Was haltet ihr vom Idealismus?

4 Antworten

Die Aufteilung Idealismus - Materialismus ist bereits ein idealistischer Terminus. Denn den Dualismus "Idealismus - Materialismus" gibt es nur im dualistischen Idealismus. Die beiden grundsätzlichen Metaphysiken sind "Dualismus" und "Monismus". Der Dualismus behauptet zwei Quellen der Wirklichkeit, nämlich Geist und Materie, weshalb dieses Kontrastpaar zum Dualismus gehört. Nach einem prägenden Philosophen Platon und seiner Ideenlehre nennt man den Dualismus auch Idealismus. Doch da gibt es selbst unter den "Idealisten" - besser "Dualisten" eine große Bandbreite. Aristoteles z.B. geht stark in Richtung Empirie und hat die platonische Ideenlehre sehr stark revidiert. Den ganzen Höhlengleichniskram lehnt er ab. Auch Kant startet in seiner Erkenntnistheorie mit Betonung auf Erfahrung als Futter für Vorstellungen und Vernunft.

Der Monismus wird in Reinkultur von Epikur vertreten, dessen Vorläufer die Atomisten, aber auch Sokrates, Diogenes, Antisthenes, Parmenides und Heraklit waren (Aufzählung nicht vollzählig). Gemeint ist natürlich nicht der platonisch verfremdete Sokrates. Für den Monismus gibt es kein Auseinanderfallen in Geist und Materie. Parmenides lässt seine Göttin jeden Dualismus, polare Verselbstständigungen (LIcht und Dunkel, Lust und Schmerz usw.) als vereinfachten menschlichen Irrtum kennzeichnen. Das sind (durchaus hilfreiche) Denkgewohnheiten wie Kausalität und Abstraktion (deren Gebrauch uns oft gar nicht auffällt). Materie und Geist oder Energie und Kräfte sind unterschiedlich komplexe Wirklichkeitszustände, die miteinander in Wechselwirkung sind. Alles ist Prozess (Heraklit: Alles fließt). Dualisten denken eher statisch in Zuständen und Wesen der Dinge. Monisten denken eher dynamisch. Für Epikur gibt es keine Gerechtigkeit an sich. Gerechtigkeit ist ein Maß für das Miteinander der Menschen, das sich in den gesellschaftlichen Prozessen herausbildet und je nach Stufe unterschiedlich sein kann. Ein Idealismus, wie ihn Reggie80 heraushebt, ist eher im Monismus zu finden als im Idealismus. Denn David Hume als Vertreter des Monismus hat wie Epikur eher auch die emotionale Seite des Menschen betont, die Platon und Kant z.B. eher verwerfen. Mit "Idealen" als emotional gegründet beißt man bei Kant auf Granit!

Ich zähle mich zum Epikureismus und Monismus und kann dem philosophischen Idealismus nichts abgewinnen. Interessanterweise muss ich feststellen, dass auch der philosophische Buddhismus eher zum Monismus als zum Dualismus zu zählen ist. Doch lasse ich das mal offen, da ich mich da nicht so auskenne. Vielleicht nur am Rande: Zu den Praktiken der Epikureer gehörte eine Form der Meditation und eines Lebensorientierungsgesprächs mit Freunden oder nur einem besonderen vertrauten Freund. Wie Lukrez oder Horaz zeigen, waren unter den Epikureern auch Meister der Poesie.

siehe auch meine Antwort zur neuen Frage: Was ist die Lehre von epikur?

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Wobei Idealismus und Monismus keine Widersprüche sind. Z.B. Gerhard Roth vertritt eine Philosophie, deren Grundaussagen mit denen des subjektiven Idealismus übereinstimmen, ist aber auch Naturalist.

Wobei das auch nur für den subjektiven Idealismus gilt. Objektiver Idealismus wie bei Platon ist immer antinaturalistisch.

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@Lennister

@Lennister

Es geht hier um den philosophischen, also den "objektiven Idealismus". Die zweite Bedeutung von Idealismus, als die Orientierung an gehobenen moralischen und ethischen Maßstäben ist etwas anderes. Im Gegenteil, der "objektive Idealismus", der das Körperliche, so auch die Emotionen, niedrig einschätzt, besondes z.B. Kant gegen Hume, lässt "Idealismus" aus moralisch-ethischen Gefühlen der Empathie nicht gelten. Siehe Kants Betonung der vernunftbegründeten Pflicht!

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Der objektive Idealismus, wie wir ihn etwa bei Platon oder Hegel finden, macht den entscheidende Fehler, das Konzept der Idee überzubewerten. Ideen sind niemals etwas objektiv existentes, sondern immer nur bloß etwas subjektives.

Der subjektive Idealismus etwa eine Berkeley ist in seinem Grundgedanken- die Realität an sich ist unerkennbar, es gibt keine "objektive" Perspektive auf die Realität, alles Wissen ist vom Subjekt bedingt- durch die moderne psychologische und neurowissenschaftliche Forschung bestätigt worden.

Immer dieses bloße a priori der Idealisten, diese ewige Abkopplung des a posteriori und wenn nicht, dann bloß als reiner Sozius des a priori.

Für mich hat Idealismus noch was mit "Idealen", Wünschen, Träumen und Zielen zu tun, also was mit Gefühl. Materialismus ist für mich völlig emotionslos. Wenn die ganze Welt nur materialistisch gepolt wäre, gäbe es nur Krieg, Gewalt und Betrug. Aber nur Idealismus ist auch nix, denn ohen Moos nix los :-) Eine gesunde Mischung ist meiner Meinung nach das, was die Welt noch in ihrer Ordnung, so wie sie heute ist, hält. Natürlich könnte man streiten ob ein wenig mehr Idealismus und weniger Materialismus gut wären, aber um darüber nachzudenken bin ich heut schon ein bisschen zu müde ;-)

Ich glaube wir reden hier anneinander vorbei. Mit Idealismus rede ich von der "Idee", dass die Welt nicht existiert, wie wir sie sehen und der Materialismus besagt demnach, dass die ganze Umwelt, welche wir sehen real ist.

Falls du wirklich in einem anderen Thema unterwegs warst, kannst du dir ja mal kurz dieses 3 Minuten Video ansehen:

https://www.youtube.com/watch?v=9cqs2Aw8aNE

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Ich fürchte, Dein Idealismus-Verständnis ist hier nicht gemeint. Es geht um den Philosophischen Idealismus z.B. der platonschen Philosophie (das oben gelinkte Filmchen zeigt z.B. das Plaonche Höhlengleichnis). Gleiches gilt für Materialismus, es geht um die philosophische Grundausrichtung.

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