Wieso werden keine Oldtimer mehr gebaut?

 - (Auto, Auto und Motorrad, Oldtimer)

19 Antworten

Eine Mercedes G - Klasse kannst Du nagelneu erwerben, die wird grundsätzlich seit 1979 gebaut. Am Beispielbild mit diesem wunderschönen Fahrzeug (ein Cadillac Eldorado Bj. 59-60, alleine schon der Name ein Genuss) erkennt man schön, weshalb sich heute niemand mehr die Mühe machen würde, sowas zu bauen. Beispielsweise besaß das Fahrzeug einen Leiterrahmen (man könnte ohne Karosse fahren), die drübergestülpte Karosse ist wenig starr, knickt an der nach hinten zeigenden A - Säule rasch ein, wie Aufprallversuche gegen neuere Pkw zeigen. Die Stoßfänger sind aus verchromtem Metall. Fußgängersicherheit = Wohl Null. Aufwand im Vergleich zu dem lackierten Plastikglump von heute: Immens. Wollte man es richtig machen, hätte das Produkt den Charakter einer Einzelanfertigung, wäre somit extrem exklusiv.

Also deine Frage finde ich schon witzig - aus Gründen der Semantik.

Weißt du, was ein Oldtimer ist?

Das ist ein Fahrzeug, das nicht mehr gebaut wird, ein bestimmtes höheres Alter hinter sich gebracht hat.

Von der StVZO ist ein Oldtimer ein Fahrzeug, das 30 Jahre und älter ist - hat mit H-Kennzeichen nichts zu tun.

Somit kann man einen Oldtimer nachbauen oder die Original-Produktion wieder aufnehmen.

In letzterem Fall ist die Betriebsgenehmigung rel. einfach, weil diese bereits erteilt war.

Jedoch müssen zwingende Änderungen vorgenommen werden (Blinker statt Winker, Nachrüstung Lenkrad- oder Schaltschlosssperre, Nachrüstung mit Sicherheitsgurten).

Nachbauten erfordern neue Betriebsgenehmigung. Echt problematisch wäre das mit den Abgas-Vorschriften. >> 1

Selbstverständlich kann man nachbauen, doch dies führt kein Kfz-Hersteller durch, weil meist die Werkzeuge nicht mehr vorhanden sind und auch nix dran verdient ist; Unikate aus Prestige-Gründen ausgeschlossen.

Maßgebend ist das Vorhandensein der Fahrgestell-Nummer bei Serienfertigung, weil diese das Identitätsmerkmal des Fahrzeugs ist.

Wenn ich hier wieder teilweise über die Antworten fliege und sowas wie extrem hohe Verbräuche lesen muss....

Ein Oldie braucht nich zwingend mehr Sprit als ein Neuwagen, eher umgedreht. Nun guckt nicht so dumm aus der Wäsche, ich hab den Vergleich mit nem Firmenwagen von 2019 und mit dem schaff ichs schlichtweg nicht nen Verbrauch hinzubekommen den ich mit meinem Oldie schaffe.

Designtechnisch sind Oldies auch nicht schlechter als heutige Autos, gerad die in den 80ern sind richtig windschnittig wenn man sich die Japaner anguckt. Und die Technik aus den 70ern wurde bis in die 00er Jahre bei denen auch nur weiterentwickelt, Motoren aus den 70er Jahren findet man auch noch in nem Japaner von 2000 nur eben mit ner Einspritzung oben drauf.

K.O. Kriterium sind ansich nur die Abgasnormen, deshalb gabs irgendwann die Einspritzung und anfangs waren dass im direkten Vergleich Spritschlucker.

Vielen Dank! Also würdest du sogar sagen, das sie besser waren, als die neuen Autos?

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@MyNameIsMike

Von der Fahrbarkeit her definitiv, mehr Feedback und kein dummes geblinke und gepiepe. Is doch krank mittlerweile wenn ein Auto piept wenn die Reserveleuchte anspringt, sieht man doch an der Nadel. Ebenso kann ich drauf verzichten dass mir das Auto mitteilt das es draußen glatt sein könnte, hab meine Augen doch beim fahren eh auf der Straße und sehe wie die Wetterlage gerad ist.

Technisch is ein altes Auto halt einfacher aufgebaut, dazu noch leichter bei weniger Motorleistung aber trotzdem gefühlt direkter vom Ansprechverhalten. Also wenn ich meinen 83er 1.6l Benziner mit 84PS nem 19er 1.0l mit 100PS gegenüberstelle merke ich sofort dass meiner wesentlich besser vom Fleck kommt, der Motor besser am Gas hängt und der ganze Wagen viel besser auf der Straße liegt. Man fühlt einfach mehr und der alte Wagen zeigt dir klar auf wo die Grenzen liegen, in nem Neuwagen wirkt es eher verschwommen kommt man darüber wirds schnell eng. Hatte mal ne Situation wo es mit nem 2017er eng wurde, ne halbe Stunde zuvor bin ich an derselben Stelle mit dem alten langgefahren und hatte keine Probleme die Kurve sogar noch schneller zu nehmen. Ohne Erfahrung vom alten mit Fuß auf Gas und Bremse hätte ich den Neuwagen auch nicht abfangen können, panischer Arbeitskollege aufm Beifahrersitz inklusive....

Fahre nicht umsonst gezielt nen Wagen von 99 im Alltag, weitgehend baugleich mit dem 83er und selbst der Motor is derselbe nur eben mit Einspritzung statt Vergaser. Man merkt aber hier schon die höhere Masse des Wagens (+200kg), trotzdem angenehm zu fahren und weitesgehend genauso direkt wie der ältere.

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@NX7800

Vielen Dank für die ausführliche Antwort! Sehe ich genau so.

Ich habe mir auch schon überlegt ein Oldtimer zu kaufen, weil mir einfach die neuen Autos nicht zusagen. Das einzige Problem ist, ich weiß nicht ob man ein Oldtimer überhaupt bei jeden Wetter fahren kann. Ein alter Wagen braucht halt viel Pflege, das er so gut läuft und ich oft gehört habe, das alte Wagen anfällig auf Motorschaden oder andere Probleme wie z.B Kolben.

Aber sehr interessant.

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@MyNameIsMike

Ansich bekommste nur Probleme mit dem Rost, biste da hinterher halten die ewig und sind unkaputtbar. Ich komme aus der Nipponecke, werden zwar doof angeguckt aber unsere Autos rennen problemlos 500tkm und mehr ohne Reparaturen an der Technik. Die meisten Motoren sind sogenannte Freiläufer, heißt dass dir auch ein gerissener Zahnriemen keine Kopfschmerzen bereitet sondern du einfach nen neuen aufziehst und wieder mobil bist. Ölwechsel ist auch nicht zwingend erforderlich für die Motoren solange das alte Öl noch schmiert, alle 5000km mal kontrollieren ob genug drin is und bei Bedarf ein bisschen nachkippen wenn du nen Ölfresser hast. Verschleißteile sind Massenware solange du keinen Endtopf brauchst, einfach im Regal bedienen und vlt. mal etwas flexibler suchen gehen und von ner anderen Modellreihe das Teil einbauen was baugleich ist.

Ich hab zwei alte Corolla, besagten 83er und nen 87er und die nehm ich bis heute für Langstrecken weil ich denen halt vertraue. Der 87er hat sich nichtmal ein Loch im Kühler anmerken lassen, wurde auch nicht wärmer als sonst und ich bin letztlich ein paar Monate im Alltag so gefahren. Was rumzickt sind wenn die Vergaser, fährt man eben im Kaltlauf weiter aber man kommt trotzdem ans Ziel nur verbraucht er eben nen halben Liter mehr dabei. Einziges Problem ist aber eben Rost, vorallem bei denen bis Baujahr 86 (bei Toyota konkret). Mit dem Bleizusatz in der Grundierung wurde es besser, trotzdem musste dann aber noch am Ball bleiben.

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@NX7800

Nochmals danke! Ich hätte nicht gedacht, das es so angenehm ist. Also ist das einzige was man regelmäßig machen muss, ist ein Rostschutzmittel zu verwenden?

Ich bin nämlich sehr überzeugt ein Oldtimer zu kaufen, was ich jetzt gerade so gehört habe. Ich denke da hat man mit einen neuen mehr Probleme.

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@MyNameIsMike

Beim Toyota mit A-Motor ja, da is der Rost entscheidend. Bedeutet halt einmal komplett durchschauen und handeln damit man Ruhe hat für ne gewisse Zeit, trotzdem regelmäßig kontrollieren und bei ner Auffälligen Stelle sofort handeln. Hohlraumversiegelung überall rein, Unterbodenschutz drauf und für andere Teile nach Behandlung eben auch mal den Schritt gehen und es richtig machen zu lassen also mit kompletter Neulakierung.

Ein Kumpel hat bei seinem 84er Corolla mit 400tkm mal nen Rundumschlag gemacht, war nichts kaputt dran aber die Stoßdämpfer ausm Werk hat er dabei mit ausgetauscht gegen neue Originale vom Toyota Händler. Mein 83er und 87er fahren nach wie vor noch mit den Dämpfern ausm Werk, haben beide die 2. Wasserpumpe drin und der 87er hat nen neuen Originalkühler drin seit er 30 is. Beim 83er is noch der Kühler ausm Werk drin, vermutlich hat der 87er mal Leitungswasser bekommen und is deshalb undicht geworden?

Hier und da mal ne Kleinigkeit die du halt selbst machst, beispielsweise die Fensterheber leichtgängig machen oder mal Laub hinterm Kotflügel rausholen. Aber da bin ich dann auch schon wieder bei der Rostvorsorge, naja Tanken fahren musste noch selbst regelmäßig sonst bleibt auch ein Oldtimer liegen.

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@NX7800

Vielen Dank! Ja, tanken wäre empfehlenswert.

Aber ich bin jemand der generell viel und gerne an Fahrzeugen etwas macht und pflegt. Ich werde das auf jeden Fall befolgen und merken. Sehr hilfreich!

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@MyNameIsMike

das gute an der alten mechanik ist das sie einfach zu reparieren ist, früher hat man eher auf langlebigkeit gebaut,es gibt aber doch einige fahrzeuge mit manchen problemen.

Das lasst sich aber schnell Rausfinden und meistens ist es eh nicht so schlimm.

Aber Rosten können alle.

Solange es kein Schweizer Käse ist sind alte Autos sehr Zuverlässig

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Ich geb ihm recht, was den SUV-Hype betrifft. Anstatt effizienter zu fahren, muss man schwere Protz-Klötzer fahren und parken.

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@Pauli010

Vorallem kommen die Leute doch garnicht zurecht mit den Kisten, da wird gebremst weils an ner Engstelle Gegenverkehr gibt wo du mit nem normalen Auto einfach durchhuscht weil du die Abmessungen kennst und garnicht drüber nachdenken brauchst.

Beim Abbiegen würden viele auch direkt lieber aussteigen und ihren SUV um die Kurve tragen, mit nem normalen Wagen beschleunigste dagegen unbeeindruckt weiter beim Abbiegen wenn es die Verkehrslage erlaubt. Und wenn ich mit nem Oldie unterwegs bin brauch ich heutzutage nichtmal mehr normal anfahren sonst häng ich dem Vordermann im Kofferraum weil der nicht in die Kontakte kommt mit seinem 2 Tonnen SUV.

Gehöre aber wohl eh eher zu den Rasern wenn ich mit 50 über die Kreuzung inner Stadt fahre, die meisten tuckern ja lieber gemütlich rüber und geben danach Gas. Dafür hängen se dir inner 30er Zone dann im Kofferraum und wehe du lässt jemanden seine Vorfahrt und musst dazu stehenbleiben, fahre keine 60-70 in so ner Zone weil mir mein Lappen dafür zu wichtig is.

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