Sonden gehen (Sondeln) in Österreich

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2 Antworten

Ich kenne die Rechtslage in Österreich nicht genau. Das Problem bei dem Beispiel von dem du gehört hast, war offensichtlich, dass der Sondengänger nicht nur Oberflächenfunde abgesammelt, sondern runtergegraben hat, und eben tiefer als es erlaubt ist. Dabei hat er vermutlich den Fundzusammenhang zerstört. Das ist der große Gegensatz zwischen den meisten Sondengängern und den Archäologen. Während der Sondengänger vor allem schöne oder zumindest interessante Metallfunde aus der Erde buddeln will, steckt die Information darüber, was in vorgeschichtlicher Zeit hier passiert ist, im Boden und um den Metallfund herum. Und die Geschichte des Ortes ist eben das, was der Archäologe herausholen und im Endeffekt der Öffentlichkeit und der Nachwelt vermitteln möchte. Denn die Metallfunde liegen ja nicht irgendwo im unberührten Boden herum (wie sollten sie auch da hinkommen?), sondern in einer ehemaligen Abfallgrube, einer Hauspfostengrube oder einem Grab.

Mit einem Klappspaten bekommt man davon natürlich nichts mit. Ergo zerstört der Raubgräber z. B. die Pfostenspur eines keltischen Hauses, indem er den vielleicht einzigen Metallfund darin herausbuddelt. Dumm ist außerdem, dass gerade Metallfunde oft besser zu datieren sind als Keramikscherben. Damit hat er zudem den vielleicht einzigen Fund, mit dem man bei einer fachkundigen Ausgrabung heute oder in 200 Jahren einmal die Pfostengrube und damit das ganze vergangene Haus hätte datieren können, aus diesem Zusammenhang herausgerupft. Den Fund nimmt er meistens mit nach Hause, verscherbelt ihn für ein paar Euro über Ebay oder bewahrt ihn in einer Schachtel auf, bis in ein paar Jahren seine Erben nicht mehr wissen, wo das Ding herkommt, und es irgendwie entsorgen. Damit ist eine Seite aus dem Geschichtsbuch gerissen und für immer verloren. Selbst wenn er den Fund abgibt, ist es für die Vorgeschichtsforschung nur noch ein Stück Metall, das auch Fachleuten keine Auskunft mehr über irgendwelche Zusammenhänge in unserer Vorgeschichte geben kann.

Deshalb sind eben nicht nur die seltenen "tollen Funde" wichtig, um die Welt unserer Vorfahren zu rekonstruieren, sondern eigentlich mehr noch die alltäglichen Scherben, Ringe, Münzen, Holzreste und Bodenverfärbungen. Allerdings wird über dieses alltägliche Brot der Archäologen gewöhnlich nur in Fachzeitschriften berichtet, während sich Zeitung und Fernsehen nur für Archäologie interessieren, wenn irgendwas aus Gold gefunden wird.

Dass das wilde Buddeln nach archäologischen Funden nicht erlaubt ist, liegt somit nicht daran, dass der Staat Altgold einkassieren oder seine Museen mit hübschen Funden füllen will, sondern dass dabei das für die Öffentlichkeit Wichtigste zerstört wird: Die Aussagen über unsere Geschichte. Deshalb ist schon das Suchen mit dem Metalldetektor nicht überall erlaubt. Denn, wie du schon sagst, wer geht mit einem Metalldetektor spazieren und gräbt dann nicht tiefer, wenn der piept?

Wer mit einem Strauß vom Aussterben bedrohter Pflanzen beim Naturkundemuseum ankommt, sollte sich auch nicht wundern, wenn er kein Lob für's Finden bekommt, sondern eine Anzeige wegen Verstoßes gegen den Naturschutz.

Hi, danke erst einmal für die super Antwort! Ich gehe jetzt einmal davon aus, dass Du archäologisch bewandert bist und fundierte Kenntnisse zu diesem Thema besitzt.

All das was Du hier schreibst, leuchtet ein. Zum großen Teil. Denn es ist ja in Wahrheit wohl auch so, dass die Archäologen in Österreich total unterfinanziert sind. Grabungen werden daher nur in sehr offensichtlichen Situationen und oft nur in form von "Notgrabungen" durchgeführt. Da fahren dann 20 Leute mit Baggern an und pflügen ein abgegrenztes Gebiet um. Es muss ja schnell gehen, Zeit ist in diesem Fall Geld und streng vorgeschrieben.

Hand auf's Herz: Welcher Archäologe hat denn die Zeit, oder Lust dazu - mit dem Detektor auf gut Glück die Gegend abzusuchen, um vielleicht etwas von archäologischem Wert zu finden? Die großen offensichtlichen geschichtlich relevanten Stätten können ja per Luftaufnahmen gut deklariert werden - sofern es sich nicht um Waldgebiete handelt (eben da, wo Sondler gerne gehen).

Die Sondengänger (gerne auch Raubgräber genannt) suchen zum großen Teil nicht super wertvolle und alte geschichtliche Gegenstände. Sie freuen sich über einen Kreuzer oder einen alten Ehering usw, viele fahren auf Militia Gegenstände ab. Und dann passiert es auch, dass sie unerwartet DEN Fund machen. Der ehrliche und gewissenhaft Sondler möchte das nun melden, am liebsten noch bevor er zu viel kaputtmacht, Finderlohn wäre auch super! Aber halt! Wer wird das denn nun melden, wenn dies einer Selbstanzeige gleicht? Wäre ja schön dumm, oder?

Und: Wer sind denn die besten Informanten, wo etwas zu finden wäre, eine vielversprechende Quelle zeitgeschichtlicher Funde und Erkenntnisse? Sicher nicht die Baufirmen, die ebenfalls unter Druck arbeiten und im Zweifelsfall das seltsame Ding im Erdreich nochmals mit dem Bulldozer platt machen.

Es sind doch die Sondengänger, die immer neue Stellen finden. Würde die Behörden ein wenig klüger und flexibler handeln, gäbe es ein (ungeschriebenes) Gesetz, welches dem Finder keinen kriminellen Stempel aufdrückt, sondern die Sucher sogar noch forciert, alles zu melden. Quasi gratis Arbeiter, Freie Mitarbeiter. So könnten die Sondler im Fall DES Fundes beruhigt den Fund melden, die Archäologen hätten massig Arbeit und alle wären glücklich. 10% Finderlohn o.ä. wäre natürlich nett. Denn ohne Sondler würden die Schätze früher oder später auf nimmer wiedersehen unter Wohnbauten verschwinden oder sowieso niemals gefunden werden.

Tja, das ist halt die Sicht der anderen Seite.Fazit: würden beide nicht streiten sondern zusammenarbeiten - beide hätten etwas davon.

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@Xaxoon

Deshalb binden z. B. in Deutschland viele Bundesländer schon seit längerem Sondengänger ein, indem sie Suchlizenzen vergeben und dafür die Meldung aller Funde verlangen. Viele Funde darf der Finder übrigens behalten. Und wenn nicht, besteht meines Wissens ein Anspruch auf einen Finderlohn. Das finde ich auch den sinnvollsten Weg, denn verhindern kann man wilde Raubgrabungen auch durch Verbote nicht, man kann sie jedoch ein Stück weit kanalisieren, so dass die Informationen wenigstens an die Öffentlichkeit bzw. in die Akten der Denkmalpflege gelangen. Ich weiß zumindest von einem Bundesland, das erst vor kurzem wieder von einer vollständigen Kriminalisierung abgerückt ist und mit einigen Sondengängern zusammenarbeitet.

Also schöne heile Welt, wenn beide nett zueinander sind? Schön wär's. Aber selbst in Bayern, wo die Gesetze finderfreundlich sind und man Funde zwar melden muss, aber behalten darf, gibt es inzwischen Fundstellen, die praktisch metallfundfrei sind - mit allen von mir beschriebenen Schäden für die historische Aussagekraft. Denn leider gibt es eben auch Sondengänger (und nicht wenige), die gezielt Vorgeschichte suchen, gerade die besten Funde nicht abgeben wollen und die sich auch nicht zur Kooperation bringen lassen.

Freie ehrenamtliche Mitarbeiter gibt es übrigens schon immer. Die suchen Äcker nach allem ab, auch nach Scherben und nicht nur nach Metallfunden. Oder sie beobachten Baustellen und bergen angeschnittene Gruben. Das ist allerdings etwas mühevoller als mit dem Gerät übers Feld zu laufen.

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Ich denke bei uns in Ö ist es deswegen auch verboten weil noch immer jede menge Kriegsmaterial herumliegt... und wennst bei einer Mine anfängst zu graben....

Naja, so ist das ja nicht wirklich ;-) Wenn man nicht gerade mit einem 50€ Gerät vom lidl sondeln geht, zeigt der bessere Detektor normalerweise was da unter der Erde liegt und wie tief. Man erkennt ob Gold, Silber, Schrott, usw, das lässt sich über Filter vom Gerät wegfiltern. Ich gehe jetzt mal davon aus, dass niemand so dumm ist, nach einem Stück Metall zu buddeln ohne zu wissen was das sein könnte. Aber Du hast schon recht, vorsicht ist immer geboten. Was denkst Du, warum die Archäologen bei uns in Ö meist keine Arme mehr haben? hehehe ;-)

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