Sprache und ihrer Erforschung; de Gruyter Verlag; 3. Teilband, S. 2233 unter 158, Die sprachgeografische Gliederung der Deutschen: „Einigkeit besteht darüber, daß die eisenzeitliche ↑Jastorfkultur zu beiden Seiten der Elbe von Holstein bis Nordböhmen […] „germanisch“ ist. Sie bildet sich in der jüngeren ↑Hallstattzeit im Gebiet der Aller und Oder und verbreitet sich währen der Latènezeit nach Sachsen, Thüringen und Böhmen. Während offen bleibt, ob ihre Ausbreitung durch Wanderungen oder durch kulturelle Angleichung der einheimischen Bevölkerung erfolgt, weist die Fundverbreitung in Böhmen am Rande der dortigen Gruppe der (keltischen) ↑Latènekultur deutlich auf eine Einwanderung hin. Wenn man aber die Entstehung der Jastorfkultur aus bronzezeitlichen Wurzeln der „↑Ethnogenese“ der Germanen gleichsetzt, so missachtet man die Einwände Wahles [↑Ernst Wahles] gegen Kossinnas Verfahren. Ganz allgemein wird auch die eisenzeitliche Bevölkerung Dänemarks und Skandinaviens als germanisch angesehen. (Mildenberger 1986, 317)“ (s. a. ↑Gustaf Kossinna)

Quelle: Killikus - Slawische Völkergeschichte in Deutschland

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