Schimmel auf Tapeten und Decken - was tun?

12 Antworten

Den Schimmel mit Isopropanol/Alkohol/Spiritus kräftig einsprühen und nach kurzer Einwirkzeit abwischen. Befallene Tapeten entsorgen, Leim von der Wand abwaschen und am besten mit Kalkspachtel die Oberfläche spachteln/glätten und mit Kalkfarbe oder Silikatfarbe streichen.

Dort wo Schimmel entsteht, liegt immer eine erhöhte Oberflächenfeuchte vor. Die Oberflächenfeuchte darf zur Schimmelvermeidung nicht dauerhaft über aw 0,7 liegen, was einer rel. Luftfeuchtigkeit an der Oberfläche von 70% entspricht.

Man kann die Luftfeuchte direkt an der Oberfläche schlecht messen, daher wird sie über die allgemeine Raumlufttemperatur und der Luftfeuchte im Raum und der Oberflächentemperatur an der Wand mittels Luftfeuchtetabellen ermittelt.

Luft hat die Eigenschaft, wenn sie erwärmt wird, mehr Wasserdampf aufzunehmen. In diesem Zusammenhang sinkt die rel. Luftfeuchte der Luft, sie wird trockener. Im Umkehrschluß wird Luft feuchter, wenn die abkühlt. Die rel. Luftfeuchte steigt an.

So wird im Winter kalte Luft mit hoher relativer Luftfeuchte ins Zimmer gelüftet. Dort erwärmt sich die Luft, die relative Luftfeuchte sinkt ab und die Luft kann Feuchte wieder aufnehmen (Atmung/kochen/duschen), die mit der Lüftung nach draußen transportiert wird.

Wird die Wohung mit einem hohen Warmluftanteil beheizt, den alle Heizkörper (Ausnahme HK Typ 10) bieten, so ist die Raumluft warm und diese erwärmt die Oberfläche der Außenwände. Hierbei kühlt die Raumluft vor der Außenwandoberfläche aus, wobei sich die rel. Luftfeuchte erhöht.

Den Wert der rel. Luftfeuchte in direktem Wandkontakt übernimmt die Wandoberfläche im Laufe der Zeit durch Feuchteausgleich. Ist die Oberflächenfeuchte höher als die rel. Luftfeuchte davor, so wird die Oberfläche getrocknet. Ist die rel. Luftfeuchte höher als die Oberflächenfeuchte, so wird die Wandoberfläche befeuchtet.

Zum Trocknen der Wand muss sich also in direktem Wandkontakt immer einer trockener Luft befinden, im Vergleich zur Wandoberflächenfeuchte. Je stärker diese Differenz ist, um so schneller erfolgt die Trocknung der Wand.

Durch Lüftung wird die allgemeine Raumluftfeuchte gesenkt. Diese trockenere Luft erreicht nun die Wandoberfläche und feuchtet aber alleine schon durch Auskühlung vor der Wandoberfläche wieder auf, ohne dass die Luft Wandfeuchte übernommen hat.

Wird durch winterliche Lüftung also kalte Luft von draußen mit 90% rel. Luftfeuchte ins Zimmer gelüftet kann diese durch Erwärmung gut auf 40% Luftfeuchte getrocknet werden. Kühlt diese Luft im Zimmer nun vor der Außenwand wieder ab, so kann sich der Luftfeuchewert - in Abhängigkeit von der Wandoberflächentemperatur - auf 60-70% wieder ansteigen, womit der Trocknungsefekt für die Wandoberfläche sehr begrenzt ist.

Ich plädiere deshalb immer für mehr Wärme an die Wandoberfläche, z.Bsp. durch mehr Wärmestrahlung der Heizanlage. Die Wärmestrahlung erwärmt Oberflächen direkt und läßt die Raumluft kühl. Die Raumluft erwärmt sich dann erst zweitrangig an der Oberfläche.

So kann man beispielsweise 90% feuchte, winterlich-kalte Luft in sein Zimmer lüften, die im Zimmer durch Erwärmung auf 40% Luftfeuchte trocknet. Diese trockene Luft erreicht nun die warme Wandoberfläche und bekommt nun dort durch Erwärmung Luftfeuchtewerte von 10-30% rel. Luftfeuchtigkeit. Hier ist nun wegen der großen Differenz der trockeneren Luft zu der ggf. feuchten Wandoberfläche der Trocknungseffekt für die Wand sehr groß und die Trocknung erfolgt schnell.

Daher ist es also nicht nur wichtig,  dass das Zimmer gelüftet wird, es ist mindestens genau so wichtig, dass die Temperatur der Wandoberfläche nahe der Raumlufttemperatur (oder sogar darüber) liegt, um eine Luftauskühlung mit der zwangsläufigen Steigerung der rel. Luftfeuchte an (vor) der Wandoberfläche zu vermeiden.

Kauf Dir ein Infrarotthermometer und messe damit die schimmelgefährdeten Wandbereiche. In der Regel sind das die Bereiche, wo die Warmluft der Heizung nur noch unzureichend zur Oberflächenerwärmung hinkommt - in Raumecken, an der Scheuerleiste vor der Aussenwand, hinter großen Möbelstücken vor der Außenwand, etc.

Hier sollte die Differenz der Oberflächentemperatur bei normaler Raumluftfeuchte von 50% nicht wesentlich größer als 5°C sein. Ist die Differenz größer, so besteht Schimmelgefahr, ebenso bei feuchterer Raumluft. Raumluftfeuchten über 70% bedeuten generell Schimmelgefahr, da ist die Temperatur der Wandoberfläche dann fast nebensächlich.

Zur dauerhaften Schimmelvermeidung also regelmäßig Stoßlüften und für eine bessere Erwärmung der Wandoberfläche sorgen. Zeitweilig hilft eine Rotlichtlampe bei kleinerer Stelle zum Trocknen. Die Möbel mit etwas Abstand vor die Wand stellen. Nachtabsenkung der warmluftlastigen Heizung vermeiden, da diese Heizung beim Anheizen zwar die Luft schnell erwärmt, die Wandoberfläche aber - wegen der thermischen Trägheit - mit ihrer Oberflächentemperatur der Raumlufttemperatur noch lange Zeit hinterher eilt.

Die Türen zwischen unterschiedlich warmen Räumen stehts geschlossen halten.

Die Luftfeuchtigkeit in jenen Räumen ist definitiv zu hoch. Bis Du die eigentliche Ursache gefunden hast, empfehle ich Dir dringend, einen elektrischen Luftentfeuchter (kostet ca. 140€) aufzustellen. Sobald Du die relative Luftfeuchtigkeit auf einen Wert von rund 60% gesenkt hast, stoppt das Schimmelwachstum.

Die befallenen Flächen sprühst Du mit PUFAS Schimmelvernichter (Achtung: Chlorhaltig - mit Gummihandschuhen arbeiten / gibt's im Malerfachhandel) ein und wischst dann die Tapeten vorsichtig und ohne sie zu zerstören mit leicht angefeuchteten Haushaltstüchern (nach Gebrauch entsorgen) ab. Das sollte funktionieren.

Es gibt ja im Netz genug Anleitungen über "richtiges Lüften" usw. Wenn Dein Vermieter auf Stress aus ist, wird er die Ursache für den Schimmelbefall natürlich erst in Deiner Lebensführung suchen. Tust Du also etwas dazu, dass die Wohnung schimmelt? Gibt es z.B. neue Kunststofffenster? Die schließen erstmal hermetisch das Raumklima ein, Küchendampf und Duschnebel bleiben in den Wänden hängen.. dann wird die Ursache im 20 l Aquarium oder dem nicht geschlossenen Klodeckel gesucht, die zu übermäßiger Verdunstung führen. Wenn Du all das ausschließen kannst, liegt es einfach an der Wohnung. Dafür gibt es viele Gründe, doch gerade Neubauwohnungen schimmeln heute sehr schnell, weil das Mauerwerk nicht mehr über Winter im Rohbau austrocknet, sondern das komplett verputzte Haus in einem Sommer hochgezogen wird. Schnell und super, wie alles heute.. Wenn Du nicht Schuld bist, sag schnellstmöglich dem Vermieter Bescheid! Sonst wird das nur schlimmer. Schimmel ist wirklich nicht gut für Deine Gesundheit! Atemwegserkrankungen, Immunsystem..

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