Wurden englische Begriffe in der Alltagssprache der DDR verwendet?

8 Antworten

Oh yes; wir haben z. B. gesagt:

"mai hemmd is gledschness" oder

"heff ju ä worderklosedd or shidd ju off emmer".


Solche Anglizismen wurden genau so gebraucht wie in der damaligen BRD, vielleicht ein wenig quantitativ unterschiedlich, weil sich Sprache immer an den realen Gegebenheiten orientiert und bestimmte Begriffe aus dem BRD-Deutsch und damit auch deren "Veranglisierung" eben in der DDR gar nicht bekannt waren: z. B. "hardcore-por.no", "headhunter", "workaholic", "mortgage debenture" (u. a. Fachbegriffe aus der Finanzwelt), "outsourcing", uvam.

Ich erinnere mich nur an die zunehmende Bedeutung der englischen Sprache, weshalb (fast) jeder DDR Bürger auf die Frage, "Do you speak english!" in bestem Oxford-English antworten konnte: "jäs än paar brooken!"

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@babulja

So geht es jemandem aus dem Westen, den ich kenne, auch.

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nein, die einzigen, die englisch sprachen waren die englisch-lehrer und -schüler. :)

in der ddr gab es für alles einen eigenen und völlig einzigartigen wortschatz. da waren anglizismen vollkommen unnötig.

hab dir hier mal was rausgepobelt:

Brettsegeln – offizielle Bezeichnung für Windsurfen
Brigade – kleinstes Kollektiv im Produktionsprozess, eine für einen bestimmten Bereich verantwortliche Arbeitsgruppe
Broiler, auch Goldbroiler – Brathähnchen
Bruderländer – Bezeichnung für sozialistische ('gleichgesinnte') Länder
Bückware – begehrte Artikel, die nicht in den Regalen, sondern vor den Blicken der Käufer verdeckt unter dem Ladentisch lagerten (und zu denen sich der Verkäufer bücken musste).

http://de.wikipedia.org/wiki/Sprachgebrauch_in_der_DDR#Liste_DDR-typischer_W.C3.B6rterundNeusch.C3.B6pfungen

nein, anglizismen waren echt nicht nötig :) das beste beispiel ist surfen

lg :)

Ach cool! Danke für den Wikipedia-Link, seltsam, dass ich den einfach mal nich gefunden habe???!! Danke!

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Das einzige Wort, das hier rausfällt, ist "Broiler". Das ist nämlich ein Anglizismus. Ich habe mich schon immer gefragt, warum dieses Wort verwendet wurde.

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@adabei

das wurde aber so richtig fein "eingedeutscht" :) die herkunft des wortstamm und seiner anwendung finde ich echt verblüffend

xD

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@snugata

Sorry Snugata - in den 80ern hat die Jugend durch Musik, Technologie und aufkommende Computer längst genauso halbenglisch gelabert wie der Rest der Welt. Im "Business" gabs das natürlich nicht, aber der Seniorconsultant kam eh erst in den späten 90ern auf.

Ok, in Sachsen hörte sich das alles noch ein wenig weniger englisch an, aber trotzdem ;-)

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@Jorgfried

heu jorgfried - hallöchen

du musst dich echt nicht entschuldigen, das hat sicher auch jeder anders erlebt. ich hab keine ahnung wie alt du bist, aber ich kenne diese begriffe alle erst seit nach der wende

das einzige, was ich noch so in der edv-branche (xD) mitbekommen habe, war basic und pascal, einfach unglaublich!

in sachsen konnte man in den 90er so richtig sänglisch breien - du glaubst nicht, wie peinlich das war. ich war noch recht jung und bekam beim puren hören drahthaare :)

ich wünsch dir noch viel spaß :)

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@snugata

Ich war zwar nur meine ersten 6 Jahre Sachse bevor ich zu den Preussen desertiert bin, aber ich weiss genau was du meinst :D

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@Jorgfried

äscha, nach preussen?! - vorrädor!

dutt mor äschd leid fier dich :)

aber angeregt von dieser niedlichen frage, bin ich gestern noch drauf gekommen, dass es doch noch was gab - eine kosmetikserie namens: action :) (sächsisch: ägdschn xD).. und wir sind getrampt (dafür gab es kein anderes wort)

desweiteren hab ich mal so überlegt, was wir so im sprachgebrauch hatten..

wir waren nicht campen, sondern zelten;

es gab keine high-heels, sondern absatzschuhe ("salamander" waren die begehrtesten)

wir haben nicht recycelt, sondern altstoffe gesammelt (was nebenbei bemerkt auch sehr lukrativ war )

die landwirtschaft wurde im sprachgebrauch als kolchose bezeichnet (was sachlich eigentlich nicht 100%ig richtig war. die älteren leute sagen das auch heute noch)

ein ärztehaus war eine poliklinik

es gibt noch viele bsp. - die ddr war eben sehr speziell :)

vielen dank für diese herrliche frage xD

lg :)

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@snugata

Haha, danke - und bitte, gern geschehen :)

Danke für die interessanten Kommentare!!! Aber nur für mich: Ihr habt also ganz bewusst erst die 80er Jahre in der DDR miterlebt, ja?

Denn leider war meine Zensorin vor allem in den 50er/60er Jahren aktiv. Aber schön, dass euch das Erinnern Spaß gemacht hat :D

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@hcgs97

hihi :)

hab mal mit meinen eltern gesprochen.. sie haben nicht nur sehr viel gelesen, sie waren viel unterwegs und haben auch vieles erlebt.

sie haben mir versichert, dass es auch zu dieser zeit (abgesehen von musiktiteln und interpreten und evtl modetänzen) keine anglizismen gab..

da englisch in ihrer generation kein schulfach war, konnten die meisten eben auch nix mit der sprache anfangen.. wir hatten immer sehr viel spaß, wenn meine wirklich gebildeten eltern englische namen oder titel vorlasen -- oh man, gleich bekomme ich wieder einen lachkoller :)

für mich ist das die logischste erklärung.. es wäre vielleicht noch vorteilig, herauszufinden, ab wann das fach englisch in den schulen (POS) bzw. beim abi (EOS) eingeführt wurde

vielleicht hilft dir das ja ein wenig weiter.. immerhin haben wir deine frage als kleine ausflugsplattform genutzt :)

lgchen :)

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Ja, klar gab es Anglizismen und zwar jede Menge. Mir fallen gerade ein: Combine (Maehdrescher), Broiler (Haehnchen), Dispatcher (jemand, der fuer die zentrale Lenkung und Kontrolle des Arbeitsablaufs - workflows - in der Produktion und im Verkehrswesen zustaendig ist), diese kamen ueber das Russische. Und dann gab es noch direkte Entlehnungen aus dem Englischen oder Neuschoepfungen aus der DDR wie Intershop (Geschaeft fuer den Verkauf von auslaendischen Waren). Feature, Show, Fan, Camping. Rallye, Make-up usw.

Darueber hinaus gab"s Mischwoerter (Denglisch) Vietnam-Killer, Luftgangster, High Society, Kongress-Lobby, Manager, Gewerkschaftsboss usw. mit politischen negativen Konnotationen. Natuerlich gab es noch die Woerter, die vor 1945 entlehnt wurden.

Die an der Regierung waren, mochten Anglizismen absolut nicht, sozusagen aus politischen Gründen. Das war aber für die Bevölkerung nur ein Grund, sie nun erst recht zu verwenden!!! Kein Schwein hat Brettsegeln gesagt, immer surfen!!! Ebenso die andern Worte, Kassettenrecorder, Broiler, cool, Computer Knowhow usw. Mfg

Natürlich der unten angesprochene "Broiler". Wobei der englische "broiler" keineswegs mit dem DDR-Broiler zu vergleichen war. Ersterer war nämlich quicklebendig.
Gruß, earnest

Wer will, kann die verschlungenen Wege des Broilers hier nochmal nachlesen: http://de.wikipedia.org/wiki/Broiler

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@adabei

Nett! Vielleicht sollten wir jetzt auch die Fraganten umbennen in: Goldbroiler, Silberbroiler und Bronzebroiler?

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