Wie sieht der Alltag eines Archäologen aus?

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5 Antworten

Quellennennung: Ich bin freiberufliche Archäologin, seit 12 Jahren ohne Unterbrechungen im Fach tätig.

Wie der Alltag eines (im Fach tätigen ;) ) Archäologen aussieht, ist stark davon abhängig, wo er arbeitet und in welcher Funktion. Das kann man hier natürlich nur stark verallgemeinert und verkürzt wiedergeben.

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Jemand mit einer klassischen universitären Laufbahn verbringt seine Zeit mit der Vorbereitung von Seminaren und Vorlesungen, einem Schwung Bürokratie und zu einem kleineren Teil mit der Vorbereitung und Durchführung von Projekten, sei es nun in praktischer oder theoretischer Forschung. Auch hier kann es natürlich anders aussehen, wenn man eine spezielle Position an der Uni bekleidet, beispielsweise als Grabungstechniker oder als Betreuer für ein spezielles Projekt.

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Ein Archäologe in einer Behörde (Stadt- oder Kreisarchäologie, Landesamt für Denkmalpflege) kümmert sich um Anträge (Grabungserlaubnis), stellt Bescheide aus, sorgt für die ordnungsgemäße Durchführung von Grabungen, kontrolliert Grabungsberichte. Dazu kommt häufig auch Öffentlichkeitsarbeit (Vorträge, Pressearbeit,...). In einigen Gebieten schaffen es diese Archäologen, auch selbst Grabungen durchzuführen, das wird jedoch immer mehr zur Ausnahme, weil die Verwaltung der immer zahlreicheren Grabungen immer mehr Zeit beansprucht.

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In einer Grabungsfirma ist die Tätigkeit stark von der Position innerhalb der Firma abhängig.

Als einfacher Mitarbeiter gräbt man, wäscht Funde, arbeitet je nach Qualifikation an der Dokumentation mit, vermisst, zeichnet, photographiert. In größeren Grabungsfirmen gibt es häufig Spezialisten für einzelne Teilgebiete.

Der Grabungsleiter kümmert sich um die Abläufe auf der Grabung, sowohl organisatorisch als auch wissenschaftlich. Er ist meist die Schnittstelle zwischen Auftraggeber, Behörden und Grabungsteam. Ob er dazu kommt, selbst mitzugraben, ist von der Organisation der Firma und der Grabung abhängig. Er kümmert sich um die Dokumentation und verfasst im Anschluss den Grabungsbericht. Er ist derjenige, der nach der Grabung am Schreibtisch sitzt und unter Umständen recherchiert. Zwischen Leitung und Mitarbeiter gibt es diverse Hierarchiemodelle.

Der Inhaber einer Grabungsfirma kann selbst eine Grabung betreuen oder sich schwerpunktmäßig darum kümmern, die Firma am Laufen zu halten.

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Archäologen in Museen kümmern sich um die Präsentation von Funden und Befunden, sie verwalten die Sammlung des Museums, konzipieren Ausstellungen, leisten Öffentlichkeitsarbeit. Auch hier gibt es Spezialisierungen.

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Ich für meinen Teil bin Freiberuflerin und als solche wissenschaftliche Dienstleisterin.

Ich habe keine Firma, sondern arbeite allein. Ich führe Prospektionen und kleinere Grabungen durch, betreue Bauprojekte im Bereich von Bodendenkmälern. Alle Funktionen einer Grabungsfirma liegen bei mir, mit Ausnahme der Betreuung von Mitarbeitern, weil ich keine habe (oder zumindest nur für bestimmte Projekte). Nach der Grabung geht es an die Berichterstellung. Außerdem mache ich anthropologische Auswertungen für Grabungen, die andere Firmen durchgeführt haben. Ich erarbeite Ausstellungen, biete gelegentlich Kurse an der Volkshochschule an, halte Vorträge. Ehrenamtlich kümmere ich mich um den lokalen Archäologieverein. Dazu kommen diverse Publikationsprojekte (die in der Regel im Fach nicht bezahlt werden) und noch diverses andere.

Was man als Freiberufler macht, ist aber stark von der eigenen Qualifikation abhängig (an vielen Unis lernt man wenig, was man hinterher in der Praxis brauchen kann), aber auch von der Auftragslage. Ich sitze beispielsweise seit einigen Jahren mehr am Schreibtisch als auf Grabungen, weil ich einige größere Aufträge an Land gezogen habe. Draußen bin ich derzeit nur für Stammkunden oder Projekte, die mich reizen.

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Damit sollte auch die Frage, wer Archäologen einstelllt, geklärt sein. Die meisten Stellen gibt es sicherlich bei Grabungsfirmen, das sind aber auch die Stellen, die jämmerlich bezahlt sind. Man kann nicht selbst über seine Projekte entscheiden, ist im Zweifelsfall bei Wind und Wetter draußen, die körperliche Arbeit ist nicht ohne. In den übrigen Bereichen ist die Zahl der pro Jahr freiwerdenden Stellen sehr überschaubar, wobei auf jede freie Stelle Heerscharen von Bewerbern kommen.

Im Bereich Unterwasserarchäologie ist es auch nicht besser. Die Zahl der festen Stellen ist nicht sehr groß, da nur wenige Institutionen UA betreiben. Es ist eben ein Spezialgebiet. Bei Interesse lohnt es sicherlich, sich mal bei der Deutschen Gesellschaft für Unterwasserarchäologie umzutun und sich einen Realitätsabgleich zu verschaffen.


Wie ich in meiner verschwundenen Antwort geschrieben hatte, muss man, um in dem Bereich zu arbeiten, seinen Forschungstaucher machen. Und da werden immer nur so viele ausgebildet, wie auch gebraucht werden. Schafft man es dort hinein, hat man ziemlich sicher einen Job.

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@Kristall08

Tatsache, den Forschungstaucher hatte ich völlig vergessen!

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Vielen Dank für den Einblick in den realen Arbeits-Alltag einer Archäologin. DH

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Wow! Vielen Dank für eine solch ausführliche Antwort. Genau jemand wie Du habe ich gehofft zu finden! Nochmals, vielen Dank!

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Einige deiner Fragen zu Tätigkeiten und Perspektiven werden hier einigermaßen aktuell beantwortet:

https://berufenet.arbeitsagentur.de/berufenet/faces/index?path=null/kurzbeschreibung&such=Arch%C3%A4ologe%2FArch%C3%A4ologin&dkz=58573

Ansonsten empfehle ich als einführende Grundlagenliteratur:

Manfred K.H. Eggert: Archäologie. Grundzüge einer Historischen Kulturwissenschaft. 2006.

Colin Renfrew, Paul Bahn: Basiswissen Archäologie: Theorien, Methoden, Praxis. 2012.

Ich hoffe, dass dir meine Hinweise ein wenig weiterhelfen können.  :-)

MfG

Arnold

wenn du diesen weg einschlagen willst, dann solltest du dir aus zuverlässigen quellen detaillierte infos beschaffen. hier triffst du nur zufällig auf experten.

es ist doch wichtiger, dass dich das ganze thema fasziniert, als wie die frage, ob und wie lange man ausgräbt und forscht oder am schreibtisch/pc sitzt.

es ist doch wichtiger, dass dich das ganze thema fasziniert, als wie die frage, ob und wie lange man ausgräbt und forscht oder am schreibtisch/pc sitzt.

Ganz im Gegenteil! Nichts ist sinnvoller, als sich so früh wie möglich ein realistisches Bild vom Alltag im Fach zu verschaffen. Die größte Faszination bringt doch nichts, wenn man dann mit den Realitäten im Fach nicht zurecht kommt.

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