Evolutionstheorie falsifizierbar?

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12 Antworten

Wie jede gute Theorie ist auch die Evolutionstheorie falsifizierbar. Das wäre sogar sehr einfach. Indem man zum Beispiel 500 Mio. Jahre alte Kaninchenfossilien finden würde. Oder wenn man Kängurufossilien außerhalb Australiens finden würde.

Doch nichts dergleichen! Nichts. Null!

Die Evolutionstheorie ist genauso ein Fakt, wie die Tatsache, dass die Erde um die Sonne kreist.

Ein sehr verständliches, wissenschaftliches, aufklärendes Standardwerk ist "Das egoistische Gen" von Richard Dawkins. Falls du dich für Evolutionsbiologie interessierst kann ich dir dieses Buch sehr empfehlen.

Koepi42 05.03.2014, 18:09

Indem man zum Beispiel 500 Mio. Jahre alte Kaninchenfossilien finden würde

Wieso? (Tut mir leid, wenn ich da zu unwissend bin, aber es gibt ja einige "lebende Fossilien". Würde das Kaninchen dann nicht einfach da dazu gezählt werden?)

Oder wenn man Kängurufossilien außerhalb Australiens finden würde.

Ok, das versteh sogar ich. Aber wäre es nicht theoretisch auch möglich, dass sich unabhängig voneinander Kängurus entwickeln (nur sehr unwahrscheinlich), oder?

"Das egoistische Gen" von Richard Dawkins

Bin grad beim blinden Uhrmacher :-) aber ich hab gehört, dass beim egoistischen Gen auch einige Biologen Dawkins ziemlich widersprechen...?

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RanjitHuber 05.03.2014, 18:28
@Koepi42

Vielen Dank für die aufrichtigen Fragen!

  1. Laut Evolutionstheorie stammen alle heutigen Säugetiere (also auch Kaninchen) von einem gemeinsamen Vorfahren ab, der vor ca. 200 Millionen Jahren lebte. Würde man also ein 500 Mio. Jahre altes Kaninchenfossil finden, so wäre die Evolutionstheorie widerlegt.

  2. Es wäre durchaus möglich, dass sich känguruartige Tiere unabhängig voneinander entwickelt hätten. Da diese beiden Tierarten aber miteinander (höchstwahrscheinlich) keine fruchtbaren Nachkommen hervorbringen könnten, würde es sich um zwei verschiedene Tierarten handeln. Echte Kängurus gibt es nur in Australien.

  3. Vor kurzem ist die 30jährige Jubiläumsausgabe vom "egoistischen Gen" erschienen. In den Fußnoten werden Aspekte, die nach heutiger Ansicht falsch sind verbessert. Es handelt sich hierbei jedoch meist nur um Details.

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Koepi42 05.03.2014, 20:19
@RanjitHuber
  1. facepalm über meine eigene Dummheit :-)

  2. ok - aber wenn wir Fossilien finden, wissen wir ja nicht, ob diese Kängurus mit den heutigen Nachkommen haben könnten!!??

  3. Ok, ich werds mir mal anschauen. Danke für den Tipp

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RanjitHuber 05.03.2014, 22:22
@Koepi42

zu 2.: Da könntest du recht haben. Vielleicht könnte man aber die aDNA (ancient DNA) des fossilen Kängurus mit der DNA der heutigen Kängurus bzw. mit der DNA fossiler australischer Kängurus vergleichen?

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Enkrod 10.04.2014, 15:19
@RanjitHuber

Die Kladistik würde uns da helfen können selbst wenn die DNA versagt, man kann anhand der skelettalen Merkmale so ziemlich jeder Lebensform diese relativ genau einordnen, so wurde das ja auch gemacht bevor die DNA-Analyse dazu kam, die hat die Ergebnisse lediglich bestätigt oder minimal abgeändert.

Gute Beispiele sind hier unter anderem Ameisenbär und Erdferkel oder Wolf und Beutelwolf. Die Tiere haben alle ein sehr ähnliches Aussehen entwickelt, waren aber nur entfernt miteinander verwandt. Man kann an Ihren Skeletten aber ablesen, dass sie aus anderen Linien stammen. Wölfe haben die typische Gebisstruktur der Hundeartigen und Beutelwölfe die typische Struktur der Beuteltiere, auch wenn beide Gebisse oberflächlich ähnlich aussehen, sind sie doch auf unterschiedlichen Wegen an das selbe Ziel gelangt.

Wie auch Kängurus und Springmäuse... Vergleicht man die sehen sie sich auf den ersten Blick nicht unähnlich, schaut man aber die Details an erkennt man dass sie nicht näher verwandt sind.

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Abahatchi 05.03.2014, 23:31

Deine Antwort ist ja richtig aber die Beweisführung geht doch noch viel kürzer.

Grippe: Mensch erkrankt, Mensch bildet Antikörper, Virus änderst sich, Mensch erkrankt, Mensch bildet Antikörper, Virus ändert sich usw.

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Koepi42 06.03.2014, 11:37
@Abahatchi

ähhmm... ich wollte kein Beispiel für (Mikro-!)Evolution, sondern wissen, wie man die Evolutionstheorie FALSIFIZIEREN könnte...

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Abahatchi 08.03.2014, 00:11
@Koepi42

Hast Du es nicht begriffen? Mit dieser kurzen Beweisführung ist eines klar:

FALSIFIZIEREN ausgeschlossen. Damit ist Deine Frage hinfällig.

Gruß Abahatchi

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Koepi42 08.03.2014, 08:21
@Abahatchi

Na das ist ja klasse!

Dann gilt nämlich

  1. Die Evolutionstheorie ist nicht falsifizierbar und damit keine wissenschaftl. Theorie

  2. Alle Schwäne sind weiß

  3. Alle mathematischen Berechnungen ergeben 2, da 1+1 = 2

  4. Alle Kräfte wirken entgegengesetzt dem Erdmittelpunkt, da ein Heliumballon nach oben fliegt

  5. Alle Sätze stehen in deutscher Sprache, weil dieser es tut.

  6. Alle Nutzer auf GF posten Kommentare unter gute Antworten, über die sie kaum nachgedacht haben.

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Abahatchi 08.03.2014, 10:22
@Koepi42
  1. Die Evolutionstheorie ist nicht falsifizierbar und damit keine wissenschaftl. Theorie

Ach so, erst wenn ich eine Evoltuionstehorie falsifiziert (widerlegt) habe erst dann ist sie eine wissenschaftliche Theorie.

Ja, natürlich, das leuchtet ein. Nur einen unerwünschte Theorie ist eine gute Theorie, wenn sie falsifiziert wurde. Wie lustig.

Mal eine andere Frage, weißt Du überhaupt, was falsifizierbar bedeutet?

  1. Alle Schwäne sind weiß

Du bringst da etwas durcheinander. Wenn man bisher nur weiße Schwäne sah, würde die Behauptung "Alle Schwäne sind weiß" widerlegt sein, wenn ich nur einen grauen Schwan sehe. Jedoch ist die Evolutionstheorie nicht aufgebaut wie eine einseitige Behauptung. Das Wort Evolution stammt von dem Wort ab, das unter anderem für ein allmähliches Abrollen einer Schriftrolle verwand wurde.

Nun zeigt auch eine "Mikroevolution" daß etwas sich allmählich veränderte. Für eine Rolle Klopapier ist es unerheblich, ob nur ein Blatt abgerollt wird oder die ganze Rolle. Es ist in beiden Fällen Evolution. Selbst wenn ein Gott diese Veränderungen bewußt im Einzelnen steuern würde, es wären Veränderungen und Evolution. Im Gegensatz zu Deinen weißen Schwänen reicht ein Beleg, damit die Evolutionstheorie im Allgemeinen nicht mehr Falsifizierbar ist.

Es liegt also an der Art, wie Deine Schwänebehauptung im Gegensatz zur Evolutionstheorie aufgebaut ist.

Das Manko Deiner Schwänebehauptung haben alle solche Behauptungen wie: Alle Menschen sind dumm, alle Menschen sind schlau. Solche Aussaugen sind nicht beweißbar und nur mit einer Ausnahme widerlegt. Rate mal warum?

Die Evolutionstheorie ist jedoch so formuliert, daß ein Beleg, daß Evolution stattfindet eben beweißt, daß es mindestens die Evolution der "Mikorevolution" gibt und Mikroevolution ist Evolution.

Um es Dir noch klarer zu mache mal eine andere Behauptung:

Nicht alle Schwäne sind weiß!

Sollte man bisher nur weiße Schwäne kennen, würde eine einziger schwarzer Schwan reichen, um meine Behauptung "Nicht alle Schwäne sind weiß!" nie mehr falsifizierbar zu machen.

Ist Dir nun klar, was die Evolutionstheorie von Deiner Behauptung

"Alle Schwäne sind weiß", unterscheidet?

Gruß Abahatchi

PS

Nur für den Fall, daß ich es nicht deutlich genug erklärt habe eine andere Behauptung.

Alles Leben ist Evolutionslos.

Wie bei Deinen weißen Schwänen reicht nun ein einziger grauer Schwan, um diese Behauptung zu widerlegen.

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Koepi42 08.03.2014, 19:00
@Abahatchi
  1. Habe ich seit einiger Zeit kein Problem mehr mit der Evolutionstheorie

  2. Weißt du überhaupt, was "falsifizierbar" bedeutet? Nicht, dass eine Theorie widerlegt wird, sondern dass sie widerlegt werden könnte.

  3. Natürlich gibt es Evolution im Wortssinn (lat. evolvere = ausrollen, entwickeln). Wenn aber die Rede von der Evolutionstheorie ist, bezieht sich das logischerweise auf die synthetische oder meinetwegen auf Darwins, und nicht auf irgendeine Entwicklung. Und die Evolutionstheorie ist in ihren Hauptaussagen ähnlich allgemein wie die Schwan-Hypothese.

Lg, Koepi42

P.S.: Gesundheit!

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Abahatchi 08.03.2014, 19:38
@Koepi42

Habe ich seit einiger Zeit kein Problem mehr mit der Evolutionstheorie

kann sein

Weißt du überhaupt, was "falsifizierbar" bedeutet? Nicht, dass eine Theorie widerlegt wird, sondern dass sie widerlegt werden könnte.

Wenn eine Theorie wie "alle Schwäne sind weiß" widerlegbar wäre, dann, weil man einen Schwarzen Schwan dazu finden müßte. Hat man aber einen schwarzen Schwan tatsächlich gefunden, dann ist sie widerlegt. Wurde diese Schwantheorie "alle Schwäne sind weiß" widerlegt, dann war sie auch falsifizierbar.

Nun meinen Denkansatz verstanden?

Jedoch sieht es mit einer Falsifizierbarkeit der anderen Schwantehorie "nicht alle Schwäne sind weiß" anders aus. Würde man einen nicht weißen Schwan finden, dann ist sie nicht mehr falsifizierbar.

Jetzt den Unterschied verstanden?

Die Kernaussage der Evolutionstheorie ist, daß es Veränderungen der Arten gibt. Weist man eine Veränderung nach, egal ob Makro- oder Mikroevolution, so ist sie nicht mehr falsifizierbar.

Geht jetzt ein Licht auf?

Es gibt zur Kernaussage der Evolutionstheorie noch viele Erklärungen, wie diese Evolution von statten geht. Wenn Du Dich nur auf das Wie und Warum beschränkst, dann gibt es durch aus noch einiges was falsifizierbar ist. Evolution als solches ist nicht mehr falsifizierbar aber vieles von dem drum herum. Wenn Du darauf abzielst, dann war dies für mich so aus Deiner Frage nicht erkennbar.

Und die Evolutionstheorie ist in ihren Hauptaussagen ähnlich allgemein wie die Schwan-Hypothese.

Eben nicht, denn die Kernaussage ist: nicht Unveränderlichkeit der Arten Eben Evolution.

Darwin hatte durchaus noch versucht zu erklären, warum diese Veränderungen von statten gehen. Ähnlich ist es mit der Plattentektonik. Es wurde nach Erdbeben gemessen, daß sich Platten verschoben hatten. Somit ist die Plattentektonik nicht mehr falsifizierbar. Die Erklärungen dazu, warum, weshalb, weswegen durchaus noch.

Gruß Abahatchi

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RanjitHuber 23.03.2015, 14:55
@Abahatchi

Die Kernaussage der Evolutionstheorie ist, daß es Veränderungen der Arten gibt. Weist man eine Veränderung nach, egal ob Makro- oder Mikroevolution, so ist sie nicht mehr falsifizierbar.

Im wissenschaftlichen Sinne ist sie immer noch falsifizierbar!
Denn mit "falsifizierbar" ist gemeinhin gemeint, dass sie aus Prinzip falsifizierbar ist.

Die Theorie, dass die Erde ziemlich rund ist, ist auch falsifizierbar. Die Tatsache, dass es inzwischen echte Fotos gibt von einer runden Erde ändert daran nichts.


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Ursulala 06.03.2014, 00:52
Ein sehr verständliches, wissenschaftliches, aufklärendes Standardwerk ist "Das egoistische Gen" von Richard Dawkins.

Wissenschaftlich? Huch!

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Es gibt nicht die Evolutionstheorie, sondern diverse Theorien zur Evolution. Es gibt auch kein richtig oder falsch zu ganzen Theorien, sondern höchstens zu einzelnen Thesen einer Theorie. Theorien spiegeln die Gedankenwelt der Gesellschaft wieder, in der sie entstehen. Das macht sie tendenziös, aber weder ganz falsch noch ganz richtig.

"Es ist merkwürdig, wie Darwin unter Bestien und Pflanzen seine englische Gesellschaft mit ihrer Teilung der Arbeit, Konkurrenz, Aufschluß neuer Märkte, 'Erfindungen' und Malthusschem 'Kampf ums Dasein' wiedererkennt." Karl Marx

Machtnix53 06.03.2014, 09:19

Interessant ist auch die sprachliche Nähe von Theorie und Theologie. Als Betrachtung oder Darstellung ist Theorie zwar mehr mit Theater verwandt, doch sind da tiefere Verbindungen zu Göttern auch nicht auszuschließen. Vielleicht sollte man Theorien wie Theater betrachten, als Darstellung nicht von Wahrheiten, sondern von Sichtweisen.

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Die Evolutionsbiologie ist ein Komplex aus sehr vielen Theorien.

Dass Evolution stattfindet, wäre früher falsifizierbar gewesen, als man noch nichts von genen wusste. Heute konnte Evolution erfolgreich als genetischer Prozess definiert werden und ist damit genauso ein Fakt wie die Existenz der Sonne. In der ursprünglichen Popperschen Version der Falsifizierbarkeit haben solche Theorien inen seltsamen Limbusstatus, indem sie praktisch nicht mehr falsifizierbar, aber trotzdem wissenschaftlich sind.

Die Abstammungsmodelle sind sowohl morphologisch, als auch genetisch gut falsifizierbar und manche wurden auch falsifiziert. Nimm zu Beispiel die abstammung der Amphibien: Es gab die Theorie, sie würden von Lungenfischen abstammen. Aber diese haben hochspezialisiert Zähne, welche sich bei den Amphibien nicht finden. Wären sie die ahnen der Amphibien, müssten sich deren Zähne daraus entwickelt haben, was aber nicht geschah. Daher ist das Modell der Amphibien-Abstammung von Lungenfischen falsifiziert. Hingegen erwies sich die Theorie, dass sie von Quastenflossern abstammen, als gut.

Der historische Verlauf der Evolution wird durch viele Daten rekonstruiert und wie einzelne abstammungsmodelle falsifiziert werden können, ist daher auch unterschiedlich.

Die Evolutionstheorie ist das Instrument, mit dem wir versuchen, die Evolution zu erklären. Natürlich muß solche eine Theorie falsifizierbar sein, sonst wäre es nicht wissenschaftlich.

Die Evolution ist aber ebenso wie die Gravitation nicht falsifizierbar. Wenn unsere Theorien hierüber auch noch so falsch wären, gäbe es unverändert die Evolution und die Gravitation.

Es gibt aber keine Anzeichen, daß die Evolutiontheorie signifikante Schwächen enthielte, die sie auf die Abschußlist brächten. Und selbst, wenn sich mal einzelne Aspekte verändern, als falsch erkannt werden, ficht das die Kernaussage der Theorie nicht an.

Wer glaubt, er könne mit heute verfügbarem Wissen die Evolutionstheorie falsifizieren, hat sie schlicht nicht verstanden.

RanjitHuber 05.03.2014, 22:29
Die Evolution ist aber ebenso wie die Gravitation nicht falsifizierbar.

Falsifizierbar schon. Nur es wird vermutlich nie passieren, wie du bereits angedeutet hast.

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Abahatchi 17.03.2014, 11:26
@RanjitHuber

Falsifizierbar schon.

eben nicht. Ich stelle eine These A auf und Du darfst dann mal überlegen, wie sie zu falsifizieren ist und wie diese Falsifizierung der These A die darunter stehende These B unfalsifizierbar macht:

A: Alle Schwäne sind weiß.

B: Nicht alle Schwane sind weiß.

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Durch den Beweis, dass das Leben sich auf andere Art und Weise entfaltet. Ob es von Gott geschaffen ist oder nicht, spielt dabei keine Rolle. Er könnte ja so schlau sein, bei der Erschaffung des Lebens die Evolution zu benutzen.

Durch alles, was ihren Aussagen widerspricht. Das wäre z.B. ein Fossil, das belegt, dass es eine Art gegeben hat, die einfacher war als ihre Vorfahren. Oder auch das Auftauchen einer Art, die extrem schlecht an ihre Umgebung angepasst ist.

Am besten recherchierst du hierbei die wichtigsten Aussagen der modernen synthetischen Evolutionstheorie und am besten auch noch die wichtigsten Grundaussagen, die wir schon bei Darwin finden(die werden unter den Aussagen der synthetischen Theorie meist nicht erwähnt).

Dann überlegst du dir, welche Vorhersagen wir auf Basis dieser Annahmen treffen können. Und sollte irgendwann eine dieser Vorhersagen nicht mehr eintreffen, dann wäre die Evolutionstheorie in ihrer gegenwärtigen Form falsifiziert.

Und da die Evolutionstheorie ein extrem großes, komplexes Theoriegebäude mit vielen Aussagen ist, könnte sie auch durch viele verschiedene Beobachtungen falsifiziert werden. Eingetroffen ist das bisher nicht.

Koepi42 05.03.2014, 18:18

ein Fossil, das belegt, dass es eine Art gegeben hat, die einfacher war als ihre Vorfahren

heisst Evolution, dass eine Art immer komplexer wird? Dann dürften ja heute gar keine "einfachen" Lebewesen mehr existieren...? Es ist ja auch möglich, dass eine einfache Art mehr Überlebenschancen oder Fortpflanzungsmöglichkeiten besitzt als eine komplexe, oder nicht?

das Auftauchen einer Art, die extrem schlecht an ihre Umgebung angepasst ist

ok, logisch. Aber dazu mal eine weiterführende Frage: Der Mensch. Gilt der als gut angepasst? Ich meine, ohne unsere künstlich geschaffenen Konstrukte etc. könnten wir ja kaum überleben... Gilt auch künstliche Anpassung als Anpassung an die Umwelt?

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DeutscherIdiot 06.03.2014, 09:01
@Koepi42
heisst Evolution, dass eine Art immer komplexer wird? Dann dürften ja heute gar keine "einfachen" Lebewesen mehr existieren...?

Zumindest im Sinne der synthetischen Evolutionstheorie. Und die heutigen Arten sind komplexer als noch ihre Vorfahren. Wenn sie verhältnismäßig einfach sind, dann liegt das daran, dass sie nie komplexer geworden ist.

Es ist ja auch möglich, dass eine einfache Art mehr Überlebenschancen oder Fortpflanzungsmöglichkeiten besitzt als eine komplexe, oder nicht?

Nein, denn je mehr Komplexität, an desto mehr verschiedene Umstände der Umwelt ist ein Lebewesen angepasst.

Der Mensch. Gilt der als gut angepasst? Ich meine, ohne unsere künstlich geschaffenen Konstrukte etc. könnten wir ja kaum überleben

Natürlich nicht. Aber unsere gute Anpassung liegt ja gerade in unserer Fähigkeit, künstliche Konstrukte zu schaffen.

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Die Evolutionstheorie ist dermaßen verschwurbelt formuliert, dass sie garantiert nicht falsifizierbar ist.

Es fragt sich ja auch, was alles dazu gehören soll und was nicht. Die Verwandtenselektion z. B.? Die ist längst falsifiziert, man hat es nur noch nicht gemerkt.

In ihrer Grundfassung beschäftigt sich die Evolutionstheorie ausschließlich mit genetischen Einzelkämpfern. Da ist sie vermutlich sogar richtig. Alles andere kann sie bis heute nicht richtig modellieren. Bevor man sich an eine Falsifikation macht, sollte man sie erst einmal in Ordnung bringen.

realsausi2 05.03.2014, 10:38

Die Verwandtenselektion z. B.? Die ist längst falsifiziert, man hat es nur noch nicht gemerkt.

Außer Dir natürlich. Hut ab.

In ihrer Grundfassung beschäftigt sich die Evolutionstheorie ausschließlich mit genetischen Einzelkämpfern.

Hä?

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Ursulala 05.03.2014, 12:11
@realsausi2
Außer Dir natürlich. Hut ab.

Einigen anderen auch schon, z. B. Edward O. Wilson, einem der bisherigen Hauptvertreter der Verwandtenselektion und einer der weltweit bekanntesten und einflussreichsten Biologen (Edward O. Wilson: Die soziale Eroberung der Erde. Beck, München 2013, S. 221):

"Das alte Paradigma der sozialen Evolution, das nach vier Jahrzehnten fast schon Heiligenstatus genießt, ist damit gescheitert. Seine Argumentation von der Verwandtenselektion als Prozess über Hamiltons Ungleichung als Bedingung für Kooperation bis zur Gesamtfitness als darwinschem Status der Koloniemitglieder funktioniert nicht. Wenn es bei Tieren überhaupt zur Verwandtenselektion kommt, dann nur bei einer schwachen Form der Selektion, die ausschließlich unter leicht verletzbaren Sonderbedingungen auftritt. Als Gegenstand einer allgemeinen Theorie ist die Gesamtfitness ein trügerisches mathematisches Konstrukt; unter keinen Umständen lässt es sich so fassen, dass es wirkliche biologische Bedeutung erhält. Auch für den Nachvollzug der Evolutionsdynamik genetisch bedingter sozialer Systeme ist es unbrauchbar."

Hä?

Das, was ich schrieb, bleibt übrig, wenn man obiges als bereits falsifiziert abzieht.

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RanjitHuber 05.03.2014, 22:41
@Ursulala

... Verwandtenselektion [...] funktioniert nicht.

(sinngemäß stimmt dein angeführtes Zitat so immer noch?!)

Richtig. Die natürliche Selektion findet stattdessen auf der genetischen Ebene des Individuums statt. Deshalb heißt das evolutionsbiologische Standardwerk von Richard Dawkins ja auch "Das egoistische Gen". Und nicht etwa: "Die egoistische Familie"

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Ursulala 06.03.2014, 00:57
@RanjitHuber

Das ist Unsinn. Offenkundig weißt du nicht, was die Verwandtenselektion ist. Die Verwandtenselektion beruht auf der Theorie der egoistischen Gene.

Du hättest das Zitat von Edward O. Wilson auch so übersetzen können:

... Theorie der egoistischen Gene [...] funktioniert nicht.

Und das finde ich wirklich lustig:

Deshalb heißt das evolutionsbiologische Standardwerk von Richard Dawkins ja auch "Das egoistische Gen".

Ist das nicht das Buch, in dem Richard Dawkins die Memetik vorschlägt? Also ich glaube nicht an Geister und Gespenster ...

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RanjitHuber 06.03.2014, 20:36
@Ursulala
  1. Ich hatte unter Verwandtenselektion bisher tatsächlich etwas anderes verstanden. Danke, dass du mir geholfen hast, etwas dazuzulernen!

  2. Du hast offensichtlich die Zitat von Wilson aus Wikipedia rauskopiert. Ich bezweifle, dass er recht hat, wenn du aber genauer erkären würdest, warum die Verwandtenselektion nicht zur Erklärung von Altruismus herangezogen kann, ändere ich meine Meinung gerne.

  3. Ja, in "Das egoistische Gen" prägt Richard Dawkins den Begriff "Mem". Ein Mem ist demnach eine Art "kulturelles Gen" (wie z.B. der einprägsame Rhythmus von Bethovens 5.) Dies hat nicht das geringste mit Gespenstern zu tun?!? ;-).

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DarkSepia 11.03.2014, 00:00

Tja man wundert sich immer wieder, dass so viele bahnbrechende wissenschaftliche ergebnisse uf gutefrage.net veröffentlicht werden. Demnächst zählen DHs wohl als Peer Review.

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Selbstverständlich sind Befunde denkbar, die die Entwicklungslehre widerlegen können. Seit der Formulierung der E.-lehre sind aber derartige Befunde nie erhoben worden. Die E.-lehre ist heute eine der am besten belegten Theorien. Sie ist ja sogar denknotwendig.

Sie besagt, kurz gefaßt, daß neue Arten aus bereits bestehenden entstehen. Nur der Kreationismus behauptet, jede neue Art sei aus dem Nichts erschaffen worden, und zwar bereits zu Anfang der Entwicklung.

:Wenn das Alte Testament buchstäblich recht hätte, dann hätte Jahwe alle, alle Arten zu Beginn der Zeiten "erschaffen"; alle ausgestorbenen Arten, alle rezenten Arten.

Dann würden (bereits zur Zeit der Entstehung des Lebens!) unter Mammutbäumen und Riesenschachtelhalmen Australopithecinen mit Neandertalern und Jetztzeitmenschen picknicken, es würden Dinos neben Mammuts grasen, Säbelzahntiger und Tyrannosaurus Rex würden Jagd auf Jetztzeithirsche machen, im Wasser fänden sich Trilobiten neben Fischen und Meeres-Dinos, die Luft wäre erfüllt vom Gesang des Archäopterix und der Nachtigall.

earnest 05.03.2014, 13:19

Schöööön!

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Ursulala 06.03.2014, 01:02
Sie ist ja sogar denknotwendig. (...) Sie besagt, kurz gefaßt, daß neue Arten aus bereits bestehenden entstehen.

Leider laufen auf diesem Planeten noch immer Menschen herum - wie ich -, für die eine Theorie auch ein gewisses Maß an Präzision besitzen muss, wie e=m*c(2) zum Beispiel. Das ist bei deiner Kurzfassung nicht der Fall.

Dass neue Arten aus bereits bestehenden entstehen, haben schon andere vor Darwin behauptet. Dann müsste man keinen Wirbel um Darwin machen.

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kgunther 08.03.2014, 10:42
@Ursulala

Damit sagst Du, daß die Entwicklungslehre nicht ALLEINE von Darwin aufgestellt wurde. Das war aber schon immer klar.

Tatsächlich war das wesentliche Hindernis für eine Formulierung der E.-lehre, daß der Begriff der Art zum Inhalt hat, daß genetisches Material ausschließlich innerhalb der Art ausgetauscht wird. Diese Erkenntnis hat eigentlich ausgeschlossen, daß neue Arten überhaupt entstehen können.

Ohnehin war der Kreationismus das Dogma, das nicht durchbrochen werden konnte. Nur Gott erschaffe Arten, sie seien nicht "entstanden", und "Gott" (whatever that is) habe ALLE ARTEN schon im Anfang aller Zeit in 7 Tagen geschaffen.

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Die Evolution ist voll im Gang Sterne und Planeten kommen und gehen

realsausi2 17.03.2014, 08:41

Was haben nun Sterne und Planeten mit Evolution zu tun?

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Wenn Gott ab morgen vor unser aller Augen in sechs Tage eine neue Welt erschafft.

zuckerschnute9 05.03.2014, 13:14

Und am siebten mit mir einen trinken geht..

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earnest 05.03.2014, 13:18
@zuckerschnute9

Das Date, liebe zuckerschnute, hatte ich für diesen Fall schon vorab mit ihr vereinbart.

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spiritualheart 05.03.2014, 13:16

Nein!Er müsste es in 6Std.schaffen;Ich habe keine Lust 6 Tage zuzugucken;-)))))

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PeVau 05.03.2014, 15:30

Am meisten würde mich aber die Nummer mit der Rippe interessieren. :-)

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earnest 05.03.2014, 15:35
@PeVau

Das wird sie diesmal bestimmt geschickter lösen: So ein Android ist leichter gefertigt.

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Abahatchi 05.03.2014, 23:34
@PeVau

die Nummer mit der Rippe

ganz einfach, Schweinerippen kaufen, würzen, grillen, fertig.... oder was wolltest Du wissen?

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Koepi42 05.03.2014, 18:11

:-) also ich mein auch mal ganz grundsätzlich ohne Gott... es wäre ja auch möglich, dass sich das Leben ohne einen Gott trotzdem anders entwickelt hätte als durch Evolution (nicht im wörtl. Sinn, sondern im darwinistischen)

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RanjitHuber 05.03.2014, 22:26
Wenn Gott ab morgen vor unser aller Augen in sechs Tage eine neue Welt erschafft.

Wobei ich es dann immer noch für wahrscheinlicher halten würde, dass wir einer Illusion / Halluzination unterliegen ;--)).

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Abahatchi 05.03.2014, 23:33

sechs Tage

ich biete ihm das doppelte, wer bietet mehr?

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Durch Gottes höchstpersönliches, für alle sichtbares Erscheinen!

Machtnix53 05.03.2014, 11:51

Dann müsste er aber dazu noch eine Erklärung abgeben, ob er die Welt mit oder ohne Evolution geschaffen hat.

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geschoepf 05.03.2014, 12:02
@Machtnix53

Tja, Gott im Konjunktiv ...

Es ist doch klar wie Kloßbrühe, dass es eine solche Gestalt nicht gibt. Statt dessen sollte man die Erkenntnisse über die Evolution würdigen und dankbar für dieses umfassende Wissen sein.

Liebe Grüße, geschoepf

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Abahatchi 08.03.2014, 11:18

Durch Gottes höchstpersönliches, für alle sichtbares Erscheinen!

Selbst wenn ein Gott diese Veränderungen bewußt im Einzelnen steuern würde, es wären Veränderungen und somit Evolution.

Selbst Gottes höchstpersönliches, für alle sichtbares Erscheinen kann nicht die Evolution als solches falsifizieren.

Gruß Abahatchi

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Gott.. Zumindest wenn man dran glaubt..

Chip97 04.03.2014, 20:27

Kommt drauf an wie dieser Gott ist. Schließlich müssen Gott und die Evolutionstheorie sich nicht unbedingt im wege stehen.

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Kylias 04.03.2014, 20:39
@Chip97

Naja.. in jeder (mir bekannten) Gotteslehre ist die welt nicht wirklich älter als vllt max 20.000 Jahre.. das steht schon mal komplett gegen die Evo. Theo.

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zuckerschnute9 05.03.2014, 13:39
@Kylias

Es gibt Bewegungen die die verschiedenen Zeiten miteinander vereinbaren.

So gibt es den Ansatz, dass es Leben gab, das Leben komplett ausgelöscht wurde und dann das Leben von Gott neu geschaffen wurde^^

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geschoepf 05.03.2014, 16:45
@zuckerschnute9

Na, so kann man´s auch drehen und wenden. Hauptsache, Gott bleibt dabei erhalten! Nee wahr? :-]

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realsausi2 05.03.2014, 10:40

Gott.. Zumindest wenn man dran glaubt..

So so. Du meinst also, daß der Glaube an irgend etwas eine wissenschaftliche Theorie falsifizieren kann. Das ist ja nun mal echt beeindruckend.

Würde ich nun also an einen Gott der Schwerelosigkeit glauben, könnte ich damit die Gravitationstheorie falsifizieren. Wenn da man nicht der Nobelpreis winkt.

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DarkSepia 10.03.2014, 23:58

Demnach wäre jede Hypothese falsifizierbar. Es muss einfach nur ein Gott erscheinen und uns zeigen, dass sie nicht stimmt.

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