Wieso können Autos keinen Gummi-Überzug haben?

10 Antworten

Weil ein mehrere Meter dicker Gummiüberzug aus ziemlich offensichtlichen Gründen keine besonders gute Idee wäre.

Dazu (naja, nicht direkt dazu, aber ähnlich gelagert) mal ne kleine Geschichte in Kurzform:

Autobahn, ein offenbar als Frachtverlust einzustufender Würfel Styropor mit einer Kantenlänge von ca. einem Meter, ein Fahrer, der offenbar dem Gedankengang "Meh, ist doch nur Styropor..." seinen Wagen recht hübsch ordentlich zerflanschte.

Wieso das?

Ganz einfach: Weil Styropor (bzw. etwas genauer "geschäumtes Polystyrol") eine Dichte von rund 15 kg/m³ hat. (Zumindest die Variante, die für Verpakungspolster u.ä. verwendet wird.)

Nehmen wir eine Kollisionsgeschwindigkeit von 50km/h an, dann haben wir

 das macht bei 15kg also (wenn wir mal ein paar "Kleinigkeiten" aussen vor lassen) ein Kraft von



Wenn wir die Geschwindigkeit noch weiter erhöhen wirds noch "lustiger".

Aber mal von den ganzen Berechnungen abgesehen: Ein einziger Kubikmeter Styropor reicht aus (entsprechende Geschwindigkeit vorausgesetzt), um einem PKW einen Totalschaden zu verpassen. Die meisten Gummiarten sind etwas weniger gut verformbar als Styropor.

Folgerung: Dann überfährst du den Fußgänger halt nicht, sondern katapultierst ihn flummiartig gegen den Asphalt. Nicht gut.

Deine Eingangsthese wage ich doch stark zu bezweifeln. Damit das überhaupt ein Wirkung hat, müsste der schon meterdick sein. Oder was meinst du, wie dick du dich in Gummi einpacken müsstest, um unversehrt zu bleiben, wenn du von einem 10m hohen Gebäude (entspricht einer Aufschlagsgeschwindigkeit von ca. 50km/h) runter springtest. Erschwerend kommt hinzu, dass ein Auto das ca. 16 fache von dir wiegt, es also eine viel größere Massenträgheit hat.

Autos wären also 10m breite Kugeln aus Gummi. Viel Spaß damit durch die Stadt zu fahren und einen Parkplatz zu finden.

Die heutigen Autos sind schon ganz gut, was die Crashsicherheit angeht. Besser könnte man noch werden, wenn alle Autos eine durchgenormte Crashstruktur auf gleicher Höhe an den typischen Crashstellen haben und alle Autos gemeinschaftlich leichter werden würden.

Gab es so ähnlich schon, zwar nicht als ganzes Auto, aber als Stoßfängern.
https://www.vicariousmag.com/wp-content/uploads/2017/05/1981-Triumph-Spitfire-9.jpg
https://cdn.bringatrailer.com/wp-content/uploads/2019/05/1983_volkswagen_rabbit_gti_155863644762166fc81983_volkswagen_rabbit_gti_1558561222c474674751f941082P1030987-940x604-1-940x604.jpg

Hat sich, außer beim Saab 900 I, auf Dauer nicht durchgesetzt.
https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Saab-900-Turbo.jpg
Während diese Stoßfänger die oberen Beispiele nicht gerade vorteilhaft aussehen lassen, kann ich mir den Saab ohne dicke Lippe nicht vorstellen.

Das Fahrzeug ist nicht dafür gebaut, das Fahrzeug zu schützen, sondern die Menschen im Innern.

Der vordere Teil wird bei dem Thema auch fest eingeplant, nennt sich Knautschzone. Bei einem Frontalzusammenstoß nimmt diese Knautschzone viel Energie auf und schützt so die Insassen.

Gummi gibt kaum nach und es gibt die Energie auch wieder ab, es verformt sich nicht dauerhaft. Bei einem Frontalzusammenstoß würde Der Insasse also die volle Energie abkriegen.

Bei den Kräften, die bei so einem Unfall wirken, wird Metall plötzlich sehr weich ;)

PS:

Das magische Wort lautet "Trägheit".

Völlig egal, wie das Auto geschützt ist, fährt es mit z.B. 50 km/h und stößt irgendwo gegen, schnellen die Insassen mit der selben geschwindigkeit nach vorne. Die landen dann im Airbag, oder an dem Vordersitz. Das Gleiche gilt auch für die inneren Organe, die prallen gegen die Rippen, das Hirn prallt gegen die Schädelwand, etc.

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@Palladin007

Nicht ganz .. wenn eine flexible Umhüllung das Auto umgeben würde .. wäre das ein optimaler Schutz, ein verlängerte Knautschone .. da reicht aber nicht ein Kondom, auch nicht ein Fahradschauch, dass müssten meterdicke Polster sein ..

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@juergen63225

Wenn dieser Gummi-Schutz das Auto schützen soll und demnach nicht nachgeben darf, kann das Auto als Ganzes weniger Energie aus dem Aufprall aufnehmen. Gibt es doch nach, dann wäre es kein Schutz für das Auto.

Allgemein gibt Gummi zwar nach, aber es verformt sich nicht dauerhaft. Es nimmt eine bestimmte Energie auf und gibt sie kurz darauf wieder ab - das ist das Gegenteil von dem ist, was die Knautschzone bewirken soll.

Die Knautschone muss sich verformen können. Die Verformbarkeit des Metalls nimmt dabei einen Großteil der Energie auf, ohne dass sie wieder abgegeben wird.

Was helfen könnte, wäre eine längere Knautschzone, oder ein größeres Gesamtgewicht des eigenen Autos - oder eine geringere Geschwindigkeit beim Aufprall.

Das Thema kann man aber endlos weit treiben, eigentlich ein idealer Anwendungsfall für einen genetischen Algorithmus.

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Gegen die wenigstens einen halben Meter dicke metallene Knautschzone eines modernen PKW wären selbst 2 Meter Gummi vorn dran nicht mehr als ein Federkissen.

Zum Fußgängerschutz wird mit sehr nachgiebigen Kunststoffstoßfängern, Schaumstoffschutz vorm Prallblech und MEchanismen, die etwa die Motorhaube bei einer Fußgängerkollision anstellen, schon eine ganze Reihe getan. Ein dünner Gummiüberzug hätte nur Placebo-Effekt, ein dicker Klotz vorn dran würde die Statik des Autos massiv negativ beeinflussen.

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