Wurden englische Begriffe in der Alltagssprache der DDR verwendet?

7 Antworten

Wir haben in der DDR, gelebt nicht hinter dem Mond. Natürlich gab es auch in der DDR Anglizismen. Das beste Beispiel dafür ist doch Inter-Shop. Wer meint es wurden solch vollkommen unsinnige Begriffe gebraucht, wie uns heute weiß gemacht werden soll, hat von der DDR keine Ahnung.

Naja, ganz so eindeutig scheint das gar nicht zu sein. Dass solche Lehnwörter in den 80ern gängig waren, allein schon druchs Westfernsehen, finde ich auch noch absolut nachvollziehbar.

Aber die Frau, um die es geht, hat ja Bücher in den 60ern (!) (re)zensiert und auf ihren ideologischen Zusammenhang abgeklopft. Ihr Job war also 'saubere' und vor allem (im weitesten Sine) 'regimetreue' Sprache. Da sind Anglizismen schon auffällig.

Plus ich habe auch schon mit Menschen gesprochen, die in den 60ern/70ern groß geworden sind (in Ost-Berlin), die ganz klar gesagt haben: Sowas durften wir gar nicht sagen.

Von daher wollte ich mal ein paar andere Meinungen hören, um in die richtige Richtung zu recherchieren.

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@hcgs97

Okay, wenn du 40 Jahre DDR und 16 Mio. Bürger auf eine Person reduzierst dann war es wohl so. Soll übrigens heute auch Leute geben die der Meinungs sind wir dürfen solch böse Worte nicht sagen, habe da letztens so einen getroffen. Darf ich sie nun nicht mehr benutzen.

40 Jahre x 16 Mio. Ew. => Alltagssprache

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@Nomex64

Der einzige der hier grade pauschalisiert, bist du doch. Ich habe doch gerade erklärt, dass ich einfach ein paar Meinungsbilder von anderen Menschen hören wollte, um mich nicht auf irgendeinen vagen Blödsinn festzulegen.

Und überhaupt, wenn du die Frage schon unsinnig findest, warum antwortest du dann nur um zukacken?

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Ja, klar gab es Anglizismen und zwar jede Menge. Mir fallen gerade ein: Combine (Maehdrescher), Broiler (Haehnchen), Dispatcher (jemand, der fuer die zentrale Lenkung und Kontrolle des Arbeitsablaufs - workflows - in der Produktion und im Verkehrswesen zustaendig ist), diese kamen ueber das Russische. Und dann gab es noch direkte Entlehnungen aus dem Englischen oder Neuschoepfungen aus der DDR wie Intershop (Geschaeft fuer den Verkauf von auslaendischen Waren). Feature, Show, Fan, Camping. Rallye, Make-up usw.

Darueber hinaus gab"s Mischwoerter (Denglisch) Vietnam-Killer, Luftgangster, High Society, Kongress-Lobby, Manager, Gewerkschaftsboss usw. mit politischen negativen Konnotationen. Natuerlich gab es noch die Woerter, die vor 1945 entlehnt wurden.

Die an der Regierung waren, mochten Anglizismen absolut nicht, sozusagen aus politischen Gründen. Das war aber für die Bevölkerung nur ein Grund, sie nun erst recht zu verwenden!!! Kein Schwein hat Brettsegeln gesagt, immer surfen!!! Ebenso die andern Worte, Kassettenrecorder, Broiler, cool, Computer Knowhow usw. Mfg

Natürlich der unten angesprochene "Broiler". Wobei der englische "broiler" keineswegs mit dem DDR-Broiler zu vergleichen war. Ersterer war nämlich quicklebendig.
Gruß, earnest

Wer will, kann die verschlungenen Wege des Broilers hier nochmal nachlesen: http://de.wikipedia.org/wiki/Broiler

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@adabei

Nett! Vielleicht sollten wir jetzt auch die Fraganten umbennen in: Goldbroiler, Silberbroiler und Bronzebroiler?

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Oh yes; wir haben z. B. gesagt:

"mai hemmd is gledschness" oder

"heff ju ä worderklosedd or shidd ju off emmer".


Solche Anglizismen wurden genau so gebraucht wie in der damaligen BRD, vielleicht ein wenig quantitativ unterschiedlich, weil sich Sprache immer an den realen Gegebenheiten orientiert und bestimmte Begriffe aus dem BRD-Deutsch und damit auch deren "Veranglisierung" eben in der DDR gar nicht bekannt waren: z. B. "hardcore-por.no", "headhunter", "workaholic", "mortgage debenture" (u. a. Fachbegriffe aus der Finanzwelt), "outsourcing", uvam.

Ich erinnere mich nur an die zunehmende Bedeutung der englischen Sprache, weshalb (fast) jeder DDR Bürger auf die Frage, "Do you speak english!" in bestem Oxford-English antworten konnte: "jäs än paar brooken!"

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@babulja

So geht es jemandem aus dem Westen, den ich kenne, auch.

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