Könnte man Kreuzfahrtschiffe mit Atomkraft betreiben?

7 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Theoretisch wäre das durchaus möglich. Mal abseits von Kreuzfahrtschiffen, was man zumindest in den 1980ern soweit, dass man nukleare Containerschiffe bauen wollte, die auch von den Kosten mit konventionellen Schiffen hätten konkurrieren können. Für das NCS-80, das einst für Deutschland geplant war, wurde das nukleare Genehmigungsverfahren bereits initiiert. Das Problem ist aber, dass sich kein Reeder gefunden hat. Das lag in erster Linie daran, dass nukleare Schiffe, sofern sie keine Stammroute haben, jedes mal eine Sondergenehmigung brauchen, um in den Hafen einzulaufen. Dabei geht es insbesondere um die Reaktorsicherheit, die aber von Land zu Land unterschiedlich ist. Das war jedenfalls ein großes Problem des Forschungsschiffs Otto Hahn, Deutschlands erstes nuklear angetriebenes Schiff.

Anders verhält sich das jedoch, wenn es innerhalb des selben Landes passiert wie beispielsweise in Russland, die eine ganze Flotte von Atomeisbrechern betreiben, sowie neue Bauen, außerdem ein nuklear getriebenes Containerschiff haben, die Sewmorput. Dadurch das alles in einem Land stattfindet, ist das kein Problem.

Für ein Kreuzfahrtschiff könnte man sich durchaus solch einen Antrieb denken. Man müsste dafür aber eine Lösung finden, wie man das Schiff von A nach B bringt ohne ständige Sondergenehmigungen. Abseits davon: Er heute eine nukleare Kreuzfahrt machen will, kann dies bereits auf den Atomeisbrecher 50 Let Probedy, allerdings von Murmansk zum Nordpol und zurück. Die Preise dafür sind allerdings gepfeffert: https://poseidonexpeditions.de/ships/50-years-of-victory/

Ich weiß nicht, ob das mit den 20 Mio Kfz richtig ist, aber natürlich könnte man technisch ein Kreuzfahrtschiff mit Atomkraft antreiben.

Ich vermute, man bekommt es zivil nicht zugelassen, da es sich der unmittelbaren staatlichen Kontrolle entzieht.

Weiterhin könnte ich mir vorstellen, dass diese Lösung teurer ist, als die konventionelle. Militärschiffe nutzen diese Technik in erster Linie um möglichst autark zu funktionieren nicht um wirtschaftlich zu sein.

Im Durchschnitt gehen pro Jahr 146 Schiffe unter. Diese Zahl bezieht sich aber nur auf die großen Schiffe. Rechnet man alle kleinen Schiffe dazu sind es weit über 1000. Wenn so ein Kreuzfahrtschiff im Mittelmeer, in der Nordsee oder in der Ostsee sinkt, dann verstrahlt der Atomantrieb eine ganze Region. Wie würde es dir gefallen wenn eine Stadt wie Neapel oder Hamburg komplett umziehen müsste? Ein Schiff mit Atomkraft anzutreiben ist absoluter Schwachsinn. Denn es gibt bereits eine Technik die tausende Jahre sehr gut funktioniert hat und keinerlei Treibhausgase ausstößt. Der Wind weht heute noch genau so wie zu Beginn der Seefahrt. Man braucht dazu nichts weiter als Masten und Segel. Die Firma SkySails braucht dafür noch nicht einmal einen Mast oder eine Mannschaft die das Segel setzt. Bei denen geht das alles automatisch und ohne gefährliche Strahlung.

https://www.skysails.info/

Danke Dir für den interessanten Link, Fuchssprung.

Ein schönes Wochenende und liebe Grüße

Achim

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Dass man beim Untergang eines Schiffs mit Nuklearantrieb eine ganze Region kontaminiert ist Unfug. Bereits mehrfach sind zumindest schon Atom U-Boote gesunken, deren Auswirkungen auf die Umwelt bekannt sind: Es gibt keine. Das liegt insbesondere, wie auch bei Nuklearschiffen, an der verkapselten Bauweise. Das Reaktorsystem ist jeweils in einer eigenen Kammer, die dicht hält, und die man sogar theoretisch gegen ein neues Reaktorsystem tauschen könnte. Die Bergung der Kursk hatte jedenfalls Aufschluss darüber gegeben, dass die Reaktoren nach den Bergen sogar betriebsbereit gewesen sind, heißt man hätte sie theoretisch gleich danach wieder anfahren können. Das sei also die geringste Sorge.

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@NuklearTV

Na das ist ja interessant! Dann kann man in Tschernobyl und Fukushima ganz sicher auch einfach die Reaktoren wieder hoch fahren. Einmal mit dem Lappen drüber, ein wenig auf Hochglanz poliert und schon geht es weiter!

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@NuklearTV

Das mag für einen gewissen Zeitraum zutreffen, dass der Reaktor durch die verkapselte Bauweise dicht hält. Doch im Laufe von Jahrzehnten könnte das salzhaltige Meerwasser die Verkapselung durchaus angreifen und undicht machen. Auszuschliessen ist das keinesfalls.

Das Beispiel mit der Kursk passt da nicht so recht, weil die Kursk nur verhältnismässig kurze Zeit bis zur Bergung im Wasser lag.

Ich glaube nicht, dass es irgendetwas auf der Erde gibt, was mit der Zeit nicht verrottet.

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Na klar. Es wurde sogar mal erwogen, Flugzeuge mit Atomenergie anzutreiben. Ich mein das war so ab den 1960er Jahren, als die 1. US Atom U-Boote entwickelt/ gebaut wurden und der Thorium Reaktor in den USA gebaut und getestet wurde.

Theoretisch schon.

Praktisch macht man das aber nicht, weil im zivilen Bereich statistisch zu unsicher, wenn es mal zu einem Zwischenfall kommt. Zudem wuerden die Umsatzzahlen bzw. Gaestezahlen aus Angst und Protest wohl um 80% einbrechen, was keine Reederei riskiert.

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