Gezähmte oder ungezähmte Wellensittiche kaufen?

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3 Antworten

Ich hatte immer Wellensittiche aus der Zoohandlung. Die letzten beiden waren wohl schon etwas zahm, der eine hatte jedenfalls sehr wenig Angst.

Ich empfehle zum Selberzähmen Clickertraining. Das dreht das Prinzip des Zähmens mit Futterlockmittel um: Der Vogel macht etwas und wird mit einer Belohnung überrascht. Er muss also nicht seine Angst überwinden, um zur Kolbenhirse zu kommen, sondern wenn er einen kleinen Schritt Richtung Hand macht, bekommt er Kolbenhirse. Das freut ihn, die Freude merkt er sich und verbindet sie mit dem Schritt Richtung Hand. 

Beim Clickern geht man in ganz kleinen, oft wiederholten Schritten vor und meistens macht der Vogel am Ende freiwillig die Übung, wenn er auf sich aufmerksam machen möchte. Er kommt also freiwillig auf die Hand, ohne Lockmittel, um eine Belohnung zu bekommen. Er macht viel mehr von sich aus, man muss ihn nicht zu allem hinlocken. 

Zum Vorzähmen: Zähmen ist für mich, besonders durch Clickertraining, ein Kennenlernen von Vogel und Mensch. Der Vogel lernt, was der Mensch belohnt und wie der Mensch verschiedene Übungen ankündigt und kann daher den Menschen besser einschätzen (so dass man ihm später auch nur durch einen Blick oder ein Handzeichen etwas "sagen" kann oder er viele Worte einfach so durchs Training versteht) und der Mensch lernt dabei auch den Vogel sehr gut kennen: Was bedeutet sein Blick, was macht er gerne, was hat er sich ausgedacht, was ist typisch für ihn? Man lernt "ernsthaftere" und "lustigere" Vögel kennen, man weiß, dass einer kreativ ist und der andere alles nach Anweisung macht, man weiß, dass einer frech und der andere zurückhaltend ist usw. Das lernt man viel schneller, als wenn man vorgezähmte Vögel bekommt. Die muss man ja auch erst mal kennenlernen und man weiß nie: Ist das eine Charakteristik des einzelnen Vogels oder vom Vorbesitzer antrainiert worden?

Das Schöne am Clickern ist übrigens, dass man schon mit dem Vogel interagieren kann, wenn er noch nicht zahm ist, dass man sich mit ihm verständigen kann, ohne dass er auf die Hand kommen muss. Er schaut einen an, man clickt, reicht Kolbenhirse oder legt ein bisschen Hirse auf einem Brettchen ab. Er hebt die Flügel, man clickt - wenn er später auf sich aufmerksam machen will, hebt er die Flügel und "redet" so mit dem Menschen, ohne dass beide sich zu nahe kommen müssen. So kann man z.B. immer clicken, wenn er in einer Ecke des Käfigs sitzt und dann in der anderen Ecke die Näpfe wechseln. Er lernt dann, dass er dorthingehen kann und keine Angst haben muss, dass die Hand ihm zu nahe kommt. Ich habe immer geclickt und belohnt, wenn ein Vogel beim Napfwechsel - der Wassernapf ist recht groß - sitzen blieb und am Ende blieb einer meiner ängstlicheren Vögel demonstativ direkt vor dem Napf sitzen und ich konnte den Napf direkt am Vogel vorbeiheben, ohne dass der Vogel sich erschreckte (der Napf ist so hoch wie derVogel und dreimal so breit).

Beim Clickertraining beobachtet man den Vogel sehr genau und clickt dann, wenn er einen kleinen Schritt in Richtung Endverhalten zeigt (soll er zu einem hinkommen, clickt man, wenn er einen zufällig ansieht). Dadurch kann man ganz entspannt in größerer Entfernung warten und beobachten und clicken, und der Vogel kann sich ohne Druck, seine Angst überwinden zu müssen, ausprobieren. Später versucht er oft einiges, um das Clickern zu initiieren - darauf muss man achten. Er sitzt an einer bestimmten Stelle, hebt die Flügel, tippt etwas an, macht ein leises Geräusch - je nachdem, was man vorher geclickt hat. Wenn man immer mit ihm übt, dass er von einer bestimmten Stelle auf die Hand kommt, wird er sich irgendwann demonstrativ auf diese Stelle setzen, um die Hand angeboten zu bekommen, um eine Belohnung zu erhalten. Die Belohnung wird später immer weiter herausgezögert, bis er auch ohne Belohnung die Übung macht. Er hat dann die Übung schon so oft wiederholt und ist belohnt worden, dass sie Teil seines Tagesablaufs ist und er sich einfach über die Übung, die Gewohnheit (Clickertraining), die Abwechslung (verschiedene Übungen) und die Interaktion mit dem Halter freut. 

Wellensittiche, die man mit Hirse anlockt, müssen sich dagegen überwinden. Es kann sein, dass sie die Hand immer mit der Überwindung verbinden. Ich habe 2 Jahre versucht, einen bestimmten Wellensttich traditionell mit Hirse zu zähmen, er hatte immer noch große Angst. Nach einem  weiteren halben Jahr Clickertraining ließ er sich von mir nach einer heiklen Situation durch ein fremdes Zimmer tragen - 2 Tage, nachdem er zum ersten Mal auf meiner Hand gesessen hatte.

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Hallo Thorsten1231!

Wellensittiche bekommst Du um so leichter zahm, je jünger sie sind und ein einzelner wird leichter zahm als mehrere zusammen gehalten.

Üblicherweise sollten die Wellensittiche beim Erwerb zur Zähmung nicht älter als 8 Wochen sein.

Wo Du sie kaufst, ob im örtlichen Zoohandel oder bei einem Züchter ist prinzipiell egal.

Allerdings hat der Kauf beim Züchter Vorteile, weil du sie hier bestellen kannst und dann abholen kannst, wenn sie grade futterfest geworden sind. Also im günstigsten Augenblick sozusagen.

Dazu kommt, daß du beim Züchter siehst, aus welcher Haltung deine Wellensittiche kommen. Ich würde Dir empfehlen, immer nur Jungvögel aus Außenhaltung mit reichlichen Flugmöglichkeiten zu erwerben.

Da wirst du in der Regel gesunde, abgehärtete und gut konditionierte Wellensittche erwerben. Das ist sehr wichtig für die spätere erfolgreiche Zähmumg. Jungvögel aus Innenhaltung sind dagegen zweite Wahl!

Wenn Du die Tiere zähmen und abrichten willst, dann informiere dich in der alten Wellensittichliteratur, wie man das macht. Meide Ratschläge von tierschutzlastigen Quellen. Dort wird von Tierschützlern viel geschrieben, aber keiner hat die fachliche Urteilsfähigkeit dazu, weshalb ich sie auch nicht Tierschützer nenne.

Im Unterschied zu Tierschützlern wissen Tierschützer, was sie schreiben und verfügen über die gebotene fachliche Kompetenz. Also Hände weg von den modernen Medien in dieser Angelegenheit.

Auch die drei bekannten und oft empfohlenen Internetsites zum Wellensittich solltest du aus diesem Grunde meiden.

Mit besten Grüßen

gregor443


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Günstigere und selber zähmen ;)

Dann gewinnst du auch sein Vertrauen :)

Hallo erstmal :)

Ich habe selber Vögel und bei denen hat meine Methode geklappt ;)

Lass deine Wellis sich erstmal an die Umgebung und vorallem an dich gewöhnen. Das machst du folgendermaßen:

Wenn du in das Zimmer kommst, stellst oder setzt du dich in die Nähe
des Käfigs. Dann machst du ein Pfeifen oder ein Laut wie ´s´ oder ´sch´,
was den Wellis deine Gegenwart ankündigt.

Sei immer auf Augenhöhe mit dem Käfig und den Wellis. Decke den Käfig
nachts immer mit einem  Tuch ab, sodass die Wellis wissen wann Nacht
zum schlafen und Tag für Aktivitäten ist. Nimm es logischerweise Morgens
wieder weg.

Beobachte deine Vögel, aber vermeide Augenkontakt. Denn das asozieren
viele Vögel mit Gefahr. Stattdessen kannst du sie ja aus sicherer
Entfernung begutachten.

Die ersten Tage (Wirst du wahrscheinlich feststellen) wird er sich ausgiebig putzen, baden, fressen etc.

Wenn er aufhört herumzuflitzen, kannst du mit ihnen näheren Kontakt
aufnehmen. Dann solltest du zweimal am Tag mit den Vögeln 10 bis 15 min
sprechen, denn dann gewöhnen sie sich an den Klang deiner Stimme.

Im Laufe der Zeit, wird er sich an den Klang deiner Stimme gewöhnen und dich als Freund ansehen.

! Achtung ! : Stress kann Vögel umbringen, also verhalte dich in ihrer Gegenwart ruhig!

Mache dein ´spezielles´ Geräusch nun, wenn du in seine Nähe kommst. Das verbindet er dann mit Wohlbehagen.

Langsam kannst du beginnen deine Hand mit einem Leckerli in den Käfig
zu halten. Am Anfang wird er wahrscheinlich zurückschrecken, aber mit
der Zeit wird er das Training, das mit dem Leckerli verbunden ist, als
was Gutes ansehen.

Du kannst ihnen Zucchini, Grünkohl, Spargel, Spinat, Tomaten, Karotten oder Brokkoli zuschneiden und anbieten.

Als Obst eignen sich welche wie: Äpfel, Bananen, Blaubeeren, Trauben, oder Melonen die auch tolle Leckerlis sind.

Wenn du es ihnen anbietest, achte besonders auf Anzeichen von Stress
wie hecheln, zuckende Bewegungen oder flach anliegende Federn. Dann nimm
deine Hand weg, aber lasse das Leckerli noch drinnen.

Am nächsten Tag kannst du es nochmals versuchen, aber sei nicht entmutigt, wenn er irgendwelche Anzeichen von Stress zeigt.

Wenn dein Vogel sich in deiner Nähe wohlfühlt, kann es sein, das er
den Kopf neigt und dich anblinzelt oder er setzt einen Fuß auf deinen
Finger, damit er sagen will, dass er weiß, dass du in seiner Gegenwart
bist.

Dann kannst du das Training endlich beschleunigen:

Fange von vorne an, wenn dein Vogel dich beißt. Denn das heißt er hat gerade keine Lust auf Training

Dann beobachte ihn wieder einige Tage lang und sprich mit ihm. Anschließend kannst du es wieder mit dem Leckerli versuchen.

Wenn er auf dein Geräusch reagiert und das Leckerli nimmt kannst du versuchen ihn außerhalb vom Käfig zu halten.

Lege den Rücken deines Vogels auf deine Handfläche und lege deine
Finger um ihn. Das geht so, indem du Daumen und Zeigefinger auf jede
Seite des Kopfes legst.

Wenn du ihn hälst, mache das Geräusch und streiche mit den Fingern
über seinen Bauch. Das wird ihn beruhigen und dazu bringen, dass er sich
in deinen Händen wohlfühlt.

Locke den Vogel mit einem Stab aus dem Käfig und übe es ihn mit dem
Geräusch auf deine Hand zu rufen. Motiviere ihn mit Leckerlis und
Belohnungen.

Mit der Zeit kannst du das Leckerli verstecken, bis dein Welli auf deiner Hand oder deinem Kopf landet.

Mit genügend Übung, kannst du es versuchen ihn von einer Entfernung oder vom Käfig in deine Hand zu rufen.

Dass das Vertrauen nicht verloren geht, ist es wichtig ihn von sich selbst aus in den Käfig zu lassen. Nicht das du ihn zwingst!

Der Prozess kann übrigens Monate dauern, also zwing sie zu gar nix und lass ihnen ihre Zeit und du habe Geduld :)

Viel Spaß und Glück ;)

LG Chanelstar

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Kommentar von Thorsten1231
28.05.2016, 12:25

Danke für die Tolle und Lange Antwort! Bei mir ist es bei Vögeln immer so ne sache.. Ich hab vor Paar Jahren auch paar wellis von einer Freundin geschenkt bekommen und hab genau das gleiche bei ihnen angewendet. Aber selbst nach über einen Jahr hatten die immernoch angst vor mir

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