Warum sagt man im Deutschen "ein Gespräche einstellen" und meint damit das gegenteil?

5 Antworten

Wieso das Gegenteil? Einstellen heißt doch nie "mir etwas anfangen". Das Gegenteil wäre "aufnehmen", auch ein Wort mit mehreren Bedeutungen.

Ganz einfach: Das sagt man im Deutschen nicht.

Anscheinend nicht so einfach. Denn das sagt man im Deutschen durchaus:

"Meine Damen und Herren, wir kommen jetzt zum nächsten Vortrag und ich bitte sie jegliche Gespräche einzustellen."

Siehe auch den Duden:

[vorübergehend] nicht fortsetzen; mit einer Tätigkeit o. Ä. aufhören
BEISPIELE
die Produktion, die Zahlungen, ein Gerichtsverfahren, das Rauchen einstellen
der Feind stellte das Feuer ein
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@Oubyi, UserMod Light

Der Frage nach ist das nicht gemeint. Es muss demnach eine
Bedeutung haben, die auch das Gegenteil bedeuten kann,
so wie "umfahren", das sich allerdings in der Aussprache
unterscheidet.

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@Tannibi

Das mit dem "Gegenteil" hat mich auch irritiert, aber wahrscheinlich ist das nicht so exakt gemeint, sondern deutet nur darauf hin, dass man sich zu einem Termin einstellt, also ihn wahrnimmt, im Gegensatz zur "aufhören".
Aber der FS scheint sich sowieso nicht mehr für seine Frage zu interessieren, also werde wir es wohl nicht mehr erfahren (:o|.

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Viele Wörter haben Doppelbedeutungen. Manchmal liegt der gleiche Wortstamm zugrunde, manchmal hat sich das zufällig so entwickelt oder ist der grammatikalischen Umformungen geschuldet. Fachbegriffe dafür sind mit leichten Bedeutungsvariationen "Homonym", "Polysem" oder "Äquivokation".

Da gibt es sehr viele , manche davon sind lustig. Etwas oder jemanden umfahren meint das Gegenteil. Oder auch sich die Haare wachsen lassen... "Freude über hohe Absätze in der Wirtschaft" kann leicht sexistisch oder ernsthaft unternehmerisch gemeint sein.

Laut Guiness Buch der Rekorde 1997 ist Läufer das deutsche Wort mit den meisten Bedeutungen u.a. Teppich, Schach, Landwirtschaft, Bauwesen, Technik sowie Sport (https://de.wikipedia.org/wiki/Polysemie)

Bei "umfahren" handelt es sich aber nicht genau um dasselbe Wort, da "um-" einmal trennbar, einmal untrennbar ist: das Verkehrsschild wurde umgefahren, ich umfahre die Baustelle.

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@achwiegutdass

Korrekt. Das ist ein Fall der oben erwähnten Umformungen, die auch zu Wortgleichen in bestimmten Zusammenhängen führen können. Wie immer ist Sprache da vielseitig :)

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Das Wort "einstellen" hat mehrere Bedeutungen, die sich aus dem Satzzusammenhang ergeben.

Wenn man an einem Radio die Lautstärke "einstellt", dann verändert man sie gerade auf die gewünschte Lautstärke.

Aber es bedeutet auch soviel wie "beenden" oder "mit etwas aufhören". Wenn Du eine Tätigkeit "einstellst", dann beendest Du, was Du gerade machst.

Früher, als in Flugzeugen noch geraucht werden durfte, da wurde dann über die Lautsprecher durchgesagt "Bitte stellen sie jetzt das Rauchen ein", was soviel hiess wie "machen Sie jetzt ihre Zigaretten aus".

Naja, weil die deutsche Sprache echt genial ist und einiges doppeldeutig ist. :D Wusstest du schon, dass das Gegenteil von umfahren, umfahren ist? ^^

DH!

Mir fällt spontan dazu gerade der Satz ein, der in der Logistik oft zu hören ist:

"Der LKW ist voll ausgeladen"

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@Oubyi, UserMod Light

Das ist die Niederdeutsche Abkürzungssprache, die „voll” als Verstärkerwort verwendet und auch als Fernsehsprache einzug gehalten hat. Eigendlich müsste das „vollkommen” heißen.
Beispiele:
„Voll gut” statt „sehr gut”
„Der Anhänger ist voll leer.” statt „Der Anhänger ist ganz leer”.
Auch das Wort „Jungs” ist kein Hochdeutsch. Normalerweise muss das im Deutschaufsatz angestrichen werden. Die Mehrzahl von „Junge” heißt „Jungen”.

Auch der Satzbau ist gedreht:
„Da kannst Du nichts für." statt „Dafür kannst Du nichts.”
„bekommen” wird statt „werden” oder „kriegen” verwendet, usw.

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@Aurofons

Da scheint sich in dem speziellen Fall das Niederdeutsche in der Logistikbranche deutschlandweit durchgesetzt zu haben. Denn den Satz habe ich schon überall gehört.

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@Oubyi, UserMod Light

Richtig, durch die Abwanderung aus Nord- und besonders aus Ostdeutschland nach Süden und auch über das Fernsehen, bei Kindern z. B. über KIKA, hat sich das schon sehr ausgebreitet. Liest man dann auch die norddeutschen Begriffe in den Zeitungen, weiß man wo der Autor/die Autorin herkommt:
Backpfeife statt Watschn oder Ohrfeige
Fleischer statt Metzger
Junge statt Bub
Schornsteinfeger statt Kaminkehrer
Zollstock statt Meterstab
Brötchen statt Semmel
Bier ist lecker statt süffig usw.

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Das fährt mich jetzt um.

Oder: Das haut mich jetzt um.

???

Naja, die bildmalerische Bedeutung.

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@Pfiati

Nur "Das haut mich jetzt um"! (bildhafte Bedeutung)

  • Wenn dich etwas bzw. jemand mit seinem Fahrzeug umfährt, dann sagst du erst mal gar nichts (und vielleicht auch nie mehr etwas). Wenn du Glück hast, dann ist es aber nicht so schlimm, und du kommst schnell wieder auf die Beine. Dann kannst du zu irgendwelchen Passanten sagen: "Dieser Idiot hat mich doch glatt umgefahren." (konkrete Bedeutung)
  • Macht dieser Mensch das ohne Fahrzeug, also einfach mit seiner Körperkraft, z.B. in der Disko oder in einer Bar an der Theke, weil du heftig mit seiner Freundin flirtest, dann kannst du hinterher, also nachdem du wieder auf den Beinen stehst, zu deinen Freunden sagen: "Dieser Idiot hat mich einfach umgehauen." (hier auch konkrete Bedeutung)

"bildmalerisch" gibt's nicht, wohl aber "lautmalerisch": Die Kuh muht, die Katze miaut, die Henne gackert, der Hahn macht kikeriki, die Ziege meckert, der Hirsch röhrt, die Vögel zwitschern, das Schwein quiekt, Tauben gurren, die Mühle klappert am rauschenden Bach: klipp-klapp, der Betrunkene lallt und der Donner rollt.

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Diese beiden Verben werden nur gleich geschrieben, aber unterschiedlich betont.

  • Das trennbare Präfix-Verb wird (wie alle anderen trennbaren Verben auch) auf dem Präfix betont, da dieses die jeweilige Bedeutung klar macht (an-, ab-, auf-, aus-, ein-, durch-, herum- und umfahren). Die trennbaren Verben haben "ge-" im Perfekt, z.B. Der Zug fährt um 18 Uhr ab. /Der Zug ist um 18 Uhr abgefahren.
  • Das nicht trennbare Präfix-Verb wird auf dem Stamm betont und hat kein "ge-" im Perfekt (be-, ent-, er-, über-, um-, ver- und widerfahren), z.B. Im Fernsehen erfährt man viel Neues. Hast du dein Prüfungsergebnis schon erfahren? Die nicht trennbaren Präfix-Verben haben oft eine übertragene Bedeutung.

Interessanter ist hier schon das trennbare Präfix-Verb "anhalten". Die eine Bedeutung ist "stoppen", die andere "fortdauern".

  • Die Ampel war schon auf Rot, aber der Motorradfahrer hat nicht angehalten.
  • Als wir am Urlaubsort eintrafen, regnete es stark. Der Regen hielt noch eine ganze Woche an.
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