“Ich bin Feministin, aber will im Bett trotzdem dominiert werden” - Findet ihr das widerspricht sich?
Hi, hab auf Insta ein Reel davon gesehen.
Einerseits sollte man Bettgeschichten ja vom Leben außerhalb trennen können, andererseits, kämpft man als Feminist aber in der Regel gegen die Geschlechterrollen und eine submissive Frau entspricht dem ja genau.
Findet ihr die Aussage widerspricht sich?
40 Stimmen
8 Antworten
Warum sollte sich das denn widersprechen? Wenn man da einen Widerspruch sieht, was für ein Menschenbild hat man denn?
"Im Bett dominiert werden" bedeutet aus meiner Sicht NICHT, dass der Partner einen missbraucht bzw. die eigenen Wünsche (die der Partnerin) missachtet, sondern dass sich beide einig sind, dass er sie körperlich im Rahmen der vorher besprochenen Grenzen "dominiert". Das hat nichts mit seinem Respekt vor ihr zu tun (wenn doch, sollte sie die Beziehung schnellstens beenden) und nicht mit seinem Frauenbild, also seinem Wunsch, dass Frauen Männern in jeder Hinsicht gleichgestellt sind, wofür ja eigentlich der Feminismus steht.
Wenn sie natürlich Extremfeministin wäre, die der Ansicht ist, Männer müssten sich in allem der Frau unterordnen und quasi für ihre Existenz entschuldigen, dann wäre es halt fraglich, welcher Mann sich überhaupt darauf einlässt. Dann könnte es ein eher devoter Mann sein. Wobei es ja auch Paare gibt, bei denen bspw. der Mann die Frau körperlich "dominiert" (im Rahmen ihrer Wünsche, nicht im Sinne von Misshandlung) und die Frau dafür den Mann emotional dominiert, also unterbuttert, verbal fertigmacht. Das ist aus meiner Sicht nicht gesund, aber ich kannte tatsächlich ein Paar, das so eine Beziehung hatte und offen darüber sprach. Die Frau WOLLTE, dass er sie beim Sex sehr festhielt, so dass sie davon auch blaue Flecken an den Armen hatte (was ich eben weiß, weil sie sehr offen darüber sprach), dafür traute er sich nicht, ohne ihre Erlaubnis frei seine Gedanken zu äußern und vergewisserte sich immer, dass es okay war, was er sagte. Angeblich waren beide damit zufrieden.
Auch, wenn das der Wunsch beider ist?
Es ist ja auch nicht antifeministisch, wenn ein Paar vereinbart, dass nur der Mann arbeiten geht und die Frau Hausfrau ist - wenn das halt der Wunsch beider Partner ist. Genauso wäre es umgekehrt nicht antifeministisch, also der Mann macht den Haushalt, die Frau arbeitet.
Es geht doch bei patriachalen Strukturen um einen Mangel an Wahlmöglichkeiten, um Zwänge, die Frauen nicht oder schwerer als Männer umgehen können. Also, eine Frau "darf" auch Pilotin oder BWLerin oder Ärztin werden und verdient dabei genauso viel wie ein Mann, sie darf aber auch Pflegerin, Erzieherin oder Hauswirtschafterin werden. Der Feminismus würde sich meines Wissens dafür einsetzen, dass dann auch Männer genauso selbstverständlich Erzieher, Hauswirtschafter oder Pfleger werden dürfen, was ja heute schon der Fall ist.
Es ist ja auch nicht antifeministisch, wenn ein Paar vereinbart, dass nur der Mann arbeiten geht und die Frau Hausfrau ist
Weiß ich nicht, ist die Frage. Man lebt klassische Rollenbilder und normalisiert sie dadurch ein Stück weit oder?
Genauso wäre es umgekehrt nicht antifeministisch, also der Mann macht den Haushalt, die Frau arbeitet.
Ne, weil das entgegen der klassischen Rollenbilder wirkt.
Bei Feminismus geht es um Gleichberechtigung im Alltag, in der Politik und im gesellschaftlichen Sinne. Eine devote Neigung im Bett hat damit nichts zutun.
Hier ein Beispiel: Ein Polizist setzt sich in seinem Beruf aktiv gegen Gewalt ein. Trotzdem kann er im Bett auf Schmerzen stehen.
Okay dann ein anderes Beispiel: Ein weißer setzt sich im Alltag aktiv gegen Rassismus ein. Trotzdem steht er auf Sklaven-Rollenspiele im Bett mit seinem schwarzen Partner
Man kann für Frauenrechte sein und sexuelle Vorlieben haben, wo soll sich das widersprechen?
Es kann fatal enden, wenn ma eine Feministin dominieren will.
Sexuelle Präferenzen und Fetische sind unabhängig von moralischen oder politischen Einstellungen
Es verstärkt und normalisiert ja trotzdem klassische Rollenbilder
Ich verstehe was du meinst, aber zu Feminismus gehört auch sexuelle Selbstbestimmung der Frau. Eine Frau darf jeden Fetisch haben und wenn sie eben darauf steht, sexuell dominiert zu werden und dies - natürlich mit Einverständnis des Partners - auslebt und dazu steht, anstatt nur die sexuellen Fantasien ihres Partners nach zu kommen, ist das auch eine Form von Feminismus.
und wenn sie eben darauf steht, sexuell dominiert zu werden und dies - natürlich mit Einverständnis des Partners - auslebt
Aber denkst du zb viele stehen nur darauf, aufgrund von gesellschaftlicher und kultureller Prägung und aufgrund vom Einfluss des Patriarchats auf Frauen? Also halt weil Frauen so lange gesagt wurde das sie unter Männern sind und submissiv zu sein haben?
Vorallem wenn kollektiv sehr viele diese sexuelle Vorliebe haben, dann bleiben solche klassischen Rollenbilder ja für immer.
Also will das nicht verurteilen, bin selber so, aber denke nur laut und versuche mir da eine Meinung zu zu bilden
Aber es unterstützt doch troztdem patriarchale Strukturen und klassische Rollenbilder zb