Gibt es in Deutschland WIRKLICH noch unabhängige Medien ohne Einfluss der Politik und Verlag?

9 Antworten

Sicher gibt es die noch, aber man muß sie entweder kennen, oder etwas suchen. Zum Beispiel gibt es die unabhängigen Bürgermedien wie Offene Kanäle (TV) oder Radios, auch auf UKW. Natürlich hängt es immer - auch bei Blogs - davon ab, inwieweit da kompetente Journalisten am Werk sind. Die kochen natürlich auch gelegentlich ihr eigenes Süppchen. Die sind dann zwar unabhängig, aber ob sie immer neutral berichten, steht auf einem anderen Blatt. Ich arbeite z.B. für einen Offenen Kanal und mich kontrolliert absolut niemand. Ich kann produzieren, was ich will. Es muß gesendet werden - mindestens ein Mal. 

Ja aber deren Seriosität schwankt stark zwischen Verschwörungstheorien und radikalen Ideologien. Es gibt einige blogs und unabhängige Reporter die die Mitte finden. Z.B. Krautreporter und Netzpolitik.org. Die öffentlichen Medien sind nicht unabhängig aber haben in verschieden Formaten verschiedene Ausrichtungen. Die tagesschau ist eine brauchbare Quelle für aktuelle politische Ereignisse aber liefert natürlich nicht das ganze Bild. Bei den großen Zeitungen muss man bei jedem Artikel die politische Ausrichtung des Verlags und die Ausrichtung des jeweiligen Autors bedenken, dann sind auch diese brauchbar in gewissen Maß. Im allgemeinen behaupte ich, das keine Quelle komplett neutral sein kann oder das ganze Bild liefert, darum sollte man mehrere verschiedene Ausrichtungen lesen und vergleichen. Z. B. Ist die taz und RT stark linke Medien daher dafür sehr interessant als Kontrast zu Leitmedien, für USA ist CNN und CBS noch am neutralsten, auf Fox findet man vor allem die Meinungen der radikalen Republikaner und deren Wähler(Richtung Tea Party) unpraktisch für objektive Berichte aber hilfreich wenn es um die Stimmung in den USA geht, im Orient kenne ich leider nur Al-Jahzeera als englisches Medium. Nur umfassendes Lesen und darauf bauende Meinungsbildung schafft einen realistisches Bild von der Welt.

Z. B. Ist die taz und RT stark linke Medien daher dafür sehr interessant als Kontrast zu Leitmedien

Die taz ist längst Mainstream, und RT (ex "Russia today") ist das Sprachrohr der bezahlten Lakeien von Wladimir Putin, also alles andere als "unabhängig vom Einfluss der Politik".

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@Kanzelparagraph

Soso, RT ist also ein Sprachrohr Putins? Die Propagandaorgane der Nato werden von Dir wohlweislich nicht genannt, warum nicht?

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Nein. Gibt es so gut wie nicht mehr. Nur noch ein paar, die allerdings nicht in Zeitung/TV vorkommen, sondern die Wahrheiten auf YouTube veröffentlichen oder auf deren Homepage, wie die Wissensmanufaktur. Wer denkt, TV oder Zeitungen seien noch unabhängig und neutral, der ist schon leider Opfer dieser Propaganda geworden...

Unabhängig von Politik: Bedingt; Unabhängig vom Verlag: Nein

1. Natürlich dürfen sich Medien auch nur in dem rechtsstaatlichen Rahmen bewegen, welchen die Politik gesetzt hat. In diesem Rahmen genießen sie verfassungsrechtlich gesichert Presse und Meinungsfreiheit, könnten also berichten, worüber sie wollen. Wenn Journalisten jedoch an Informationen der Politik gelangen wollen, hat die Politik natürlich Einflussmöglichkeiten, z. B. wenn Merkel auf Ihre Auslandsreisen nur ausgewählte Journalisten (welche bislang nicht durch regierungskritischen Journalismus aufgefallen sind) mitnimmt. Diese Journalisten haben dann natürlich einen Informationsvorsprung vor ihren Mitbewerbern. Damit übt sie Einfluss auf die Medien aus.


2. Verlage üben definitiv Einfluss aus. Das geht damit los, dass die Verlage bestimmen wer Chefredakteur ist und auch den Rahmen bestimmen, innerhalb dessen der Chefredakteur handeln darf. Der Chefredakteur wiederum bestimmt i. d. R., welche Artikel erscheinen/gesendet werden und welche nicht. Da z. B. Zeitungen nicht von ihren verkauften Exemplaren überleben könnten, sondern hauptsächlich Ihr Geld mit dem Verkauf von Anzeigen (Werbung) verdienen, wirst du sehr selten kritische Berichte über Firmen dort lesen, die Inserate in der Zeitung geschaltet haben.

Kurzum: Verlage sind von Unternehmen, die in den Medien werben, abhängig. Die Redakteure und damit auch die veröffentlichten Artikel der Journalisten, sind wiederum von den Verlagen abhängig, sodass z. B. wirtschaftskritische Artikel eher selten und wenn schon, dann meißt sehr oberflächlich sind.

Immer wieder gern gehört, wird durch ständige Wiederholung - meist aus einer bestimmten politischen Ecke, die bisher nicht gerade durch eine irgendwie geartete Objektivität aufgefallen ist - auch nicht richtiger.

Die Politik hat wenig bis gar keinen Einfluss auf die Berichterstattung. Das kann man leicht schon daran erkennen, wie häufig Politiker aller Couleur von den Medien angegriffen werden.

Anders sieht es da schon mit der individuellen politischen Einstellung einzelner Redakteure aus, die sich selbstverständlich auf die Berichterstattung auswirkt.

Es gibt eine ganze Reihe von Untersuchungen über die politische Einstellung von Journalisten, z. B. einen Studie des Hamburger Instituts für Journalistik an 1500 Journalisten, die allesamt in wesentlichen Punkten übereinstimmen: Der deutsche Journalist ist mehrheitlich grün, links oder grün-links (zusammen 2/3 aller Journalisten, "grün-links" ist eigentlich schon ein Widerspruch in sich), nur jeder fünfte neigt keiner Partei zu, sogar nur jeder achte ist im bürgerlich-konservativen Lager zu verordnen.

Was die Verlage angeht: Auch deren Einfluss auf die Medien ist relativ gering. Zwar gibt es nahezu überall eine bestimmte politische Ausrichtung, die in Redaktionsrichtlinien festgelegt (und Bestandteil des Arbeitsvertrages) ist, die tatsächliche Bedeutung ist jedoch eng begrenzt. Die Verlage sind gewinnorientierte Unternehmen, denen kommt es in erster Linie auf die Auflage und den Profit an; entsprechend flexibel sind sie.

Wenn Du mal die deutschen Medien mit ausländischen Medien vergleichst, wirst Du sehr schnell merken, wie unabhängig sie wirklich sind; einzig die skandinavischen Länder dürften noch besser dastehen.

Die beste deutschsprachige Zeitung scheint mir gegenwärtig die "Neue Zürcher Zeitung" zu sein - sie ist schon deshalb in Bezug auf Deutschland neutral, weil sie in der Schweiz erscheint. Dennoch vertritt sie aber Meinungen, die jenen, die dauernd davon schwafeln, die deutschen Medien seien von Politik und Verlagen abhängig, nicht passen dürften.

Aber auch die FAZ, die Süddeutsche, die Welt, die taz sind unabhängige Medien und lassen sich weder von der Politik noch von Verlagen reinreden; die taz gehört z. B. zahlreichen kleinen Anteilseignern, die FAZ einer Stiftung, die Süddeutsche über verschiedenen Zwischenstufen mehrheitlich der Medien Union in Ludwigshafen, einem der Öffentlichkeit kaum bekannten, gleichwohl sehr großen Verlag, der gerade deshalb so groß geworden ist, weil er den Redaktionen nicht in ihre Arbeit reinredet.

Bei den Regionalzeitungen sieht es nicht viel anders aus: Obwohl es mittlerweile immer mehr sog. "Ein-Kreis-Zeitungen" gibt (im Verbreitungsgebiet gibt es nur eine Regionalzeitung, also keine Alternative) sind wir in Deutschland in dieser Beziehung eine Insel der Seligen - guck die z. B. mal US-Regionalzeitungen an, da sind nämlich nur die großen Flagschiffe einigermaßen gut. Von Russland, China, dem gesamten arabischen Raum will ich hier erst gar nicht reden.

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