Wo liegt der Unterschied zwischen dem "historischen Jeusus" und dem "nachösterlichen?"

5 Antworten

Diesen Unterschied kennen wir leider nicht, da wir eigentlich nur Informationen vom "nachösterlichen" Jesus haben. Historisch ist nur sehr wahrscheinlich (ich tendiere zu "fast sicher"), dass er als historische Person gelebt hat, Jude war, gepredigt und evtl. auch geheilt hat. Sehr wahrscheinlich ist auch, dass er tatsächlich gekreuzigt wurde. Dass er das "freiwillig" als "Opfer" getan hat, ist bereits Theologie der Glaubenden. Einen neuesten Versuch, sich an den historischen Jesus heranzutasten, kann man in dem Buch von James D. Tabor "Die Jesus-Dynastie" nachlesen. Es handelt sich dabei um Thesen, die teils archäologisch unterfüttert sind, doch wie bei allen Thesen zu dieser Kernperson des Glaubens sind seine Thesen umstritten. Ich finde sie interessant, mehr aber nicht. Das Älteste der Überlieferungen und bereits ausschließlich aus der Hand von "Glaubenden" ist die Logienquelle Q, deren Interpretation man frei von platonischen Gedanken lesen sollte, denn es ist fraglich, ob der historische Jesus den Platonismus kannte und ihm in irgendeiner Form nahegestanden hat. Als Jude war sein Gott der Gott der Väter und nicht eine philosophische Konstruktion.

da wir eigentlich nur Informationen vom "nachösterlichen" Jesus haben

Das kann man so nicht sagen. Bultmann und seine Schule haben das behauptet. Mehr als "das dass seines Gekommenseins" könne man über den historischen Jesus nicht sagen, weil wir ihn angeblich wie Paulus kata sarka nicht kennen.

Nach Bultmann gab es aber den "new quest" nach dem hist. Jesus, schon einige Jahrzehnte ist das im Gange, und diese neue Nachfrage hat eine Menge an historischer Sicherheit zu Tage gefördert.

Schon P. Podkorny (Anfänge der Christologie) und besonders Schillebeekx (Jesus. Die Geschichte von einem Lebenden) haben das Ineinander von Erinnerung an den hist. Jesus und die Begegnung mit dem Auferstandenen detailiert beschrieben. Heute sind es vor allem Martin Hengel und Gerd Theißen, und eine ganze Menge anderer, die sich erfolgreich der Forschung über den hist. Jesus verschrieben haben.

So umstritten ist das alles längst nicht mehr.

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@Sonnenschnauz

@Sonnenschnauz

"die Begegnung mit dem Auferstandenen" setzt bereits den Glauben an eine Auferstehung voraus. Ich persönlich glaube zwar, dass Jesus wie seine Brüder historische Persönlichkeiten sind, von denen uns nur Jakobus als Herrenbruder bei Josephus außerhalb der "Erzählungen der Gläubigen" bestätigt ist. Selbst James D. Tabor verfährt so, dass er sich für eine Rekonstruktion zumindest auf die Logienquelle Q stützt. Dabei wählt er die Grundhypothese, dass Jesus und Johannes selbst sich als "von den Propheten vorausgesagte Gesandte der Letztzeit" sahen und so lebten und verkündeten. Die gegenteilige Hypothese besagt, dass die Erzählorientierung an den Propheten erst später von den Verkündern gewählt wurde, als Beleg der "Gottesgesandtschaft". Ich denke aber, dass weder der Beleg der Historizität noch irgendwelche Gottesbeweise, das Leerlaufen der Kirchen verhindern. Und das wäre das, was zählt.

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@berkersheim

Ich gehe mit dieser ziemlich scharfen Trennung zwischen "historisch" und "Glauben" nicht (mehr) konform. Denn der Glauben der frühen Kirche ist nicht bodenlos.

Zu Q: Die Quelle ist sehr wichtig. Aber sie ist nicht die einzige.

Tabor kenne ich nicht, aber zur Diskussion der Sache bräuchte man viel Zeit.

Das "Leerlaufen der Kirchen" ist wirklich ein Problem. Theologische Forschung füllt sie sicher nicht. Es ist die Botschaft. Die Frage ist letztlich, ob Menschen durch die Botschaft der Kirche "Heil von Gott her in Christus" so angeboten bekommen, dass es für sie zur Wirklichkeit wird.

Wir brauchen wohl eine ganz neue Reformation.

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@Sonnenschnauz

@Sonnenschnauz

Denn der Glauben der frühen Kirche ist nicht bodenlos.

Das behaupte ich nicht. Indem ich im Großen und Ganzen der Historizität der handelnden Personen zuneige, stützt sich meiner Meinung nach die Erzählung der frühen Kirche NICHT auf ein PHANTOM. Da bin ich konform.

Doch, selbst wenn Jesus nur drei Jahre aktiv gelehrt hat, ist die knappe Fassung der Evangelien einmal eine extrem straffe Auswahl, dazu eine Interpretation im Lichte des Glaubens, die uns ohne neutrale Berichte eine Rückführung aus den historischen Urbestand nicht machen lässt. Wenn wir mit anderen Dokumenten so verfahren würden, müssten wir den römischen Hymnen entnehmen, dass Augustus göttlich war. Doch zu ihm gibt es genügende Berichte nicht verklärender Art, die eine Trennung in Historie und verklärte Darstellung erlauben. Das ist das eine.

Das andere ist, dass aus pragmatischer Sicht (amerikan. Philosophenschuhe) der Glaube der Anhänger und ihre zunehmende Wirkkraft eine EIGENE REALITÄT darstellen, die es als solche wahrzunehmen gilt. Das ändert aber wieder nichts daran, dass die meisten einfachen Leute mit einer Formulierung "Heil von Gott her in Christus" nichts anfangen können. Das sind, sorry für den harten Ausdruck, theologische Floskeln einer fachspeziefischen Verkürzung einer viel komplizierteren Vorstellung.

Ich sehe dabei z.B. immer die Fragezeichen in den Augen von Firmlingen (habe ich als letztes gefilmt), wenn sie weder mit den Liedtexten noch mit Bischofspredigten etwas anfangen können. Und dann die Freude, wenn "der Zirkus" vorbei ist und es endlich wieder in die Welt der einfachen gewohnten Symbole und Sprache zurückgeht.

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vielleicht weil jesus nach ostern auferstanden ist und davor immer gepredigt hat...

Den Begriff nachösterlich hab ich zwar noch nie gehört, aber ich geh davon aus dass damit der Messias, also der Sohn Gottes gemeint ist und desen Botschaft, die bis heut überliefert ist. der historische Jesus hingegen war der Sohn eines Zimmermanns in Nazareth ;D

danke

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