Wie lerne ich den Buddhismus kennen?

8 Antworten

Ich bin Soto-Zen-Buddhist und werde versuchen dir zu helfen.

Grundlage

Als Grundlage wäre zunächst wichtig, dass du dich mit den Legenden um das Leben des Buddha befasst. Dann versteht man, wie er zu seiner Lehre gelangte.

Als nächstes sollte man sich mit grundlegenden Konzepten wie den "vier edlen Wahrheiten", den "achtfachen Pfad" und das "Karma" vertraut machen.

Dann sollten auch die verschiedenen Traditionslinien (Theravada/Mahayana/Vajrayana/Zen) und ihre Besonderheiten behandelt werden.

All dieses theoretische Grundlagenwissen lässt sich beispielsweise durch die Wikipedia erlangen - man muss ja nicht gleich jedem Querverweis folgen. ;-)

Schriften

Es gibt viele verschiedene Schriften und die unterschiedlichen Traditionslinien sehen daher auch verschiedene Texte als besonders wichtig an.

Allerdings sind diese Texte ohne Grundlagenwissen nur schwer nachvollziehbar, so dass es sehr sinnvoll ist, zunächst Allgemeines zum Buddhismus zu lernen

Unterschiede

Es gibt deutliche Unterschiede zwischen den abrahamitischen Religionen (Judentum, Christentum, Islam) und der Buddhalehre.

So gibt es im Buddhismus gibt es keinen Gott, keine Seele, keine Sünde und daher auch keine göttliche Barmherzigkeit oder Sündenvergebung.

Man ist gänzlich selbst verantwortlich für sein Handeln und es gibt keine höhere Macht, an die man sich um Beistand wenden könnte.

Außerdem sprach der Buddha nicht über die Entstehung der Welt, oder darüber, was nach dem Tod geschieht. Diese Fragen sah er nicht als wesentlich an.

Das sind Punkte, die viele begeisterte "Buddhismus-Fans" nicht berücksichtigen. Die Lehre des Buddha setzt eine andere Art zu denken voraus.

Schattenseiten

Auch wenn der Buddhismus ein positives Image hat, sollte man nicht vergessen, dass auch Buddhisten nur Menschen sind, die auch grausam sein können.

So wurde etwa der Zen-Buddhismus von den japanischen Faschisten dafür missbraucht, um Opferbereitschaft bis zum Selbstmord zu fördern.

Außerdem gibt es Fälle von Machtmissbrauch, finanzieller Ausbeutung, Drogenkonsum und sexuellem Missbrauch durch bekannte buddhistische Lehrer.

Einige dieser Lehrer und ihre Gruppen sind heute noch aktiv.

Manche Lehrer können gar keine Lehrbefugnis als Legitimation vorweisen und somit sind auch Ordinationen die sie vornehmen, ungültig.

Bevor man also eine buddhistische Gruppe kontaktiert, kann es sehr sinnvoll sein, sich per Google zu informieren - auch mit Begriffen wie "Sekte", "Kritik", "Missbrauch"

Erfahrung

Um authentischen Buddhismus zu erfahren muss man nicht nach Asien reisen. Es gibt auch in Europa autorisierte Lehrer, die eine Lehrbefugnis haben.

Nachdem man sich über die Gruppe informiert hat (siehe oben), kann man in der Regel an Aktivitäten, wie etwa Einführung in die Meditation, teilnehmen.

Buddhist werden

Grundsätzlich reicht die Bereitschaft, dem Erwachten (Buddha), seiner Lehre (Dharma) und der buddhistischen Gemeinschaft (Sangha) zu folgen, aus.

Allerdings haben sich in Asien traditionelle Zeremonien entwickelt, die dann zB auch die Vergabe eines buddhistischen Dharma-Namens beinhalten.

Ob man sie für notwendig hält, muss jeder selbst entscheiden - allerdings wird man in der Regel ernster genommen, wenn man formell "Zuflucht nimmt".

Soweit erst einmal von mir. Ich hoffe, ein paar deiner Fragen geklärt zu haben. :-)

Woher ich das weiß:Eigene Erfahrung – Seit mehr als 30 Jahren praktizierender Buddhist

Hallo,

"Gibt es eine Buddhistische Bibel? Ich habe was von Buddhas Lehre gelesen. Ist das sozusagen die Bibel des Buddhismus?"

Es gibt verschiedene Schriften die verbindlichen Charakter haben, je nach Tradition und Schulrichtung des Buddhismus.

Grob gesagt teilt man das ganze ein in 3 sogenannte "Fahrzeuge":

Fahrzeug im Sinne von = Heilsweg

-Das kleine Fahrzeug, heute bekannt als "Theravada" Buddhismus (Lehre der Älteren), dies kann man auch als "Ur-Buddhismus" bezeichnen.

Zentral ist hier die ursprüngliche, an Mönche und andere individuelle Heilssuchende gerichtete Lehre des Buddha.

Maßgeblich für diese Richtung ist der Pali Kanon (Pali ist eine indische Sprache, wahrscheinlich die Sprache die Buddha sprach)

-Das große Fahrzeug, der sogenannte "Mahayana" Buddhismus, der sich nicht nur auf Mönche und individuelle Suchende konzentriert, sondern für alle Menschen, also grössere Menschengruppen einen gangbaren Weg der Erlösung anbietet.

Zentral ist hier auch das Ideal des "Bodhisattvas" = Erleuchtungswesens, der voller Mitgefühl das Streben nach der eigenen Erlösung hinausschiebt um all Wesen zu retten (und dazu zB. immer wiedergeboren zu werden um die Lehre von neuem zu lehren)

-Das "Vajrayana" oder Diamantfahrzeug:

Diese Richtung ist eine Untergruppierung innerhalb des Mahayana, kurz gesagt handelt es sich hierbei um esoterische Traditionen.

Der Buddhismus hat sich daneben immer der jeweiligen Kultur angepasst in die er gestoßen ist, deshalb ist die "Optik" durchaus mannigfaltig.

"Kennt ihr Internetseiten, wo man viel über den Buddhismus lernen kann oder sogar Seiten, wo es die Lehren Buddhas geschrieben stehen?"

Da gibt es viel zu lesen, es gibt auch auf Youtube viele Vorträge zu buddhistischen Themen.

Kann Dir da gerne Links geben.

Was ich noch hinzusagen möchte:

Der Buddhismus ist nicht im Luftleeren Raum entstanden sondern eng mit der ganzen indischen Geisteswelt verknüpft, also vor allem dem Hinduismus.

Folglich wird der Buddhismus von Hindus als "Nastika" (unorthodoxe) Tradition anerkannt.

Warum unorthodox?

Der Buddha griff die zentralen Fragen und Begriffe die auch in diversen hinduistischen Traditionen diskutiert und gelehrt wurden und werden auf und bezog sie in seine Lehre mit ein, er stützt sich allerdings nicht wie (orthodoxe) Hindus verbindlich auf die "Veden" und deren Lehrinhalte.

Was sind die Veden? Veda bedeutet "Wissen", es sind die heiligen Texte die den Rishis (Seher) in Visionen offenbart wurden.

"Wie wird man Buddhist? "

Es gibt formale Zufluchts-Rituale wo man vor einem Lehrer Zuflucht zu Buddha, dem Dharma (seiner Lehre) und den Sangha (der Mönchsgemeinde) nimmt und damit formal Buddhist wird.

Allerdings ist das nicht verbindlich, wenn du die Lehren des Buddhas anwendest bist du Buddhist.

"Was ist das Ziel des buddhistischen Glaubens usw.? "

Kurz gesagt: Im Buddhismus geht es um das Überwinden des Leidens (Dukkha) durch Befolgen eines Übungsweges.

Besonders im Urbuddhismus wird das deutlich:

Es geht nicht um Glauben an irgendwelche Götter oder Theorien wie die Welt entstand usw.

Solche Fragen hat der Buddha als nicht zielführend ausgeklammert.

Spätere Traditionen und "Fahrzeuge" haben dann allerdings dennoch sehr komplexe Philosophie mit in ihre Lehre eingebaut.

"Ich kann mir leider keine Bücher zulegen, da meine Familie anders Religiös ist und ich glaube, dass die nicht begeistert reagieren, wenn ich sie frage, ob ich mir ein Buch über Buddhismus kaufen darf..."

Das ist schade, ich finde gerade religiöse Menschen sollten sich auch mal mit anderen Wegen befassen.

Ich bin selbst von meiner Familie her katholisch, befasse mich aber schon lange auch mit anderen Religionen/ Traditionen (aktuell vor allem Advaita Vedanta, einer philosophischen Schulrichtung des Hinduismus).

So findet man überraschende Parallelen und kann seinen eigenen "Weg" auch mal aus einer anderen Perspektive sehen.

Aber vll. findest du ja einen anderen Weg an Wissen zu gelangen wenn dich das Thema interessiert.

Wie gesagt ich gebe Dir gern ein paar Links zu dem Themenbereich.

Gruß

Ich denke, dass es das Beste ist, wenn Du Dich einmal mit dem Leben Buddhas beschäftigst. Dadurch erfährst Du, wie er überhaupt auf die Idee kam, das zu lehren, was ihm widerfahren war und was er gelernt hatte.

Die gratis online Enzyklopädie WIKIPEDIA bietet eine gute Lebensgeschichte Buddhas (Siddharta Gautamas):

https://de.wikipedia.org/wiki/Siddhartha_Gautama

Hey...

also es gibt Bücher, in denen die Lehren Buddhas übersetzt dargelegt werden. Vieles wird auch über Buddhistische Zentren weitergegeben, die es inzwischen in vielen Städten gibt. Dort kann man sich mit anderen Gläubigen austauschen.

Du vermutest, dass deine Eltern dir es nicht erlauben werden, wenn du dich über Buddhismus schlau machst? Warum denn nicht? Sich informieren heißt doch nicht automatisch, dass man sich damit von einer anderen Religion abwendet. Ich vermute mal, dass du aus einer christlichen Familie stammst. In vielen christlichen Klöstern werden Meditations-Seminare nach buddhistischem Vorbild angeboten, sogar geleitet von christlichen Mönchen oder Nonnen. Ein weiteres Beispiel, wo die beiden Religionen zusammengefunden haben, ist der https://www.benediktushof-holzkirchen.de/
Christen reden häufig von "Nächstenliebe". Bei Buddhisten heißt es "Verständnis, Liebe und Mitgefühl". Im Grunde wollen wir alle dasselbe: Friedlich zusammen leben.
Und wenn sich dein Wunsch mit dem Buch doch erfüllen lassen sollte, könnte ich einen schönen buddhistischen Roman empfehlen, geschrieben von einem weltbekannten buddhistischem Meister. Es ist zwar ein Roman, aber er orientiert sich sehr an den schriftlichen Überlieferungen, das ganze Leben des Buddhas wird darin beschrieben mit den wichtigsten und bedeutsamsten Stationen. Es ist sehr einfach und schön zu lesen.

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