Nature&Respect Hähnchen, was ist dran?

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Das ist ein Vermarktungs-Konzept für Mast-Hähnchen aus Frankreich, Anbieter ist deren größter Mastgeflügelproduzent. Die haben da billigere Möglichkeiten zur Hähnchenmast, weil sie die strengen deutschen Vorschriften nicht einhalten müssen, und wollen damit auf den deutschen Markt. Die Konkurrenz (auch aus Frankreich) vertreibt "Label Rouge" (84 Tage alt), und beide können das deswegen tun, weil hierzulande die Mastställe lieber angezündet werden von irgendwelchen Ökofaschisten, so daß wir Hähnchen importieren müssen, Eigenproduktion gibt's nicht mehr genügend.

Was die Werbung angeht:

und dass die Hühner deswegen 50% ihres Lebens in Freilandhaltung auf grünen Wiesen leben würden und ausschließlich pflanzliche Futtermittel verspeisen würde.

das ist einfach nur billiger Beschiß: erstens ist es sowieso verboten, tierisches Eiweiß an IRGENDWELCHE Nutztiere zu verfüttern, "rein pflanzlich" ist also gar nichts besonderes, das kriegen ALLE Tiere. Und zweitens sind die "50% Freiland" kein Vorteil. Hühner sind hier nicht heimisch, im Winter verrecken die draußen gleich reihenweise. Je nachdem, woher in Frankreich die stammen, sind "50% Freiland" also eh bloß dem Wetter und dem Bambi-Denken des Verbrauchers geschuldet. Es verkauft sich ja gut, und das "Freilandgeflügel" bis zu 30% Verluste hat (Bodenhaltung ca 4%) ist den Leuten ja anscheinend nicht beizubringen, die haben das "Huhn auf der grünen Wiese" irgendwo abgespeichert aus den Pixi-Büchern, und das wird dann eben auch produziert, koste es (die Tiere) was es wolle.

Hol Dir Deine Hähnchen weiter nebenan, und laß Dich von solchem Tun nicht beeindrucken, da ist selbst Wiesenhof-Freiland tiergerechter (und deswegen auch teurer)

Hier findest Du Infos zum Hersteller: http://de.wikipedia.org/wiki/Groupe_Doux

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@pecudis

Ach so, PS:

Ist es die erste Hälfte, also das Kükenleben, oder ist es die zweite Hälfte des kurzen Lebens in der die Hühner die Wiesenhaltung geniessen dürfen und wie lang ist so eine Lebenshälfte?

Die erste Hälfte ist es ganz sicher nicht, das wäre Tierquälerei, die die Küken gar nicht überleben würden. Üblicherweise werden Hähnchen auch nicht in der Mitte ihres Lebens umgestallt (das wäre viel zu teuer, und vor allem viel zu stressig!), sondern die Küken werden in Bodenhaltung aufgezogen, und nach soundsoviel Tagen (hoffentlich mindestens nach Abschluß der Befiederung) werden dann Ausgänge nach draußen aufgemacht, in einen tiergerechten Kaltscharraum oder auf irgendeine "Wiese".

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@pecudis

und beide können das deswegen tun, weil hierzulande die Mastställe lieber angezündet werden von irgendwelchen Ökofaschisten, so daß wir Hähnchen importieren müssen

Das deckt meine Erfahrung nicht ganz. In Frankreich und Österreich gibt es die meisten "Ökofaschisten", wie du sie nennst, in Europa. Wenn deine Theorie stimmt, müssten eher wir diese Länder beliefern, als umgekehrt. ;)

Das wird sicher nicht der Grund sein, warum so viel von diesem Fleisch auf dem deutschen Markt landet.

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@Tierpflegerin84

da auch hier in der Gegend schon ein Maststall gebrannt hat, obwohl der Familienbetrieb offensiv Offenheit demonstiert hat, regelmäßige Besichtigungen ermöglicht, reicht ja schon der Druck, der "Terror" der durch so ein Gewaltereignis geschürt wird, um andere Landwirte davon abzuhalten, modern und tiergerecht einzusteigen. Und zur Zeit wird von einer kleine Gruppe von "aufs Land gezogenen Städtern" massiv über Leserbriefe gegen jeden Stallbau opponiert, die gerne wieder "heile Welt" wie bei Oma hätten mit Hühnern auf Weiden zwischen Schweinen etc und reine zahlenmäßige Beschränkungen pro Landwirt. Kalte Enteignung, alles was größer ist wird diffamiert, als "Tötungsindustrie" und Geldmacherei ... und ist deutlich frei von jeder Rechts- und Sachkenntnis. Aber die Masse machts in dem Fall (der Chefredakteur des Käseblatts liebt Aufregerthemen, die reichlichen Leserbriefseiten machen das Blatt ja so beliebt, dass das Anzeigengeschäft brummt.)

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@Tierpflegerin84

Das deckt meine Erfahrung nicht ganz. In Frankreich und Österreich gibt es die meisten "Ökofaschisten", wie du sie nennst, in Europa.

Oh, das ist ja interessant. Da hätte ich dann gerne mal Quellen und Belege.

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@koch234

da auch hier in der Gegend schon ein Maststall gebrannt hat,

Hier waren es jetzt schon drei .... Du hast absolut recht mit Deiner Beschreibung.

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@pecudis

nun, die sogenannten "Eco-fascists" haben wohl mehr mit Faschismus als mit "ÖKO" zu tun

http://www.zerohedge.com/news/guest-post-face-genocidal-eco-fascism

The Face of Genocidal Eco-Fascism. Finnish eco-fascist Pentti Linkola thinks the world’s population should be reduced to 500 million by any means necessary and unapologetically advocates bloodthirsty dictatorship as being superior to democracy. He’s saying out loud what so many others of his ilk are probably just thinking… for now.

folgt man dem Link, erfährt man, dass danach Diktaturen besser für die "Natur" seinen, wenn sie denn mithilfe Genozids nur die, für das Gemeinwese "wertvollen" Menschen überleben lässt .... :/ und den "Rest" drastisch "reduziert".

Ursprünglich ist das wohl eine britische Erfindung (?) wikipedia.org/wiki/Ecofascism

aber dass sich das nun auf Frankreich konzentriert kann ich im Netz jedenfalls nicht finden. Vielleicht ist das aber auch nur eine Frage der Begrifflichkeit.

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Danke für die ausführliche Antwort, jetzt bin ich auf jeden Fall schlauer. Dass die Freilandhaltung gar nicht so gut sein soll für die Hühner habe ich so auch noch nicht gehört, werde da aber auf jeden Fall noch wieter recherchieren.

Auf jeden Fall, vielen Dank für deinen tollen Beitrag!

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@Kayahi

Hier findest Du Infos zu Freiland-Legehennen (unten am Ende des Artikels stehen die entsprechenden Quellen), http://www.animal-health-online.de/drms/rinder/eier.htm

und bei Masthähnchen ist das Ganze noch viel problematischer: die Küken haben einen Temperaturanspruch von durchgehend über 20°C (in den ersten Wochen über 30°C), die können die meiste Zeit im Jahr gar nicht raus, wenn man sie tiergerecht halten will.

Auslaufhaltung nach EU-Vermarktungsnormen für Geflügelfleisch Die Auslaufhaltung setzt im Stall die „Extensive Bodenhaltung“ voraus. Die Besatz- dichte darf je m2 Bodenfläche bei Hähnchen 13 Tiere bzw. max. 27,5 kg Lebend- gewicht nicht überschreiten. Die Broiler dürfen frühestens mit 56 Tagen geschlachtet werden. Den Tieren muss zumindest während der Hälfte ihrer Lebenszeit ständiger Zugang zu einem vorwiegend begrünten Auslauf gewährt werden. Die Auslauffläche sollte bei mindestens 1 m2 liegen, wobei das verabreichte Futter in der Ausmast mindestens 70 % Getreide enthalten muss.(Quelle: DLG-Merkblatt)

Was die Franzosen da also als "extragut" verkaufen, ist nichts weiter als die ganz normale EU-Norm, das Minimum dessen, was sowieso jeder machen muß und nichts "Besonderes" dran, außer der Werbung.

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@pecudis

Ich hab mir die Seite mal durchgelesen.

Allerdings denke ich, dass all die beschriebenen Nachteile der Freilandhaltung nur dann auftreten, wenn die Hühner in Massen gehalten werden.

Der Bauer, dessen Hühner ich kaufe, hat zwar auch einen sehr großen Hühnerstall, aber mit einem riesen Auslauf, mehreren Etagen und leicht zu reinigenden Flächen.

Da kommt es ganz sicher nicht zu solch dramatischen Erscheinungen wie Kannibalismus, Hühner-Müdigkeit und anderen schweren Erkrankungen.

Daher scheint die Käfighaltung nur für die Massenproduktion der bessere Weg zu sein und diese lehne ich grundsätzlich ab.

Ich esse lieber nur ab und zu Fleich und dann ein richtig gut schmeckendes von einem Tier, dass vor seinem Tod ein gutes Leben führen durfte, als andauernd ein Stück Massenware von einem unglücklichen Tier, dass dann oft noch nichtmal gut schmeckt.

Trotzdem war dein Beitrag sehr interessant und hat mich zum Nachdenken angerregt. Damit hast du dir das Sternchen verdient.

Liebe Grüße und noch einen schönen Nachmittag!

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@Kayahi

Da kommt es ganz sicher nicht zu solch dramatischen Erscheinungen wie Kannibalismus, Hühner-Müdigkeit und anderen schweren Erkrankungen.

Lies Dir die Ursachen für diese Dinge durch. Sowas gibt es sogar bei Hobbyhaltern. Und genau Deine Ansicht (das die "Freiland"haltung diese Probleme "abschaffen" würde), hat sich leider in jetzt über 20 Jahren "Forschung für den ökologischen Landbau" nicht bestätigt. Bis heute gibt es nicht mal 100% "Bio-Futter", bei dem ausreichend Tiere überleben.

"Hühner-Müdigkeit" ist zB ein Ausdruck "aus Omas Zeiten", denn das sich Parasiten, Viren und andere natürliche Feinde der Hühner in einem Auslauf sammeln, ist schon seit 100 Jahren so. (kann man auch in 100 Jahre alten Büchern schon nachlesen). Das hat nichts mit der Menge der gehaltenen Tiere zu tun, sondern einfach damit, daß "natürliche Haltung" IMMER auch "natürliche Selektion" einschließt.(eben deswegen hat man ja mal damit angefangen, Hühner in Ställen zu halten!)

Je natürlicher die Haltung, desto höher die Ausfälle, das ist normal und läßt sich gar nicht vermeiden. Reche Dir mal aus, wie viele Hühner in der Natur sterben (müssen!), wenn sich allein ein Hahn und EINE Henne auf einer Fläche (einem Lebensraum) 5 Jahre vermehren.....

Danke für's Sternchen und auch noch einen schönen ABend :-)

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wenn es billiger ist als Wiesenhof, wie soll es denn besser sein? Länger Mast, besseres Futter? Wo doch Wiesenhof auch so groß ist, das es sich eine geringere Marge schon über die Masse wieder reinholen kann.

Bleib beim heimischen Anbieter, da weißt du, was du hast und schonst auch noch die "Infrastruktur" durch die Vermeidung von Transporten.

Das Nature&Respect Huhn ist nur günstiger als das teuerste der drei Wiesenhof-hühner, die in dem Supermarkt angeboten werden.

Aber ich habe mich trotzdem eben wegen dem günstigen Preis gefragt, was da wohl dran ist.

Ich kaufe generell lieber regionale Produkte, bei Gemüse und Obst allein schon aus dem Grund, dass die Früchte reifen durften bevor man sie geerntet hat und nicht noch halb grün ins Flugzeug verfrachtet und um die Welt geflogen wurden.

Das schont nicht nur die Infrastruktur, es schmeckt einfach besser und genauso ist es mit Hühnern, die in Freilandhaltung ein gutes und (für ein Schlachthuhn) langes Leben leben dürfen, die schmecken wirklich nach Huhn und nicht nach Pappe ;)

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Hallo zusammen,

das Angebot für diese Marke hat sich aktuell erledigt, da die Doux-Gruppe in Frankreich Pleite gegangen ist, soviel zum günstigen Preis ..

Den Antworten von Pecudis ist nichts hinzuzufügen, sie sind wie immer fundiert und belegt.

Danke und Danke für die Info :-)

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Geh lieber weiterhin zu deinem befreundeten Hühnerstallbesitzer (mach ich auch) - ganz gleich wie paradiesisch die Hühner angeblich gelebt haben, was bei dem Preis höchst fragwürdig ist - die Schlachtmethoden sind mit Sicherheit nicht besser.

Die Marke kenne ich zwar nicht, aber an wirklich korrekte Lebensbedingungen für die Tiere würde ich ganz sicher nicht glauben - das klingt ganz nach einer infamen Werbemasche.

Wäre aber interessant zu erfahren wenn du was dazu herausfindest !