Wie hört sich ein magnetisierter Tonkopf an?

5 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Das Erdmagnetfeld ist vernachlässigbar.. aber auf dem Tonband, welches beim Abspielen am Tonkopf vorbeigezogen wird, befinden sich Millionen individuell ausgerichtete Elementarmagnete, also die kleinste Form von Magneten, welche noch einen Nord- und Südpol besitzen. Diese Elementarmagnete geben mit der Zeit einen kleinen Teil von ihrem Magnetismus an den Tonkopf ab.

Du kannst die Spitze eines Schraubendrehers übrigens auf die gleiche Weise magnetisieren: Einfach mit einem kräftigen Magneten ein paar mal drüber streichen, schon ist der Schraubendreher an der Spitze leicht magnetisch. Dies nur zur Veranschaulichung des Magnetisierungsprinzips.

Ein Tonkopf, welcher auf diese Weise (siehe Absatz 1) langsam immer mehr magnetisiert wurde, klingt mit der Zeit dumpf und kraftlos, denn die langsam ansteigende Magnetisierung des Tonkopfes "kämpft" nun mit den Elementarmagneten des vorbeilaufenden Tonbandes. Die ständige Bewegung der Elementarmagneten durch Entlangziehen des Tonbandes am Tonkopf bewirkt ja eine ständige Magnetfeldänderung in der Spule des Kopfspalts.. dadurch wird eine Spannung im Tonkopf bzw. Kopfspalt induziert, von der Elektronik verstärkt und als Musik wiedergegeben.

Hat der Tonkopf aber mit der Zeit ein eigenes Magnetfeld "gespeichert", stört dieses den korrekten magnetischen Fluss, welcher zur akkuraten Tonwiedergabe benötigt wird.

Abhilfe schafft ganz einfach eine Entmagnetisierdrossel, welche dafür sorgt, das durch ein elektromagnetisches Feld von hoher Intensität die Magnetisierung aus dem Tonkopf gewaltsam "herausgeprügelt" wird. Danach ist wieder alles in Butter, der Tonkopf klingt wieder frisch und obertonreich.

Aber Vorsicht: So eine Entmagnetisierdrossel hat es in sich: Die prügelt alles magnetische im Umkreis von 10 Metern weg.. auch die Daten auf dem Magnetstreifen deiner Bankkarte, Tonbänder, Audio-/Videokassetten usw.

Also alles in Sicherheit bringen, bevor du eine solche Drossel benutzt. Und auf jeden Fall den Stecker vom Tonbandgerät ziehen. Das Magnetfeld der Drossel würde sonst einen sehr lautes Brummen von 50 Hz erzeugen, ich weiß nicht, ob deine Boxen das überleben würden.

Ach ja, Festplatten werden auch durch diese Drossel gelöscht, Ausnahme sind SSD Platten, die haben keinen Magnetspeicher mehr.

2

"...alles magnetische im Umkreis von 10 Metern weg.. auch die Daten auf dem Magnetstreifen deiner Bankkarte, Tonbänder, Audio-/Videokassetten usw."

Bitte gib uns Entwarnung, dass das nicht im Umkreis von 10m geschieht ! Denn ansonsten ist das Teil ja heutzutage völlig unbrauchbar - nee sogar absolut kontraproduktiv !

Der Umkreis ist doch bestimmt nicht sooo groß, oder... ? Die Rede ist von kleinen Entmagnetisierspulen nicht für eine wie das damalige Farbfernsehen !

Ansonsten bedanke ich mich für Deinen hervorragenden und wirklich sehr informativen Beitrag

0

Klingt ein wenig wie verbrannte, heisere Röhre.

Aber ob das Erdmagnetfeld ausreicht, den Tonkopf zu magnetisieren?

Wohl eher irgendwelche (magnetischen) DC-Offsets auf den Kassetten.

Ich habe natürlich nicht den blassesten Schimmer. Aber ich habe hier dieses Forum für dich entdeckt:

https://forum.archaeologie-online.de/

Vielleicht wissen DIE ja etwas ;o)

Höhö, sag mal nichts gegen alte Tonbandaufnahmen.

Ich hab noch Schätzchen auf Band, die sind Gold wert.

2

Hinzu kommt noch, dass magnetische Tonköpfe rauschen.

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung

Danke für diese wirklich hilfreiche Ergänzung...DH !!

Die Kür wäre natürlich, wenn man noch wüsste, warum ein Rauschen zu hören ist...

0
@TimeosciIlator

Das Rauschen entsteht einerseits durch die elektrische Toleranz in den je nach Hersteller höher- oder minderwertigeren Bauteilen, andererseits aber auch durch nicht ausgerichtete und damit frei herumstehende Elementarmagnete auf der Magnetschicht des Tonbands. Dolby kann das ganz gut unterdrücken, indem es bei der Aufnahme die Höhen im Audiomaterial unangenehm anhebt und beim Abspielen diese Anhebung wieder rückgängig macht. Dreht man die Höhen stark zurück, dämpft man damit nämlich zwangsläufig auch das Rauschen. Die Höhen übertönen also auf dem Band das Grundrauschen.. das nennt man Verdeckungs- oder Maskingeffekt.

2

Die Bänder werden beim Abspielen "angelöscht".

Die Aufnahmen werden dumpf und leiser.

Leider falsch, die Bänder werden nicht angelöscht, dazu benötigt man den Löschkopf, welcher alle Elementarmagnete auf dem Tonband wieder gleichmäßig ausrichtet.

0
@Trolli1970

Jedes Magnetfeld ist Gift für die Aufzeichnung. Auch ein statisches.

3

Ich finde, die beste Antwort bisher.

Dass das Magentfeld der Erde Einfluss hat auf alle möglichen Sachen, das ist schon klar. Aber die Frage ist, ob das nachweisbar ist oder vernachlässigbar.

Schlimmer ist da schon, dass die einzelnen Lagen der Wicklung der Spulen sich selbst magnetisieren. Das kann man sogar hören! Zum Beispiel in Leerpasagen vor Beginn eines Titels. Da solche Sachen überhaupt keinen Spaß machen: alles digitalisieren. Magnetbänder altern eh mit der Zeit. Die Magnetisierung lässt nach. Auch das liegt nicht am irdischen Magnetfeld.

1

Was möchtest Du wissen?