Nassgeschwitze/verrückte in der Freiwilligen Feuerwehr?

13 Antworten

Hallo timmbboo23,

Ich habe so eine Verrücktheit nach einem Hobby noch in keinem anderen Verein (ob Sportverein, Musikverein etc.) gesehen.

Nicht? Ich schon...
Ich selbst habe 25 Jahre lang Fußball im Verein gespielt. Und das mit Begeisterung. Ich bin 2 mal die Woche zum Training gegangen, habe den gesamten Sonntag dann auf dem Sportplatz verbracht, wenn Punktspiele anstanden. Dafür wurden dann auch gerne mal Familienfeiern sausen gelassen oder die Party am Vorabend früher als normal beendet. In der Saisonvorbereitung wurde meist fünf mal die Woche trainiert. Ich bin regelmäßig ins Stadion gefahren, um Bundesligaspiele zu sehen, habe mehrere Sportzeitungen/-zeitschriften abonniert gehabt, Fußball im TV angeguckt, 90% meines Freundeskreises bestand ebenfalls aus Fußballern und entsprechend gab es dann auch nur ein Thema. Und bei alledem war ich immer noch "normal" oder "zurückhaltend" im Vergleich zu anderen! Denn ich kenne Menschen, die würden für den Fußball sterben. Geben einen Großteil ihres Geldes dafür aus, opfern einen Großteil ihres Jahresurlaubs usw.

Es ist eben immer eine Frage dessen, wie sehr man sich für etwas begeistern kann.

Und da bildet die Feuerwehr keine Ausnahme. Ganz im Gegenteil. Der Feuerwehrdienst verlangt meinem schon so einiges ab. Zeitlich, physisch, psychisch... um das zu machen, muss man schon etwas "verrückt" sein und zu 100% hinter der Sache stehen!

Manche verbringen teilweise jeden tag im Feuerwehrhaus und gehen vorsichtshalber bei schlechtem Wetter ins Feuerwehrhaus (!!) - es könnte ja ein Einsatz passieren und dann sind besagte Leute als erstes da.

Naja... gerade diejenigen, die sich der Feuerwehr in hohem Maße verschrieben haben, die übernehmen auch gerne Sonderaufgaben und Funktionen - und haben deshalb auch recht häufig etwas im Feuerwehrhaus zu tun. Und die anderen? Wo ist das Problem. In der Feuerwehr ist man normalerweise eine eingeschworene Gemeinschaft. Es gibt viele Freundschaften. Das Feuerwehrhaus ist eben auch Treffpunkt für die Feuerwehrleute. Um nochmal den Vergleich zum Fußball zu ziehen: Auch hier war es normal, dass man mindestens drei Mal die Woche nach dem Training oder Spiel oder auch "einfach mal so" im Vereinsheim zusammen sitzt, ein Bier oder ne Apfelschorle trinkt und mit den Freunden und Gleichgesinnten klönt.

Was das Unwetter angeht: Es gibt eben Feuerwehren (z.B. solche mit vielen bewaldeten Straßen im Gebiet), da ist ein Einsatz bei entsprechendem Wetter vorprogrammiert. Und wenn man zu Hause gerade nichts besseres zu tun hat, als durch die Scheibe dem Regen und Wind zuzusehen - warum dann nicht schonmal ins Feuerwehrhaus fahren? Würde ich jetzt persönlich wohl nicht machen (zu Hause gibts bei mir immer genügend zu tun...) - aber warum nicht? Lass sie doch...

Was mir auch aufgefallen ist, die Mitglieder einer FF können auch keine Kritik vertragen und akzeptieren keine andere Meinung. Sie sind ja immer die größten Helden.

Naja, das halte ich jetzt für großen Bullshit bzw. eine extreme Verallgemeinerung. In welche Richtung zielte die Kritik denn ab? Leider sind sehr viele Menschen nicht kritikfähig, das hat nichts mit der Feuerwehr zu tun. Kommt halt auch immer an, wer die Kritik äussert und wie er sie äussert.

Vielleicht meldet sich der ein oder andere, der selbst in einer FF ist und kann mir dies erklären.

Es gibt halt solche und solche Leute. Die einen gehen in ihrem Job auf, arbeiten 20 Stunden am Tag und kennen auch im privaten Kreis kein anderes Thema (Workaholics), die anderen in ihrer Rolle als Familienvater-/mutter... und wieder andere in ihrem Hobby, das dann eben auch die Feuerwehr sein kann. Wobei die Feuerwehr ja immer etwas mehr als ein Hobby ist, denn hier geht es nicht um ein verlorenes Fußballspiel sondern im Zweifel um ein verlorenes Menschenleben.

Natürlich gibt es immer auch Leute, die es übertreiben... für die Feuerwehr z.B. auf Kinder zu verzichten, das geht schon etwas übers Ziel hinaus (oder wurde nur so dahin gesagt... wenn erstmal die richtige gefunden ist, sieht das wahrschienlich schon wieder ganz anders aus!). Aber auch die gibt es überall. Im Beruf heißen die dann "Workaholics".

Woher ich das weiß:Eigene Erfahrung – Zugführer bei der Freiwilligen Feuerwehr
Ich habe momentan einen Bart und verzichte AGT zu sein, werde aber auf Grund dieser Entscheidung benachteiligt und auch bisschen ausgegrenzt - klar weil ich nicht so verrückt bin wie die anderen, die für die Feuerwehr sterben würden.

In wiefern benachteiligt und Ausgegrenzt? Du machst auch Übungen nicht unter PA?

Es ist halt für alle anderen so "Wir haben den auf nen Teuren Lehrgang geschickt, wir brauchen grade in der Tagesverfügbarkeit so viele Einsatzfähige AGT's wie möglich, alle nehmen halt den Kompromiss und rasieren sich und der andere interessiert die Geschichte nicht und hat nen Bart.

Da kommen sich die anderen halt etwas (zu deutsch) .... Verarscht vor.

jedoch finde ich da sehr viele Leute sehr grenzwertig, was Verrücktheit nach Feuerwehr und blaulichtgeilheit angeht.

Ist Überall so und solange du nicht Kommandant bist ist es auch nicht deine Aufgabe die zu erziehen.... ich probiere es aber auch hin und wieder es klappt einfach nicht ;D

Es wird leider immer welche geben die mit eingeschaltetem Warnblinker mit 90 durch die Spielstraße Bretten auch wenn ich denen noch in der Umkleide gerne an den Kragen gehen würde aber bis Zeit zum drüber reden ist hab ich mich immer wieder genug abgeregt.

Warum sind solche speziellen Menschen in der freiwilligen Feuerwehr?

Weil die Speziellen Leute sich für das Gemeinwohl einsetzten wollen der normalo sitzt von Morgens bis Abends im Büro und regt sich auf wenn die Feuerwehr beim Einsatz die ganze Nacht ne Pumpe laufen lässt oder ne Einfahrt zuparkt.

Haben sie außerhalb keine Freunde?

Idr schon aber wenn ein gewisser Teil des Freundeskreises eben in der FFW ist.... hast du in der FFW etwa keine Freunde?

Langeweile?

Sicher ein Großer Part wobei ich zb bei Tageseinsätzen immer schauen muss wie ich es hin bekomme weil ich echt viel Geschäft habe.

EINFACH NUR BLAULICHTGEIL?

Auch die Gibts.... genau die würde ich nicht als Maschinist einsetzten wollen.

Woran liegt es, dass so viele so verrückt sind und auch keine Kritik verstehen.

Das ist einfach die Auffassung "Ich opfere hier unentgeldlich meine Freizeit um anderen zu helfen da lasse ich mich nicht Maßregeln" und irgendwie ist das zumindest Teilweise verständlich. Habe meinem Kommandanten auch schon gesagt "ich lass mir von dir doch nicht sagen wie ich die Pumpe an zu machen habe"

Ich denke aber auch die FFW muss ihre Einsätze nicht als Nächstenliebe und "glück das ich grade lust drauf habe dir zu helfen" abstempeln sondern als Dienstleistung.

Am Ende rechnet die Gemeinde den Einsatz nämlich durchaus bitter teuer ab und dann sollte es eine Gewisse Sachlichkeit geben und dazu braucht es halt teilwesie auch Kritik.

Woher ich das weiß:Beruf – Maschinist /Servicetechniker für Feuerwehr Einsatzfahrzeuge

Meinen Vorredner gebe ich in allen Punkten absolut recht.

Eines möchte ich aber mal ganz deutlich ansprechen - ein Sportverein o.ä. ist dazu da das die Beteiligten ihren Spaß haben, die Feuerwehr dagegen nicht. Die Feuerwehr ist dazu da, Leben zu retten, zu schützen. Ist dazu da Sachwerte zu bergen und zu schützen. Vorbeugend tätig zu werden. Dafür opfern 100.000de ihr Freizeit, nicht nur bei Einsätzen sondern auch in tausenden von Aus- und Fortbildungsstunden.

Und bei dem hohen Gefahrenpotential riskieren sie Leben und Gesundheit.

Alleine diese Tatsachen machen die Mitglieder ob Mann oder Frau schon zu außergewöhnlichen Mitgliedern unserer verwöhnten Gesellschaft. Da steht es Ihnen auch zu "verrückt" zu sein.

PS Ich war 35 Jahre lang "verrückt" und würde es immer wieder tun

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung
Ich habe momentan einen Bart und verzichte AGT zu sein [...] weil ich nicht so verrückt bin wie die anderen, die für die Feuerwehr sterben würden.

Ich weiß ja nicht, in was für einer FF du bist... wenn ihr eh einen Überschuss an AGT habt, meinetwegen. Bei mir daheim sind wir tagsüber froh, wenn zum Ausrücken wenigstens zwei AGT da sind. Und ja, ich akzeptiere zu diesem Zweck, keinen Bart zu tragen. Nicht, weil ich verrückt nach Feuerwehr bin, sondern weil ich nie, nie, nie in die Verlegenheit kommen möchte "Da drin ist noch jemand, mein Kamerad ist einziger AGT und ich darf nicht, weil ich mich nicht rasiert habe". Und ich bin ja gerade in der FF, um in solchen Fällen zu helfen.

Ansonsten: Lass doch jeden sein Hobby so betreiben, wie er es möchte. Es kann jeder selbst entscheiden, ob er die FF über seine Familie stellt, und ob seine Familie das so toll findet.

Vergiss bitte nicht, dass dank solcher Leute nie lange gefragt werden muss, wer mitm LF zum Tanken fährt, wer eine Übung gestaltet, wer das Gerätehaus aufräumt... Das können alles die Heißdüsen machen und wegen mir gerne anschließend ein Bier trinken, dadurch werden diejenigen entlastet, die schon überlegen mit der FF aufzuhören weil es zu viel wird.

Was mir auch aufgefallen ist, die Mitglieder einer FF können auch keine Kritik vertragen und akzeptieren keine andere Meinung. Sie sind ja immer die größten Helden.

Hey, ich bin auch Mitglied einer FF! Und fühle mich gerade etwas brüskiert...

Aber auch das kannst du überall anders haben; das ist beispielsweise der Grund, weshalb ich mich aktuell nicht mehr im Sportverein engagiere und weshalb meinem Arbeitgeber (Rettungsdienst) die Leute weglaufen. Wobei ich glaube, dass das bei der FF teils einfach mit dem Bildungsniveau zusammenhängt. Wenn der Dorfdepp, der überall nur ausgelacht wird, in der Feuerwehr dafür gelobt wird wie toll er mitmacht, reichts mitm Grips vielleicht nicht so weit, trotzdem Kritik anzunehmen und drüber nachzudenken.

Ich denke, du solltest dich entspannen und die Leute ihr Leben leben lassen, wie sie wollen. Niemand verlangt, dass du ebenfalls dein Leben an der FF aufhängst, das ist deine eigene Entscheidung. Und um sich zu unterhalten oder mal einen Vorschlag zu bringen, gibts in deiner FF sicherlich genügend vernünftige Menschen.

Ich kann deine Eindrücke nicht bestätigen.
Nicht vergessen sollte man allerdings, dass die Freiwillige Feuerwehr nicht ganz freiwillig ist; aus den entsprechenden Landesgesetzen ergibt sich in der Regel eine Pflicht, den Aufgaben nachzukommen.

Den Verzicht auf eine Tätigkeit als AGT kann ich nicht wirklich nachvollziehen, das liegt aber auch nicht in meiner Verantwortung.

Jeden Tag am Gerätehaus - arbeiten die nicht und macht die Wehrführung nichts dagegen?

Mich interessiert, wer keine Kritik akzeptiert und worauf sich das bezieht. Wenn es um feuerwehrtechnische Dinge geht, mag man dem einen Feuerwehrmann nichts vormachen können, während der nächste von Tuten und Blasen keine Ahnung hat. Ich habe letztens relativ lange mit einem Mitglied einer Jugendfeuerwehr diskutiert und ihm erklärt, man könne sich nicht einfach ein Blaulicht auf seinen Privatwagen schnallen und damit zum Gerätehaus fahren. Auch nach Verweis auf § 52 StVZO war er weiterhin der Überzeugung, recht zu haben und hat alle weiteren Erklärungsversuche abgeblockt. Solche Leute hat man allerdings überall, ob das nun bei der Feuerwehr, bei Aldi an der Kasse oder in der Kneipe ist.

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