Arbeitswelt oft unmenschlich?

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17 Antworten

Hallo!

Ich sage mal so ----> war es früher etwa besser, wo man in der Lehre bisweilen noch geschlagen wurde oder menschlich gedemütigt, ohne dass die Eltern oder die Handwerkskammer/IHK einem halfen bzw. wo man nur mit säuerlichen Sprüchen wie "Lehrjahre sind keine Herrenjahre" nach dem Motto "geschieht dir im Grunde recht" abgefertigt wurde?

Oder war es früher besser, wo im Handwerk tlw. während der Arbeitszeit schon "traditionell" aufs Übelste gesoffen wurde, wo die Bierflasche neben der Werkbank stand & die Handwerker schon voll waren, bevor sie überhaupt abends die Firma/Baustelle etc. verlassen haben?

Ich denke nicht. Auch die technischen Hilfsmittel haben vieles verbessert; ich bin z.B. sehr dankbar, dass ich in meinem Beruf die Digitalkameras und PCs/das Internet nutzen kann & nicht wie ältere Kollegen Bekanntschaft mit Dunkelkammer-Filmentwicklung, manuellen Druckplatten und mechanischem Setzen von Zeitungslettern gemacht habe. Früher war es doch um Einiges beschwerlicher.

Verbesserte Sozialleistungen und geregelte Arbeitszeiten, Wochenenden, mehr Urlaubstage als früher und allgemein größere Unterstützung von Arbeitnehmern auch seitens der Bürokratie sprechen m.E. auch nicht dafür, dass die Arbeitswelt früher besser war.

Klar kann es mitunter sein, dass das Klima rauer sei als damals, aber andererseits darf man keine Dialoge aus "Aktenzeichen XY"-Filmen der 80er/90er mit ihrem "herzlichen Ton" als Referenz heranziehen & so gut war die Welt damals auch nicht. Mobbing gab es früher auch schon, nur existierte dafür keine konkrete Bezeichnung & ein "Forum" gab es dafür erst recht nicht. 

Letzten Endes aber muss ich trotzdem sagen, dass man auch nicht behaupten kann, heute sei echt alles besser: Hier kommt es auf die Branche genauso an wie auf den Arbeitgeber. Es kann Firmen geben, bei denen es miserabel und archaisch läuft, aber es gibt genausogut Betriebe, die ihren Kräften ein nahezu perfektes Umfeld bieten, in dem es sich zu leben und zu arbeiten lohnt. 

"Früher war alles besser" ist, wie ich finde, eine Glorifizierung der Vergangenheit. Dazu neigt man oft, gerade wenn viele Jahre zwischen dem Erlebten und der Jetztzeit liegen.

Es gibt sicherlich Arbeitgeber die das Anders machen allerdings ist der Großteil grade in den Branchen wo man ohnehin wenig zahlt wirklich so unterwegs. Sie verheizen Mitarbeiter weil der nächste eh schon in er Schlange steht. Gesundheit, Psyche, Moral alles egal solange man möglichst wenig zahlen muss. Die Verantwortung wie diese Menschen dann aber mit Kunden umgehen und wie sie ihren Job verstehen überlässt man ihnen aber trotz Niedriglohn. Ein schöner schneller Grund jemanden abzuservieren, wenn man ihn nicht mehr braucht.
Problem ist halt auch, dass man Notlagen der Menschen ausnützt. Eine alleinerziehende Frau MUSS arbeiten auch wenn sie nicht viel bekommt dafür. Oder sie bezieht halt Sozialhilfe was viele nicht wollen.
Letztendlich sollte jeder selbst darauf bedacht sein sich selbst am Nächsten zu stehen und sich sofort auf die Suche nach anderer Arbeit machen wenn er merkt, dass der Arbeitgeber so agiert.

Im Grunde ist die ganze Welt unmenschlich.

Jeder lebt doch im Endeffekt und wenn es "hart auf hart" kommt nur für sich. Das war auch "früher" keineswegs anders.

Die Arbeitswelt ist dabei einfach offener und lebt es mehr als im Privatbereich (da wäre das ja auch TOTAL unhöflich...).

Das ist nun nichts verwunderliches, das Sprichwort "nichts wird einem geschenkt" kommt nicht von ungefähr. Keiner verschenkt was, keiner macht etwas umsonst.

Ganz so ist es zum Glück nicht.
Es gibt sowohl auf Arbeitgeberseite als auch auf Arbeitnehmerseite Menschen, die den Job gern und gut machen und nur deswegen so "zufrieden" damit sind. Das Geld muss natürlich auch stimmen - so toll Mitarbeiter und Arbeitgeber auch sind. Leben sollte man schon noch dürfen. Aber für EUR 300 mehr im Monat verlasse ich keinen Arbeitgeber der mir Alles bietet was ich zur arbeitstechnischen und persönlichen Selbstverwirklichung brauchen würde. Einen der auch mit Familie klar kommt und einen der weiß, dass auch ich nur Mensch bin.

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@Kitharea

Ich hatte leider noch nie das Vergnügen in einer Firma arbeiten zu dürfen, wo Menschlichkeit wirklich (nicht nur anscheinend) etwas bedeutet, ich hatte bislang 6 Arbeitgeber aus verschiedenen Branchen (z.B. IT und Großhandel).

Ich würde auch nie einen Arbeitgeber wechseln, wenn ich selbst zufrieden damit bin, trotzdem arbeite ich ausschließlich für das Geld, sonst würde ich nicht arbeiten. Mir ist es auch egal wie gut oder schlecht es der Firma geht, weil es der Firma genauso egal ist wie es mir geht, Hauptsache ich arbeite. Und für mich ist die Hauptsache, dass ich mein Geld bekomme.

Wer arbeitet denn für das Klima oder den tollen Menschen in einer Firma? Ich kenne keinen, im Endeffekt geht's um das Geld.

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Wir als Unternehmen sind sehr daran interessiert unsere Mitarbeiter zu halten, jeder kann mal einen schlechten Tag haben oder einen Fehler machen, das passiert dazu ist man Mensch! Bevor wir jemanden vor die Tür buchsieren wird erst einmal das persönliche Gespräch gesucht um eine eventuelle "Feherquelle" zu finden, diese finden sich oft im privaten Bereich (Streit mit dem Partner etc.)

Wir wollen unsere Arbeitnehmer gerne an uns "binden" und wollen, dass sie sich gut fühlen, aus diesem Grund gibt es bei uns für alle nach der Probezeit eine betriebliche Krankenzusatzversicherung die wir als Arbeitgeber zahlen. Für die Kollegen die schon mehrere Jahre bei uns sind gibt es ein größes Paket der Krankenzusatzversicherung (inkl. Ein- bzw. Zweibettzimmer und Chefarztbehandlung im Krankenhaus).

Wie schon geschrieben wurde, sind nur glückliche Menschen wirklich sehr produktiv und fördern so den Umsatz der Firma und sichert so den eigenen Arbeitsplatz.

Soweit ich weiß existieren inzwischen auch Studien zur Arbeitsplatzzufriedenheit und letztendlicher Effektivität der Arbeit dazu. Fakt ist: Wer Angst um seinen Job hat oder Angst geschimpft zu werden oder keine Eigenverantwortung - arbeitet per se wesentlich ineffektiver als jene, denen das Alles geboten wird. Vom persönlichen Vorteil mit einem Gefühl der Zufriedenheit nach Hause zu gehen rede ich hier noch gar nicht.
Es ist eigentlich eine win-win Situation für alle insofern verstehe ich Arbeitgeber nicht, die ihre Mitarbeiter verheizen. Kurzfristiger Gewinn, dafür muss ich ständig neu ausbilden, die Mitarbeiter werden öfter krank, haben ein schlechtes Gefühl beim Arbeiten und das wirkt sich auch auf die Kunden aus. Niemand kann mir erzählen, dass die Kunden kein Gefühl dafür kriegen wenn sie ein Geschäft betreten nicht sofort zu wissen wie die Stimmung ist.
Bei extrem guten oder schlechten Chefs merkt man es sobald man dem 1. Mitarbeiter in die Augen sieht.

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Stimmt!

Die CEO's zahlen wenig Lohn, die Leute können nicht mehr bis zur Rente arbeiten.

Bei mir bekommt man ein Gehalt das am Perfekt überleben kann und man darf gerne bei mir auch solange arbeiten wie man will auch z.B bis man 100 ist. Wenn ein Mitarbeiter nach seiner Tätigkeit bei uns in denn Ruhestand geht unterstützen wir in sogar weiter.

Die Arbeitswelt sollte netter sein. Der Profit kommt nicht von Unmenschlichkeit u. Gier. Eine Firma mit glücklichen Mitarbeitern macht sehr guten Umsatz. Das habe ich schon früh erkannt. 

Das mag ihn gewissen Bereichen der größeren Industrie so sein. Bei kleineren Unternehmen und in guten Berufsfeldern ist das überhaupt nicht der Fall. Wenn man allerdings zu den Zeitarbeit- und Heuschrecken-Firmen sieht.. dann ja, die gehen auch über Leichen.

Nein, die Arbeitswelt ist insgesamt erheblich besser geworden.

Arbeitnehmer genießen unter sehr vielen Aspekten Schutz vor Kündigungen, schlechten Arbeitsbedingungen und haben vielerlei Ansprüche. Eine Beschäftigung mit der Geschichte des Arbeitsrechts zeigt, dass vor gar nicht allzulanger Zeit weder ein Kündigungsschutz existent war, noch ein Anspruch auf Urlaub oder Lohnfortzahlung im Krankheitsfall bestand. All dies sind Errungenschaften die wir zu schätzen wissen sollten.

Auch Arbeitgeber sind keine Geier, sondern Menschen die beschlossen haben sich einer sehr hohen Verantwortung zu stellen und Arbeitsplätze für andere zu schaffen.

Natürlich gibt es sowohl bei Arbeitnehmern, als auch bei Arbeitgebern Ausreißer. Es gibt Arbeitgeber die sich nicht wirklich für die Belange der Arbeitnehmer interessieren und nur auf kurzfristigen Gewinn achten. Es gibt auch Arbeitnehmer die keinen Finger mehr rühren als unbedingt erforderlich.

Steigen die Ansprüche in einer Gesellschaft, kommt es dennoch relativ schnell zu einer Unzufriedenheit. Meine Erfahrung ist, dass auch die arbeitsrechtliche Welt, gerade in Deutschland, sehr ausgeglichen ist. In der Regel werden auch Einkommen gezahlt, mit denen Arbeitnehmer gut leben können. Weniger zufriedenstellend ist sicherlich die Divergenz der Einkommen ganz unten und ganz oben. Hier geht meiner Ansicht nach die Schere zu weit auseinander und sollte gegengesteuert werden

Die meisten unternehmen sehen menschen nicht mehr als menschen, sondern als Ressourcen an. Wenn eine Nummer nicht effektiv genug ist, wird sie durch eine andere Nummer ausgetauscht. Wie es dem Menschen dabei geht, interessiert der firma null.

Heutzutage zählt nur noch die Leistungsgesellschaft. Wenn du die arbeit nicht in einer vorgegebenen zeit schaffst , steht schon der nächste Leiharbeiter  bereit.

Die zahl der firmen, wo es dem wohl des menschen geht, lässt sich an einer Hand abzählen 

Jaja, "früher" war alles besser, so wie damals, als wir jedes Jahr weiße Weihnachten hatten, Sonnenschein von Juni bis September und der Chef dem kleinen Arbeiter persönlich zum Geburtstag gratuliert hat...

Die Menschen waren damals nicht weniger gierig, Mitarbeiter waren einfach knapp und damit "wertvoll".

Wenn man sich mal anschaut, wie "kaputt" Rentner früher waren, müsste man aber eigentlich erkennen, dass die Leute auch damals "verheizt" wurden...

In die Hände von Arbeitnehmer-Verleihagenturen begeben sich die Leute meist freiwillig und wer "Callcenter-Agent" wird und sich dann wundert, wie er arbeiten soll, der hat sich vorher nicht ausreichend informiert.

sondern nur noch verheizung von Nummern (Menschen)

Wir haben es selbst in der Hand uns nicht zur Nummer machen zu lassen.

Wer allerdings ständig vor Drohungen auf finanzielle Einbußen kuscht outet sich selbst als

 gieriger Geier

Jo, da hat er recht. Ist aber generell so.. sonst gäbe es keine Armut und Tod durch Hunger.

Absolut richtig.
Früher war es keine Seltenheit, dass man in seinem Leben nur einen Arbeitgeber hatte, bei dem man bis zur Rente blieb.

Sowas geht nur mit gegenseitigigem Respekt.

Sowas gibt es heute fast gar nicht mehr.

Der deutsche Arbeitsmarkt hat ein hässliches Gesicht. (Ausnahme-Unternehmen bestätigen die Regel).

Wenn man nicht muss, möchte man sich ihm nicht zuwenden. Und erst recht dann nicht, wenn man überzeugt ist, dass es 100 mal besser ginge.

Ich gebe ihm recht.

Ich bin hoch zufrieden mit meinem Job und habe die passende Einstellung dazu. Mittlerweile verdiene ich sehr gut und kann sehr gut von meinem Einkommen leben. Ohne Fleiß und harte Arbeit, darf man sich nicht wundern.

Die meisten Menschen sind nur noch austauschbare zahnrädchen im bauch einer riesigen laufenden Maschine

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