Kann ein Pfarrer ein Kind von der Kommunion einfach abmelden weil es keine Kutte tragen will?

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13 Antworten

Zunächst einmal ist kirchenrechtlich völlig klar, dass der zuständige Ortspfarrer von Amts wegen die Pflicht hat, darüber zu entscheiden, wer zur Erstkommunion zugelassen werden kann. Es geht nämlich darum, dass die heiligste Eucharistie nur solchen Kindern gespendet werden darf, die auch begreifen können, was sie da empfangen (vgl. cc. 913f. nachzulesen hier: http://www.codex-iuris-canonici.de/buch4.htm). 

Ebenso klar ist aber, dass sich die Befugnis des Pfarrers, ein Kind von der Erstkommunion auszuschließen, allein nach diesen Vorgaben zu richten hat. Der Pfarrer hat also dafür zu sorgen, "daß nicht Kinder zur heiligen Kommunion hinzutreten, die den Vernunftgebrauch noch nicht erlangt haben oder die nach seinem Urteil nicht ausreichend darauf vorbereitet sind." (c. 914).

Sofern der Pfarrer nicht nachweisen kann, dass Ihre Tochter die in c. 913f. genannten Voraussetzungen nicht erfüllt, ist die Nichtzulassung m.E. rechtswidrig. Die Kleiderfrage dürfte hier jedenfalls nicht geeignet für eine solche Begründung sein. Ich begründe Ihnen das gerne weiter:

Can 843 — § 1 Die geistlichen Amtsträger dürfen die Sakramente denen nicht verweigern, die gelegen darum bitten, in rechter Weise disponiert und rechtlich an ihrem Empfang nicht gehindert sind.

Gemäß c. 843 § 1 darf also eine Zulassung zum Sakramentenempfang nicht verweigert werden, wenn Ihre Tochter

(1) gelegen um den Empfang bittet: Diese Bitte wird bei Minderjährigen i.d.R. durch die Eltern oder deren Vertretung geäußert. Die "gelegene Bitte" ist allein schon dadurch gegeben, dass Sie Ihr Kind wie in Ihrer Pfarrei üblich angemeldet haben. Sollte bezüglich der Kleiderfrage keine Einigung möglich sein, wäre eine ebenfalls "gelegene Bitte" wahrscheinlich die Frage, ob Ihrem Kind einzeln die Erstkommunion an einem anderen Termin während einer Hl. Messe gespendet wird. Nicht gelegen wäre hingegen z.B. die Bitte um Spendung um Mitternacht in einer Kneipe (nur um deutlich zu machen, was "gelegen" hier bedeutet).

(2) in rechter Weise disponiert ist: Klar unterscheidet die Kanonistik hier zwischen Voraussetzungen für die Spendung (die Beurteilung dieser äußeren Umstände liegt also beim Pfarrer) und Voraussetzungen für den Empfang (die Beurteilung dieser inneren Umstände liegt allein beim Empfänger, hier also bei Ihrer Tochter). Äußere Umstände, die der Pfarrer bezüglich der rechten Disposition zur beurteilen hat, sind moralisch-sittliche und rechtliche Kategorien. Es braucht keine Beispiele um zu verdeutlichen, dass die Frage ob "Kutte" oder Kleid nicht in diese Kategorien fällt. Sollten Beispiele notwendig sein, liefere ich sie gerne nach. 

(3) rechtlich am Empfang nicht gehindert ist: Diesen Punkt haben wir bereits anhand c. 914 ausgeschlossen.

Ihr Pfarrer muss also beweisen, dass wegen einem Kleid statt einer "Kutte" Ihre Tochter nicht recht disponiert oder rechtlich am Empfang der Erstkommunion gehindert ist. Ein m.E. absurdes und nicht zu leistendes Unterfangen. Bleibt dieser Beweis aus, ist die Nichtzulassung m.E. rechtswidrig. Selbst wenn die "Kutte" absolute Gewohnheit in Ihrer Pfarrei wäre, so würde eine Abweichung hiervon noch nicht für eine Nichtzulassung ausreichen (ähnliches Beispiel s. Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, Instruktion Redemptionis sacramentum, 91).

Mir ist es sehr wichtig, dass solche Äußerlichkeiten nicht dafür missbraucht werden, um die Spendung der Sakramente zu verweigern (ähnlich hier: http://www.augsburger-allgemeine.de/dillingen/Kommunionkleid-oder-Albe-das-ist-jetzt-die-Frage-id5452611.html). Die Erstkommunion ist schließlich Teil der Initiation Ihrer Tochter in die Kirche, die Eucharistie ist zudem Kern-, Angel- und Mittelpunkt kirchlichen Lebens. Deren Heiligkeit und Würde zu schützen ist daher u.a. Ziel der o.g. Rechtsnormen. Man sollte sich aber ernsthaft die Frage stellen, ob ein Kleid statt einer "Kutte" so weitreichend greifen kann. Wohl eher kaum, zumal sich "Kleid" erst einmal nicht nach "unwürdiger" Kleidung anhört. Ich denke, einem Pfarrer sollte die Göttliche Gnade wichtiger sein als eine einheitliche Kleiderordnung. Ihm muss aber geltendes Recht Richtschnur für seine Amtsführung sein. Ich hoffe ich konnte Ihnen Begründungsansätze liefern. Ziel ist es nicht, Ihnen vor Ihrem Pfarrer Recht zu geben, sondern Ihrem Kind die heiligste Kommunion zu ermöglichen, ob in "Kutte", Kleid oder Jeans.

Allerdings finde ich es sehr schade, dass Sie die Gesprächseinladung abgelehnt haben. Ich vermute, es ging dem Pfarrer darum, Ihnen seinen Standpunkt als zuständiger Liturg und Sakramentenspender zu vermitteln. Das ist sein Recht und seine Pflicht. Ich habe in meiner - zugegeben langen (sorry) Antwort das Wort "Kutte" absichtlich in Anführungszeichen gesetzt. Was Sie bezüglich der Erstkommunion Ihrer Tochter meinen, ist eine Albe. Als ich den Begriff "Kutte" las, wusste ich, dass Sie nicht um die Bedeutung und Würde dieses Kleidungsstückes wissen - und warum es aus symbolischer, liturgischer und ästhetischer Sicht einer Erstkommunion nicht nur vollkommen angemessen, sondern einem Kleid deutlich vorzuziehen ist. Ich denke, darauf wollte der Pfarrer hinaus. Nochmal: Die Kleiderfrage ist keine Frage des Glaubens oder der Sitten und darf deswegen nicht ausschlaggebend für die Zulassung zur Erstkommunion sein. Ihr Kind hat das Recht, in Kleid zum Tisch des Herrn zu treten. Sie haben das Recht, falls keine Einigung in Sicht, um eine alternative Erstkommunionspendung zu bitten. Das wäre aber schade. Lohnt es nicht vielleicht doch, sich mit Ihrer Tochter zusammen, die gewiss schon einiges aus dem Kommunionunterricht weiß, mit der Bedeutung der Albe zu beschäftigen? Dazu einige Stichworte:

Die Albe ist eigentlich ein liturgisches Gewand: Bischöfe, Priester und Diakone tragen sie unter den anderen Gewändern, ebenso wird sie von Ministranten, Kommunionhelfern und Lektoren verwendet. Die Albe soll an die Taufe erinnern, näherhin an das Taufkleid. Bei einer Erstkommunion dient sie besonders als Symbol für die bereits empfangene Taufe, denn Taufe, Firmung und Eucharistie sind eng mit einander verbunden. Alle drei sind sie Sakramente des Christwerdens (Initiation). Die Albe verdeutlicht: "Ich bin getauft, ich gehöre zu dir, Herr, und trete nun mit der ganzen Kirche, in die du mich einführst, zum Tisch deines Reichtums." Weiß symbolisiert dabei die Reinheit, also die in der Taufe wiedererlangte Würde, aber auch konkret Freude. Die Albe umgibt den ganzen Menschen, ebenso wie die Gnade und Liebe Gottes den gesamten Menschen betrifft. Das wird in der Eucharistie auch sehr deutlich. Ein Kleid um der modischen Seite willen ist hingegen fehl am Platz, weil es das sakramentale Geschehen überhaupt nicht ausdrücken mag und kann. Viele Erstkommunionkinder tragen hochzeitskleidähnliche Kleider - das hat sich ebenfalls vielfach als Symbol durchgesetzt. Ich halte das für unpassend, da die Kommunion nicht Ausdruck einer "Vermählung mit Christus oder der Kirche" ist. Das passt eher zu einer Jungfrauenweihe oder Profess. Es lohnt sich also, über die Albe bei der Erstkommunion nachzudenken.

Mir ist der Streit zwischen Ihnen und Ihrem Pfarrer egal. Ihrer Tochter wünsche ich aber von Herzen die Möglichkeit, sich von Christus in der Erstkommunion reich beschenken zu lassen! :) Ich finde es übrigens total toll, dass Sie Ihr Kind zur Erstkommunion führen möchten. Dieses elterliche Engagement kann der Kirche gar nicht wichtig genug sein. :)

Es ist nicht eine "Kutte", sondern es handelt sich um ein liturgisches Gewand, das im Gottesdienst das Besondere ausdrücken möchte, das die erste Heilige Kommunion für katholische Christen bedeutet.

Das Anliegen des Pfarrers ist zudem, dass es bei der Erstkommunion um Leib und Blut Christi geht, und nicht um die Selbstdarstellung der Kommunionkinder. 

Was wollt Ihr? Ein riesiges Familienfest? Dann feiert es doch einfach. Dazu braucht Ihr keine Kirche und keine Erstkommunion.

Oder wollt Ihr wirklich die Erstkommunion feiern: Dass Eure Tochter nun zum ersten Mal das Sakrament der Heiligen Kommunion empfangen kann und hoffentlich noch ein Leben lang empfängt!

Dann lasst Euch doch bitte auf die Feier in der Kirche ein. Legt in der Kirche die Konzentration nicht auf die Klamotten, sondern ganz auf den Gottesdienst und auf die Messe. Die liturgischen Gewänder dienen dazu, diese Konzentration zu fördern. Und dann erlebt sie das erste Mal, was es heißt: "Schmecket und sehet!"

_Das_ ist der Höhepunkt. Und nach dem Gottesdienst zieht sie das liturgische Gewand aus, und ihr feiert, dass die Tochter diesen kirchlich-geistlichen Höhepunkt erlebt hat.

Dieser Höhepunkt hat auch mit Ehrfurcht für den zu tun, der sein Leben gegeben hat auch für Euch und für Eure Tochter: Jesus Christus. Zu dieser Ehrfurcht auch gehört Demut und die Fähigkeit, sich im richtigen Augenblick einmal unterzuordnen.

Ist die Feier der ersten Heiligen Kommunion wirklich der richtige Augenblick, um sich auf ein Machtspiel mit dem Pfarrer einzulassen? Mit diesem Machtspiel zeigt Ihr doch, dass ihr von dem, was Ihr da feiern wollt, nicht das Geringste begriffen habt.

Und dann, ganz ehrlich, solltet Ihr ein richtig schönes Familienfest feiern. Die Erstkommunion braucht Ihr nicht dafür.

Oder (und das würde ich Euch wünschen): Ihr besinnt Euch auf den Sinn dessen, was Ihr da feiern wollt.

Und ich glaube, dann löst sich das Problem in Luft auf.

In den meisten Kirchen wird noch die übliche Kommunionkleidung getragen. Manche sind aber dazu übergegangen, eine für alle Kinder
einheitliche Kutte zu tragen, die auf Gemeindekosten angeschafft wird.
Einerseits um die Konkurrenz der Kinder um das schönste Kleid zu dämpfen
und damit sie nicht vom Wesentlichen des Tages abgelenkt werden und
andererseits um die ärmeren Eltern zu entlasten, sich kleidungsmäßig in
Unkosten zu stürzen, um mithalten zu können. Wenn es nun trotz dieser
Entscheidung Ausnahmen für einzelne Kinder geben würde, wäre das nicht
gerecht. Von daher kann der Pfarrer schon darauf bestehen.  Dies ließe
sich leicht auch einem 9-jährigen Kind erklären. Das individuelle weiße
Kleid kann man bei einer anschließenden Feier immer noch tragen.

Äußerlichkeiten sollten an diesem Tag nicht ausschlaggebend sein,
sondern allein die Freude, dass der lebendige Jesus mit Gottheit und
Menschheit, mit Fleisch und Blut sich im Sakrament der Eucharistie mit
uns aufs Innigste verbindet. So müsste es eigentlich Bestreben jedes
gläubigen Katholiken sein, so oft als möglich die Hl. Kommunion in jeder
Messfeier - nicht nur sonntags - zu empfangen. Da aber festzustellen
ist, dass so viele Kinder nach dem Weißen Sonntag nicht mehr in der
Kirche  gesehen werden und sich oft bei der Firmung schon als "stolze"
Atheisten bezeichnen,  muss man annehmen, dass es Eltern und
Kirchenvertretern nicht gelingt, dieses große Geheimnis der Liebe Gottes
so zu vermitteln, wie es in früheren Zeiten der Fall war. Dann ist das
aber ein größerer Verlust als der Verzicht auf ein Kleid für 90 Minuten.

Natürlich soll man auch ein Kind nicht zwingen, etwas zu tun, was es nicht will - wenn es denn ohne Sinn ist. Man sollte aber schon Grenzen setzen und
auch erklären können, warum es nicht immer nach dem Willen des Kindes
gehen kann. In diesem Fall würde sich die Frage stellen, was der Tochter
wichtiger ist: die Kommunion oder das schöne Kleid.

Ein kleiner Nachtrag:

Macht ruhig aus Eurer Tochter ein kleines Engelchen, für das das tolle Kleid in der Kirche das Wichtigste am Tag der Erstkommunion ist.

Irgendwann kommt dieses Engelchen in die Pubertät. Und dann seid Ihr es, die Ihr Eure eigene Erziehung ausbaden müsst.

Dann ist es nicht mehr der Brief vom Pfarrer, dann müsst Ihr Eurer Tochter Grenzen setzen. Und dann werdet Ihr merken, dass es dafür zu spät ist.

Und Ihr werdet verstehen, warum der Pfarrer Euch damals zur Erstkommunion diesen Brief geschrieben hat.

Falls Ihr Euch noch daran erinnert.

Tretet geschlossen aus dem Verein aus und feiert eure Freiheit von diesen Kuttenträgern in dem reservierten Restaurant.

Klare Antwort: der Pfarrer darf das machen. Ob er es machen sollte, ist eine andere Frage. Eine andere Frage ist aber auch, ob ihr unbedingt auf der Extra-Wurst bestehen müsst.

Für meine Begriffe hättet ihr die Gesprächseinladung des Pfarrers annehmen und im beiderseitigen Einvernehmen eine Lösung herbeiführen sollen. Denn die Meinung der Gemeindereferentin ist im Zweifelsfall nicht entscheidend.

Im Grunde frage ich mich, warum ihr euer Kind überhaupt der Kommunion unterziehen wollt und warum ein Mädchen in diesem Alter sich einer konfessionsgebundenen Kirchentradition entziehen will. - Gewöhnlich freuen sich Kinder diese "Kutte" tragen zu dürfen!

Habt ihr eventuell selbst durch euer Verhalten, euer sozusagen "nichtkatholisches Vorbild" Schuld an der Weigerung eurer Tochter? - Dann lasst doch einfach das Spektakel der Kommunion ausfallen und streitet euch nicht mit einer in manchen Angelegenheiten seit 2000 Jahren sturen und unbelehrbaren Kirche. Für die meisten Kinder und Eltern ist die Kommunion doch sowieso nur ein traditionelles Fest ohne tiefere Glaubenshintergründe.

LG hummel3

Warhscheinlich macht der Pfarrer seine eigenen Regeln, wenn laut dem´Bistum Bamberg keine Kuttenpflicht besteht.

 

Ich würde, wenn das Restaurant und alles andere schon geregelt ist, dem Lieben Friedens Willen, in den sauren Apfel beißen und für die Zeit der Kommunion, eine Kutte tragen, die ich nach der Kirche direkt wieder ausziehen würde. Das hätte aber zur Folge, dass ich diese Kirche bis auf weiteres meide.

 

Alternativ wäre ja, sich woanders zur Kommunion anzumelden. Ich weiss aber nicht, ob es zu knapp dafür wäre.

Mir gefällt diese Kutte auch nicht. Aber wo ist das Problem, sowas für einen Tag zu tragen? Ich finde es ehrlich gesagt bedenklich, dass ein 8/9 jähriges Kind mit aller Macht diese Entscheidung treffen darf und dadurch die ganze Feier platzen lassen kann....

Vielleicht hättet ihr den Gesprächstermin wahrnehmen sollen..da hättet ihr dann eure Sichtweise erläutern können.

blackforestlady 25.02.2017, 09:14

Klar man geht dann jeder Konfrontation aus dem Weg und macht alles das was die katholische Kirche will.

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kim294 25.02.2017, 09:49

Der Konfrontation ist man ja gerade aus dem Weg gegangen, in dem man das Gespräch abgelehnt hat.

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Klar ist: man muss nicht zur kommunion gehen, aber wenn man es tut, dann sollte man sich an die Regeln in der Gemeinde halten! Und es ist auch Sache der Eltern dem Kind zu erklären, dass es eben nicht immer eine Extrawurst bekommen kann.

Die Kutte kann ja zur anschließenden Feier ausgezogen werden.

alphonso 25.02.2017, 10:08

Das Tragen dieser Kutte ist kontraproduktiv, wenn das Kind gewohnt ist, immer im Mittelpunkt zu stehen. Ein Prinzessinnen-Kleid ist da nun mal zielführender.

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Gib mal bei Google "Kuttenpflicht Kommunion" sein. Es gibt eine ganze Reihe von Seiten zu dem Thema.

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