Evolutionstheorie widerspricht den Mendelschen regeln, was denkt ihr?

17 Antworten

Evolutionstheorie widerspricht den Mendelschen regeln, was denkt ihr?


Beide Theorien beschreiben ganz unterschiedliche Phänomene in der Biologie, nämlich Evolution und Vererbung. Zwar hängt beides offensichtlich zusammen, aber wenn eines der Modelle durch ein besseres ersetzt werden würde, würde das das andere Modell nicht beeinträchtigen. Tatsächlich waren Darwins und Mendels Beobachtungen goldrichtig, erfassen aber nicht die ganze Breite von Mechanismen in ihrem jeweiligen Gebiet (z.B. Gendrift, Rekombination und polygene Vererbung). Heute arbeitet man deshalb mit erweiterten und verbesserten Versionen ihrer Theorien.

Denn ohne einen Herz macht die Lunge keinen Sinn und ohne dem Herz macht das Adernsytem kein sinn etc. folglich kein Leben. Also diese Grundorgane können alleine nicht funktionieren und brauchen den jeweils anderen Organ. Das heißt, es ist nicht möglich, dass erst das Herz, dann die Lunge, dann die anderen Organe entstanden worden sind. Es ist auch nicht möglich, dass die ganzen Grundorgane gleichzeitig gewachsen sind, denn wenn sie nicht ausgereift sind, können sie ihre Aufgabe nicht erfüllen. Das Einzige was Sinn macht ist, das die Grundorgane plötzlich ausgereift da waren, ohne Prozess, denn während des Prozesses gelinge das Leben nicht. Das was Sinn macht, müsste jedoch ein Wunder sein.

Das ist eine sehr faule Überlegung, die auch als irreduzierbare Komplexität bekannt ist. Abhängigkeiten verschiedener Organe müssen eben nicht von Anfang an vorhanden gewesen sein. Ein Organ kann einem bestimmten Zweck dienen, sich dann aber einem neuen Selektionsdruck anpassen. Die Federn der Vögel dienten bei ihren Vorfahren ursprünglich zur Wärmeisolierung und hatten nichts mit dem Fliegen zu tun. Erst als die Federn so lang waren, dass sie zu einem gewissen Grad Gleiten oder verlängerte Sprünge ermöglichten, ergaben sich ganz neue Möglichkeiten und Zwänge, die zur Evolution des Vogelflugs führten.

Zu den Arten von Mutationen, die ständig in einem Organismus stattfinden, gehören z.B. auch Genduplikationen, bei denen eine oder mehrere zusätzliche eines Gens entstehen. Selbst wenn das ursprüngliche Genprodukt notwendig zum Überleben ist und nicht verändert werden durfte, kann sich die Kopie in eine zufällige Richtung verändern und etwas ganz neues hervorbringen.

Am wichtigsten ist aber, dass funktionierende Organsysteme nicht dadurch entstehen, dass sich an sich funktionslose Teile auf einmal zusammenfügen, sondern dadurch, dass einfache, aber funktionierende Systeme verändert und erweitert werden. Ein Grubenauge liefert ein Bild, aber ein Linsenauge liefert eben ein besseres. Deswegen ist ein Grubenauge nicht nutzlos, denn es liefert viel bessere Bilder als eine bloße Schicht von Sehzellen oder gar kein Auge.

Zu deinem Beispiel: Wir kennen vielzellige Tiere völlig ohne Blutkreislauf, deren Wachstum dadurch allerdings begrenzt ist, da das Gewebe sonst nicht genug versorgt werden würde. Dann gibt es Tiere, die Nährstoffe passiv durch ein verzweigtes Gefäßsystem transportieren, und welche, die mit begeißelten oder Muskelzellen nachhelfen. Und es gibt Tiere mit ständig pumpendem Herzen, die keinerlei geschlossene Adern besitzen. Und auch Tiere, die beides haben, aber ihren Sauerstoff nicht über Lungen, sondern über Kiemen aufnehmen. Auch die ersten Lungen sind übrigens keine völlig neue Entstehung gewesen, sondern wenig mehr aus Ausbuchtungen des Vorderdarms zur Ergänzung der Funktion der Kiemen.

Ein komplexes Organ oder Organsystem kann schrittweise aus ganz einfachen Vorläufern entstehen. Wer das von vornherein ausschließt, hat vielleicht einfach keine Lust, sich mit vergleichender Zoologie zu beschäftigen.

Wenn wir die Hellhäutigen aus Europa nach Afrika schicken würden und die Dunkelhäutigen nach Europa und die Wetterverhältnisse von damals stattgefunden hätten, selbst dann würde sich da nichts ändern. Ein Hellhäutiges Paar wird während des Lebens in Afrika dunkelhäutig, sie paaren sich und es entsteht ein Hellhäutiges Kind, dieses Kind wächst dort auf (wird braun) und paart sich wieder mit einer und bekommt ein Hellhäutiges Kind. Das könnte man lange führen, Niemals käme es dazu, dass Dunkelhäutige Menschen im Laufe der Jahre entstehen. Außer, das im Familienbaumstamm der "Hellhäutigen" ein Dunkelhäutiger dabei war, aber wenn der Baumstamm rein Hellhäutig ist, wird es in keiner Generation jemals dazu kommen, dass aus Hellhäutigen, Dunkelhäutige entstehen. Deshalb finde ich, dass die Regeln von Mendel die Theorie von Darwin widerspricht.

Ich habe oben schon geschrieben, dass Darwin und Mendel sich kaum widersprechen können, weil beide verschiedene Bereiche abdecken. Mendel erklärt, welche von den Eltern vererbten Merkmale beim Kind ausgeprägt werden, während Darwin die Anpassung an Umweltbedingungen über sehr viele Generationen hinweg erklärt. Das individuelle Nachdunkeln der Haut hat mit beidem nichts zu tun, denn damit geht keine genetische Veränderung einher.

In einer Population ereignen sich immer Mutationen verschiedenster Art, von denen manche sich in veränderten Merkmalen äußern, wie etwa der Hautfarbe. Innerhalb einer menschlichen Population wirst du immer genetisch bedingte unterschiedliche Hauttöne finden. Wenn eine davon in einem bestimmten Umfeld gesundheitliche Vorteile darstellt (und man die heutige Medizin und Technik außen vor lässt), werden Träger dieser Hautfarbe durchschnittlich länger leben und sich häufiger fortpflanzen als ihre Artgenossen. Dadurch wird das Merkmal in der nächsten Generation häufiger auftreten als in der vorherigen, und wenn sich das über viele Generationen fortsetzt, kann sich das Erscheinungsbild der gesamten Population geändert haben.

Mendel kam ja nach Darwin und Darwin hat das nicht wissen können denke ich. Oder wie seht ihr es. Eure Erklärung/Meinung würde mich erfreuen .

Weder Darwin noch Mendel verfügten über das Wissen der modernen Genetik, sondern stützten sich nur auf äußerlich sichtbare Merkmale, was ihre Forschungen nur umso bemerkenswerter macht. Die Erkenntnisse der letzten Jahrzehnte in diesem Bereich konnten die grundlegenden Ansätze ihrer Theorien aber nur bestätigen. Heute weiß man anders als Darwin und seine Kollegen, woher die von ihnen beschriebene Variabilität in einer Art überhaupt herrührt.

Du nennst dich "der Wahnsinn44" Okay, ich finde das passt. Es gibt für mich keine bessere Beschreibung für jemanden, der einen Umstand abstreitet, Tatsachen ausblendet und die am besten belegte Theorie der Wissenschaft leugnet. Du hast wirklich nichts verstanden, was die Evolutionstheorie aussagt und gehst in deiner langen Ausführung von einer falschen Grundannahme nach der anderen aus.

Erstens verstehst du nicht, dass kein Organ, nicht mal eine Organelle einfach so bei irgendeinem Tier oder irgendeiner Pflanze einfach aufgetaucht ist und dann plötzlich einfach da war. Entwicklung vollzieht sich erst im Genotyp (also der in der DNS codierten Struktur des Genoms): durch winzige Veränderungen im Erbgut, meist durch zufällige Mutationen. Im Phänotyp (der äußeren Erscheinungsform, die ein Lebewesen aufgrund seiner Genstruktur annimmt) können sich solche Veränderungen positiv oder negativ oder neutral ausprägen. Genießt ein Individuum mit der Mutation einen Vorteil gegenüber seinen Artgenossen, spart es prinzipiell erst einmal nur Energie - Es findet vielleicht schneller Nahrung, kann besser vor Feinden flüchten oder hat eben andere Vorteile, die ihm das Leben einfacher machen. Die eingesparte Energie nutzt dieses Individuum dann, um sich häufiger fortzupflanzen. Das genotypische Merkmal und der mögliche phänotypische Vorteil werden also in die nächste Generation weitergetragen - und das je nach Auswirkung des Vorteils entsprechend häufig.

Dies fing schon bei den Einzellern an und ist bei diesen sogar heute noch im Labor direkt beobachtbar: setzt man Einzellern wie Bakterien einer schwierigen Umgebung, zum Beispiel einer mit Antibiotika versetzten Petrischale aus, dann werden die meisten von ihnen eingehen. Nur die, die aufgrund einer genetischen Mutation einen Vorteil genießen und gegen das Antibiotikum resistent sind, überleben und vermehren sich, sodass irgendwann alle Bakterien in der Petrischale resistent sind. Dieses Prinzip nennt man Selektion: die natürliche Auslese. Da Einzeller sich aber durch Teilung und nicht geschlechtlich fortpflanzen, hat die Evolution bei ihnen Jahrmilliarden quasi nur unter dem Mikroskop stattgefunden und ist deshalb fossil nicht belegbar, aber man kann die Anpassungsarten anhand chemischer Beschaffenheiten in entsprechend alten Gesteinsproben zumindest theoretisieren.

Mehrzellige Organismen entstanden aus sogenannten symbiotischen Beziehungen. Einzelne Einzeller mit unterschiedlichen Lebensweisen genossen durch enges Zusammenleben einen Vorteil und konnten die Ressourcen ihrer Umgebung besser verwerten. Somit intensivierten sie ihre "Arbeitsteilung" und schlossen sich zu symbiotischen Kolonien zusammen. Bald schon ging diese Symbiose so weit, dass die einen Zellen ohne die anderen nicht mehr leben konnten und eine untrennbare Verknüpfung entstand. Das selbe Prinzip wie heute bei den Blumen und Insekten, nur eben auf mikroskopischer Ebene: einige Blumen können nur von Insekten bestäubt und einige Insekten nur vom Nektar der Blüten leben. 

Wenn du mir jetzt bis hierhin folgen konntest, kannst du dir auch die Entstehung komplexer Organe erklären. Du musst das Ganze eben nur im Großen denken. Die Vorteile für die jeweiligen Lebewesen, welche zuerst ein neuartiges Organ herborbrachten, ergaben sich immer aus einem Nebeneffekt einer genetischen Mutation. Jedes noch so komplexe Organ hatte einen primitiveren Vorläufer, manchmal mit einer ähnlichen, manchmal auch mit einer komplett anderen Funktion: das Auge entstand schrittweise aus lichtempfimdlichen  Rezeptoren auf der Haut, also den gleichen Anlagen wie die Sinneszellen für die Wärmewarnehmung. Diese lagen bald in sogenannten Sehfalten, die dann zu Sehgruben weiterentwickelt wurden. Und schrittweise entwickelte sich so die unterschiedlichen Augentypen. Insekten haben Facettenaugen, also mehrere miteinandet kompatible Sehgruben, wir haben ein Linsenauge. An vielen heute noch lebenden Tieren kannst du erkennen, wo die Evolution des Auges bei ihnen stehengeblieben ist und dadurch ableiten, wie sie sich zur Komplexität des Menschenauges vollzog.

Man hört von den ignoranten Kritikern immer wieder Aussagen wie "wenn es XY heute noch gibt, wie können wir dann davon abstammen?" Ich hoffe du verstehst nun, wie dumm diese Betrachtungsweise ist: nur weil ein neues Merkmal bei einer Stammlinie einer Spezies auftaucht, heißt es nicht, dass alle "primitiveren" Stammlinien verschwinden müssen. So sind natürlich nicht alle Fische ans Land gegangen, nicht alle Dinos zu Vögeln geworden und auch nicht alle Affen haben sich zu Menschen entwickelt. Es sind alles Seitenlinien genau wie bei miteinander verwandten Familienzweigen eines großen Stammbaums. 

So gibt es zahlreiche Organismen, die zwar ein Herz, aber keine Lunge haben. Alle Insekten und Spinnen atmen mit Tracheen, Wasserlebewesen mit Kiemen und so weiter. Die Entwicklung unseres Blutkreislaufes und Atemsystems vollzog sich also auch Schrittweise - das, was heute unsere Lunge ist, ist bei den Fischen, von denen wir abstammen, noch immer die Schwimmblase, mit welcher der Fisch den Auftrieb im Wasser kontrolliert. Sie hat sich bei einer Gruppe der Fische, den Lungenfischen, schließlich daran angepasst, auch bei kürzeren und irgendwann immer längeren Ausflügen ans Land noch atmen zu können.

Die Anpassung vollzieht sich eben aufgrund von Umweltveränderungen. Auch dein Beispiel mit den Dunkel- und Hellhäutigen: unsere ganz frühen Vorfahren waren nämlich noch hellhäutig, sie trugen darüber allerdings noch ein Fell. Als sich die Urahnen der Menschen dann aufrichten und immer längere Strecken zu Fuß gingen und auch vor Feinden davonrennen mussten, hatten diejenigen Individuen einen Vorteil, die weniger Fell hatten: sie kamen bei Belastung weniger schnell ins Schwitzen - das Merkmal "Haarlosigkeit" verstärkte sich im Genotyp. Langfristig bildete sich das Fell also zurück. Nun stellte aber die UV-Belastung der Sonne ein Problem für die haarlosen Affen dar: die Individuen mit einer dunkleren Hauttönung genossen einen Vorteil gegenüber den helleren, so wurde der Genotyp "Dunkle Haut" gestärkt und ihre Haut immer dunkler. Als der Mensch dann auch Europa und Asien besiedelte, waren wieder die heller getönten Individuen im Vorteil: sie konnten in den dunkleren Jahreszeiten mehr Vitamin D produzieren und wurden im Winter weniger häufig krank - in Europa und Asien setzte sich der Genotyp "Helle Haut" durch. Einige hellhäutige Stammlinien sind aber auch in anderen Regionen wieder zu Dunkelhäutigen geworden - die Inder und Polynesier sind genetisch mit Europäern und Zentralasiaten enger verwandt als mit Afrikanern und stammen folglich von hellhäutigen Vorfahren ab.

Bist du soweit mitgekommen?

Naja ganz so harsch hättest du das nicht verfassen brauchen, die Kommentare des Fragenstellers zeigen, dass hier viele Grundlagen nicht vollständig Verstanden wurden, er aber offen für Erklärungen ist. Auch wenn es auf den ersten Blick so scheint, ist das hier keine der typischen "Anti-Evolutions(theorie)-Fragen".

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Ich bezweifel, dass die Evolutionstheorie, so wie sie dargestellt wird,
existiert hat. Ihr könnt mir dann eure Meinung dazu erläutern bzw.
helfen.

Hier sollten wir erst mal Begriffe sortieren. Evolution ist das, was pasiert ist und Evolutionstheorie unsere beste Erklärung dafür. Wenn Du magst suche ich dir ein par Buchtips zusammen wo es toll erklärt wird?

Denn ohne einen Herz macht die Lunge keinen Sinn und ohne dem Herz macht das Adernsytem kein sinn

Ich fürchte, da spuken irgend welche Schöpfungsmythen im Kopf rum? Natürlich macht ab einer gewissen Größe ein Herz Sinn um die Füssigkeiten zum Pumpen und eine Lunge brauchst Du nur, wenn Du sehr viel Sauerstoff an Land aufnehmen willst und nicht genug Oberfläche hast. Regenwürmer haben ein Herz (mehrere sogar) aber keine Lunge.

Wenn wir die Hellhäutigen aus Europa nach Afrika schicken würden und die Dunkelhäutigen nach Europa und die Wetterverhältnisse von damals stattgefunden hätten, selbst dann würde sich da nichts ändern.

Stimmt, erst mal würde sich da nichts ändern. Bis eine mutation auftritt, das jemand hellhäutiges mehr Pigment produziert, besser an die starke Sonne angepaßt ist, länger jagen kann ohne einen Sonnenbrand zu bekommen, seine familie besser druch bringt, mehr Kinder hat und dann breitet sich die Mutation aus und irgend wann find (fast) alle ehemaligen hellhäutigen wieder Dunkel.

Deshalb finde ich, dass die Regeln von Mendel die Theorie von Darwin widerspricht.

Die beschreiben ganz unterschiedliche Dinge. Mendel beschreibt, wie im Idealfall Gene an die Nachkommen verteilt werden. Das war eine super Leistung, zumal er noch gar nichts von DNA wissen konnte. Aber seine Regeln treffen gar keine Aussage drüber was passiert, wenn die eine Genvariante dazu führt, das nur die Hälfte aller Nachkommen überlebt und die andere Variante nicht. Damit haben sich Hardy und Weinberg beschäftigt und einen weiteren Baustein für die moderne Evolutionstheorie geliefert. Da widerspricht sich nichts, aber es ist eben nicht die ganze Theorie in allen Details.

P.S.: Mendel hat seine Publikationen vor Darwin getätigt, der hat sie nur leider übersehen, sonst hätte er sie wohl in seine Theorie schon mit eingebaut.

Variation/ Selektion

Habe ich den Unterschied und die Bedeutung von den Begriffen Variation/ Selektion richtig verstanden?

Habe es in Sätze gefasst.

Selektion:

Es werden immer mehr Nachkommen geboren als benötigt werden, um jeweilige Art zu erhalten, die sich alle manchmal mehr manchmal weniger voneinander unterscheiden.

Man nennt diesen Vorgang auch natürliche Auslese, Selektion.

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Variation:

Bei der Variation, spielen jetzt die unterschiedlichen Merkmale, die die Individuen voneinander unterscheiden eine bedeutende Rolle.

So überleben die Tiere einer Art, die besser an ihre Umwelt angepasst sind. Das Wetter, das Nahrungsangebot, die Partnerwahl usw. sind dabei alles Aspekte, die entscheidend sind.

 

Gibt es noch etwas zu ergänzen? Oder liege ich mit diesen Definitionen komplett falsch?

 

Danke im Vorraus

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