Lohnt sich heut zu Tage eigentlich ein Kunststudium überhaupt noch?

Das Ergebnis basiert auf 10 Abstimmungen

Es lohnt sich doch, weil: 60%
Nein, ist richtig, es lohnt sie nicht wirklich. 30%
Ganz anders, und zwar: 10%

11 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet
Es lohnt sich doch, weil:

viele verkennen anscheinend, das es in einem Kunststudium nicht pinzipiell nur um die Ausbildung künstlerischer Fähigkeiten geht. Denn es ist keine Lehre wie im Handwerk. In einem Kunststudum geht es u.a. darum, seine allgemeinen Fähigkeiten zu formen und etwa seine Wünsche und Visionen mit den anderen Studenten, den Dozenten und der Kunstszene abzugleichen. In einer Kunsthochschule wird viel über Kunst geredet, ebenso an der Kunststheorie gearbeitet und man bekommt, wenn man es klug anstellt, viele Kontakte in der Kunstszene, auch über die Dozenten. Dies ist oft wichtiger als jede handwerkliche Ausbildung. Kunst zu betreiben ist eine Lebenshaltung und eine Form der Daseinsbewältigung und nicht unbedingt ein pragmatisch, technisch orientierter Ansatz, um materiell "erfolgreich" durch das Leben zu kommen!

Wer heute technische Berufe studieren möchte, der soll es tun. Aber man sollte bedenken, das in diesem Leben für eine eigene wie auch immer gerartete, persönliche Entwicklung, eventuel eher das förderlich sein kann, was einem wirklich liegt. Für wen arbeitet und lebt denn der Mensch, für seine eigene Erfüllung oder für irgendeinen Markt, für den Staat etwa? Wem das egal ist, der versteht den künstlerisch orientierten Ansatz so wie so (noch) nicht.

Da ich selbst Autodidakt bin und in der Kunstwelt versuche Fuß zu fassen, weiß ich wie schwer es ist ohne eine entsprechende Ausbildung oder ein Kunststudium überhaupt wahrgenommen zu werden. Der Kunstmarkt, speziell wohl auch hier in Deutschland oder Europa, richtet sich schon schwerpunktmäßig darauf aus, ob ein Künstler autidaktisch vorgeht oder ein Studium vorweisen kann. Die meisten Galerien winken sofort ab, wenn sie das Wort Autodidakt nur hören. Viele sind noch nicht einmal dazu bereit sich die Arbeiten anzuschauen, bevor sie ablehnen. Kunst zu machen ist eine Geisteshaltung, eine Aufgabe, bei manchen wohl auch eine Bestimmung. Oftmals steht dann nicht das Finanzielle im Vordergrund, sondern eher die bedingungslose Hingabe. Befriedigung als Künstler kann meiner Meinung nach nur jener erreichen, der nicht auf den Geschmack anderer hört und sein "eigenes Ding" durchzieht, gegen alle Widerstände. Künstler zu sein, bedeutet Durchhaltevermögen zu haben, vielleicht auch schwierige finanzielle Situationen meistern zu können. Letztendlich wird nur derjenige Erfolg haben, der sich auf eine langwierige Phase des Nichtbeachtetwerdens einstellt und geradlinig sein Ziel verfolgt. Es spielt dabei keine Rolle, ob ein Studium vorhanden ist oder ob autodidaktisch gearbeitet wird. Das Studium öffnet lediglich Türen. Der Autodidakt muss an diese Türen zigmal anklopfen, um am Ende vielleicht doch nicht hereingelassen zu werden. Doch es gibt viele Türen, auch viele Hintertüren. Ich verkaufe Bilder, nicht viele, aber wenn dann zu für mich tragbaren und vernünftigen Preisen. Billig gibts im Baumarkt. Und es wächst, von Monat zu Monat. Ohne Selbstvermarktung geht überhaupt nichts und wer dazu nicht in der Lage ist sollte seine Illusionen begraben als freischaffender Künstler tätig zu werden. Das Studium bringt ganz sicher etwas, aber es ist nun mal kein Garant für Erfolg.

Sidenote zum Anfang: Malerei und Zeichnung sind keine Darstellenden Künste, es sind Bildende (wie zum Beispiel auch Bildhauerei oder Architektur). Da ist schon ein Unterschied bei den Begriffen. Darstellende Künste sind nämlich Theater, Tanz, Schauspiel, Performance (teilweise), Regie, usw.

Es lohnt sich doch, weil:

Also ich lebe seit über 10 Jahren von der Kunst und kann damit meine Familie ernähren, obwohl ich Autodidakt bin....Ich lebe davon, dass den Leuten, die Geld haben es eben nicht gut genug ist, Fotos, wie sie jeder hat aufzuhängen. Aber auch von Leuten, die keine Poster mehr an der Wand haben wollen...wer EIN Original an der Wand hat, der wechselt in der Regel nach und nach alle Drucke und Poster aus...es ist ein besonderer Flair, den Bilder umgeben...Das ist wie bei Harley-Fahrern, da gibt´s steinreiche, die sich die mal eben nebenbei kaufen und dann diejenigen, die ihr ganzes Leben umkrempeln, nur um auch eines besitzen zu dürfen...vom letzten Geld zusammen gespart...Bildene Kunst wurde schon vor Jahren tot gesagt, ist aber einfach nicht tot zu kriegen. Wer malen WILL, der sollte sich nicht aufhalten lassen!!!!

Danke für deine ehrliche und offene Antwort!

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Ich bewundere Leute sehr, die es geschafft haben, aus diesen Hobby ihren Beruf zu machen, mit dem sie Lebensunterhalt verdienen.

Dem dieses strebe ich auch nach.

Ich habe zuletzt ein sehr schöne Pastellkreide-Zeichung von einem Künstler mir ersteigert, für gerade mal 4€...aus diesem Grund habe ich mir halt gefragt, inwiefern es sich überhaupt noch lohnt, in sowas seine Zeit und Energie zu investieren...aber ich es sehe hier, das es sich doch lohnen kann

Es fiel mir nicht leicht, die "hilfreichste Antwort" auszuzeichnen, das ich nicht mit so tollen Antworten gerechnet hatte...

Ein Kompliment wollte ich dir auch schon vorher machen, doch dann hatte der Server hier Probleme, weswegen ich es erstmal abgebrochen hatte.

Aber du kriegst auf jedenfall noch einen ;-)

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Liebe Grüße,

goodboy21

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Nein, ist richtig, es lohnt sie nicht wirklich.

Ich möchte hier mal die unromantische, nüchterne Sicht hervorheben.

Ob sich ein Kunststudium lohnt, ist eine sehr theoretische Frage, denn auf einen Studienplatz kommen 10 bis 20 Bewerber. Schon die Hürden, ein Kunststudent zu werden, sind sehr hoch. Von denen, die das Studium abschließen, wird nur ein winziger Bruchteil am Kunstmarkt erfolgreich. Die Konkurrenz ist gewaltig. Man muss sich mit Marketing auskennen.

Und eine Überschlagsrechnung:

Wenn du dann später evtl. ein bildender Künstler/Maler sein und davon leben willst, musst du durchschnittlich im Monat für etwa 1500 bis 2000 Euro verkaufen - und das jeden Monat!

Besser ist es natürlich, wenn du grundsätzlich "finanziell unabhängig", also wohlhabend, bist oder wenn du mit Geld regelmäßig - und unabhängig vom Kunstgeschmack des Förderers - unterstützt wirst. Ist das nicht der Fall, musst du einer (ungelernten Hilfs-) Erwerbsarbeit nachgehen, die dir künstlerische Energie entziehen kann.

Du kannst das selbstverständlich alles in Kauf nehmen, wichtig scheint mir nur, dass du es dir vorher klar machst. Ich sage nicht, dass es misslingen muss. Du kannst dich entfalten und entwickeln - das ist unbestritten, denn es ist eine freiberufliche Tätigkeit, die ungeahnte Kräfte hervorbringen kann.- Aber es gibt auch die andere, die harte Seite der "brotlosen" Kunst.

Wow...vielen Dank :-)

Das nenne ich mal erhlich und aufrichtig. Du hast genau verstanden worauf ich hinaus will, und hast mir eine Antwort gegeben, die eindeutig Rational ist.

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Ich belasse es besser bei einer Hobby, mit der ich ab und zu mir noch was dazu verdiene und natürliche meine Gefühle mit verarbeite.

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