Was sind Talente aus buddhistischer Sicht?

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4 Antworten

Ich bin Buddhist und werde versuchen, dir bei der Beantwortung dieser Frage etwas zu helfen.

Natürlich kann es eine ziemliche Ego-Falle werden, wenn man sich zu sehr mit seinen Talenten identifiziert, denn schließlich befriedigen sie nie endgültig.

Natürlich kann Talent auch zu anderen Faktoren führen - das Haften an Erfolg, Anerkennung, oder Bewunderung durch andere Nenschen.

Allerdings kann es durchaus ausreichen, unsere Sichtweise auf das jeweilige Talent zu ändern, um in ein anderes Verhältnis zu entwickeln.

Ein Talent ist nämlich eigentlich überhaupt nichts, worauf wir stolz sein können - denn wir haben uns dieses Talent nicht selbst erarbeitet.

Wir haben dieses Talent also nicht auf irgendeine Weise verdient, sondern tragen es eben einfach in uns. Es gibt also keinen Grund für übertriebenen Stolz.

Es ist aber natürlich auch möglich, dass man das Talent einfach als solches akzeptiert, aber Stolz auf die Fortschritte bei der Übung entwickelt.

Da wir nie perfekt werden, kann unser Talent uns also auch keine dauerhafte Befriedigung unserer Wünsche verschaffen.

Der Trick zum richtigen Umgang mit Talenten ist aber möglicherweise einfacher, als du ihn dir selbst gerade ausmalst.

Das Talent darf dich nicht besitzen, sondern du besitzt das Talent.

Wenn man sich bewusst macht, das Erfolg und Misserfolg letztlich nur Bewertungen sind, dann relativiert sich ihre Bedeutungsschwere.

Da es nur Bewertungen sind, kann man sie auch loslassen. Mache dich also einfach nicht abhängig von diesen Dingen.

Natürlich kann man aber dennoch weiter sein Talent ausschöpfen - wenn man die richtige Geisteshaltung dazu hat.

Es gibt zum Beispiel die "Dana Paramita", also die Tugend der Freigiebigkeit.

Wenn man also zB nicht für den eigenen Erfolg übt, sondern dass man anderen Menschen etwas "gibt" - ist das etwas ganz anderes.

Du übst nicht für dich, sondern es ist ein Dienst für deine Mitmenschen - du schenkst zB gestressten Hörern mit deiner Musik einen Moment der Ruhe.

Das deckt sich mit dem, von ArbeitsFreude bereits gesagtem.

Man kann auch einfach gänzlich in der Tätigkeit aufgehen und dabei sein Ego gänzlich vergessen, das ist ebenfalls möglich.

Vielen Dank - das hilft. Das Problem so glaube ich ist eben, dass ich noch zu wenig im Geben bin (das möchteich aber eben fokussieren) Danke *Gasshõ*

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@eulenspiegel91

Ich habe zugegebenermaßen meine buddhistische Praxis eine ganze Zeit lang mit einer falschen, selbstbezogenen Haltung geübt.

Es brauchte dann doch eine deutliche Ermahnung etwas Zeit, bis ich die Haltung eines Bodhisattva wirklich für mich selbst verstanden habe.

Mir ist eine schöne Passage aus dem Text einer Meditation für liebende Güte in Erinnerung geblieben. Dort heißt es

"Möge es mir gut gehen. Möge mein Herz offen sein, Möge ich eine Quelle des Wohlergehens für mich selbst und andere sein".

Ich denke, wenn man diese Haltung übt, dann kann man jede Handlung durchführen, ohne Selbstbezogenheit zu entwickeln.

*gassho*

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Wenn Du - wie ein guter Boddhisatva aus der Erde Deine Talente in den Dienst der Menschheit stellst, lieber Eulenspiegel,

dann hast Du Deine Begierden - zumindest aus nichiren-buddhistischer Sicht - positiv kanalisiert und brauchst Dir um den Ego-Aspekt keine Sorgen zu machen:)

Dass Du selbst auch von Deinen Talenten was haben sollst ist wiederum nur menschlich. Du kannst Ja nur für andere sorgen, wenn Du zuerst für Dich sorgst!

danke für deine Antwort!

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Wenn jemand danach trachtet, etwas aufzugeben, dann ist das auch ein Verlangen bzw. eine Begierde. So trickst sich  diese Philosophie vom Ego selbst aus. Caruso und anderen Genies wurden ihr Talent in die Wiege gelegt. Gehe also deinem starken Verlangen weiterhin nach, dein Talent auszuleben. Ego hin, Ego her

Danke für deine Antwort! *gassho*

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Ich bin Buddhistin und Künstlerin/ Designerin. Ich denke schon manchmal: "Hätte ich doch was sinnvolles gelernt, andere Buddhis sind Sozialarbeiter oder so." Aber ich kann halt nichts sinnvolles.

Der Erfolg dient erstens dem Geldverdienen. Und das muss man ja um die gute menschliche Existenz zu erhalten. Man braucht einen Körper, um zu meditieren, dieser braucht ein Dach über dem Kopf und etwas zu essen. Außerdem, wenn es gut klappt ist man nicht so gestresst wie jemand der z. B. als Krankenpfleger arbeitet. Man hat dann vielleicht mehr Energie um in der restlichen Zeit Mitgefühl zu üben. Von "Freizeit" kann ich in meinem Fall nicht sprechen, da mein Beruf ja immer Hobby- ausüben ist. 

Ich kenne auch niemanden, der einen buddhistischen Weg geht, welcher total vorbei geht an dem, was gegeben ist. Wenn man nicht total selbstlos von einem Job als Krankenpfleger träumt, sondern eben von Musik/Kunst, dann ist das eben die Ausgangslage. Man kann ja dafür dann mal für eine ältere Nachbarin einen Brief zum Arzt bringen oder so. Ich mache solche Sachen. Das heißt man versucht sich einfach ein Bisschen in Richtung selbstloser Tätigkeiten zu entwickeln.

LOL ich hoffe ich habe durch diesen Kommentar heute wenigstens ein Bisschen etwas Sinnvolles getan. Es IST wenig, ich geb es zu. Die meiste Zeit hab ich an meinem Talent angehaftet.

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