Warum sind alte Leute netter zu den Enkelkinder als zu den eigenen Kindern?

14 Antworten

Hallo mM,

eine sehr interessante Beobachtung!

Ich kann das für meine Familie auch bestätigen.

Ich vermute, es liegt daran, dass ältere Leute insgesamt ruhiger und gelassener werden. Und dass sie mehr Erfahrungen haben und mehr Zeit zum nachdenken. Und dass sie nicht mehr so viele eigene Themen haben, die sie emotional binden. Und dass sie öfter mal an den nahenden Tod denken und daran was sie hinterlassen und wie ihre Nachkommen von ihnen sprechen werden ;)

Außerdem hat sich ja insgesammt hat sich die Erziehung in den letzten Jahrzehnten verändert. In der Nachkriegszeit war es üblich Kinder zu verprügeln. Die ältere Generation hat diesen Wandel beobachtet und hatte genügend Zeit ihr eigenes Verhalten von damals zu hinterfragen. Oft versuchen sie dann an den Enkelkindern etwas wiedergutzumachen.

In den jungen Jahren sind Eltern oft gestresst von anderen Dingen (Geldsorgen, Probleme im Beruf, Ehestreits) und die Kinder bekommen die schlechte Laune zu spüren oder sie haben wenig Zeit um über ihr Verhalten nachzudenken. Als Rentner haben sie dann mehr Zeit und Ruhe und denken mehr über sich selbst nach. Davon profitieren die Enkel.

Ich denke auch, dass viele Eltern nicht daran denken, wie wertvoll die Zeit und wie einmalig ihr Kind ist. Großeltern denken eher daran, dass es vielleicht das letzte Mal ist, dass sie ein Kind aufwachsen sehen. Die letzte Chance um das noch einmal zu geniesen und sich von seiner guten Seite zu zeigen. Eltern leben mehr im Jetzt ;)

Z.B. ich als junge Mutter will das jetzt das Wohnzimmer ordendlich ist und bin dann ungeduldig mit meiner kleinen Tochter. Außerdem habe ich sehr wenig Zeit und bin genervt, dass ich so viel Zeit mit aufräumen verbringen muss. Meine Eltern denken sich - ist doch egal, hauptsache das Kind hat Freude und wir dürfen das noch erleben. Wenn sie weg sind räumen wir in Ruhe auf, wir haben ja Zeit. 

Ach ja, dann ist es auch noch einfacher gelegentlich mal die perfekte Oma und der perfekte Opa zu sein, als fast 365 Tage im Jahr die perfekte Mama und der perfekte Papa ;)

Dann können Großeltern auch noch entspannter mit Kindern umgehen, weil sie keinen Erziehungsauftrag mehr haben, keine Verantwortung tragen für das Kind.

Dass Männer im Alter ruhiger und freundlicher werden kann auch am nachlassenden Testosteronspiegel liegen ;)

LG, Hourriyah

Ok. Dein Bespiel ist schon "extrem". Nichts desto trotz ist es heutzutage fast normal dass die Kids von Oma verwöhnt werden wo man sich als Eltern fragt: warum ging das früher nicht so als ICH klein war?

Ich denke das liegt einfach daran dass man zum einen im Alter ruhiger wird. Das anstrengende Leben als Arbeiter in der Rentenzeit vorbei. Man hat mehr Lebenserfahrung, steht nicht mehr so unter Alltagsstress. Früher hatten die Frauen zudem noch mehr Kinder, oft vom Alter her ziemlich eng beisammen. Zudem noch ggf arbeiten und eine gute Hausfrau sein. 

Jetzt ist das Leben für die älteren Herrschaften entspannter, man genießt die Enkel zu verwöhnen. Man kann sie schließlich auch wieder an die Eltern "abgeben". ;-) und die Kids genießen den "Grosselternvorteil" natürlich auch. Ganz nach dem Motto: wenn Mama nein sagt frag ich halt Oma ;-))

LG. 

In der Erinnerung war manchmal alles anders. Über die Jahre vergessen die einen, was sie gemacht haben und die anderen wie es ganz genau war.

Zum Anderen, als deine Uroma Mutter war, waren andere Zeiten. Sie war vermutlich oft im Stress und hatte mehr Sorgen. Da bleibt man nicht immer gelassen und reagiert auch schon mal falsch. Heute als Seniorin ist sie bestimmt nicht ständig überlastet und hat Zeit für schöne Dinge.

Mit den Jahren hat sie dazugelernt. Früher wurde deutlich mehr geschlagen als heute und es wurde auch mehr als Erziehungsmethode anerkannt. Heute wo Schläge so eindeutig abgelehnt wird, halten sich auch mehr Menschen an die gewaltfreie Erziehung.

Ferner gibt es auch gute und schlechte Beziehungen. Auch wenn man verwandt ist, mag man sich manchmal nicht oder versteht sich einfach nicht. Somit verträgt man sich unterschiedlich gut mit den einzelnen Familienmitgliedern. Beispiel: Wenn ein Kind einen an die Lieblingsschwester erinnert ist es leichter, als mit jemanden, der wie die verhaßte Tante ist.

Zum Streiten gehören auch zwei. Wer sagt dir nicht, dass das Kind damals kein Problemkind war, dass alle zur Verzweiflung brachte?

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