Schreibstil von Günter Grass?

2 Antworten

"...wie man den Schreibstil von Günter Grass nennt?"

Am besten überhaupt nicht. Die 700 Seiten der "Blechtrommel" schrieb er in vier Wochen zusammen. Zum Roman haben es seine Herausgeber geordnet. Auf die Frage, warum die Schwarte so dick geworden sei, sagte er: "Weil ich Geld brauchte."

Den späteren Ausgaben der '90er Jahre fehlt der Biss. Die "bissigen" Stellen nahm er heraus. Auf die Frage "Warum?" antwortete er: "Sonst wäre sie nicht in die Auswählbände von Readers Digest gekommen."

Günter Grass dohte jedem auf die Schnauze zu hauen, der ihn mit anderen Autoren vergleichen würde. Selbst noch im Alter, als er längst gemerkt hatte, dass dies fragwürdig war, beharrte er darauf: "Mir ist das zwar inzwischen ziemlich lästig, aber ich habe das nun mal so angefangen und muss dabei bleiben."

Andererseits beschwerte er sich sarkastisch, dass er den Nobelpreis erst so spät bekam. Ob ihn jemand über den Zusammenhang aufgeklärt hat, weiß ich nicht: Der Vergleich ist das einzige Werkzeug des menschlichen Verstandes. Wer jemanden bedroht, wenn er dieses Werkzeug benutzt, macht ihm zugleich sein Menschsein streitig.

Zwar lebt Grass nicht mehr, aber man sollte ihm auch posthum seinen Willen lassen. Du kannst dann nur die einzelnen Ausgaben seiner Werke miteinander vergleichen.

Es hätte Grass mit Sicherheit sehr gefallen, wenn man alle seine Romane und Novellen gelesen hätte. Oft hat er in einem neu erschienenen Roman (Der Butt z.B:) Bezug genommen auf bereits veröffentlichte Werke,- immer offenbar davon ausgehend, daß man genau das getan hat, alles von ihm gelesen. Er ist ein drastischer Schilderer von Menschen und Situationen,- und ein wenig selbstverliebt gewesen. Jedenfalls war das mein Eindruck. Ob er den Nobelpreis zu Recht bekommen hat, darüber könnte man streiten,- aber es ist Geschmackssache. Jedenfalls hatte er einen ziemlich unverwechselbaren Stil. Und war durchaus ein vielseitiger Künstler. Seine Skulpturen und Aquarelle zum Beispiel finde ich sehr beeindruckend. Und man muß ja nicht unbedingt den Autoren lieben, wenn man seinem Werk gerecht werden will.

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@LiloB

Wenn man einen Autor kennt, muss man auch nicht unbedingt seine Werke lieben.

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