Wie ist das mit dem Gentleman der alten Schule?

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Es gibt ja heutzutage ein paar Leute, die das völlig übertreiben und dann bitter beleidigt sind, wenn man auf das Theater keine Lust hat. Hieß es vorher dann noch, dass man "so kluge schöne Frauen wie dich" auf Händen tragen wird, wird man bei einem Korb ganz schnell als billiges Flittchen abgestempelt, das ja sowieso keinen Sinn für die wahren Werte im Leben hat. Das ist natürlich Quatsch, keine Frage. 

Ich tu mich da selbst ein bisschen schwer. Ich muss sagen, ich mag es als Frau ganz gerne, selbst der "Gentleman" zu sein. Ich bin jemand, der seine Liebe gerne in einer Reihe an netten Gesten, beiläufigen zärtlichen Berührungen usw ausdrückt. Ich helfe auch gerne mal in den Mantel, lasse den Vortritt, etc...ich möchte zum Beispiel auch gerne den Antrag machen. Nicht als feministischer Akt oder so. Einfach, weil ich es total romantisch finde und gerne der Geber und nicht der Nehmer bin. 

Ein bisschen unangenehm ist es mir manchmal schon, wenn es anders herum ist. Wenn mir jemand die Tür aufhält (vereinfachtes Beispiel jetzt), gehen wir beide hindurch und das wars - ich kann den Gefallen nicht gleich zurückgeben. Ich weiß nicht, ob das der Stolz der frischgebackenen Erwachsenen oder Schuldgefühl ist..

Aber wenn ich nur hin und wieder mal so verwöhnt werde, bin ich schon ganz happy. Ich mag es speziell vor anderen Leuten, wenn mein Partner mich behandelt wie eine richtige Dame. Du hast recht, das macht was damit, wie man sich gibt. Und man ist ja auch immer überzeugt, dass der eigene Liebling die großartigste Erscheinung des Planeten ist und wundert sich, warum ihm nicht längst auch der Rest der Welt zu Füßen liegt. Banausen alle. Aber wenn sie dann sehen, dass man selbst seine Auserwählte ist, fühlt man sich schon unwillkürlich wohl dabei.

Hallo!

Ich habe neulich das Buch "Hinter den Kulissen" von Dieter Bohlen mal wieder zur Hand genommen & las mit Interesse ein paar Abschnitte über eine Begegnung zwischen Bohlen und Udo Jürgens. Da wurde u.a. ein Interview zitiert, in dem Udo Jürgens sich als Gentleman outete & dass das alles zwar altmodisch sei, aber er das ganz bewusst weiterhin so pflege!

Das Interview fand ca. 2002 statt & damals war es tatsächlich auch lt. meiner Beobachtung so, dass viele Männer ziemlich barsch und forsch drauf waren bzw. die Gesellschaft allgemein ruppiger war als heute, wo eher wieder "soft skills", Ehrlichkeit und Freundlichkeit Beachtung finden.

Dennoch ist die Mehrheit weit entfernt vom Pflegen guter Umgangsformen, was aber mit dem Jugendwahn zusammenhängt. Es gilt offenbar für viele nicht mehr als cool sich zu benehmen und sich einigermaßen gut zu artikulieren bzw. das "Einmaleins der Höflichkeit" anzuwenden -----> dafür gilt es in gewissen Kreisen offenbar als falsch verstanden "dynamisches" Auftreten, anderen möglichst schnippisch und frech zu begegnen. Vor zehn Jahren kam es mir persönlich zwar schlimmer vor als gegenwärtig, dennoch nimmt das Züge an, die m.E. bedenklich sind.

Die meisten Männer können sich durchaus benehmen & wissen sich auch ggü. Frauen richtig und seriös zu verhalten, wobei die Umgangsformen gemäß Knigge oder das, was früher zum guten Ton gehörte inzwischen tatsächlich gerade für junge Frauen als befremdlich gilt -----> ich wurde auch schon mal auf diese Art von der Seite her angemacht: Im letzten Jahr meinte eine Frau um die 40 zu mir, dass meine Art mit "Hallo, Bitte, Danke, Entschuldigung und Auf Wiedersehen" für sie fürchterlich sei & nicht nur das sondern in der heutigen Welt unzeitgemäß, altmodisch, uncool und beinahe karikierend, weil "man das heute nicht mehr macht". Sie sagte im O-Ton, ich hätte einen "dezenten Altherren-Mitleids-Danke-und-Bitte-Tonfall" drauf wie der späte "Derrick" um 1990. Jedenfalls würde ich sie an die schlimmsten Zeiten ihres Lebens, ihren spießigen Ausbilder (den ich nie kannte^^) und andere ältliche Leute erinnern. Ich lache zwar drüber & auch über diese Person, nachdem ich ihre Vita näher kennenlernte -----> trotzdessen kam ich mir in dem Augenblick, in dem sie das zu mir gesagt hat vor wie im falschen Film, auch wenn ich mir wenig draus gemacht habe und diese Frau eigentlich zu bedauern ist.

Außerdem hat sich meine Exfreundin massiv über einen ca. 90 Jahre alten Nachbarn von mir aufgeregt, der stets sehr herzlich ist (das meint er auch so) und ihrer Meinung nach ein fürchterlich schmieriger Zeitgenosse sei. Es sei heute "normal", dass alles etwas schneller und vllt. auch frecher zuginge, meinte sie, als ich sie ansprach, was sie gegen Herrn ... denn einzuwenden hätte. Erklärung: Auch sie hat so etwas wie wahre Freundlichkeit nie kennen gelernt, da sie in einer recht kühlen "Bildungsbürgerfamilie" aufwuchs und dort Liebe und Freundlichkeit nicht wirklich verbreitet waren. Ich hingegen bin bei meinem Opa in einer Welt aufgewachsen die von Leuten dominiert wurde, die spätestens ende der 90er in Rente gegangen sind & die haben sich auch im Alltag und auf der Arbeit tatsächlich exakt so aufgeführt wie etwa mein Nachbar -----> und wenn ich an meine Arbeit denke, ist es da nicht anders & wir leben täglich ein respektvolles, höfliches und auch privat anteilnehmendes Miteinander.

Aber es gibt m.E. noch eine gesellschaftliche Ursache: Dass Autorität oder eine vielleicht übergenau oder pedantisch wirkende Art bzw. Freundlichkeit und Höflichkeit bei der "Babyboomer"-Generation bisweilen recht verrufen sind lässt sich insofern erklären, dass sie sich dadurch teilweise an die eigene Vergangenheit bzw. die autoritärere Erziehung ihrer selbst zurückerinnern, die sie sich zum Teufel wünschen weil sie mit den 80ern/90ern nicht grad schöne Dinge verbinden & ALLES, aber auch echt alles anders machen wollen als die eigenen Eltern -----> so eine war auch die "Dame", die mich als "Derrick 2.0" abwertete. Zwar gilt es leider als "cool" und "jugendlich", schnippisch und frech drauf zu sein bzw. eine gute Gesprächskultur gilt als ältlich ------> dennoch ist das sehr wichtig, wie ich finde. 

Wow vielen dank

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Kommt halt auf die Erziehung drauf an... ist die Vorhanden dann sind diese Umgangsformen so in Fleisch und Blut über gegangen das sie ganz natürlich rüber kommen! 

Dazu gehören auch ganz einfache Gesten wie den Stuhl wieder unter den Tisch zu schieben nachdem man aufgestanden ist... das war übrigens mal der ausschlaggebende Faktor der mich von anderen Bewerbern um einen Arbeitsplatz unterschieden hat und weswegen ich dann schlussendlich diese Stelle erhalten habe.....

Leider wird aber auf Erziehung kaum mehr Wert gelegt und in solchen Kreisen sind dann gute Umgangsformen eher verpönt als geschätzt.

Ich schätze Leute mit guten Umgangsformen ABER schlussendlich machen sie nicht den Menschen aus!

 Es gibt Leute mit guten Umgangsformen die Menschlich absolut unterirdisch sind und Leute ohne dieses Mitbringsel aus dem Elternhaus die nicht mit Gold aufzuwiegen sind

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