Kommunismus einführen?

23 Antworten

Die Menschen ändern ihre Gesellschaftsordnung und Produktionsweise nicht einfach so "zum Spaß", sondern in der Regel erst dann, wenn sich die bisherige Ordnung überlebt hat und ineffektiv geworden ist. Der Kapitalismus wird also abgelöst, wenn er abgewirtschaftet hat. Allerdings ist es für die jeweiligen Zeitgenossen sehr schwer, den richtigen Zeitpunkt zu erkennen, erst nachher ist man klüger. Nach dem Ende des blutigen 1. Weltkriegs glaubten viele Kommunisten - nicht nur in Russland - der Kapitalismus sei endgültig am Ende. Das hat sich in Nachhinein als falsch dargestellt, und deshalb konnten die kommunistischen Revolutionen letztlich nicht zum Kommunismus führen - sie kamen halt einfach zur falschen Zeit.

Wenn wir uns heute die weltweite Situation ansehen, scheint das wirtschaftliche Ende des Kapitalismus sehr viel näher zu sein. In weiten Teilen Afrikas, Asiens und Südamerika ist die kapitalistische Wirtschaft bereits zusammengebrochen. In den arabischen Staaten gibt es bis zu 50% Arbeitlosigkeit. Während man früher dachte, die Armut in der "3. Welt" könne besiegt werden, wenn diese Länder den Westen nachmachen, merkt man heute, dass es genau umgekehrt ist: Das Elend, dass es sonst nur in diesen Ländern gab, hat jetzt auch Europa und Nordamerika erreicht mit Arbeitslosenzahlen z.B. in Griechenland und Spanien, die es sonst nur in Elendsgebieten gab. Diese Entwicklung wird früher oder später auch uns erreichen.

Die Sichtweise, dass der Kapitalismus am Ende ist, lässt sich anhand der Entwicklungsländer nicht bestätigen. So hat sich der Anteil an Hungernden seit 1990 halbiert:

https://de.wikipedia.org/wiki/Welthunger

Kapitalismus ist eine mühsam zu zähmende, ansonsten menschenverachtende Wirtschaftsrichtung, die nur nach den Profit geht.

Reinen Kapitalismus gibt es nicht, selbst Länder wie die USA setzen dem Kapitalismus Grenzen.

Warum bleibt man überhaupt beim Kapitalismus? Weil er, wenn er von einer Vielzahl von Regulierungen und Kontrollen begleitet wird, dem Menschen mehr nützt als schadet.

Und vor allem, weil alle bisher bekannten Alternativen viel schlechter funktioniert haben und nicht weniger Schaden angerichtet haben.

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@derLordselbst

Die Effizienz eines hochgradig auf Industralisierung und Entwicklung moderner Technik getrimmten Systems wie dem Kapitalismus kann man m.E. nicht ernsthaft daran messen, ob die Anzahl der Hungernden steigt oder sinkt. Da es nicht der Zweck der kapitalistischen Wirtschaft ist, Gebrauchswerte wie Brot usw. herzustellen, sagt die Anzahl der hergestellten Brote etc. nichts über den Zustand der Wirtschaft aus. Der Zweck des Kapitalismus ist vielmehr die Erzeugung von Mehrwert durch Verwertung menschlicher Arbeitskraft. Dieser Mehrwert ist primär ein Geld-Effekt und hat nicht unmittelbar etwas damit zu tun, ob mehr oder weniger Güter produziert werden, mögen sie lebenswichtig sein oder nicht. Und die weltweit in den letzten Jahrzehnten drastisch angestiegene Arbeitslosigkeit weist darauf hin, dass eben dieses Modell - Verwertung von Arbeitskraft - nicht mehr funktioniert. Weil infolge der rasant gestiegenen Produktivität eben immer weniger Arbeitskräfte gebraucht werden. Die hunderte von Millionen Arbeitslose weltweil werden einfach infolge der Automatisierug nicht mehr gebraucht. Wenn keine Arbeit mehr eingesetzt wird, kann aber auch keine Arbeit mehr verwertet werden, d.h. die Mehrwertproduktion ist nicht mehr möglich. Da die Mehrwertproduktion DAS spezifische am Kapitalismus ist, bedeutet der Zusammenbruch der Mehrwertproduktion gleichzeit den Zusammenbruch des Kapitalismus.

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Das Störende am Kommunismus sind die Menschen, daher wird es auf absehbare Zeit keinen Kommunismus geben:

  1. Die bisherigen Vorbeter des Kommunismus haben immer Gewalt und Stereotypen mit in die Idee des Kommunismus eingebracht. Historisch verständlich, aber staatsphilosophisch schwachsinnig.
  2. Die bisherigen erfolgreichen (!) Politiker, die den Kommunismus propagiert haben, nutzten diesen spätestens in der zweiten Phase nur als Vehikel zum Machterwerb und später als Verbrämung von menschenverachtenden Diktaturen.
  3. Die bisherigen Wirtschaftsplaner des Kommunismus waren immer überfordert, unflexibel und nicht in der Lage, die komplexen Wechselbeziehungen einer Industriegesellschaft zu planen.
  4. Und da gibt es ja noch die Werktätigen. Die waren oft demotiviert, wenn Leistung nicht belohnt wurde, wollten auch gerne einfach in den Laden gehen und ein Auto bestellen, statt Jahre darauf zu warten. Altruismus und Gemeinsinn von oben verordnet, hat sich als nicht funktionsfähiges Konzept erwiesen.
  5. Die heutigen Vertreter des Kommunismus versuchen oft die Idee etwas anzupassen, sind aber nicht in der Lage, die konzeptionellen Dilemmata des Kommunismus aufzulösen.

Was ist eine politische oder staatsphilosophische Idee, die nicht die Menschen und ihre Eigenschaften berücksichtigt und deren Wirtschaftssystem scheitert? - Eine Illusion, nicht mal eine Utopie.

Wer also jetzt Kommunismus zurückmöchte, muss erst neue Menschen erschaffen. Laut der Aussage von Religionen sind da selbst Götter mäßig erfolgreich.

Habe selten so eine gute Antwort gelesen!! :-) Mein Herz schlägt zwar ein wenig in Richtung "links",aber der Kommunismus ist so wie Du sagst! Undurchführbar! Die Ungerechtigkeiten des Kapitalismus' lassen mich aber da ebenfalls nicht schwärmen!!

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Deine ganze Argumentation basiert auf einem Strohmann.

Weil es noch keinen Kommunismus gab.

Wär ähnlich, als würde ich die vielen üblen kapitalistischen Diktaturen mit Kapitalismus gleichsetzen und sagen er ist schlecht, weil er Pinochet u.a. hervorgebracht hat.

Witschaft: woher kommen die Bananen, auf die wir so stolz waren und die billigen Klamotten?

"Das Störende am Kommunismus sind die Menschen"

nein, nicht die generell "die Menschen", sondern nur die, die hier von Geburt an mit Angst vorm Kommunismus und Illusionen auf Egoismus getrimmt werden, weil die gegenwärtig gepredigte Ideologie das braucht, damit der Laden läuft.

Das liegt aber nicht in der Natur des Menschen, sondern ist anerzogen.

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"wieder eingeführt" Kommunismus gab es genau so wenig, wie reinen Kapitalismus.

Nur Revolutionen, die aus der Not entstanden sind, sich für kommunistisch ausgegeben, aber eher das Gegenteil gemacht haben und oft in Diktaturen abgedriftet sind (Stalin usw.).

Die Idee finde ich gut aber gegenwärtig unrealistisch und ich lehne eine gewaltsame Einführung ab. Individualismus und Freiheit, die ich sehr schätze, widersprechen dem übrigens nicht, wie immer angedeutet wird.

Die Einführung durch Motivation ist schwierig, da

  • die Menschen hier von Geburt an auf eher wirtschaftliche Maßstäbe/Werte vorkonditioniert sind und Werte, wie Chancengleichheit, Gerechtigkeit zweitrangig sind. Hier halten Angst, Träume/Illusionen den Laden am Laufen: Angst, wirtschaftlich abzurutschen und gesellschaftlich nicht anerkannt zu werden. Träume: der Amerikanische Traum: Millionen Teenis sehen Hei Klums Supermodel oder so und kaufen danach die überteuerte Schminke aus der Werbung und glauben, sie hätten eine Chance irgendwann schön und reichzu werden;)Freiheit ist auch mehr eine Illusion und käuflich. Ich verstehe unter Freiheit auch Entfaltungsmöglichkeiten, die nicht durch einen finanziellen Rahmen eingeschränkt sind. Rauchend in den Sonnenuntergang zu reiten ist zwar schön, aber freie Bildung ist noch besser.
  • alles, was was sich in die Richtung Sozialismus bewegt als Konkurrenz betrachtet und immer bekämpft wurde. Z.B. Wurde in Chile die gewählte sozialistische Regierung (Allende) weggeputscht und eine Kapitalistische Folterdikatatur (Pinochet) installiert. In Griechenland wird die jetzige sozialistischen Regierung an der kurzen Leine gehalten, für Schulden, die die Vorgängerregierung gamacht hat usw.
  • der Mensch ein Gewohnheitstier ist und Angst vor Veränderungen hat: man steht lieber täglich 1h im Stau, als selbst aktiv etwas dagegen zu unternehmen.

Nochmal zur Frage:

eine Revolution in Deutschland ist derzeit sinnlos, wozu auch?

Revolution in Ländern mit unterdrückten Menschen (Kinderarbeit usw.) kaum möglich, da das gewaltsam verhindert werden würde. Es gibt genug Beispiele, in denen soziale Tendenzen durch Putsche im Keim erstickt wurden.

Der Sozialismus/Kommunismus wird in Deutschland hoffentlich nie wieder eingeführt werden. Es gab sowas schon mal in Deutschland, über 40 Jahre lang. Das war für alle Zeiten genug, wenn man bedenkt, was die Folgen davon waren und wie lange es dauert, die Folgen und Schäden dieser Zeit zu beseitigen. Ein vernünftiger, denkender Mensch, der sich ein bisschen über die Geschichte der DDR informiert, würde nie auf die Idee kommen, eine kommunistische Revolution zu machen.

Kommunismus hat es bis jetzt nirgendwo in der Welt gegeben. Einführen kann man ihn ohnehin nicht, denn der entwickelt sich erst unter bestimmten Voraussetzungen aus dem Sozialismus heraus.

Eine sozialistische Revolution ist vorerst in Deutschland nicht möglich, da müßten schon die meisten ausgebeuteten Staaten der Welt wegbrechen oder es müßte sich eine große Kriegsniederlage einstellen.

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung – Innerhalb meines Studiums hatte ich viel mit Politik z utun

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