Historiker als Archäologe?

3 Antworten

Mit einem rein geschichtswissenschaftlichen Studium wird es meines Erachten sehr schwer, Zugang zur Archäologie zu erhalten. Zumal an einer Uni, die dieses Fach nicht anbietet und an der es dementsprechend nicht möglich ist, vielleicht einige Veranstaltungen aus diesem Bereich zu belegen oder an Grabungskontakte zu kommen.

Wenn dich der Bereich interessiert, dann würde ich dir nahe legen, dir gleich eine Uni zu suchen, in der du Archäologie bzw. Ur- und Frühgeschichte schon im Bachelor zumindest als Nebenfach studieren kannst.

Beste Grüße!

Historiker arbeiten theoretisch. Die meisten habe ich nach 2 Tagen Grabungsrealität schreiend wegrennen sehen, wenn sie sich dann doch mal hingetraut haben. ;)

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@Kristall08

Ich kenne tatsächlich ein paar Historiker, die nach einem Quereinstieg bei Grabungsfirmen arbeiten. Allerdings allesamt in den unteren Etagen der Firmenhierarchie und primär deshalb, weil sie sonst nichts gefunden haben. Die sind halt bessere Hilfsarbeiter.

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Um Grabungspraktika muss man sich auch als Archäologie-Student in aller Regel selbst kümmern, die sind vielerorts auch Nichtfachstudenten zugänglich.

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Deshalb frage ich mich ob ein Historiker, [ ... ] an solchen Ausgrabungen teilnehmen kann, z.B. als Ausgrabungsleiter oder is dafür min. ein Abschluss in Archäologie nötig?

Nein.

Die Arbeitsweisen von Historikern und Archäologen sind vollkommen unterschiedlich. Du kannst an einer Grabung vielleicht mal als Helfer teilnehmen, aber sicher nicht als Grabungsleiter, weil du nie gelernt hast, wie man sowas macht.

Woher ich das weiß:Berufserfahrung

Das Lustige ist, dass das Landesamt für Archäologie in Dresden sitzt, die dortige Uni das aber nicht anbietet. Dafür aber die Uni Leipzig.

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Hast du denn im Studium nichtmal die grundsätzlichen Inhalte der sog. Hilfswissenschaften mitbekommen?

Alle archäologischen Teilgebiete sind materialbasierte historische Wissenschaften, sonst weißt du nicht was du findest und wie diese Funde datieren.. Eine Ausgrabung ist auch nicht nur Herumwühlen im Dreck, sondern erfordert die notwendigen grabungstechnischen Kenntnisse sowie ein solides Wissen um unterschiedliche Befundkategorien. Dokumentieren musst du das alles auch, d.h. Zeichnen, Befundbeschreibung, Vermessung, Photographie, all das gehört auch dazu. Von Schnickschnack wie Geologie, organischen Resten, Bergung von Sonderfunde, Statik, Umgang mit Bauherren oder Verhalten auf Baustellen reden wir jetzt noch gar nicht.

Wenn du Interesse an der Teilnahme an Ausgrabungen hast, mach erstmal ein paar Praktika. Je nach Bundesland sind dafür Kommunalarchäologien, Landesämter oder Grabungsfirmen die besten Ansprechpartner.

Ggf. kannst du dann bei Grabungsfirmen als Hilfsarbeiter ein paar Euro verdienen, aber als Grabungsleiter wird man dich mit Sicherheit nicht einstellen. Nach mehrjähriger Tätigkeit als Ausgräber und Assistenz der Grabungsleitung sowie eigenständiger Fortbildung kannst du bei viel Engagement ggf. quer als technische Grabungsleitung arbeiten.

Im Übrigen wäre das nicht viel anders, wenn du direkt Archäologie studieren würdest. Auch dann hättest du mit einem einfachen Bachelor-Abschluss nicht alle notwendigen Kenntnisse und müsstest erstmal klein anfangen, aber dann hättest du wenigstens mehr oder weniger solide Kenntnisse um die Methodik im Fach und schon ein paar Praktika auf dem Buckel. Aber so, wie du dir das gerade vorstellst, läuft es mit Sicherheit nicht.

Wenn du Archäologe werden willst, studier Archäologie. Alle anderen Wege sind noch schwerer und steiniger.

Woher ich das weiß:Beruf – Studium und 17 Jahre Berufserfahrung

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