Warum benutzt man heutzutage so viele Anglizismen?

8 Antworten

"Sprachen entwickeln sich weiter" ist zu pauschal. Vergleicht man Deutsch mit Ungarisch sieht man, dass es im deutschen wesentlich mehr anglizismen gibt, als im ungarischen. Vor allem viele Neubesetzungen um bestehende zu ersetzen. Nun mag jemand sagen, dass ungarisch eine isolierte Sprache ist, die sich nur aus sich selbst herraus erneuern kann, im Gegensatz zum deutschen, das Teil einer unweigerlich größeren Sprachgruppe ist, in der wesentlich mehr Faktoren in den Sprachgebrauch einspielen können. Dem gegenüber stelle ich das Französische, dass sich ebenfalls besser seine Eigenheiten bewahren kann, als das Deutsche. Die deutsche Sprache ist anfällig für fremdwörter - bzw. die Sprecher der Sprache sind es. Vor 100 Jahren war französisch tatsächlich ähnlich Einflussreich wie heute das englische, dass man viele Fremdwörter aus dieser Sprache übernommen hat ist aber ein deutsches Kulturphänomen. Wer damals möglichst viel französisch sprach grenzte sich in erster Linie ab und demonstrierte nach außen eine soziale/intellektuelle Überlegenheit. Wer diese "Modewörter" nicht spricht und sich nur des deutschen bedeint, wird als plump und primitiv empfunden. Das gibt es auch woanderst, ist aber in Deutschland ein weit verbreitetes Phänomen...das mit der Sprache von den Mitmenschen Abgrenzen. Das sieht man auch an den Schreibweisen der Wörter: Meist werden sie eins zu eins aus der fremden Sprache übernommen, wer dann "genre" oder "fashion" falsch schreibt, wird belächelt (das weiß man doch..). Es deutsch zu schreiben, wäre auch zu einfach. Oder es werden grammatikalische Formen übernommen und man ist verpöhnt wenn man "Espressos" anstatt "Espressi" sagt. "Das ist falsch" - warum? Weil man das Plural in Italien anderst bildet?

Es also als normale Sprachentwicklung abzutun ist zu einfach. Der übermäßige gebrauch von Fremdwörter in der deutschen Sprache, egal, ob es nun englische, französische oder chinesische sind, ist ein ausgesprochen kulturelles Phänomen.

Hallo,

die Sprach- und Wortwanderung ist keine Einbahnstraße und auch nicht neu.

Wir importieren Wörter aus dem Englischen und aus anderen Sprachen, exportieren aber genauso deutsche Wörter ins Englische und in andere Sprachen.

Manche davon werden in der Schreibweise übernommen (kindergarten), andere angepasst (dt. Keks = engl. cakes = Kuchen pl.).

Zu den 'ausgewanderten' deutschen Wörtern, die nach England und Amerika ausgewandert sind, gehören u.a. blitzkrieg, autobahn, kindergarten (aus der Zeit des 3. Reiches) und rucksack (ein Wort, was durch die Weltkriege in Ausland gelangte).

Aber auch: Gemütlichkeit, Zeitgeist, Wunderkind, Bauhaus, Ding an sich, Schnitzel, Pretzel, bratwurst, sauerkraut, beerfest, Doppelgänger, Schnaps, dachshund, gedankenexperiment, fahrvergnuegen usw.

Ganz interessante Artikel dazu kannst du ergoogeln unter:

  • Deutsche Wörter ein Exportschlager

  • Diese deutschen Wörter werden im Ausland benutzt

Außerdem gibt es in der deutschen Sprache auch und weit mehr lateinische und griechische Wörter als englische, worüber man sich bei weitem nicht so aufregt, wie über die Anglizismen.

Wenn man wie so oft gefordert wird, sämtliche (Schein-) Anglizismen aus der deutschen Sprache verbannen würde, wie es sooft von allen möglichen Seiten gefordert wird, täte man sich schwer. Mir fallen auf Anhieb 20 'englische' Wörter ein (Job, Sweatshirt, Gangster, Computer, Hobby, Champion, Walkman, Camping, Band, Jeans, Popstar, Hit, Shorts, Steak, Toast, Clown, Popcorn, Keyboard, Disco, Cornflakes), die wir jeden Tag ganz selbstverständlich verwenden, ohne uns darüber Gedanken zu machen.

Dazu verweise ich immer wieder gerne auf folgenden Video-Clip mit Thomas Freitag.

Viel Spaß bei der Lektüre und beim Anschauen!

:-) AstridDerPu

http://www.youtube.com/watch?v=krDRo0Y7WAM

Mein Rezept gegen zu viele Anglizismen ist, daß es ziemlich sicher ist, daß Leute mit vielen englischen Floskeln meist sehr schlecht Englisch können. Wenn man das intensiv publik machen würde als Zeichen von Unfähigkeit das richtige Wort zu finden, könnte man die eitlen Typen vielleicht zur Einsicht bringen. Beispiel "Handy" heißt in USA und Großbrit. "Handlich". Niemand weiß dort, daß damit ein Mobiltelephon gemein sein könnte.

Persönlich fand ich es ja schöner, als der "Bodybag" hierzulande zum modischen Accessoire – Verzeihung, zeitgemäßer Staffage – wurde. Dauernd haben mich englische Freunde gefragt, warum hier plötzlich alle Frauen mit Leichensäcken herumlaufen wollten und ob wieder Krieg in Deutschland herrsche.

Ich war kurz davor, ein Spendenkonto einzurichten.

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