Rassismus: Uncle Ben's wird umbenannt - richtige Entscheidung?

Das Ergebnis basiert auf 70 Abstimmungen

Nein 71%
Ja 29%

20 Antworten

Ja

Also ich verstehe nicht wieso man sich an solchen Dingen immer aufhängt..

Ich sehe nicht in allem Rassismus, und verstehe auch das "Weiße" gewisse Begriffe benutzen, sie aber nicht rassistisch meinen. Nur ist es doch nicht schlimm, wenn die Gruppe selbst, die es betrifft, darüber entscheidet wie man sie benennt.

Grade in diesem Fall zb. kann ich verstehen das man das umbenennt. Ich bin schwarz, und fühle mich durch Uncle Bens Reis nicht beleidigt. Aber ich fands ehrlich schon immer strange, das da ein alter Schwarzer Mann, Uncle geannt wird... Das kann man in diesem Fall aber nur verstehen, wenn man die Geschichte dahinter kennt, die Geschichte der Sklaverei und wie Schwarze genannt wurden.

Ich kann zb. auch verstehen, das Sinti und Roma, nicht Zigeuner genannt werden wollen. Ich hab das irgendwann mal gesagt bekommen, und hab das sofort umgesetzt. Es ist doch kein Akt, von Sinti und Roma zu sprechen. Es nimmt mir nichts weg.

Wir würden so ne Debatte niemals führen, wenn es um einen abwertenden Begriff gehen würde, der Juden betrifft. Im Deutschen gibt es keinen speziell abwertenden Begriff für Juden - in den Usa zb. ist es Kike - eine abwertende Bezeichnung für Juden. Dieser Begriff ist Gesellschaftlich verpöhnt und Tabu.

Michael Jackson, hat in seinem Song They dont care about us, die Zeile

"Jew me, sue me Everybody, do me Kick me, kike me", und die Plattenfirma hat sehr schnell diese Zeile aus dem Song gestrichen...

Wir haben in Deutschland zb. auch viele Pastaprodukte, von Soßen über Nudeln etc. die mit Italien verbunden sind - wir würden uns aber hüten, diese Spagettifresser Soße zu nennen, und dann uns empören wenn Italiener sich angegriffen fühlen, da versteht man ganz schnell.

Bei anderen Begriffen will man nicht verstehen. Wie gesagt, es nimmt mir nix weg, wenn ich Begriffe verwende, die, eine Minderheit für sich selbst ausgesucht hat.

"Uncle"= "Spagettifresser"? Ernsthaft? Ganz ehrlich: Von kleinauf (ich bin 46 Jahre alt) war der Mann für mich der Typ, dem der ganze Laden gehört. Und das war ein sympathisch und kompetent wirkender Schwarzer. Und der ist jetzt schlicht und einfach weg. Nicht mehr sichtbar.

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Mal davon abgesehen, dass ich Reis dieser Marke nicht konsumiere: Ich habe weder diesen Markennamen noch das Bild als negativ wahrgenommen. Auf mich hat der Mann auf dem Foto einfach sympathisch gewirkt. Und bei Uncle Ben hatte ich auch eher an einen netten Onkel, der in diesem Fall halt Ben heißt, gedacht. (Wer nennt seinen Onkel eigentlich mit Onkel+ Nachname?)

Auf mich wirkt diese Namensänderung einfach wie "Wir müssen das jetzt tun, sonst werden wir negativ wahrgenommen". Also schön angepasst, nur nirgends anecken.

Ob die Namensänderung jetzt einen positiven Effekt auf die tatsächliche Situation farbiger Mitmenschen hat und ob das etwas zur Beendigung von Diskriminierung beiträgt bezweifle ich. Aber man hat ja etwas "getan", kann sich jetzt der Seite der "Guten" zurechnen und über dieses Thema in Zukunft schweigen.

Nein

Mit solchen blödsinnigen Umbenennungen von Wörtern setzt man den Hebel an der verkehrten Stelle an.

Rassismus bekämpft man nicht mit Streichung oder verbieten von Wörtern. Da werden wir bald den halben Duden streichen dürfen. Man kann die meisten Wörter rassistisch verwenden.

Das ist der falsche Weg. Dieses Übel muß an den Wurzeln angepackt werden.

Ja

Ich finde es ja eher seltsam, dass immer so viele gegen Betrug sind, gegen das Ausnutzen von Menschen, Übervorteilung, etc.

Hier ist jetzt eine alteingesessene bekannte Marke, bei der genau das herauskam. Ein Mann wurde wegen seines Aussehens für die visuelle Darstellung genutzt und dazu noch übervorteilt, weil er dafür nie einen Cent gesehen hat.

Im Normalfall würden doch die meisten sagen, "hey, geht gar nicht! Der muss wenigstens gerecht entlohnt und beteiligt werden. Hat er überhaupt sein Einverständnis gegeben? Zumindest aber muss das Bild weg!". (Ja, ich weiß, ihn gibt es nicht mehr, er ist verstorben, aber ihr wisst sehr wohl, was ich meine.)

Aber, warum auch immer (!!!), ist das in diesem Fall für die Mehrheit plötzlich nicht mehr von Belang. Es wird sich überwiegend noch beschwert, dass der "Uncle Ben" einen jetzt nicht mehr von der Verpackung aus anlacht. Versteh ich beim besten Willen nicht.

Woher ich das weiß:Hobby – Recherche

Oh weia 🤦‍♂️

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... Mann wurde wegen seines Aussehens für die visuelle Darstellung genutzt und dazu noch übervorteilt, weil er dafür nie einen Cent gesehen hat.

Ich muss das jetzt mal fragen: Gab es diesen Menschen 'Uncle Ben? Falls es sich um eine Fantasiegestalt handelt (was ich immer dachte) - wer genau hätte dann dafür bezahlt werden sollen, dass sein Konterfei auf Reispackungen zu sehen ist?

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@isilang

Frank Brown. Zuerst hieß es, er sei der bekannteste Reisfarmer in den Südstaaten gewesen, mit dem Rufnamen Uncle Ben.

Es hat sich aber herausgestellt, dass das eben gelogen war. Der Mann auf dem Logo hieß Frank Brown und war Kellner.

Es bedient halt das Stereotyp des alten schwarzen Farmers. "Uncle" wurden schwarze Männer damals genannt, weil man sie nicht wie die Weißen "Herr" nennen wollte/ durfte.

Es ist halt einfach ein komplettes, rassistisches Lügenkonstrukt. Deshalb finde ich es richtig, dass es geändert wurde.

Vir der Debatte hat es mich selbst nicht interessiert, warum "Uncle/ Aunt". Was ich selbst falsch finde. Man kann aber auch nicht alles wissen. Spätestens aber, wenn man weiss, welchen Hintergrund es hat, sollte man sich eines Besseren besinnen. Da bricht keinem ein Zacken aus der Krone.

Im Vergleich zu dem Stich, den viele betroffene Menschen (die darum wissen) bei dem Anblick fühlen, ist meine nostalgische Gewohnheit und die anderer, wohl unwichtig.

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@Aquila3811

Danke dir. Ich wusste das nicht. Es gab ihn also tatsächlich.

Im Vergleich zu dem Stich, den viele betroffene Menschen (die darum wissen) bei dem Anblick fühlen, ist meine nostalgische Gewohnheit und die anderer, wohl unwichtig.

Ich sehe das etwas anders. Mir sind meine lebenslangen Erinnerungen und auch Gewohnheiten nicht unwichtig. Ich möchte sie bewahren. Sie sind Teil meiner Identität.

Soviele betroffene Menschen sehen das aber auch anders und fühlen sich nicht durch das Konterfei und die Bezeichnung "Uncle" diskriminiert. Die verstehen es nicht und halten diese Forderungen nach Umbennung für hysterisch.

Es ist das Recht des Unternehmens, diese Änderungen vorzunehmen. Aber sie tun das sicher, weil es diese Erwartungshaltung an sie gibt.

Mich nervt mittlerweile diese Anspruchshaltung von Menschen, dass andere (ohne rassistische Neigung) sich selbst zu verändern haben, damit sie selbst sich besser fühlen.

Ob nun Uncle Bens, Pizza Hawaii, Zigeunerschnizel ...

Negerkuss sage ich schon Jahrzehnte nicht mehr. Das verstand ich schon damals.

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@isilang

Vielleicht liegt da einfach der Unterschied. Ich sehe meine Identität durch solche Veränderungen nicht bedroht. Ich sehe es auch nicht als Teil meiner Geschichte. Sondern als Teil amerikanischer Geschichte, amerikanischer Apartheid im 20. Jahrhundert. Es hat nichts mit unserer deutschen/ europäischen Identität zu tun.

Ich sehe in manchen Sachen die Hysterie. Aber nicht hier. Höchstens bei den Gegenstimmen, die Angst vor Veränderungen schon bei einer Reisverpackung haben.

Ich habe das Gefühl, dass es bei der generellen Diskussion, kein gesundes Abwägen mehr gibt. Kein, ok, hier ist es angebracht, aber ja, da muss es nicht sein, ist übertrieben. Man ist entweder grundsätzlich dafür, oder grundsätzlich dagegen. Kein Einzelfall möglich. Keine individuelle Beleuchtung. Kein Zurücktreten weil es ja um einen selbst gar nicht geht. Sondern direkt zwei Lager die gegeneinander arbeiten. Und ich rede nicht von Rassisten gegen Liberale.

Die Diskussion kam aus den USA. Und mit diesem Hintergrund denke ich auch darüber nach. Denn da ist es angebracht. Von dort kam "Uncle Ben" in unsere Regale. Für uns hat der Begriff aber einen weniger bedeutsamen Hintergrund. Weshalb viele hier die Änderung nicht verstehen können.

Aber mit unserer Identität hat es nichts zu tun. Europa hat nicht Mal eine wirkliche Identität. Zumindest keine, die sie selbstbewusst vertreten würde. Das Problem ist also, dass man sich über das Aussehen einer Reisverpackung eine Identität einredet und diese vorschiebt, statt tatsächlich eine eigene aufzubauen.

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@Aquila3811
Ich habe das Gefühl, dass es bei der generellen Diskussion, kein gesundes Abwägen mehr gibt

Das sehe ich hier ähnlich.

Es gibt eben diese contrairen Haltungen. So wie bei uns.

Ich finde das Thema mittlerweile wirklich überstrapaziert. Ich fühle mich gegängelt. Die Dinge, die ich tue oder unterlasse, die ordne ich meinem Gewissen, dem geltenden Recht, meiner Vernunft und meiner Menschlichkeit unter. Dazu muss man mich nicht extra bringen.

'Man' ist nicht grundsätzlich dafür oder dagegen. 'Man' darf die Dinge auch differenziert und irgendwann den Bogen als überspannt betrachten. Das ist genauso individuell, wie die Dinge, die die eigene Identität ausmachen. Und dann gibt es noch die soziale Identität, zu der auch gemeinsame Erfahrungen gehören. Selbst, wenn es eine Reispackung ist, die die Menschen über Jahrzehnte eingekauft haben, die in jedem dritten Haushalt hier zu finden war, ohne, dass auch nur etwas Abfälliges über den Mann auf der Packung gedacht wurde. Im Gegenteil - er wurde doch allgemein mit freundlich und wohlschmeckend assoziiert, der freundliche Onkel. Und all das kann man nicht einfach radieren. Ich würde es besser verstehen, wenn es anders wäre. Dann hätte ich das Produkt auch nicht gekauft. So etwas würde ich nicht unterstützen.

Es entwickelt sich für mich gefühlt als Fass ohne Boden.

Aber gut. Das empfinden wir beide anders.

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Ja

Anhand des Hintergrunds würde ich sagen ja, das ist so als würde man eine Bank namens: "Hakennases Geldverleih" umbenennen, da sie in der Nazizeit so benannt wurde