Was für einen Glauben hatten die Skythen?

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Als Skythen werden nomadisierende Reitervölker in der eurasischen Steppe bezeichnet, die ungefähr ab 700 v. Chr. dort auftraten.

Bei der Frage nach dem Glauben kann ein Bezug auf ein Gebiet und einen etwas gemeinten Zeitraum sie noch genauer stellen.

Die Griechen der Antike sind im Norden des Schwarzmeergebietes auf Skythen getroffen.

Hauptquelle ist der Geschichtsschreiber Herodot 4, 17 – 117 mit einer Darstellung zu den Skythen im Zusammenhang eines Feldzugs des Perserkönigs Dareios I. gegen die Skythen.

Bei den Skythen gab es damals** Polytheismus**, der aufgrund von Ähnlichkeiten eine Auslegung der Gottheiten als im Grunde etwas wie Gegenstücke (nur mit anderen Namen) griechischer Gottheiten auslegte.

Lexikon zur frühgriechischen Geschichte. Auf der Grundlage von Herodots Werk verfaßt von Gisela Strasburger. Zürich ; München : Artemis-Verlag, 1984, S. 417: „Religion, religiöse, schamanistische, kriegerische und Trauer-Bräuche der S.[kythen] IV 59 – 81. […]. Die Sitte beim Abschluß eines Verbrüderungsbundes IV 70 wird archäologisch bestätigt durch Grabfunde von Metallplättchen, die als Schmuck der skythischen Beinkleider dienten und die von Herodot beschriebenen Szene darstellen.“

4, 59

Herodot, Geschichten und Geschichte. Übersetzt von Walter Marg. Band 1: Buch 1 – 4. Zürich ; München : Artemis-Verlag, 1973 (Die Bibliothek der Alten Welt : Griechische Reihe), S. 336:
„Götter verehren sie nur diese: Histia vor allem, dann Zeus und Erde – die Erde ist Zeus' Frau, glauben sie, - danach den Apollon und die himmlische Aphrodite und Herakles und Ares. An sie glauben alle Götter, die Königs-Skythen aber opfern auch Poseidon. Der skythische Name ist für Histia Tabiti, Zeus aber wird, sehr treffend nach meiner Meinung jedenfalls, Papaios (Väterchen) genannt, die Erde Apia, Apollon Goetosyrus, die Himmlische Aphrodite Argimpasade. Bilder und Altäre und Häuser zu haben ist nicht Brauch außer bei Ares. Bei ihm ist's Brauch.“

4, 60 – 61 berichtet Herodot, wie von den Skythen Tiere (hauptsächlich Pferde) geopfert und dabei Gottheiten angerufen werden.

Dem Kriegsgott Ares errichten sie in jedem Gebiet einen Hügel mit angehäuftem Reisig mit einem alten Dolch/Schwert obenauf und opfern Tiere und einen von hundert lebend gefangenen Feinden.

Unter den Wahrsagern bei den Skythen gibt es Ἐνάρεες (‘Nicht-Männer’), Mannweiber (ἀνδρόγυνοι), die nicht aus Weidenbast weissagen, sondern aus Streifen von Lindenrinde (4, 67). Ihre Sehergabe wird als Fähigkeit der Aphrodite Urania verdankt.

Die Bestattungsrituale (4, 70 – 72) sind bemerkenswert. Beim Tod eines Königs scheren sich die Männer der königlichen Skythen die Haare ab und fügen sich Verletzungen zu. Der König wird mit seinen besten Waffen und Besitztümern beerdigt, eine seiner Frauen und einige Gefolgsleute und Pferde erdrosselt und neben ihn gelegt. Bei den großen kegelförmigen Grabhügeln (‘Kurgane’) werden jährlich Pferde und Menschen geopfert.

Als Reinigungszeremonie (4, 73 - 75) nehmen die Skythen Körner von Hanf, kriechen damit unter die Filzdecke und legen die Körner auf glühende Steine. Sie fangen an zu rauchen und erzeugen einen so starken Dampf, daß kein hellenisches Schwitzbad dies Dampfbad übertrifft. Die Skythen werden so froh dabei, daß sie laut heulen.

Die Bestattungsbräuche zeigen eine Vorstellung der Skythen von einem Jenseits/einem Leben in der Unterwelt, das mit Ausrüstung und unterstützenden Personen angenehm sein kann.

Einige Bräuche werden als Anzeichen für Praktiken des Schamanismus gedeutet, wobei aber Vorsicht angebracht ist, ob die Beschreibung dafür einen klaren Beweis darstellt.

Reinhold Bichler, Herodots Welt : der Aufbau der Historie am Bild der fremden Länder und Völker, ihrer Zivilisation und ihrer Geschichte. S. 85:
„Hingegen mutet das Totenritual der Skythen schrecklich an. Wohl unterstreicht es die hohe Achtung vor dem Königtum und den Gräbern der Ahnen. Doch ist das Ritual der Gefolgschaftsbestattung auf einen horriblen Effekt hin stilisiert. Der verstorbene König wird im Jahr der Gerrier mit Wachs balsamiert und aufgebahrt. Dann wird er, begleitet von einem reichen Trauergeleit, von Volks zu Volk gefahren. Wie die Königsskythen selbst, zeigen alle diese Völkerschaften ihre Trauer durch blutige Selbstverstümmelungen. Die Bestattung erfolgt wiederum im Lande der Gerrier. Das Grabgeleit ist monströs: Eine der Nebenfrauen wird erwürgt und mitbestattet, dazu Mundschenk, Leibkoch, Stallmeister, Kammerdiener und Nachrichtenbringer, Pferde, und andere Grabbeigaben, darunter goldenen Trinkschalen. Darüber wird ein riesiger Grabhügel errichtet (IV 71). Ein Jahr darauf erdrosseln die Skythen 50 Diener der Könige und 50 Pferde. Diese werden zum Teil mumifiziert und auf Gestellen rings um das Königsgrab befestigt, darauf setzen die die Jungen Diener als Reiter (IV 71). Die Gräber dieser Könige liegen im Land der Gerrier (IV 71, 1). Die Skythen halten sie für besonders heilig. Nur wenn der Perserkönig es vermöchte, diese Anlagen zu bedrohen und Freveltaten an ihnen zu verüben, könnt er die nomadischen Skythen dazu bringen, sich einer offenen Schlacht zu stellen (IV 127, 2 – 4).“

Anm. 85: „Die archäologisch faßbaren Realitäten der Gefolgschaftsbestattung in den weitläufig den Skythen zuzuschreibenden zeigen gegenüber Herodots Schilderung, dafür aber eine hohe geographische Streuung der generalisierten Sitte, und es lassen sich deutlich weniger Mitbestattungen von – möglicherweise erdrosselten – Menschen, dafür aber in einzelnen Fällen extrem hohe Zahlen an „mitbestattetten“ Pferden nachweisen.“ . S. 86: „Herodot hebt die Bedeutung ihrer Gottheiten auch dadurch hervor, daß er einen Teil mit dem einheimischen Namen nennt, doch zugleich den vertrauten personifizierten Gottheiten der Griechen zuordnet: Alle Skythen verehren demnach Histia = Tabiti, dann Zeus und Ge respektive Papaios und Api, die sie verheiratet denken, ferner Apollon = Oitosyros und Aphrodite Urania = Argimpasa. Allein für Herakles und Ares werden keine skythischen Benennungen gegeben. Sie spielen eine Sonderrolle, Herakles als Ahnherr der Skythen in der hellenischen Variante ihres von Herodot gebotenen Ursprungsmythos, und Ares als die zentrale Gottheit, die allein sich eines Kultes in griechischer Art mit Altären, Götterbildern und Tempeln erfreuen darf (IV 59, 2). Von ihren Materialien zeigen diese heiligen Stätten des Ares, die es in jedem Bezirk geben soll (IV 61,1) eine Annäherung an den Nomadismus der Skythen, zu dem feste Bauten aus Stein ja schlecht passen. So sind sie aus riesigen Reisigbündeln gedacht, in denen ein eisernes Schwert als Kultbild steckt (IV 62, 1 – 2). Mit blutigen Menschenopfern, vor allem von Kriegsgefangenen, wird Ares das Seine gegeben. Die Opfer werden rituell geschlachtet, ihr rechter Arm wird in die Luft geworfen und bleibt dann liegen, wo er ist (IV 62, 3- 4)."

S. 90: „Histia ist die Königin der Skythen, so wie Zeus ihr Herr ist (IV 127, 2). Als Hüterin des häuslichen Herds in der griechischen Tradition vertraut, kommt Histia offenbar auch in der skythischen Gesellschaft trotz des Nomadismus eine bedeutende integrative Kraft zu. Sie repräsentiert vor allem den königlichen Herdplatz als mobiles gesellschaftliches Zentrum. Zeus und Ge als Herren des Himmels und der Erde, der Heimat der Skythen, gehören recht stimmig ins Pantheon. Gottheiten des Ackerbaus aber braucht ein Nomadenvolk nicht. Aphrodite Urania ist über die Enareer-Geschichte mit dieser Götterwelt verknüpft. Wie Apollon übt sie Schutzfunktionen für die bei den Skythen verbreitete mantische Kunst aus. So kann das Pantheon insgesamt durchaus als Spiegel der Gesellschaft interpretiert werden.“

Anm. 109: „Als Ausnahme ließe sich die Nennung eines Heiligtums der (De)Meter (IV 53, 6) ansehen, das aber in seiner örtlichen Nähe zu den Ackerbau-Skythen und zu den Bewohnern und Olbia verständlich wird.“

gute Einführung zum Thema:

Hermann Parzinger, Die Skythen. Originalausgabe. 3. überarbeitete Auflage. München : Beck, 2009 (Beck'sche Reihe : C. H. Beck Wissen ; 2342), S. 95 – 108 (Religion, Mythen und Gebräuche)

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Die Skythen hatten eine polytheistische Religion. Ich denke nicht, dass diese einen Namen hatte, so wie altgriechische Religion oder römische Religion ebenfalls keinen Namen hatten. Was den Rest angeht, schließe ich mich Stupor an: du kannst das mit Google herausfinden. Besonders der Geschichtsschreiber Herodot hat ivle über Skythen geschrieben.

Das kommt ganz darauf an, welche Völker als Sykthen bezeichnet werden. Schließlich erstreckte sich ihr Siedlungsgebiet von Ostsibirien bis zu den südrussichen Steppen.

Vermutet wird, dass die diversen Skythenvölker dem Schamanismus anhingen, d.h. ihr "oberster Priester " war ein Schamane oder Schamanin.

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