Beispiele, warum die DDR ein Arbeiter- und Bauernstaat war.

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Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Nach offizieller Lesart gab es in der DDR nur noch zwei Klassen - die Arbeiterklasse und die Klasse der Genossenschaftsbauern. Beide waren verbündet und die Genossenschaftsbauern hatten über das Bündnis mit den Arbeitern Anteil an der Diktatur des Proletariats. Deshalb nannte sich die DDR auch Arbeiter- und Bauernstaat.

Die Angehörigen der Intelligenz und die Handwerker gehörten zu den Schichten und waren natürlich auch verbündet mit den Arbeitern und Bauern allerdings reichte der Status als Schicht nicht aus, die DDR zu einem Arbeiter-, Bauern- Intelligenzler- und Handwerkerstaat zu machen. Daran ändert sich auch nichts, dass im Emblem der DDR ein Zirkel für die Schicht der Intelligenz stand. :-)

Die Arbeiter und Bauern gehörten in der DDR einer einzigen Klasse an. Das hat man so einfach deklariert. Alle anderen Schichten, außer Kapitalisten, waren im Bündnis gegen den kapitalistischen Klassenfeind.

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@marylinjackson

marylin - rede bitte erst, wenn Du verstehst! Heute kann man zu der Sache stehen, wie man will. Aber das, was PeVau geschrieben hat, war eben damals so!

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Danke für den Stern!

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@PeVau

Aus DDR-Sicht war es damals so. Die Frage kann man aber auch kritisch aus der heutigen Sicht beantworten. Die Marx-Engels-und Leninwerke gehörten zum Grundlagenwissen beim Studium der Ökonomie in der DDR. Darauf als einzige Kriterien heute noch zu beharren, wäre sehr einseitig.

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Es gab nur noch die eine Klasse, nämlich die der Arbeiter und Bauern, die Grund und Boden sowie die Produktionsmittel besaßen nach der Enteignung ( es wurde zum Volkseigentum). Im Staatsapparat besaß sie die ganze Macht, die Volkskammerabgeordneten wurden zu dieser einen Klasse deklariert.

Damit alles funktionieren sollte ((keine Marktwirtschaft!), gab es die sozialistische Planwirtschaft. Die Kapitalisten als Klassenfeinde wurden fortwährend bekämpft, real durch Enteignungen und stimmungsmäßig besonders in den Medien. Das Bündnis der Intelligenz und dem Handwerk mit der Arbeiter- und Bauernklasse gegen den Klassenfeind Kapitalismus diente nur zur Verschleierung des ganzen Systems.

Es gab nur noch die eine Klasse, nämlich die der Arbeiter und Bauern ...

Falsch! In der DDR wurde immer von zwei Klassen gesprochen. was auch sinnvoll war, denn die Klasse der Bauern (Genossenschaftsbauern) waren noch Eigentümer an Produktionsmitteln.

Deren Eigentum war nämlich weder enteignet noch vergesellschaftet, sondern hauptsächlich genossenschaftlich. Das tat der sozialistischen Theorie aber keinen Abbruch, weil genossenschaftliches Eigentum zu den sozialistischen Produktionsverhältnissen gezählt wurde.

die Volkskammerabgeordneten wurden zu dieser einen Klasse deklariert.

Unsinn!

Die Kapitalisten als Klassenfeinde wurden fortwährend bekämpft

Wo es keine Kapitalisten mehr gab, kann auch nicht fortwährend bekämpft worden sein. Wie stellt ihr euch nur das Leben in der DDR vor? (kopfschüttel)

@marylinjackson, ich gehe mal davon aus, dass du von der DDR nicht besonders viel verstanden hast. Da hilft informieren. Das wilde Zusammenwürfeln von Begrifflichkeiten kann allenfalls bei völlig Ahnungslosen Kompetenz vortäuschen.

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@exFlottiLotti

Warum gleich mit Inkompetenz und Ahnungslosigkeit gegen mich vorgehen?

Du magst mit der Klassendefinition laut DDR-Definition Recht haben. Allein die Produktionsverhältnisse sind nicht ausschlaggebend. Es müssen noch mehr Kriterien vorliegen.

Lenin:

"Klassen sind Gruppen von Menschen, von denen die eine sich die Arbeit einer andern aneignen kann infolge der Verschiedenheit ihres Platzes in einem bestimmten System der gesellschaftlichen Wirtschaft"

Wie sieht demnach hier das Verhältnis der Arbeiter zu den Bauern aus?

Unüberbrückbare Klassengegensätze-auch ein typisches Merkmal-gab es nicht zwischen Arbeitern und Bauern in der DDR. Die LPGs samt Produktionsmitteln waren nur formal Eigentum der Bauern. Ebenso gehörte den Arbeitern nicht tatsächlich der volkseigene Betrieb, sonst hätten sie von den Gewinnen partizipieren können. Die Betriebe wurden staatlich von geschulten Kader- und Parteigenossen planmäßig verwaltet. Kapitalisten oder die Bourgeoisie hat man vertrieben, solange die Mauer nicht stand. Nach dem Mauerbau wurden kleinere Unternehmer drangsaliert und bekämpft, so dass ihre Betriebe entweder verstaatlicht wurden oder zu sogenannten Produktionsgenossenschaften (PGH) umgewandelt wurden. Mit sehr hohen Steuern und Begrenzung ihrer Angestelltenzahl lief das so ab.

Die Volkskammerabgeordenten, die irgendwann mal als Arbeiter oder Bauer anfingen und sich dann später qualifiziert hatten, waren allesamt immer zeitlebens von ihrer Herkunft Arbeiter oder Bauer. Die Analyse der Definition "Klassengegensätze" hatte Robert Havemann während seiner Vorlesungszeit 1963/64 so gut und richtig dargestellt, dass man ihn dafür entließ.

Die DDR-Bevölkerung könnte man auch klassenmäßig einteilen nach ihrem Status, ob sie bei Genex oder Intershop Kunden waren oder nicht. Die "blauen Fliesen", sprich Westgeld, gegen Waren in den Zeitungsanzeigen sprachen Bände für diese Entwicklung..

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@marylinjackson

Nun gut, dann fangen wir mal mit der Frage an.

Warum war die DDR ein Arbeiter- und Bauernstaat?

Hier geht es um die Bezeichnung, die die DDR sich selbst gegeben hat. Demzufolge kann man sich dem Grund für diese Selbstbezeichnung nur nähern, wenn man sich mit den Begriffen und deren Inhalten in der DDR auskennt.

Elementar dafür ist die marxistisch-leninistische Klassendefinition. Das von dir angeführte Leninzitat ist nicht vollständig. In seiner Klassendefinition von 1919 schrieb er:

Als Klassen bezeichnet man große Menschengruppen, die sich voneinander unterscheiden nach ihrem Platz in einem geschichtlich bestimmten System der gesellschaftliche Produktion, nach ihrem (größtenteils in Gesetzen fixierten und formulierten) Verhältnis zu den Produktionsmitteln, nach ihrer Rolle in der gesellschaftlichen Organisation der Arbeit und folglich nach der Art der Erlangung und der Größe des Anteils am gesellschaftlichen Reichtum, über den sie verfügen. Klassen sind Gruppen von Menschen, von denen die eine sich die Arbeit einer anderen aneignen kann infolge der Verschiedenheit ihres Platzes in einem bestimmten System der gesellschaftlichen Wirtschaft. (Lenin 1976, S.410).

Es lässt sich also schon ein Unterschied zwischen der Arbeiterklasse und der Klasse der Genossenschaftsbauern erkennen. Während die Industriebetriebe in Volkseigentum (kein genossenschaftliches Eigentum!) überführt waren, waren die Genossenschaftsbauern im Besitz der Produktionsmittel (genossenschaftliches Eigentum). Dieses Verhältnis zu den Produktionsmitteln usw. begründet schon ausreichend die Differenzierung in zwei Klassen. Dass diese zwei Klassen sich antagonistisch gegenüberstehen müssen, um Klassen zu sein, ist nicht nachvollziehbar.

Die Einteilung der DDR-Bevölkerung in die Klasse der Genex- und Intershopkunden und die Klasse derer, denen diese Einkaufsmöglichkeit nicht gegeben war, ist vielleicht witzig, hat aber mit Klassen im marxistisch-leninistischem Verständnis nun gar nichts zu tun. Das könnte man mit Mühe in ein bürgerliches sozial-ökonomisches Schichtenmodell pressen, dass den Klassenkampf beerdigen soll.

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@exFlottiLotti

@ Exflottilotti: Die von Dir fett zitierte leninsche Definition des Klassenbegriffs habe ich schon verinnerlicht. Sie kann nicht schon deshalb auf die Klasse der Arbeiter und Bauern zutreffen, da die Bauern sich nicht die Arbeit der Arbeiter aneignen konnten und umgekehrt. Das trifft eher auf die Verhältnisse im Kapitalismus zu. Die " verquasten" wissenschaftlichen Definitionen gesellschaftspolitischer Schlagworte im marxistisch-leninistischem Verständnis verstand sowieso kein normaler DDR-Bürger, schon gar nicht ein einfacher Arbeiter oder Bauer.

Die "unüberbrückbaren" Klassengegensätze sahen in der Praxis doch ganz anders aus:

Die Arbeiter und Bauern hatten nicht annähernd die gleichen sozialen Bedingungen und Interessen wie Erich Mielke und dem Politbüro. Sie waren tatsächlich unüberbrückbar. Der Klassenkampf wurde in der DDR immer von oben nach unten ausgeführt-sehr einfach ausgedrückt.

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Propaganda, sonst nichts!

Es ging den Regierenden um den Gegensatz zu den Fabrikanten und Großgrundbesitzern.

Aber die Bauern wollten viel lieber ihre eigene Scholle haben.

Da gab es Dörfer, die scheinbar die Kollektivierung mitgemacht haben, aber tatsächlich hat jeder weiter seinen eigenen Boden bearbeitet. Bis sie dann irgendwann aufgeflogen sind.

Und die Arbeiter durften keine Gewerkschaft haben, die gegebenenfalls sagt, morgen wird hier nichts gearbeitet.

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