Japanisch / gerolltes R - Frage

7 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Ich stimme Nekyosha in den wichtigen Punkten zu. Eigentlich gibt es dazu nicht viel mehr zu sagen, aber ich spiele das Ganze einfach mal weiter, falls jemand mal etwas mehr lesen will.

Das Japanische "R" ist eher eine besondere Kombination aus "R" "L" und "D"

Diese Besonderheit erkennt man besonders leicht in der Umschrift des Japanischen

So ergibt ベルリン in lateinischer Schrift (romaji) eben einfach das Wort "berurin"

Das enthält ganz offensichtlich kein einziges "L" gibt jedoch die japanische Aussprache der deutschen Bundeshauptstadt "BerLin" wieder.

Doch selbst in der Aussprache tatsächlich japanischer Worte findet sich diese Besonderheit, sie ist also keineswegs auf Fremdworte begrenzt.

So kann es dir passieren, dass du im Audiomaterial eines Japanisch-Selbstlernkurses ganz deutlich "sayonaLa" hörst - in einem anderen jedoch mit ganz deutlichem "R".

Die japanische Schreibung "さよ(う)なら - "sayo(u)nara" zeigt aber wieder ganz klar - dort kommt überhaupt kein "L" vor.

Das Vorurteil, die Japaner könnten kein "R" sprechen ist also falsch. Will man unbedingt Stereotype nutzen, könnte man eher sagen, dass sie kein "L" sprechen können.

Wobei das obige Aussprachebeispiel von "sayonara" aus dem Sprachkurs zeigt, dass auch diese Aussage nichts anderes ist, als eine Verallgemeinerung

Ich könnte nun noch einige andere Beispiele nennen, aber hier nur noch ein einfaches:

  • サラダ - "sarada" - Salat - wieder keine Spur von einem "L" im japanischen Wort. ;-)

Ein ähnliches Problem hat man auch mit dem "U"

Das "U" bietet nämlich das Problem "Stimmhaftigkeit oder nicht?"

Bereits wenn man einmal Karate gelernt hat, wird man sich vielleicht gewundert haben, wieso im Buch etwas von "gedan tsuki" steht, der Lehrer jedoch im Unterricht eher etwas von einem "gedantski" zu erzählen scheint.

Man sieht also deutlich - das "R/L/D" ist nicht die einzige Aussprachehürde. ;-)

Hoffe, die Antwort war interessant und nicht zu verwirrend. :-)

Danke, super Antwort. Das mit dem Stereotyp hat mich auch verwirrt, aber kann es sein, dass Chinesen kein R sprechen?

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@riverbelow

Das kann zumindest ich nicht beurteilen, da ich kein Chinesisch beherrsche - es findet sich aber sicher jemand, der das qualifiziert beantworten kann.

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@riverbelow

chinesen beherrschen das r. ich beziehe das jetzt mal auf mandarin. dieses r ist allerdings noch etwas anders und allophon. es wird mit pinyin als r transkiptiert aber oft als eine art j artikuliert, am wortanfang eher als r und am ende wie zb ER. das sit schwer zu beschreiben, auch das ipa gibt kaum aufschluss darüber. in vielen chinesichkursen werden die konsonanten s,z,c,zh trainiert, aber auf diesen laut wird kaum eingegangen. das r kommt zb in RIBEN vor, das heißt JAPAN. wie ironisch:)

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Vielen Dank für den Stern, auch wenn ich ihn etwas ungerechtfertigt finde, da einige der hier gegebenen Antworten weitaus kompetenter waren. :-)

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zu den bereits gegebenen antworten möchte ich hinzufügen, dass die unterschiede die du ansprichst nicht mal richtig im internationalen phonetischen alphabet vermerkt werden. ein l und ein d sind immer dentoalveolar, können aber trotzdem leicht unterschiedlich klingen, so ist es auch mit dem r. ein einziger sprecher kann das r je nach stellung im wort unterschiedlich artikulieren. hinzu kommen generell ideolekt, soziolekt und/oder dialekt. man kann schon von einer gewissen allophonie reden, wenn sich das r in einer sprache unterschiedlich gibt. aber das ist mit vorsicht zu genießen, da es nicht ganz das gleiche ist wie mit n,ng und m. auch wenn es von japanern gern vereinheitlicht wird, kann sehr wohl zwischen r und l unterchieden werden. wenn du dir die ipa-alphabete anschaust von spanisch und russisch und hörproben dazu wirst du die unterschiede erkennen. ein r wird immer gerollt, es sit ein natürlicher trill- oder taplaut

Deutsche Synchronsprecher setzen sich auch selten mit der Phonetik der Ausgangssprache auseinander. Da ist das R nur eines von vielen Ausspracheproblemen, die bei einer Uebertragung aus dem Japanischen auftauchen koennen. Vokallaenge oder die Aussprache von S und Z waeren da noch zwei andere Beispiele. Bei Produkten fuer die breite Masse ist das auch nicht verwunderlich, da man nicht davon ausgehen kann, dass sich Ottonormal Verbraucher mit sowas auseinandersetzt, bzw. ueberhaupt daran Interesse hat, dass das korrekt ist.

Bei serioesen Nachrichten ist das z.B. etwas anders. In meiner kurzen Zeit als Koreanist hab ich mitbekommen, dass die Lehrstuhlinhaberin sehr oft Anrufe von Nachrichtensendern bekommt, wenn es darum geht koreanische Namen richtig auszusprechen und zu transkribieren. Sie muss den Leuten in so einem Fall dann die richtige Aussprache beibringen.

Das japanische R ist in der Regel ein alveolarer Flap, bzw. Tap, d.h. dass die Zungenspitze kurz gegen die obere Zahnreihe schlaegt. Wenn man etwas uebertrieben ausspricht, dann kann es natuerlich manchmal etwas anders klingen (vor allem, weil in der alveolaren Region sehr viele Laute erzeugt werden koennen).

Hier noch ein Link: http://en.wikipedia.org/wiki/Alveolar_tap

Ich wünschte mir wirklich, dass sich tatsächlich alle Institutionen, die irgendeine Form von Berichterstattung anbieten, derart sorgfältig vorbereiten würden.

Ich bin immer wieder verblüfft, wenn es sogar bei den öffentlich-rechtlichen in einer Japan-Reportage heißt, dies sei "Herr Schimitzu", ein moderner Priester des "Zänn-Buddhismus" der früher "Yakutza" war - dann rollen sich mir selbst als sprachlichem Laien die Zehennägel hoch. ^ ^

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@Enzylexikon

Ja, aber das Problem dabei ist, dass es der Laie nicht ohne Training nachmachen oder sogar nur verstehen kann. Wenn man jetzt z.B. insbesondere bei asiatischen Filmen die Namen korrekt und nicht eingedeutscht aussprechen würde, dann würde sich der Zuschauer die eh schon exotischen Namen noch schlechter merken können und sich womöglich schnell langweilen.

Auch wenn auch mir davon immer die Ohren wehtun, kann ich eine solche (sicherlich nicht ganz unbewusste) Entscheidung schon nachvollziehen.

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@M1603

Gutes Argument und ich würde mich mit meinem Japanisch auch nicht unbedingt vor eine Kamera stellen wollen.

Allerdings habe ich zugegebenermaßen auch schon darüber gelästert, ob der jeweilige Korrespondent nicht womöglich doch nur dank "Bernds Bar" in Tokyo überlebt.

Seit bei einem VHS-Dia-Vortrag der Japanologe nicht die Asahi-Brauerei in Tokyo auf einem seiner Bilder identifizieren konnte, traue ich jedem alles zu. ^ ^

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Leicht OT

Wenn du weißt, wie ein japanisches R klingen muss, und du das Rollen üben willst, sage 10 mal hinter einander 札幌ラーメン.

Ich habe jetzt leider keine Zeit, detaillierter auf das Thema einzugehen, aber vielleicht hast du Glück, und die User M106, Enzylexikon oder junti schreiben was zu dem Thema.

Es wird grundsätzlich gerollt.

Ich hatte einige Zeit gebraucht, bis ich das japanische R hinbekommen hatte.

Unterschied: im Japanischen wird das R am Gaumen hinter der oberen Zahnreihe gerollt, im Spanischen mehr im Rachen. Wie es im Russischen ist, weiß ich nicht.

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