Der Begriff "Gott" bedeutet nicht "Ursache für den Urknall", sondern eher "anbetungswürdiger, übernatürlicher Schöpfer der natürlichen Welt". Damit ist deine angenommene Ursache noch meilenweit von einem Gott entfernt. Und was soll "höhere Macht" sein? Wieso insbesondere "höher"? Und wieso sollte eine Energie, die ein Universum erzeugt, allmächtig sein? Alles, was sie dafür können muss, ist ein Universum zu erzeugen.

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Religionen entstehen ja nicht durch die Offenbarung eines echten Gottes, welcher der gesamten Menschheit den einzig wahren Glauben offenbart, sondern sie sind menschengemachte, kulturelle Phänomene, genau wie Sprache. Und genau so unwahrscheinlich wie es wäre, dass alle Völker auf der Erde dieselbe Sprache entwickelt hätten, ist es auch unterschiedlich, dass alle Völker dieselbe Religion entwickelt hätten.

Hinzu kommt, dass einige religiöse Elemente deswegen existieren, damit sich die Gläubigen von anderen Gruppen abgrenzen. Viele Religionen haben sehr anstrengende Rituale, mit denen Gläubige ihre Loyalität unter Beweis stellen und es wäre natürlich widersinnig hätte jede Religion dieselbe - das wäre, als hätten alle Länder dieselbe Hymne. Zu diesen Elementen gehören persönliche Opfer, strenge Regeln und manche Formen von Wunderglaube.

"Warum ist die Frage nach Gott und der wahren Religion ein ewiges Ratespiel?"

Manche Fragen, die Religionen zu beanworten behaupten, wie "Warum gibt es uns?" sind schwer und vielleicht werden wir sie nie ganz beantworten können. Bei denen bleibt uns nichts anderes übrig, als zu raten.

Ansonsten fällt mir dazu noch auf, dass viele Leute nicht meinen, in diesen Fragen zu raten.

"Weshalb zerbrechen sich Theologen, Philosophen und Otto Normalverbraucher den Kopf über religiöse, resp. übersinnliche Fragen?"

Es scheint eine hohe Nachfrage zu geben. Vielleicht liegt das aber nur daran, dass sich Religionen damit selbst am Leben erhalten. Wenn religiöse Leute ihren Kindern beibringen, die Frage "Gibt es einen Gott?" oder "Woher kommt das Universum?" sei wichtig und faszinierend, werden sich ihre Kinder eher dafür interessieren, eher eine Antwort darauf suchen und eher gläubig sein oder bleiben.

Aus den Antworten auf diese Fragen scheint eigentlich nichts wichtiges zu folgen. Daher finde ich deine Frage, warum so viele Leute sich die Köpfe darüber zerbrechen, auch interessant.

"Warum können wir Menschen nicht einfach von Geburt an wissen, was Sache ist?"

Warum können wir nicht von Geburt an eine Sprache perfekt beherrschen? Warum müssen wir so vieles erst lernen?

Lernfähigkeit macht unser Verhalten flexibel, aber der Preis dafür ist natürlich, dass wir nicht viele angeborene Fähigkeiten haben.

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Wenn wir über Moral diskutieren, dann vorwiegend um unser Verhalten zu verändern oder konservieren. Die Idee von Moral mag also ähnliche Ursprünge haben, wie die Idee von Politik und Wirtschaft.

Grundsätzlich würde ich nicht ausschließen, dass die Frage keine einfache Antwort hat. Erstens, weil Moral vielleicht auf verschiedenen Dingen beruht, die einen unterschiedlichen Ursprung haben. Zweitens weil sich Philosophen immer noch nicht über das genaue Wesen der Moral einig sind; und wenn es eine einfache Antwort gäbe, so würde mich interessieren, warum sie noch nicht gefunden wurde.

Deine Behauptung über Evolution geht von vornherein davon aus, dass Moral ein echtes Phänomen ist. Das muss nicht so sein. Vielleicht ist der Glaube an Moral teilweise ein Aberglaube (ein Irrtum, wie J. L. Mackie sagen würde) oder eine nützliche Fiktion (wie Stephen Yablo sagen würde). Hingegen könnte man versuchen, den Glauben an Moral evolutionär zu erklären - das ist nicht dasselbe, wie eine evolutionäre Erklärung von Moral selbst, genau wie eine Erklärung für den Glauben an UFOs nicht dasselbe ist wie eine Erklärung für UFOs.

Und wenn du meinst, Evolution könne Moral nicht vollständig erklären, meinst du also, Evolution könne Moral teilweise erklären? Welche Teile kann sie deiner Meinung nach erklären?

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Der Philosoph Galen Strawson brachte folgendes Argument gegen freien Willen vor: Unser Wille hängt davon ab, wer wir zum Zeitpunkt der Entscheidung sind. Wir können nicht vollständig entscheiden, wer wir sind (das würde zu einem unendlichen Regress führen). Also sind wir nicht vollständig für unsere Entscheidungen verantwortlich. Aufgrund der mangelnden Verantwortung ist freier Wille nicht nur nichtextistent, sondern sogar unmöglich.

Strawson bemerkt auch, dass das Leib-Seele-Problem dabei keine Rolle spielt. Sein Argument hängt nicht davon ab, ob wir eine immaterialle Seele haben oder die Physik unser Bewusstsein entstehen lässt.

Ein weiteres Argument für die Unmöglichkeit der Willensfreiheit ist folgendes Dilemma, das zum Beispiel der Philosoph Bob Doyle vertritt:

Wir sind entweder determiniert oder indeterminiert (auch ist eine Mischung aus beidem möglich). Laut Determinismus haben wir keinen freien Willen, weil all unser Handeln schon vorherbestimmt ist. Laut Indeterminismus haben wir keinen freien Willen, weil sich indeterminierte Prozesse nicht kontrollieren lassen. Also haben wir keinen freien Willen.

Beide Argumente berufen sich nicht auf wissenschaftliche Theorien oder Lösungsvorschläge für das Leib-Seele-Problem.

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Gibt dir diese, wie du sie nennst, biologische Welt zu denken? Das sind immerhin Experten, die sich beruflich mit Biologie befassen.

Die ersten Menschen waren Affen, genauso wie alle heutigen Menschen sind. Affen sind eine Überkategorie, so wie Primaten, Säugetiere oder Tiere. Solange irgendwelche unserer Vorfahren zu dieser Kategorie zählt, stimmt es auch, dass wir von Primaten, Säugetieren, Tieren und so weiter abstammen.

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Unter den vielen Theorien zum Wesen der Ethik, die wir heute haben, gibt es praktisch keine, die annimmt, Moral käme von einem Gott. Atheisten haben also eine Vielzahl an Optionen, wie sie zu dem Thema stehen ohne sich selbst zu widersprechen. All diese Entwürfe, die Philosophen über Jahrtausende zusammengetragen haben, kannst du finden, wenn du bei Google den Begriff "Metaethik" eingibst.

Ich las in den Kommentaren übrigens deine Frage, woher der Urknall kam. Diese Frage erkläre ich mir so: Wenn wir Moral mit irgendetwas im Universum, zum Beispiel Emotionen oder Gesellschaften oder gesunden Menschenverstand, erklären, willst du weiter wissen, woher all diese Dinge kommen. Aber wenn du meinst, Atheisten müssten auch alles erklären, womit sie Moral erklären, wieso stellst du dann überhaupt eine Frage zu Moral?

Deine Frage ist dann eigentlich, woher das Universum kommt, wenn es keinen Gott gibt. Und auch hier lautet die Antwort wie oben.

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Wieso sollte es eine wichtigste geben? Es sind unterschiedliche Disziplinen mit unterschiedlichen Aufgaben.

Die Behauptung Mathematik und Philosophie seien besonders wichtig kenne ich nur aus Memes. Ich kann mich nicht erinnern, jemals eine durchformulierte Begründung gesehen zu haben. Die Idee bezüglich Philosophie scheint zu sein: Alle Wissenschaftler benutzen philosophische Annahmen, um Erkenntnisse zu gewinnen.

Allerdings lässt sich daraus nicht viel über die Wichtigkeit von Philosophie aussagen. Erstens könnten diese Annahme so offensichtlich sein, dass wir keine eigene Disziplin brauchen, um über sie nachzudenken. Zweitens stehen Philosophie und Wissenschaft in Wechselwirkung zueinander. Auch Philosophen benutzen die Wissenschaft, um philosophisch voranzukommen. Beispiele hierfür sind evolutionäre Erkenntnistheorie und A Posteriori Notwendigkeiten.

Mathematik ist für Wissenschaft sehr nützlich. Vielleicht gibt es hier weniger Wechselwirkung, als zwischen Philosophie und Wissenschaft. Wenigstens kann es sein, dass sich Mathematiker von der Wissenschaft inspiriert fühlen, ein mathematisches Rätsel zu lösen. Jedenfalls: Aufgrund der unterschiedlichen Erwartungen gegenüber dem Gebiet lässt sich auch hier nicht sagen, ob Mathematik besser oder schlechter ist.

Man kann sich auch fragen, ob sich die Wichtigkeit eines Gebiets irgendwie aus wirtschaftlichen und soziologischen Daten erkennen lässt. Wenn Menschen Philosophie brauchen, dann werden sie sich eher mit ihr beschäftigen und ein Staat wird eher Gelder für philosophische Fakultäten ausgeben. Aber dies könnte auch andere Ursachen haben, wie schlechte Finanzenverteilung. Und ich kenne keine Statistik dazu.

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Früher wusste man noch nicht, dass sich viele Phänomene theoretisch auf andere reduzieren liesen. Zum Beispiel nahmen Vitalisten an, Lebewesen würden erst durch eine Lebenskraft zum Leben erwecken, heute wissen wir, dass die Abläufe innerhalb einer Zelle aber nur molekulare Bewegungen sind.

Heute scheint es so, dass alles in der Chemie und Biologie eigentlich physikalisch ist und Physikalisten gehen sogar weiter und behaupten, dass alle Fakten durch Physik festgelegt sind.

Trotzdem sind heute nicht alle Wissenschaftler Physiker. Das liegt wohl daran, dass wir mit einer streng reduktionistischen Sicht auf die Welt völlig überfordert wären. Wir müssten jeden chemischen und biologischen Prozess als einen physikalischen ausdrücken. Da ist es leichter, sie in einer eigenen Fachsprache zu beschreiben, welche durch eigene Gesetze, Metaphern, Idealisierungen und Fachausdrücke diese komplexeren Phänomene handlicher macht.

Und Kunst ist keine Wissenschaft.

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Viele Autisten reagieren anders auf Umweltreize, als neurotypische Menschen. Wie genau ist individuell verschieden und manchmal ist es negativ. Daher sind Berührungen und aufdringliche Gerüche wahrscheinlich problematisch.

Da Autisten die Gedanken und Gefühle anderer Leute oft schwer einschätzen können kann es auch helfen, wenn du dein Innenleben mehr erklärst, als du es gewohnt bist.

Vielleicht ist es sogar hilfreich ihn direkt auf das Thema Beziehung anzusprechen, denn genau das wäre in deinem Fall Offenheit. Ob du das machen willst, musst du selbst entscheiden.

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Vielleicht meinst du den Zuschauereffekt:

https://de.wikipedia.org/wiki/Zuschauereffekt

Eine evolutionäre Erklärung, nach der dieses Verhalten einen Überlebensvorteil hatte, würde es nicht entschuldigen.

Es bedeutet ja nicht, dass die Vor- und Nachteile noch immer die gleichen sind, wie vor zehntausenden von Jahren. Früher gab es keine Polizei und keine Mobiltelefone, mit denen man sie rufen hätte können. Es gab auch weniger Fachwissen über unser Verhalten und seine Auswirkungen.

Es bedeutet auch nicht, dass wir uns nicht anders verhalten könnten. Allerdings ist es in diesen Situationen vielleicht schwer, was ich nicht aus der Evolutionstheorie ableite, sondern daraus, dass es so häufig vorkommt. Die Entschuldigung, man sei mit der Situation überfordert und könnte daher nicht vernünftig handeln, könnte stimmen. Gleichfalls würde das auch bedeuten, dass wir uns in Not nicht auf die Hilfe einer Menschenmasse verlassen sollten.

Ein Illustrationsbeispiel, das mir zu diesem Thema einfällt ist Zuckerkonsum. Wir Menschen sind quasi süchtig danach und das hat eine evolutionäre Erklärung: Früher stand uns Zucker nicht in solchen Mengen zur Verfügung, wie heute und es war gut, wenn wir uns damit vollfraßen, hatten wir die Gelegenheit dazu. Heute führt das oft zu Übergewicht. Ist das eine Entschuldigung? Ich denke schon, dass man in diesem Fall nicht einfach den Zuckerkonsumenten die ganze Schuld geben kann. Es verlangt Bildung und Disziplin sich gegen dieses evolutionär geprägte Verlangen zu wehren. Schuld tragen eher wir als Gesellschaft, weil wir es uns und unseren Mitmenschen so leicht machen, zu viel Zucker zu konsumieren. Daher sollte man nicht nur von Konsumenten verlangen, kritischer zu sein, sondern auch von den Anbietern, Pädagogen und anderen Leuten. Sie alle tragen eine Teilverantwortung.

Eine Verantwortung gibt es also auch trotz einer evolutionären Erklärung.

Die Verbindung zwischen Evolution oder Genetik und Entschuldigungen sehe ich nur indirekt. Wichtig ist, was wir zum Zeitpunkt der Handlung sind, Evolution und Genetik teil-erklären, wie es dazu kam, dass wir so sind. Außerdem finde ich es sehr fragwürdig einfach zu behaupten, eine wissenschaftliche Erklärung für ein Verhalten sei gleichbedeutend mit einer Entschuldigung. Welches Verhalten bleiben denn dann noch übrig, welches man nicht entschuldigen kann?

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Warum glauben Menschen an etwas was es nicht gibt, nämlich an einen Gott?

Hallo,

ich möchte von vornherein klarstellen, dass ich in keins der weise hiermit jemanden Angreifen möchte. Das einzige was ich möchte, ist zu verstehen, warum Menschen so etwas tun. Warum?

Ich selbst bin ziemlich Bürgerlich und leider sehr Konservativ aufgewachsen, womit ich mich in vielen Sachen Einschränken musste. Somit wurden mir eben auch Dinge wie die Taufe, Kommunion, Firmung oder Kirchenbesuche an Weihnachten aufgezwungen. Ich kann mich sehr gut daran erinnern, dass ich nie verstanden habe was das alles sein soll, wieso das so viele Menschen machen, obwohl es mir so eingetrichtert wurde.

Mittlerweile bin 21, seit 3 Jahren aus der Kirche ausgetreten und ich frage mich immer noch - warum? Warum glauben Menschen an etwas, was es nicht gibt? Warum widmen Menschen Ihre ganze Aufmerksamkeit einer Sache, die nicht bewiesen ist? Warum schränken sich Millionen Menschen ein, machen sich Ihr Leben zur Hölle (beispielsweise die Frauen im Islam) um etwas zu folgen wofür es keinerlei Anzeichen gibt.

Mir kommt es so vor, dass Menschen an Götter glauben, weil Sie den glauben an sich verloren haben. Und ich verliere stetig den Glauben an die Menschheit. Wenn es einen Gott gibt, warum gibt es dann so viel Leid, Trauer, Hass und Ungerechtigkeit auf dieser schrecklichen Welt?

Ich verstehe den Grundgedanken von Religionen sehr. Vor 2000 Jahren gab es eben für die Menschen nichts weiteres, das ist uns allen klar. Aber mittlerweile Leben wir im 21. Jahrhundert und es ist immer noch dasselbe Spiel, wann hört sich dieser Spaß denn endlich mal auf? Ich zweifle an der Intelligenz des Menschen, wenn jemand ins leere betet.

So viele Menschen leiden unter diesem Gott, seiner Religion. Homosexuelle, Transsexuelle oder andere Minderheiten werden umgebracht, verspottet und schließlich in den Tot getrieben. Ist es das wert? Ist es das wert, dass wir unsere Kinder verdummen lassen? Wie soll das ganze denn in 500 Jahren aussehen? Beten dann die Menschen zum neu erworbenen Vollkorn-Toastbrot, oder zu der Kaffeekanne der Uroma, die kaputt gegangen ist, oder zum Baum im Vorgarten der im Herbst seine Blätter verliert? Ich hoffe nicht, es herrscht schon so viel leid auf dieser Welt, wann fangen wir endlich an zu verstehen.

Meine Ausdrucksweise ist auf meine Unverständlichkeit zu diesem Thema zurückzuführen, ich bitte um Verständnis.

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Das ist eine interessantes und komplexes Thema. Es gibt viel Forschung zum Thema Heuristik und kognitive Verzerrungen und natürlich Theorien, welche die Daten erklären sollen. Ein Erklärungsansatz ist die evolutionäre Psychologie.

Vermutlich ist Wahrheitsfindung die Grundfunktion unseres Verstandes. Leute formen ein akkurates Verständnis ihrer Umgebung und das hilft ihnen dann, sich in ihr zurecht zu finden.

Allerdings hat diese Funktion Hämmungen und kann daher nicht mit absoluter Perfektion erfüllt werden. Ein Grund dafür sind die Methoden und Kosten. Das menschliche Gehirn muss irgendwie funktionieren und obendrein mit endlichen Ressourcen. Also ist es sparsamer und vielleicht sogar die einzige physikalische Möglichkeit, eher schnell und schlampig zu denken (Heuristik). Ein Beispiel dafür heißt Hyperactive Agency Detection Device: Für unsere prähistorischen Vorfahren war es scheinbar von Vorteil, ein Geräusch oder einen Schatten lieber vorschnell als Tier zu interpretieren. Lieber zu oft fliehen, als zu selten. Es kann sein, dass der Glaube an übernatürliche Geister und Götter damit zu tun hat.

Weiters gibt es auch Abweichungen von der Wahrheit zugunsten anderer Vorteile für das Individuum oder einen sozialen Verbunden. Wenn Wahrheit die primäre Funktion unseres Verstandes ist, könnte man hier von sekundären Funktionen sprechen. In manchen Fällen, wie "Warum gibt es das Universum?" ist Wahrheit nicht besonders wichtig, aber weil wir Menschen ständig nach Mustern und Erklärungen suchen, fühlen sich viele von uns dennoch unwohl bei dem Gedanken, die Antwort darauf nicht zu kennen. Übernatürliche Lückenbüßererklärungen helfen da ab und lassen uns klüger erscheinen, als wir eigentlich sind.

Der Anthropologe Jared Diamond führt viele Versionen religiösen Glaubens auf derlei sekundäre Funktionen zurück. Es gibt hier einen Blogeintrag, der sein Modell zusammenfasst: https://boldquestions.wordpress.com/2014/10/25/jared-diamond-on-religion/

"Warum schränken sich Millionen Menschen ein, machen sich Ihr Leben zur Hölle (beispielsweise die Frauen im Islam) um etwas zu folgen wofür es keinerlei Anzeichen gibt. (...) So viele Menschen leiden unter diesem Gott, seiner Religion. Homosexuelle, Transsexuelle oder andere Minderheiten werden umgebracht, verspottet und schließlich in den Tot getrieben."

Vielleicht stimmt es, dass Leute einen Irreglauben brauchen, um sich das Leben so zur Hölle zu machen. Aber dieser Irreglaube muss keine Religion sein. Für Homophobie, Frauenfeindlichkeit oder Ausländerfeindlichkeit lassen sich auch säkulare "Rechtfertigungen" finden. "Frauen sind dumm", "Ausländer sind kriminell", "Homosexualität ist eine Krankheit" und so weiter.

Auch ich mache mir manchmal mein Leben umbequemer, als nötig. Ich habe keine Religion, dafür unbequeme Gewohnheiten und Zwänge.

"Ist es das wert? Ist es das wert, dass wir unsere Kinder verdummen lassen?"

Wir sollten dieses Leid natürlich nicht einfach als notwendigen Kollateralschaden sehen. Daher ist es das natürlich nicht wert. Allerdings lässt sich der Status Quo kaum ändern. Es gibt keine einfachen, ethisch vertretbaren Methoden, alle Leute von Religionen, Aberglaube und Ideologien zu befreien, die dieses Leid verursachen.

"Wie soll das ganze denn in 500 Jahren aussehen? Beten dann die Menschen zum neu erworbenen Vollkorn-Toastbrot, oder zu der Kaffeekanne der Uroma, die kaputt gegangen ist, oder zum Baum im Vorgarten der im Herbst seine Blätter verliert?"

Könnte sein, wer weiß. Aber weil dieses Szenario so speziell ist finde ich es unwahrscheinlich. Es gibt so viele Alternativen. Leute könnten auch aufhören zu beten und stattdessen stärker an einen Sinn des Lebens glauben. Religionen könnten weitgehend verschwinden, oder mehr werden.

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Es gibt da einige Schwierigkeiten, die Anfänger wahrscheinlich nicht meistern werden. Ich sehe da ein paar überkreuzte Hände, oktavierte Melodien, verschiedene Anschlagstechniken, Hauptmelodie in der linken Hand, einige anspruchsvollere Begleitmelodien.

Ich schätze das Niveau ungefähr auf das der ersten Sonate von Beethoven oder etwas leichter, vorausgesetzt du willst es auch schön spielen.

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Zu den gängigsten Versuchen, den Konflikt zwischen einen allgütigen Gott und der Existenz von Leid aufzulösen gehören:

1) Skeptizismus ("Skeptical Theism"): Die Annahme, dass ein Gott Gründe haben könnte, die wir Menschen nicht verstehen.

2) Freier Wille: Die Annahme, dass Leid durch freien Willen verursacht wird, dieser freie Wille das Leid jedoch wert sei.

Weitere Ideen, die ich aber nur selten lese: Leid sei ein Test. Leid könnte das Gute in der Welt auf irgendeine Weise noch besser machen.

Ich denke nicht, dass irgendetwas davon funktioniert, zumal Leid bereits dann ein Problem ist, wenn es nur zu Skeptizismus gegen Theismus führt.

Einfache Versionen halten einer kritischen Analyse nicht stand, werden aber gerne von naiven Laien verbreitet.

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An diesem Klischee ist etwas wahres dran. Es wäre nur falsch, dieses Verhalten auf alle Autisten zu verallgemeinen.

Schaukeln ist eine Form von Stimming.

Eine situationsabhängige Sprachlosigkeit kann bei Autisten auch auftreten. Zum Beispiel selektiver Mutismus oder ein Shutdown.

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Ich vermute, das Interesse wurde viel von den Medien beeinflusst. Vor Allem in Fiktionen sind Autisten Genies mit Problemen, ähnlich wie Kastraten - gute Sänger, aber zeugungsunfähig. So hat das Publikum Staunen und Drama in einem. Und auch viele Reportagen interessierten sich für einzelne Autisten, die spezielle Begabungen haben.

Weitere Gründe können sein:

1) Autismus ist oder war ein Mysterium für viele Forscher, weil über die Ursachen wenig bekannt ist.

2) Autisten benehmen sich manchmal eigentümlich, aber auf eine Weise, die sympathisch wirken kann. Ich frage mich, ob das auf die Leute niedlich wirkt.

3) Direkte oder indirekte Betroffenheit: Autismus ist zwar selten, aber häufig genug, dass viele Menschen mindestens eine Person mit Autismus kennen.

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Deine Zweifel haben viele Leute, die sich nicht auskennen. So schreib ein gewisser Robert MacKenzie, ein Zeitgenosse Darwins:

In the theory with which we have to deal, Absolute Ignorance is the artificer; so that we may enunciate as the fundamental principle of the whole system, that, in order to make a perfect and beautiful machine, it is not requisite to know how to make it.

Eigentlich erkannte MacKenzie eine Sache in Darwins Theorie sogar sehr gut: Natürliche Selektion braucht kein Wissen. Diese als Zufall zu bezeichnen ist aber falsch und wird heutzutage praktisch nur von Evolutionsgegnern gemacht, die ich einen rethorischen Vorteil verschaffen wollen. Das ist Sophistik.

Treffender wäre "Versuch und Irrtum", aber das sind natürlich nur Metaphern, weil Versuch einen Willen und Irrtum ein Denken voraussetzen.

Auch Ingenieure haben Darwins Prinzip erkannt und sich zunutze gemacht. Daraus entstanden evolutionäre Algorythmen. Hier ein Beispiel: https://archiv.pressestelle.tu-berlin.de/tui/01jun/bionik.htm

Außerdem ist es auch nicht so, dass Geist und Bewusstsein einfach als Lückenbüßer angenommen werden sollten, nur weil dir nichts anderes einfällt. Wenn du dich wunderst, wie irgendetwas in der Natur ohne Bewusstsein entstehen kann, frage dich doch einmal, wie es mit Bewusstsein entstehen kann.

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Ich finde das Thema Atheismus vs. Theismus vs. Agnostizismus an sich nicht besonders wichtig. Diese Position heißt auch Apatheismus. Früher habe ich mir viel mühe gemacht, Argumente durchzukauen, aber dieses Interesse wurde mit der Zeit geschmälert.

Ich versuche nun eine Skizze des vielleicht besten Arguments für Atheismus.

Ein Gott ist ein spezifisches übernatürliches Wesen. Übernatürliches kann es auch geben, wenn es keinen Gott gibt. Schlussfolgerung: Die Wahrscheinlichkeit, dass es einen Gott gibt ist also geringer, als die Wahrscheinlichkeit, dass es irgendetwas Übernatürliches gibt.

Die Wahrscheinlichkeit, dass es irgendetwas Übernatürliches gibt, liegt bei höchstens 50%. Es gibt keine guten Belege dafür. Schlussfolgerung: Die Wahrscheinlichkeit, dass es einen Gott gibt, liegt unter 50%.

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Selbst Atheisten wie Richard Dawkins dürfen ihre Bücher veröffentlichen. Und diese gehen mit dem Christentum viel härter ins Gericht als jemand, der nur über die Trinität nachdenkt.

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Nein, das ist weder ein Beweis noch ein Indiz für Gottes Existenz

Die typischen Gottesbeweise haben einen Mangel, der mich manchmal erstaunt: Sie würden selbst dann fehlschlagen, sollten sie nur etwas gottähnliches beweisen. Das ist eine Fraktalität an Problemen, die auch hier gilt.

Die Erde ist kein Beweis oder gutes Indiz dafür, dass sie erschaffen wurde. Selbst wenn dem so wäre, wäre das alleine immer noch kein Indiz dafür, dass dieser Schöpfer wirklich ein Gott sei. Weder muss er übernatürlich sein, noch ein einzelner Schöpfer, noch allwissend, allmächtig oder allgütig.

Warum deine Punkte nichtig sind:

1) Die Unwahrscheinlichkeit des Menschen ist ein trivial. Selbstverständlich wäre die heutige Welt anders, wären die Umstände anders und dann gäbe es eben etwas anderes, als Menschen. Wenn die Erde kein lebensfreundlicher Planet wäre, wäre es vielleicht ein anderer. Oder es gäbe überhaupt etwas ganz anderes, als Leben, was aber dennoch unwahrscheinlich ist. Und hätten das Leben anders entwickelt, gibt es eben andere Spezies. Man sollte nicht tun, als sei alles, was kein Mensch oder kein Leben ist, einfach gleich und nicht wert, differenziert zu werden. Man sollte nicht einfach zwischen Leben und Nichtleben unterscheiden.

2) Es könnte andere Erklärungen geben, als bewusstes Eingreifen. Zum Beispiel könnte menschenähnliches Leben sehr wahrscheinlich sein, wenn es lange genug Leben gibt.

3) Die Existenz eines Schöpfers ist schon deshalb problematisch, weil sie einen besonderen nicht-biologischen Schöpfer voraussetzt. Die einzigen Schöpfer, die wir kennen, sind biologische Organismen.

4) Die Wünsche und das Wissen des Schöpfers werden post hoc angenommen. Nachdem man Leben beobachten, glaubt man, der Schöpfer interessiere sich für Leben. Angenommen wir würden als immaterielle Seelen in einem leblosen Universum existieren, könnten dieselben Leute mit derselben Sicherheit behaupten, der Schöpfer interessiere sich nur für dieses leblose Zeug.

5) Es gibt keine unabhängigen Gründe, um die Existenz eines solchen Schöpfers zu stützen.

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Ich werde mich um eine detaillierte Antwort über verschiedene Punkte bemühen, wobei ich mich aber nicht in allen gleich gut auskenne.

Begriffe

"Der Stärkste überlebt" ist eine sehr irreführende Beschreibung von Selektion. Es vermittelt das Bild, in der Biologie ging es nur um Stärke, aber in Wahrheit hängt es vom Umfeld ab, welche vererbbaren Eigenschaften nützlich für das Überleben sind und daher (durch natürliche Selektion) in späteren Generationen häufiger vorkommen werden.

Der unproblematischste Begriff ist wahrscheinlich "Natürliche Selektion" oder nur "Selektion".

Historisch

Menschen entstanden durch Evolution und natürlich spielte natürliche Selektion bei unseren Vorfahren eine große Rolle: Komplexes Sozialleben, aufrechter Gang, Werkzeugherstellung und ein ballistisches Talent sind Beispiele für Eigenschaften, die unseren Vorfahren in der Savanne oder in der Eiszeit das Leben stark erleichtert haben. Heute sind sie durch Selektion für Menschen typisch.

Ein neueres Beispiel ist Laktosetoleranz in europäischen Regionen. Diese bietet (laut https://journals.plos.org/ploscompbiol/article?id=10.1371/journal.pcbi.1000491) seit 7500 Jahren durch unsere Milchwirtschaft einen hohen Selektionsvorteil.

Aktuell

Es heißt oft, die menschliche Kultur habe die natürliche Selektion außer Kraft gesetzt. Das könnte stimmen, mehr oder weniger. Mir ist kein Fall bekannt, in welchem ein erst seit kürzlich existierender Unterschied zwischen zwei Menschengruppen durch natürliche Selektion erklärt wird. Eher ist es so, dass die Unterschiede auf ein anders Umfeld einschließlich einer anderen Kultur zurückzuführen sind, statt auf Genetik und Evolution. Unterschiedliche Sprachen beruhen ja auch auf kulturellen, nicht aber genetischen Unterschieden. Briten haben kein Englisch-Gen und Deutsche kein Deutsch-Gen.

Eine evolutionäre oder genetische Erklärung für aktuelle Unterschiede kann übrigens ethische Folgen haben, weswegen man bei solchen Theorien vorsichtig sein sollte. Sie mögen nicht alle falsch sein, aber wenn sie falsch sind, beurteilen wir Menschen aufgrund einer falschen Theorie.

Nehmen wir zum Beispiel Intelligenz: Eine Studie könnte zeigen, dass die durchschnittliche Intelligenz in einer Region geringer ist, als in einer anderen.

Eine Hypothese dazu kann lauten: Der Unterschied ist genetisch bedingt. In dieser Region bietet niedrige Intelligenz vielleicht einen Selektionsvorteil.

Eine andere Hypothese: Der Unterschied ist durch das Umfeld bedingt. In dieser Region gibt es keine so guten Schulen, wie in der anderen.

Wenn man davon ausgeht, dass Genetik/Evolution eine große Rolle spielt, behauptet man gleichzeitig, die Kultur - also die schlechteren Schulen - spiele keine so große Rolle. Es würde also bedeuten, andere Schulen würden auch nichts bringen und dann würden wir es für weniger wichtig finden, etwas an ihrem Bildungssystem zu ändern.

(Umgekehrt geht es natürlich auch. Wenn Schulen den Großteil des Einflusses haben, dann haben Gene automatisch einen geringeren Einfluss.)

Kulturelle "Gene"

Einige Wissenschaftler vertreten Theorien, laut denen nicht nur Gene selektiert werden, sondern auch andere Einheiten bis hin zu sozialen Gruppen. Diese Theorien sollen kulturelles Verhalten erklären.

In seinem Buch Darwin's Cathedral geht David Sloan Wilson mit dieser Methode auf die Entstehung von Religionen ein. Beispielsweise ist er der Ansicht, die christliche Nächstenliebe habe zur Verbreitung des Christentums beigetragen, weil Christen durch ihr Verhalten Krankheiten und schlechte hygienische Umstände besser überstanden, als die Anhänger heidnischer Religionen.

Laut diesen Modellen kann man das Konzept der Selektion also auf kulturelle Errungenschaften und daher auch auf sehr neue Trends anwenden. Vielleicht auch auf die oben genannten schlechteren Schulen (was diese trotzdem nicht entschuldigt oder relativiert).

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