Was ist der wesentliche unterschied der 3 Hauptrichtungen des Buddhismus und zu welcher gehört der Zen Buddhismus am ehesten?

5 Antworten

Ich bin Zen-Buddhist der Soto-Tradition und helfe dir gerne weiter.

Der Theravada-Buddhismus ist die älteste Form des Buddhismus. Hier steht die eigene Befreiung im Vordergrund. Das Ideal ist der Arhat, der aus eigener Anstrengung die Befreiung erlangt.

Der Mahayana-Buddhismus legt das Gewicht auf die Befreiung aller Wesen und macht dies gewissermaßen zur moralischen Aufgabe für seine Anhänger. Das Ideal ist der selbstlose Bodhisattva.

Der Vajrayana-Buddhismus ist eine Sonderform des Mahayana. Hier spielen komplexe Rituale, Visualisierungen u.ä. eine wichtige Rolle.

Zum Mahayana-Buddhismus gehören auch weitere, sehr verschiedene Strömungen, zum beispiel der Reines-Land-Buddhismus. Dort vertraut man auf die Gnade des Buddha Amitabha.

Die drei Traditionen des Zen-Buddhismus (Rinzai, Soto, Obaku) gehören ebenfalls zum Mahayana-Buddhismus. Es gibt auch neuere Linien, die jedoch kleiner sind und moderne "Neuerfindungen" darstellen, zB Sanbo-Kyodan.

Der Unterschied zwischen Theravada und Mahayana liegt also im Wesentlichen darin, welchen Stellenwert die anderen Wesen haben und ob man für das Heil andere handeln kann.

Wie viele buddhistische Traditionen es genau gibt, ist schwer zu sagen, denn zB gehören zum Vajrayana-Buddhismus verschiedene tibetische Linien, aber auch der japanische Shingon- und Tendai-Buddhismus.

Da es keine oberste Instanz aller Buddhisten gibt, die eine Tradition "offiziell anerkennen" könnte, ist das immer eine Frage innerhalb der einzelnen Linien.

Allerdings ist es natürlich so, dass, wenn jemand behauptet, ein Lehrer der XY-Tradition zu sein, auch von einem Lehrer dieser Tradition ausgebildet worden sein muss. Es gibt also auch Betrüger.

Ich hoffe, die Antwort war hilfreich. Sollte es noch Fragen geben, helfe ich gerne weiter.

Wow jetzt bekommt das ganze schon eine viel bessere Struktur für mich! Danke erstmal, aber ich würde gerne noch weiter nachfragen. Am ehesten interessiert mich der Mahayana Buddhismus und der Zen Buddhismus. Wenn man sich für den Mahayana entscheidet (und diesen auch so praktiziert wie es sein sollte, nicht nur das Beste rauspflückt) ist man diesem dann verpflichtet oder kann man das auch mit dem Zen Buddhismus verbinden? 

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@Kiiara0310

Du solltest dich definitiv weiter mit dem Thema befassen, dann wird einiges sicher klarer werden für dich. :-)

Der Mahayana-Buddhismus beinhaltet Zen, Reines-Land-Buddhismus, Nichiren-Buddhismus, Vajrayana-Buddhismus...

Man ist also nicht einfach "Mahayana-Buddhist" sondern gehört einer bestimmten Lehrschule des Mahayana an - Zen, Nichiren, was auch immer.

Genau wie man nicht einfach "Christ" ist, sondern einer Tradition angehört - sei es römisch-katholisch, evangelisch-lutherisch etc.

Das heißt also, dass alle Buddhisten die gemeinsame Grundlage von Buddhas Lehre haben und die Mahayana-Buddhisten darüber hinaus das gemeinsame Bodhisattva-Ideal für selbstloses Handeln.

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@Enzylexikon

Vertstehe .. und weißt du auch welche Schule des Buddhismus in Japan am stärksten Vertreten war/ist? 

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@Kiiara0310

Anstatt dir eine bestimmte Richtung rauszupicken wäre es sicher hilfreicher erstmal die "Basics" sich anzuschauen.

Der Pali Kanon und die ältesten Überlieferungen sind meiner Meinung nach für "Einsteiger" die beste Grundlage.

Zwischen den Anhängern der verschiedenen Fahrzeuge gibt es durchaus starke Auseinandersetzungen über die verschiedenen Lehrmeinungen.

Das Mahayana kann man als Verwässerung der Urlehren des Buddha ansehen, hier kamen im Laufe der Zeit so viele andere Einflüsse rein und vor allem änderte sich im Mahayana die Auffassung was der Buddha war entscheidend.

Vom Lehrer der den Pfad lehrte das Leiden zu überwinden und der allzu abgehobene metaphysische Spekulationen vermied, da diese nicht zum Ziel führen  wurde im Mahayana ein quasi göttliches Wesen mit einem Pantheon an "Nebengottheiten", und wildeste Spekulationen über philosophische und metaphysische Vorstellungen rückten ins Zentrum.

Der Buddha wurde nun Ausdruck eines  Urprinzips (Buddhanatur), ausgehend von den hagiographischen Überlieferungen mit wilden Auschmückungen über die vergangenen Leben des Buddha wurde hier mit der Zeit jede Menge unauthentisches Material mit eingeschleust.

Das Mahayana spricht in seinen Texten vom Theravada (Hinayana genannt von Ihnen) eher abfällig als "kleines Fahrzeug", beschreibt die Anhänger dieser Richtung als wenig mitfühlend usw.

Hier fängt schon eine Tendenz zur Selbstbeweihräucherung an, die der Buddha sicher nicht gutgeheißen hätte.

Selbstverständlich lehrte der Buddha alle diese Sutras des Mahayana nach deren eigenen Aussage, auch Texte die erst Jahrhunderte nach dem Tod des Buddha entstanden.

Natürlich konnte er diese Texte, die selbstverständlich nur für Fortgeschrittene geeignet sind, jederzeit den geeigneten Schülern und Meistern "offenbaren", da er ja ein quasi allmächtiges Wesen ist in diesen Traditionen.

Auch wenn die Lehren denen des Urbuddhismus widersprechen sollen sie dennoch authentisch sein .. 


Man kann sich ja selbst eine Meinung bilden ob das alles noch 100%tig alles Buddhas Lehre ist ..

Natürlich kann man argumentieren, das Traditionen die die grundlegenden Lehren wie die 4 edlen Wahrheiten etc. lehren buddhistisch sind, wenn diese Lehren aber ganz anders verstanden und ausgelegt werden dann wird es bedenklich meiner Ansicht nach.

Deshalb mein Rat, befasse dich mit den Grundlagen und dem Pali Kanon.


Liebe Grüße


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@Kiiara0310

In Japan sind die Schulen des Mahayana-Buddhismus verbreitet.

So ist der Reines-Land-Buddhismus in Form der Jodo-Shu und Jodo-Shinshu in Japan sehr populär, weil er einfach auf der Verehrung des Buddha Amida beruht.

Der Zen-Buddhismus hat dagegen die traditionelle japanische Kultur in vielen Dingen philosophisch beeinflusst, etwa indem bestimte Tätigkeiten zum "Weg" (do) erhoben wurden - Chado, Budo, usw.

Der Vajrayana-Buddhismus war im Altertum einflussreich und es gab Kriege zwischen Klöstern des Shingon und Tendai, die politischen Einfluss auf den Fürstenhof nehmen wollten.

Gegenwart

Die meisten Japaner sind nicht wirklich "religiös" im westlichen Sinne. Sie vollziehen sowohl Gebräuche und Riten der japanischen Shinto-Religion, als auch des Buddhismus.

So werden Hochzeiten meist nach Shinto-Ritus abgehalten, während sich buddhistische Priester vor allem über Bestattungen und die damit verbunden Zeremonien finanzieren.

Stärkere religiöse Aktivität findet sich eher bei Senioren, da die Tempel auch soziale Bedeutung haben und dort zB Gesangskreise für religiöse Lieder stattfinden.

Eine Religion sollte man aber natürlich nie aufgrund von Sympathie für ein Land, sondern erst nach reiflicher Überlegung und aus echter Überzeugung wählen.

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Wow also so viel Info hätte ich nicht erwartet und ich bin dir sehr dankebar! Ich werde mich also erstmal den Grundlagen des Buddhismus beschäftigen, da diese wie ich gelesen habe sehr ähnlich sind, egal in welcher Schule. Dann werde ich mich (falls ich meine meinung nicht ändere) entscheiden.

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Hallo Kiirara,
eine gute und wichtige Frage, die ich mir selber in aehnlicher Weise auch gestellt habe. Ich versuche basierend auf meinen persoenlichen Verstaendnis zu antworten, ohne Gewaehr. 

Im Prinzip kann der Vajrayāna-Buddhismus im Mahayāna klassifiziert werden, denn nur bestimmte tantrische Lehrelemente und -praktiken ergaenzen hier die Lehrvorstellungen des Mahayāna. Im Folgenden benutze ich deshalb diese Zweiteilung.

Der Hauptunterschied zwischen Theravāda und Mahayāna besteht in der Praxisausrichtung und -ausfuehrung. Die Anhaenger der Theravāda-Tradition fokussieren sich zumeist auf die direkte und schnellstmoegliche Befreiung durch das Erreichen des Arahant-Zustandes, der Heiligkeit. Dieses Konzept findet sich auch im Mahayāna und wird hier akzeptiert, das Hauptaugenmerk liegt jedoch darauf, sich durch unvorstellbar lange Zeiten (im Wandel der kosmischen Aeonen) zu einem Buddha zu perfektionieren und seine eigene letzendliche Erwachung aufzuschieben, zum Wohle aller Lebewesen. Die Praktiken beinhalten teilweise die selben Elemente wie im Theravāda, aber es finden sich aber auch etwa bestimmte Visualisierungen, die so nicht im urspruenglichen Buddhismus zu finden sind.

Historisch betrachtet finden sich viele Lehrelemete so nicht in den urspruenglichen Lehren des Buddha (beispielsweise die Lehren ueber das Reine Land) und mir ist kein westlicher Gelehrter bekannt, der die Behauptungen der Authentizitaet der Mahayānaschulen unterstuezt und proklamiert. Der Kanon der Theravādins wird selbst von den Anhaengern des Mahayāna als die urspruenglichste Form angesehen, wobei sie aber zusaetzlich akzeptieren, dass bestimmte Lehrtexte (Sutras) ueber Jahrhunderte hinweg in der Unterwelt aufbewahrt wurden, um auf Zeiten zu warten, in denen die Menschen reif fuer die Epfanegnis jener Lehren sein wuerden. 

Eine kurze Diskussion ueber die Unterschiede:
Problematisch ist fuer mich persoenlich die Aussage, dass die Mahayāna-Lehren in der Unterwelt aufbewahrt wurden, um auf reifere Menschen zu warten deshalb, weil sie bestimmte Lehren des Urkanons wiederspricht. In jenem Urkanon ist die Rede von einem spirituellen Verfall der Lehre ueber die Zeiten (innerhalb von 500 Jahren) und nicht von religioesem Wachstum und spiritueller Reife. Es gibt immer nur zwei Hauptjuenger der Buddha's, wenn ich mich recht erinnere, mit einer Reife, die von keinem anderen erlangt werden kann. Im Urkanon spricht der Buddha auch davon, dass er keinen Lehrstil der "geschlossenen Faust" betrieb, sondern alles lehrte, was er wusste, ohne Rueckhalt. 

Auch die Theravādins kennen und lehren den Pfad des Erleuchtung eines Buddha (Bodhisattva-Pfad, wie von den Mahayāna-Anhaengern verkuendet und praktiziert), unterscheiden sich aber in wesentlichen Punkten von hoher Relevanz. Es muessen bestimmte Bedingugen erfuellt sein, damit der Wunsch nach Buddhaschaft in Erfuellung gehen kann. Diese Punkte werden haeufig in der landlaeufigen Praxis von Mahayāna-Buddhisten (und auch Theravāda-Buddhisten) missachtet und/oder uebersehen. Einige Punkte, die ich erinnere:

1. Ein historischer Buddha muss die Erfuellung der Absicht bestaetigen, er muss physisch praesent sein.

2. Die Praxis eines Bodhisattvas ist von enorm hoher Qualitaet und beinhaltet ein monastisches oder einsiedlerisches Leben in tiefer Meditation und Reife, zumindest in Teilen der Existenzen.

3. Das Verlangen nach hoechster Buddhaschaft muss eine extrem hohe Intensitaet haben, bei der der Aspirant selbst in Erwartung aeonenlanger Zeitraeume in hoellischer Qual ja zur Buddhschaft sagt.

Der Zen-Buddhismus findet sein Heim im Mahayāna Buddhismus.
Ich bin mir nicht sicher ueber den letzten Punkt.

Ich hoffe die Antwort konnte Dir ein wenig weiterhelfen und den Sachverhalt etwas erhellen. Liebe Gruesse

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