Warum sind manche Sprachen schwerer zu erlernen als andere?

4 Antworten

Wenn eine Sprache ganz anders funktioniert als die Muttersprache und alle Fremd­sprachen, die man sonst noch kann, dann fällt das Erlernen oft besonders schwer. Das ist aber dann eine persönliche Sache zwischen dem Lerner und der Sprache, nicht eine objektive Eigenheit der Sprache. Jemand, der ähnliche Sprachen kennt, lernt sie nämlich vielleicht ganz leicht.

Es gibt aber wirklich Sprachen, die den meisten Lernenden schwerfallen. Das sind solche, bei denen mehrere unkte zusammenkommen, die ein Erlernen erschweren:

  • Vielleicht hat sie komische und im Vergleich durch alle Sprachen weltweit seltene Laute. Wenn jemand eine solche Sprache lernt, dann ist es wahrscheinlich, daß er diesen Lauten noch nie begegnet ist und daher Schwierigkeit hat, sie korrekt zu verstehen und auszusprechen.
  • Vielleicht hat sie eine besonders irreguläre Grammatik, und man muß zu jedem Vokabel noch viel Extrainformation dazulernen (z.B., wie der Plural aussieht, oder wie man eine vergangene Zeit bildet).
  • Wenn man eine Sprache aus einer neuen Sprachfamilie lernt, dann sind auch die Vokabeln schwer zu merken weil sie an nicht erinnern, was man schon kennt.
  • Manche Schriften sind einfacher und andere komplizierter. Manchmal korre­spon­diert die Schrift gut zur Aussprache, und manchmal nicht.

Ein Beispiel für eine Sprache, die die meisten dieser Schwierigkeitskriterien erfüllt, ist ქართული ენა kartuli ena bzw. Georgisch. Es enthält komische „ejektive“ Laute, die ein Ungeübter kaum erkennen und nur unter Anstrengung produzieren kann. Die Gram­matik ist ziemlich kunterbunt, mit Verben, die tun und lassen, was sie wollen. Die Vokabeln erinnern Dich an nichts, was Du schon einmal gehört hast (außer bei den russischen Fremdwörtern, da hast Du Chancen, daß Du sie erkennst). Die Schrift ist zwar im Prinzip einfach (jeder Buchstabe steht für einen Laut), aber die Buch­staben­formen muß man sich trotzdem merken.

Oder nimm 漢語 Hànyǔ also Chinesisch. Phonetisch ist die Sprache ganz anders, als alles, was in Europa gesprochen wird: Die Konsonanten sind komisch, die Vokale mit ihren Tönen dagegen richtig grauenvoll, und die Schrift ist extrem undurchsichtig. Jemand mit einer tonalen Muttersprache, z.B. Việtnamisch, wird sich damit viel leich­ter tun als jemand, für den Töne ganz neu sind.

Woher ich das weiß:Hobby – Angelesenes Wissen über Sprach­geschich­te und Grammatik

Für uns Deutsche, die wir eine rein grammatische Sprache gewöhnt sind, ist es natürlich leichter, andere grammatische Sprachen wie Spanisch, Französisch etc. zu lernen als z. B. Tonsprachen. Chinesisch beispielsweise ist eine Sprache, die von der Grammatik her sehr leicht zu lernen ist, Knackpunkte sind aber die unterschiedlichen Töne sowie die Aussprache (viele Laute, die mit retroflexer Zunge gebildet werden) und die Schriftzeichen, deren Erlernen viel Zeit beansprucht.

Sprachen aus einer anderen Sprachfamilie, mit anderen Lauten sind schwerer zu erlernen. Englisch und Deutsch sind verwand. Deutsch und... sagen wir Japanisch nicht. Ergo ist japanischer schwerer zu lernen.

Je weiter eine Sprache von der Muttersprache entfernt ist, um so schwieriger ist sie zu erlernen.