Warum benutzt man heutzutage so viele Anglizismen?

14 Antworten

Hallo,

die Sprach- und Wortwanderung ist keine Einbahnstraße und auch nicht neu.

Wir importieren Wörter aus dem Englischen und aus anderen Sprachen, exportieren aber genauso deutsche Wörter ins Englische und in andere Sprachen.

Manche davon werden in der Schreibweise übernommen (kindergarten), andere angepasst (dt. Keks = engl. cakes = Kuchen pl.).

Zu den 'ausgewanderten' deutschen Wörtern, die nach England und Amerika ausgewandert sind, gehören u.a. blitzkrieg, autobahn, kindergarten (aus der Zeit des 3. Reiches) und rucksack (ein Wort, was durch die Weltkriege in Ausland gelangte).

Aber auch: Gemütlichkeit, Zeitgeist, Wunderkind, Bauhaus, Ding an sich, Schnitzel, Pretzel, bratwurst, sauerkraut, beerfest, Doppelgänger, Schnaps, dachshund, gedankenexperiment, fahrvergnuegen usw.

Ganz interessante Artikel dazu kannst du ergoogeln unter:

  • Deutsche Wörter ein Exportschlager

  • Diese deutschen Wörter werden im Ausland benutzt

Außerdem gibt es in der deutschen Sprache auch und weit mehr lateinische und griechische Wörter als englische, worüber man sich bei weitem nicht so aufregt, wie über die Anglizismen.

Wenn man wie so oft gefordert wird, sämtliche (Schein-) Anglizismen aus der deutschen Sprache verbannen würde, wie es sooft von allen möglichen Seiten gefordert wird, täte man sich schwer. Mir fallen auf Anhieb 20 'englische' Wörter ein (Job, Sweatshirt, Gangster, Computer, Hobby, Champion, Walkman, Camping, Band, Jeans, Popstar, Hit, Shorts, Steak, Toast, Clown, Popcorn, Keyboard, Disco, Cornflakes), die wir jeden Tag ganz selbstverständlich verwenden, ohne uns darüber Gedanken zu machen.

Dazu verweise ich immer wieder gerne auf folgenden Video-Clip mit Thomas Freitag.

Viel Spaß bei der Lektüre und beim Anschauen!

:-) AstridDerPu

http://www.youtube.com/watch?v=krDRo0Y7WAM

Weil wir Deutsche, im Gegensatz zu den Franzosen, nicht auf Reinheit der Sprache achten.

Weil wir weltmännisch erscheinen wollen.

Weil Firmen uns das ständig vormachen. Deutsche Bahn: meeting point, ticket, call center, surf and rail, night city line, buffet, brunch, park and ride, service point, stewardess, mobility, networks, logistics, car sharing, call a bike, mobile services, call a bike, rent a car, carsharing, city express, intercity, regio express, handicap, investor relations, info terminal, intermodal, powerhouse, ocean freight, info center, first class service, ...

Gesprochene Sprache entwickelt sich. Vor hundert Jahren war es noch total en vogue und chic, im Deutschen ständig französische Begriffe einzuflechten.

Durch die Änderung der politischen Landschaft und die immer stärkere Vernetzung -- und nicht zuletzt durch die Wahl der englischen Sprache zur "Weltsprache" Anfang der 1930er Jahre -- ist momentan Englisch sehr trendy und cool. ;-)

Mal sehen, ob unsere Enkel Afrikanisch oder Chinesisch ins Deutsche mischen oder ob dann überhaupt noch Deutsch gesprochen wird.

Panta rei -- alles fließt.

Natürlich entwickelt sich eine Sprache auch dadurch das Fremdworte übernommen werden. Ich finde aber das man das echt übertreibt und viele Menschen, die diese Worte benutzen, einfach nicht wissen was sie da reden. Sie wollen wahrscheinlich damit erreichen das meint, sie wären gebildet.

0
@Lola60

Das war vor 100 Jahren mit dem Französischen schon genauso ... und vor 400 Jahren mit Latein ...

Entspann Dich und versuch, das Beste daraus zu machen. Und kämpfe mit Engelsgeduld gegen Deppenapostrophs usw.

0
@UlfDunkel

Allerdings werde ich mir dann wohl vorkommen wie Don Quichote mit seiner Windmühle

0
@schurke

Das französische "chic" kommt aber aus dem deutschen "schick". (Schlaumeier lässt grüßen)

0

"Sprachen entwickeln sich weiter" ist zu pauschal. Vergleicht man Deutsch mit Ungarisch sieht man, dass es im deutschen wesentlich mehr anglizismen gibt, als im ungarischen. Vor allem viele Neubesetzungen um bestehende zu ersetzen. Nun mag jemand sagen, dass ungarisch eine isolierte Sprache ist, die sich nur aus sich selbst herraus erneuern kann, im Gegensatz zum deutschen, das Teil einer unweigerlich größeren Sprachgruppe ist, in der wesentlich mehr Faktoren in den Sprachgebrauch einspielen können. Dem gegenüber stelle ich das Französische, dass sich ebenfalls besser seine Eigenheiten bewahren kann, als das Deutsche. Die deutsche Sprache ist anfällig für fremdwörter - bzw. die Sprecher der Sprache sind es. Vor 100 Jahren war französisch tatsächlich ähnlich Einflussreich wie heute das englische, dass man viele Fremdwörter aus dieser Sprache übernommen hat ist aber ein deutsches Kulturphänomen. Wer damals möglichst viel französisch sprach grenzte sich in erster Linie ab und demonstrierte nach außen eine soziale/intellektuelle Überlegenheit. Wer diese "Modewörter" nicht spricht und sich nur des deutschen bedeint, wird als plump und primitiv empfunden. Das gibt es auch woanderst, ist aber in Deutschland ein weit verbreitetes Phänomen...das mit der Sprache von den Mitmenschen Abgrenzen. Das sieht man auch an den Schreibweisen der Wörter: Meist werden sie eins zu eins aus der fremden Sprache übernommen, wer dann "genre" oder "fashion" falsch schreibt, wird belächelt (das weiß man doch..). Es deutsch zu schreiben, wäre auch zu einfach. Oder es werden grammatikalische Formen übernommen und man ist verpöhnt wenn man "Espressos" anstatt "Espressi" sagt. "Das ist falsch" - warum? Weil man das Plural in Italien anderst bildet?

Es also als normale Sprachentwicklung abzutun ist zu einfach. Der übermäßige gebrauch von Fremdwörter in der deutschen Sprache, egal, ob es nun englische, französische oder chinesische sind, ist ein ausgesprochen kulturelles Phänomen.

Weil sich alle so schrecklich wichtig vorkommen, kein Deutsch mehr koennen, fuer jeden Posten und Arbeitsplatz ne Wahnsinnsbezeichnung in die Stelleninserate schreiben, so wie frueher bei k und k, noch heute in Oesterreich, aber in deutsch. Nicht aufzuhalten Zeitgeschehen. Drueber weggehen, Sprache anwenden, die dem eigenen Schnabel entspricht. Aufregen ? Abgewoehnen.

Was möchtest Du wissen?