Wie kann man die Karikatur interpretieren?

 - (Schule, Politik, Geschichte)

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Die Fragen sind schwierig zu beantworten.

Die Karikatur von Karl Arnold, Parlamentarisches, ist in der in München erscheinenden satirischen deutschen Wochenzeitung Simplicissimus, 28. Jahrgang, Nr. 32, 5. November 1923, S. 395, veröffentlicht worden.

Elemente/Gestaltungsmittel

Farben: mit dunklem Stift gezeichnete Darstellung auf hellem Hintergrund, wirkt ähnlich wie ein Schwarz-weiß-Bild mit hauptsächlich Umrisslinien

Personen: viele Menschen, zum Teil ziemlich unförmig, insbesondere die Köpfe, kennzeichende Bekleidung, Mimik und Gestik/Köperhaltung; es gibt aufgerisssene Münder für Schreien, neugierige, selbstgefällige, erregte, wütende, spöttisch-hämische, verblüffte Gesichtzüge. Viele Nasen sind knollenförmig, sehr langgezogen oder sehr kurz. Ein paar Menschen sind auf Gesichter oder sogar hauptsächlich Münder reduziert. Es wird zugespitzt, vergröbert und typisiert. Die Menschen wirken wenig schön und sympathisch.

Gegenstände: Tribüne, Pulte, Sitzbänke

Schrift: Es gibt Beschreibung und Aussagen in Anführungszeichen. Die Schrift ist in Druckschrift mit Großbuchstaben, etwas unregelmäßig und nicht gerade. Das Ganze wirkt nicht stabil, vertrauenswürdig und glanzvoll.

Überschrift „Parlamentarisches“

auf der Tribüne

„Das Kino hat sich überlebt, hier ist es interessanter.“

Rrraus! Lump Schieber

Ruh! – hä!!

Zur Ordnung!

ein Abgeordneter am Schluss seiner dreistündigen Rede:

„ … aber nicht oft genug kann man der Regierung zurufen: nicht Worte will das Volk sondern Taten!“

Unruhe links Gelächter rechts

„Bitte die Herren Abgeordneten zur Abstimmung!“

„Es macht ja direckt n’ schlechten Eindruck in mein’ Wahlkreis, so oft Regierungswechsel un’ ich bekomm’ nie n’ Posten.“

Gliederung: Es gibt mehrere neben- bzw. untereinander angeordnete Einzelteile der Karikatur. Sie verstärken sich in der Zusammenfügung zu einem Gesamteindruck der Szenerie.

historischer Zusammenhang

Die Weimarer Republik befand sich 1923 in einem Krisenjahr. Es gab die Besetzung des Ruhrgebiets durch französische und belgische Truppen, den passiven Widerstand dagegen, Hyperinflation (gewaltige Geldentwertung der Mark), den Abbruch des passiven Widerstandes wegen finanzell nicht mehr tragbaren Kosten und außenpolitischer Ausichtslosigkeit durch eine neue Reichsregierung am 26. September 1923.

Die Weimarer Republik war nach der Verfassung von 1919 eine parlamentarische Demokratie. Vorher hatte es das Kaiserreich gegeben (1871 – 1918). In ihm gab es zwar auch schon einen Reichstag als Parlament, aber die parlamentarische Demokratie war neu. Bei einem erheblichen Teil der Bevölkerung gab es Vorbehalte gegen die Demokratie und Ablehnung.

Die Überschrift „Parlamentarisches“ weist auf das Thema Parlament/Parlamentarismus/parlamentarische Regierungsweise hin. Die Szenerie ist eine Darstellung des Verhaltens der Parlamentsabgeordneten und der Reaktion des Publikums auf der Tribüne darauf.

zentrale Bildaussage („Botschaft") der Karikatur/Deutung/Haltung gegenüber der Demokratie bzw. dem Parlament zur Zeit der Weimarer Republik

Das Parlament ist ein unnützes Theater, eine Schwatzbude. Es bietet ein unwürdiges Schauspiel und leistet nichts. Die Abgeordneten verhalten sich schlecht. Sie reden lange, ohne wichtige Entscheidungen zu treffen und Taten zustandezubringen.

Abgeordnete streiten miteinander und beschimpfen sich. Der redende Abgeordnete befindet sich mit seinem eigenen Verhalten in Widerspruch zu dem von ihm selbst vorgetragenem Maßstab, wenn er der Regierung vorhält, nicht Worte wolle das Volk, sondern Taten. Denn er hat drei Stunden lange eine große Menge Worte von sich gegeben, aber keine bemerkbare Tat vollbracht. Fraktionen linker und rechter Parteien scheinen nicht auf eine sachliche Erörterung zugunsten des Allgemeinwohls ausgerichet (die einen verbreiten gerade wie Krakeler Unruhe, mit Rufen, hochgerissenen Armen und drohend geballten Fäusten, sie wirken auch ungepflegt; die anderen lassen hämisch-spöttisch und feixend Gelächter ertönen). Abgeordnete sind faule Nichtstuer (zwei Schlafende, die ein Angestellter zur Abstimmung bittet). Ein Abgeordneter (rechts unten neben einem Großunternehmer/Kapitalisten [dicker Bauch, Zigarre im Mund]) scheint egoistisch vor allem an einem Posten Interesse zu haben. Das Parlament erscheint nur als Spektakel zur Unterhaltung eines Publikums, das sich an Streitereien ergötzt, tauglich.

Die Haltung gegenüber dem Parlament zur Zeit der Weimarer Republik ist offenbar von starken Vorbehalten geprägt und skeptisch bis ablehnend. Die Darstellung der Wirklicheit des damaligen Parlamentarismus ist negativ. Die Kritik ist dabei nicht, es werde im Parlament Demokratie vorgetäuscht/vorgegaukelt, sondern die Kritik ist, es herrsche im Parlament Geschwätz, Parteienstreit und Tatenlosigkeit. Die grundsätzliche Haltung gegenüber der Demokratie geht aus der Karikatur nicht deutlich hervor. Die Praxis der parlamentarischen Demokratie der Weimarer Republik wird als schlecht beurteilt. Eine Aussage zur Demoratie als allgemeiner Gedanke kommt in der Karikatur nicht vor.

Die Zeitschrift »Simplicissimus« und der Zeichner Karl Anold haben Demokratie nicht grundsätzlich abgelehnt.

Die Karikatur von Karl Arnold, Parlamentarismus, Simplicissimus, 35. Jahrgang, Nr. 5,28. April 1930, S. 49, gibt eine Darstellung, die Sympathie und Mitleid für die von Artikel 48 (Notverordnungen, mit denen unter Berufung auf einen Notstand Beschlüssse ohne Mehrheit Reichstag durchgesetzt werden können) bedrohte parlamentarische Demokratie erwecken kann: Ein Henker in grauer Farbe tritt mit Säge und Axt an einen ergrünten kleinen Baum, personifiziert von einer wehrlos erscheinenden nackten jungen Frau/Baumnymphe mit im Geäst sitzenden Singvögeln. Die Bildunterschrift ist: „Kaum erblüht - schon naht der vernichtende § 48!“

Es hat eine Überbewertung nationaler Einheit, unabhängig von den dabei herrschenden Verhältnissen, gegeben.

Ruprecht Konrad, Politische Zielsetzungen und Selbstverständnis des »Simplicissimus«. In: Simplicissimus : eine satirische Zeitschrift München 1896–1944. Haus der Kunst : München 1978, S. 106:

„Erst langsam begriff man, daß sich trotz der außenpolitischen Katastrophen und innenpolitischen Krisen der ersten Nachkriegsjahre auch eine Chance zu einem allgemeinen Neubeginn bot. Während sich die Siegermächte zunehmend mit den Problemen des Bürokratismus, Militarismus und der Konkursmasse des Imperialismus auseinandersetzen mußten, konnte man in Deutschland an die Verwirklichung der vor 1914 ersehnten politischen Vorstellungen gehen. Auch der »Simplicissimus« wollte den konstruktiven Kräften und neuen Möglichkeiten einen Weg bahnen. Von der durch das Kriegserlebnis gewachsenen »Schicksalsgemeinschaft« des Volkes erwartete man eine Überwindung der gesellschaftlichen Gegensätze. Wenn man auch vor 1914 die Republik nach westlichem Vorbild nur mit Einschränkungen als mögliche Staatsform der Zukunft erachtet hatte, so akzeptierte man jetzt die geschaffenen Realitäten, beobachtete aber aus kritischer Distanz heraus die weitere Entwicklung. Man war - wieder einmal - Realpolitiker – genug, um auch unter den veränderten Verhältnissen die eigenen, allgemein menschlichen Grundsätze der neuen Zeit im Spiegel der Satire vorzuhalten. Erleichtert hat diese Bejahung der Demokratie vor allem die Präsidialverfassung des Reiches. Friedrich Ebert an der Spitze des Staates, als Repräsentant einer ideologisch entschärften Sozialdemokratie, erschien als akzeptable Integrationsfigur bei dieser ersten politischen Verbindung des bürgerlichen mit dem sozialistischen Element. Eine starke Position des Reichspräsidenten entsprach auch den im Kriege gemachten positiven Erfahrungen, und Hindenburg sollte später eine ähnliche Vertrauensposition einnehmen, bis er sogar Bismarcks Vorbild überstrahlte. Erst allmählich kann man zu der Einsicht, daß Hindenburg vielleicht doch besser General geblieben wäre, als er zugunsten der Rechten seine überparteiliche Stellung aufzugeben schien.

Man kann überhaupt an der Einstellung zur »großen Persönlichkeit« erkennen, wie sehr damals noch Politik personalisiert wurde und nicht nur in der Karikatur politische Probleme auf reine Personalfragen reduziert wurden. Erfolg oder Mißerfolg wurden mit der Persönlichkeit des jeweiligen Politikers identifiziert, und jede Art von Pragmatismus war angesichts der Verhältnisse zu begrüßen. Dies kam später vor allem Stresemann und Brüning im »Simplicissimus« zugute.

Sosehr man aber die Bemühungen der Reichsregierung um innere Stabilität und äußere Sicherheit anerkannte, richtete sich die Kritik des Blattes doch stark gegen das parlamentarische System der Republik in Form des Parteienstaates. Infolge des altliberalen Antiparteieneffektes war man ja schon im Kaiserreich, noch mehr im Krieg, gegen »Parteienhader« und Vielparteiensystem gewesen. In der Tätigkeit der Parteien erkannte man keine demokratischen Grundprinzipien verwirklicht, sondern einen Konkurrenzkampf gruppenegoistischer Interessen zu Lasten des Volkes und der Demokratie. Das Parteiensystem stand geradezu im Widerspruch zu der vom »Simplicissimus« geforderten nationalen Einheit über Gesellschafts- und Gruppeninteressen hinweg, während sich infolge des Parteienhaders und der Aushöhlung der Demokratie der Grad an innerer Freiheit verringern mußte (Kat. Nr. 282).“

Bewertung aus heutiger Sicht

Das Gesamtbild, das die Karikatur gibt, weicht deutlich von der Wahrheit ab.

Eine Karikatur in einer satirischen Zeitschrift ist grundsätzlich erlaubt, nicht einfach die Realität abzubilden, sondern etwas als schlecht darzustellen und zuzuspitzen. Die Weise, in der dies bei dieser Karikatur geschieht, ist aber als politisch schlecht zu beurteilen.

Die Praxis der parlamentarischen Demokratie in der Weimarer Republik hatte Schwächen. Vorfälle, in denen geschimpft und beleidigt wurde und Ordnungsrufe nötig wurden, Redner lange, selbstgefällige Reden hielten und darin an der Regierung meckerten, Abgeordnete nicht fleißig waren, Unruhe, Lärm und Gelächter auftraten, hat es gegeben. Menschen sind keine vollkommenen Wesen. Insofern kann unter dem Gesichtspunkt der Wahrheit leicht behauptet werden, an einer schlechten Darstellung sei zumindest ein wenig dran.

Als schlecht und schädlich ist aber zu beurteilen, wie Pauschalisierungen vorgenommen werden und im Gesamtbild ein Zerrbild geboten wird. Es kommt beim Parlament nichts vor, das positiv und lobenwert ist, es werden keine Taten für den Staat und das Volk gezeigt. Die sehr einseitige Karikatur fördert Vorurteile und negative Klischees. Eine unterscheidbare Abgrenzung zu antidemokratischen Standpunkten wird nicht geleistet. Vorstellungen, die Parlamenatarissmus und Demokratrie ablehnen, werden begünstigt. Angesichts starker Gegerschaft zur parlamentarischen Demokratie ist dies schädlich für das Bestehen der Weimarer Republik gewesen.

Es ist nicht richtig, bloß Taten zu fordern. Es kommt auch darauf an, ob die Taten gut oder schlecht sind. Worte in der Beratung und Diskussion vor dem Treffen einer Entscheidung sind grundsätzlich sinnvoll. Sie sind Bestandteil einer politischen Mitsprache und Mitbestimmung in der Demokratie.

Es wurde in schwarz/weiß gemalt und die Mimik der Personen ist ziemlich gelangweilt und monoton. Die Personen sind überwiegend Männer in Anzügen. Sie haben alle recht unförmige Gesichter, die in einem witzigen Stil gezeichnet sind. Die Schrift ist sehr unregelmäßig und klein hingeschrieben. Sie ist zudem nicht gerade geschrieben, sondern einfach dahin wo gerade Platz war. Das weist darauf hin das erst die Zeichnungen gemacht wurden und die Schrift erst zum Schluss hinzugefügt wurde. Das ganze könnte sich in einem Klassenraum oder Gerichtssaal abspielen. Laut dem Namen der Karikatur würde ich allerdings eher auf Gerichtssaal tippen.

(Weiß nicht ob es dir was weiter hilft. Habe so etwas noch nie gemacht, also bin ich nicht sicher ob es dir was bringt.)

Hoffe ich konnte trotzdem ein wenig helfen:)

Es geht um Situationen in einem Parlament »PARLAMENTARISCHES« steht oben drüber

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Das Parlament kommt einem Zirkus oder einem Theater gleich. So könnte man die Ansicht des Illustrators interpretieren. Wenn man weiterspinnt, könnte man sagen, im Parlament werden keine wichtigen Entscheidungen getroffen. Es soll dem Volk nir Demokratie vorgegaukelt werden.

Gruß Matti

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