Wie ähnlich sind sich Koreanisch, Japanisch und Chinesisch?

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Wie erwähnt sind Chinesisch und Japanisch völlig verschiedene Sprachen (sind nicht einmal miteinander verwandt).

Koreanisch hat einen deutlich anderen Wortschatz als Japanisch, allerdings funktioniert die koreanische Grammatik näherungsweise wie die japanische Grammatik, nämlich "agglutinierend" (Chinesisch ist keine agglutinierende Sprache).

In beiden Sprachen werden also Endungen angehängt (agglutiniert), z.B. um eine Perfektform des Verbs zu bilden.

Da aber die Wörter (Wortstämme) fast alle verschieden sind, sind auch Japanisch und Koreanisch deutlich unterschiedlich. Die koreanische Schrift (Hangeul) ist ebenfalls deutlich unterschiedlich (Hangeul ist eine Alphabet-Schrift).

Koreanisch ist zwar offiziell eine isolierte Sprache, zeigt jedoch manchmal Ähnlichkeiten mit dem Mongolischen (oder damit verwandten Sprachen).

z.B. Mongolisch dugui "rund" Koreanisch dunggeun "rund" 둥근

(Mongolisch bildet zusammengesetzte Formen wie ön-dög "Ei" und öv-dög "Knie")

[Japanisch anders: marui "rund"]

oder Yugur nudun "Auge" Koreanisch nun "Auge" 눈

Mongolisch nüd

[Japanisch anders: me "Auge"]

(Yugur ist eine mongolische Sprache in China)

oder der Wortstamm *nog für grün

Mongolisch nogoon "grün" Koreanisch nogsaeg "grün" 녹색

[Japanisch anders: midori "grün"]

Manchmal zeigt auch Japanisch gewisse Ähnlichkeiten mit Mongolisch, jedoch in geringerem Ausmaß. Auch Manchu (Mandschurisch) kommt als Kandidat für eine mögliche Verwandtschaft mit dem Koreanischen in Betracht [Manchu ist fast ganz ausgestorben, und heute spricht man in Nordost-China Chinesisch].

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@OlliBjoern

Das sind zum größten Teil keine Sprachverwandtschaften, das sind i.d.R. "entlehnte" Wörter und Wortverbindungen, wie es bei der geografischen Nähe der Staaten sehr wahrscheinlich gewesen sein dürfte.

Wenn man das chinesische Wort für "Vitamin" - wei ta ming - nimmt, kann man auch keine Sprachverwandtschaft mit dem Lateinischen herstellen. Die Chinesen hatten einfach keinen anderen Begriff dafür (heute haben sie den: wei sheng su 维生素). Gleiches betrifft andere Bezeichnungen für Dinge, die die chinesische Gesellschaft eben nicht kannte: z. B. Sandwich - san wei chi, oder Minirock - mi ni qun, u.a..

Ähnliches haben wir in anderen Sprachen, z.B. ist das technische Russisch voll von deutschen Begriffen.

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Japanisch besteht teilweise aus Chinesischen Schriftzeichen. Und die sind nicht verwandt?

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Die Sprachen haben sehr wenig miteinander zu tun. Chinesisch spielt sowieso in einer eigenen Liga, und ob Koreanisch und Japanisch tatsächlich eine gemeinsame Wurzel haben, ist in der Sprachwissenschaft umstritten. Auf keinen Fall hilft das beim täglichen Sprechen — selbst Russisch und Italienisch und Deutsch, die ja unstrittig miteinander verwandt sind, unterscheiden sich hinreichend, daß man beim Lernen jedes Mal von vorne anfangen muß.

Andererseits stehen diese Sprachen aber seit langem in engem kulturellen Kontakt und haben Wörter untereinander entlehnt, vor allem vom Chinesischen (das die Kultur der Region dominiert) in die beiden anderen Sprachen. Das hat sich aber schon vor Jahrhunderten bis Jahrtausenden abgespielt, und die Wörter sind einander mittlerweile nicht mehr sehr ähnlich, weil sich sowohl die Donor- als auch die Akzeptorsprache inzwischen kräftig verändert haben.

(Dazu wieder ein Beispiel: Das lateinische Wort piper ist vor 2000 Jahren ins Germanische entlehnt worden; heute sprechen wir es Pfeffer aus. Im Italienischen heißt es mittlerweile pepe. Ähnlich ja, aber nicht sehr)

Das Kernvokabular, also z.B. Köperteile, Verwandtschaftsbezeichnungen, Haushalt, grundlegende Verben, wird sowieso nur selten von einer Sprache in eine andere Übernommen, da gibt es dann kaum Übereinstimmung zwischen den dreien. Und von der Grammatik her unterscheiden sie sich sowieso alle voneinander.

Bei der Schrift ist es etwas besser, weil die Japaner heute noch ca. 2000 chinesische Zeichen zum Schreiben verwenden. Die kann ein Chinese also durchaus wiedererkennen, oder ein Japaner kann mit einem geschriebenen chinesischen Text ein bißchen etwas anfangen. Aber das funktioniert auch eher schlecht als recht, weil gleiche Zeichen keinesfalls das Gleiche bedeuten müssen.

Die Koreaner haben die chinesischen Zeichen weitgehend aufgegeben und verwenden nur noch selten ein paar davon eingesprenkelt in koreanische Texte (Tendenz abnehmend). Stattdessen schreiben sie in einer selbsterfundenen Schrift, mit der kein Chinese oder Japaner irgendetwas anfangen kann, wenn er es nicht gelernt hat.

Woher ich das weiß:Hobby – Angelesenes Wissen über Sprach­geschich­te und Grammatik

Für Koreanisch kann ich nicht sprechen, weil ich da im Detail nicht auskenne.

Chinesisch und Japanisch ähneln sich überhaupt nicht, außer, dass die Japaner vor diversen Jahrhunderten die chinesischen Schriftzeichen (chin. Hanzi/ jap. Kanzi) übernommen haben, die aber für ihre eigene Grammatik wiederrum eigentlich vollkommen untauglich sind, wesegen sie die chinesische Schrift dann um die beiden Moren-Alphabete "Hiragana" und "Katakana" (gewöhnlich unter dem Begriff "Kana" subsummiert) einführten.

Sowohl im Punkto aussprache, als auch hinsichtlich Grammatik sind beide Sprachen grundverschieden, die Gemeinsamkeiten gehen abgesehen von der Verwendung von Partikeln als Grammatischer Kategorie so ziemlich gegen Null.

Und in den Schriftzeichen auch? Also kann ich wenn ich ich japanisch kann einen chinesichen text vorlesen(Wie ich beispielsweise wenn ich deutsch kann auch einen lateinischen text vorlesen kann auch wenn ich kein Wort verstehe)

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@R1CKGR1MES

Das funktioniert deshalb nicht, weil die Kanji-Zeichen Begriffszeichen sind (und keine Aussprache-Informationen tragen).

鳥 bedeutet "Vogel". Aber im Chinesischen sagt man "niao" und im Japanischen "tori". Wie das Wort gesprochen wird, steckt im Zeichen nicht drin (deswegen sind das auch keine Buchstaben).

Im Japanischen gibt es zusätzlich die Silbenschriften Hiragana und Katakana, da stecken Informationen über die Aussprache drin (diese werden aber im Chinesischen nicht benutzt).

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@R1CKGR1MES

Nein, kannst du nicht, weil die Zeichen jeweils mehrere völlig verschiedene Lesungen (d.h. Aussprachen) haben, schon in einer der beiden Sprachen. Um einen Text vorlesen zu können musst du die Lesungen eines Zeichens beherrschen, in beiden Sprachen und darüber hinaus wissen, in welchem Kontext welche Lesung verwendet werden muss. Da du das ohne Hintergrundwissen über die andere Sprache aber eben nicht hasst, kannst du ihn auch den Lauten nach nicht vorlesen.

Darüber hinaus, sollte man die Zeichen in ihrer Menge nicht unterschätzen. Im Alltagsgebrauch sind etwa 2.000, für gewähltere/fachliche kommunikation etwa 5.000 Zeichen gängig (Japan) tatsächlich existieren, dürften mehrere Zehntausend.


Demnach um einen Text in jedem Fall lesen zu können müsstest du von mehreren 10.000 Zeichen sämmtliche Lesungen und Komposita in beiden Sprachen beherrschen. Wenn du das auf die Reihe bekommst, hast du meinen Respekt.

Ich für meinen Teil Studiere Japanologie und habe was den sprachlichen Teil angeht faktisch das 1. Studienjahr abgeschlossen. Mein Lernstand sind so zwischen 600 und 650 Zeichen, die ich mindestens passiv beherrsche und 550-600 aktiv.

Ich sage dir, dass ist eine verdammte Schinderei.

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Nicht Kanzi, sondern Kanji.

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Sie ähneln sich gar nicht! Die chinesischen Zeichen haben die Koreaner und die Japaner "geborgt" (die Japaner haben auch mitunter Modifikationen vorgenommen), sie sprechen sie aber komplett anders aus, auch wenn die Bedeutung beibehalten wird!

Also zumindest die mündliche Sprache ist völlig unterschiedlich, auch und v. a. weil sie alle eine anderen Ursprung haben - siehe dazu z. B. bei Wikipedia unter "Glottogonie" oder "Sprachgenese".

Japaner verwenden teilweise chinesische Schriftzeichen - die Grammatik unterscheidet sich zwar, wenn man dem chinesischen mächtig ist, ist man aber in Japan klar im Vorteil.

Ansonsten gibt es in der Schrift und phonetisch in der Sprache nicht wirklich Ähnlichkeiten.

Im koreanischen gibt es wiederum Überlappungen mit japanischen Schriftzeichen - das ist aber oft bei kulturellen Schnittpunkten so (siehe z.B. Deutsch im italienischen Grenzgebiet) - Pauschalurteile über die komplette Sprache erlaube ich mir hier nicht

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